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Städte haben eine Sprache
von Nina Reetzke | 7. Mai 2012
Bjarke Ingels, Chris Lübkeman und Andreas Schulz (v.l.n.r.), Foto © Zumtobel

Was macht das Leben in der Stadt aus? Was ist an Infrastruktur mit komplexer Technologie notwendig? Gewinnen durch Migranten Handwerk und Gewerbe an Bedeutung? Sollte die Stadt als Open Source verstanden werden? Müsste sie ihrem Charakter nach zwar komplex, aber unabgeschlossen sein, gleich einem mathematischen Algorithmus? Ermöglicht dieser Denkansatz, dass das Konzept der Stadt überdauert? Nur, wenn Open Source nicht für vielfältige Möglichkeiten, sondern für aktives Handeln steht, mag manch einer antworten. Davon scheinen wir momentan jedoch noch weit entfernt. Die amerikanische Soziologin und Wirtschaftswissenschaftlerin Saskia Sassen konstatiert: „Städte haben eine Sprache. Sie sprechen zu uns. Aber wir verstehen sie nicht mehr."

„Your Light in a World of Change" – unter diesem Motto hatte Zumtobel anlässlich der diesjährigen Light+Building in Frankfurt am Main zu einem Expertenpanel geladen. Stefan von Terzi, Marketing Direktor des österreichischen Anbieters für Lichtlösungen, stellte die anstehenden Herausforderungen vor. Angesichts von Globalisierung, Urbanisierung, Demografie und Nachhaltigkeit müsse man sich in der Lichtindustrie die Frage stellen, wie zukünftig Lebens- und Arbeitsumfelder auszusehen haben. Im Jahr 2020 werden beispielsweise bei BMW voraussichtlich 45 Prozent der Mitarbeiter über fünfzig Jahre alt sein. Wie lässt sich das Wohlergehen der Angestellten fördern, wie bleiben Innovation und Produktivität auf hohem Niveau? Wie werden Mehr-Generationen-Büros aussehen? Ein Blick in die aktuelle Produktpalette von Zumtobel zeigt: bereits heute lassen sich mit Lichtsystemen wie dem „Luxmate Litenet" Lichtstärke und Farbtemperatur steuern, unter Berücksichtigung von Tageslicht und der Raumbespielung – der Biorhythmus des Menschen wird unterstützt.

Beim Expertenpanel diskutierten neben Saskia Sassen der dänische Architekt Bjarke Ingels, Chris Lübkeman vom Ingenieurbüro Arup und Andreas Schulz vom Planungsbüro Licht Kunst Licht. Neben bekannten Themen wie Gebäudeumnutzung, sozialer Integration und vernetztem Denken waren – vor dem Hintergrund zunehmender Komplexität, Spezialisierung und Standardisierung – an vielerlei Stellen Plädoyers für Crafts, Lowtech, lokale Kulturen, Alltagsstrukturen und Entschleunigung zu hören.

Saskia Sassen fragte, was mit Gebäuden passiere, deren Haustechnik veraltet seien. Was geschehe mit all den Lichtsystemen, Belüftungsanlagen und Heizungsanlagen, die keiner mehr brauche? Könne es sein, dass Bauzyklen durch Infrastrukturen diktiert würden? Besonders deutlich werde diese Problematik an veralteten Bürogebäuden, die durchdrungen von überholter Elektrik seien. Sassen sprach sich für Strukturen aus, die sich anpassen, die Abläufe, Vorlieben und Fehler integrieren. Heutige interaktive Systeme dahingegen böten dem Nutzer meist nur eine beschränkte Zahl an Handlungsmöglichkeiten, erwiesen sich als vergleichsweise unflexibel.

Chris Lübkeman betonte den ungehinderten Zugang zu Informationen und die rasche Verbreitung von Neuigkeiten als Grundlage für die „smart city". Doch wie werde mit Inhalten generell umgegangen? Auf welcher Ebene könne der Einzelne einsteigen? Ab welchem Punkt sei es für viele Menschen kompliziert? An dieser Stelle brachte Lübkemann den Begriff der Normalität ins Spiel. Wesentlich erschien ihm die Frage, wie wir die Normen der Zukunft definieren. Darauf werde es seiner Meinung nach mehr als eine Antwort geben.

Andreas Schulz sprach sich hinsichtlich Globalisierung dafür aus, Vergleiche zwischen dem Heute und der Vergangenheit herzustellen, so ließe sich das Heute besser verstehen. Die weltweiten Entwicklungen liefen so schnell, dass sie nicht mehr nachvollziehbar seien. Als er sich 1990 in Bonn selbstständig machte, gab es Probleme, jemanden in Ostdeutschland anzurufen, die Distanz betrug nur 200 Kilometer. Inzwischen kommuniziere sein Büro mit Leuten in China. Einst habe Nike noch das amerikanische Lebensgefühl repräsentiert, mit Produktionsstandorten in Asien sei das inzwischen anders.

Bjarke Ingels überraschte mit der Aussage „Mich fasziniert die Definition von Umweltverschmutzung". Nach seinen Worten ist Umweltverschmutzung etwas, was erscheine, wenn man einen Prozess habe, der ein Produkt liefere, das beliebt sei. Jeder möge es haben und der Prozess werde fortgesetzt. Jedoch entstehe auch ein Nebenprodukt, das zunächst harmlos erscheine, sich jedoch anhäufe und zum Problem werde. Gleichzeit entpuppe es sich auch als erneuerbare Ressource, wenn man sich etwas einfallen ließe, um sie sinnvoll zu nutzen. Im Expertenpanel fiel das Beispiel eines Forschungsprojektes in Dänemark. Ein Bakterium, das man in schmutziges Wasser gebe, produziere einen Kunststoff, der sich letzten Endes selbst abbaue. Es tauchte die Frage auf, wie die Zuschreibungen erfolge, was „negativ" und „positiv" sei.

Das Themenspektrum des Expertenpanels konnte mit Themen wie Globalisierung, Urbanisierung, Demografie und Nachhaltigkeit kaum weiter gefasst sein. Innerhalb von neunzig Minuten wurden einige Aspekte andiskutiert, für tiefergehende Erörterungen oder abschließende Resümees fehlte freilich die Zeit. Angesichts des dichten Programms während der Light+Building überzeugte die Veranstaltung jedoch gerade durch ihre kompakte Präsentation.

www.saskiasassen.com
www.big.dk
www.arup.com
www.lichtkunstlicht.de

Andreas Schulz und Saskia Sassen, Foto © Zumtobel
Stefan von Terzi, Foto © Zumtobel
Saskia Sassen, Foto © Zumtobel
Das Städel Museum ist mit Zumtobel Lichtsystemen ausgestattet, Foto © Zumtobel
Auch die Harpa Concert Hall zählt zu den Referenzen von Zumtobel, Foto © Zumtobel
Militärhistorisches Museum Dresden, Foto © Zumtobel
Salewa Headquarter, Foto © Zumtobel
Cheonan Galerie, Foto © Kim Yong-kwan
Google Headquarter, Foto © Zumtobel
News & Stories › 2012 › Mai
Städte haben eine Sprache
von Nina Reetzke | 7. Mai 2012
Wie lässt sich vermeiden, dass Gebäude durch ihre Haustechnik veralten und die Lebensdauer von Infrastruktur die Bauzyklen bestimmt? Zu Fragen wie dieser diskutierten Saskia Sassen, Bjarke Ingels und andere Fachleute auf dem Zumtobel Expertenpanel während der diesjährigen Light+Building.
Was macht das Leben in der Stadt aus? Was ist an Infrastruktur mit komplexer Technologie notwendig? Gewinnen durch Migranten Handwerk und Gewerbe an Bedeutung? Sollte die Stadt als Open Source verstanden werden? Müsste sie ihrem Charakter nach zwar komplex, aber unabgeschlossen sein, gleich einem mathematischen Algorithmus? Ermöglicht dieser Denkansatz, dass das Konzept der Stadt überdauert? Nur, wenn Open Source nicht für vielfältige Möglichkeiten, sondern für aktives Handeln steht, mag manch einer antworten. Davon scheinen wir momentan jedoch noch weit entfernt. Die amerikanische Soziologin und Wirtschaftswissenschaftlerin Saskia Sassen konstatiert: „Städte haben eine Sprache. Sie sprechen zu uns. Aber wir verstehen sie nicht mehr."

„Your Light in a World of Change" – unter diesem Motto hatte Zumtobel anlässlich der diesjährigen Light+Building in Frankfurt am Main zu einem Expertenpanel geladen. Stefan von Terzi, Marketing Direktor des österreichischen Anbieters für Lichtlösungen, stellte die anstehenden Herausforderungen vor. Angesichts von Globalisierung, Urbanisierung, Demografie und Nachhaltigkeit müsse man sich in der Lichtindustrie die Frage stellen, wie zukünftig Lebens- und Arbeitsumfelder auszusehen haben. Im Jahr 2020 werden beispielsweise bei BMW voraussichtlich 45 Prozent der Mitarbeiter über fünfzig Jahre alt sein. Wie lässt sich das Wohlergehen der Angestellten fördern, wie bleiben Innovation und Produktivität auf hohem Niveau? Wie werden Mehr-Generationen-Büros aussehen? Ein Blick in die aktuelle Produktpalette von Zumtobel zeigt: bereits heute lassen sich mit Lichtsystemen wie dem „Luxmate Litenet" Lichtstärke und Farbtemperatur steuern, unter Berücksichtigung von Tageslicht und der Raumbespielung – der Biorhythmus des Menschen wird unterstützt.

Beim Expertenpanel diskutierten neben Saskia Sassen der dänische Architekt Bjarke Ingels, Chris Lübkeman vom Ingenieurbüro Arup und Andreas Schulz vom Planungsbüro Licht Kunst Licht. Neben bekannten Themen wie Gebäudeumnutzung, sozialer Integration und vernetztem Denken waren – vor dem Hintergrund zunehmender Komplexität, Spezialisierung und Standardisierung – an vielerlei Stellen Plädoyers für Crafts, Lowtech, lokale Kulturen, Alltagsstrukturen und Entschleunigung zu hören.

Saskia Sassen fragte, was mit Gebäuden passiere, deren Haustechnik veraltet seien. Was geschehe mit all den Lichtsystemen, Belüftungsanlagen und Heizungsanlagen, die keiner mehr brauche? Könne es sein, dass Bauzyklen durch Infrastrukturen diktiert würden? Besonders deutlich werde diese Problematik an veralteten Bürogebäuden, die durchdrungen von überholter Elektrik seien. Sassen sprach sich für Strukturen aus, die sich anpassen, die Abläufe, Vorlieben und Fehler integrieren. Heutige interaktive Systeme dahingegen böten dem Nutzer meist nur eine beschränkte Zahl an Handlungsmöglichkeiten, erwiesen sich als vergleichsweise unflexibel.

Chris Lübkeman betonte den ungehinderten Zugang zu Informationen und die rasche Verbreitung von Neuigkeiten als Grundlage für die „smart city". Doch wie werde mit Inhalten generell umgegangen? Auf welcher Ebene könne der Einzelne einsteigen? Ab welchem Punkt sei es für viele Menschen kompliziert? An dieser Stelle brachte Lübkemann den Begriff der Normalität ins Spiel. Wesentlich erschien ihm die Frage, wie wir die Normen der Zukunft definieren. Darauf werde es seiner Meinung nach mehr als eine Antwort geben.

Andreas Schulz sprach sich hinsichtlich Globalisierung dafür aus, Vergleiche zwischen dem Heute und der Vergangenheit herzustellen, so ließe sich das Heute besser verstehen. Die weltweiten Entwicklungen liefen so schnell, dass sie nicht mehr nachvollziehbar seien. Als er sich 1990 in Bonn selbstständig machte, gab es Probleme, jemanden in Ostdeutschland anzurufen, die Distanz betrug nur 200 Kilometer. Inzwischen kommuniziere sein Büro mit Leuten in China. Einst habe Nike noch das amerikanische Lebensgefühl repräsentiert, mit Produktionsstandorten in Asien sei das inzwischen anders.

Bjarke Ingels überraschte mit der Aussage „Mich fasziniert die Definition von Umweltverschmutzung". Nach seinen Worten ist Umweltverschmutzung etwas, was erscheine, wenn man einen Prozess habe, der ein Produkt liefere, das beliebt sei. Jeder möge es haben und der Prozess werde fortgesetzt. Jedoch entstehe auch ein Nebenprodukt, das zunächst harmlos erscheine, sich jedoch anhäufe und zum Problem werde. Gleichzeit entpuppe es sich auch als erneuerbare Ressource, wenn man sich etwas einfallen ließe, um sie sinnvoll zu nutzen. Im Expertenpanel fiel das Beispiel eines Forschungsprojektes in Dänemark. Ein Bakterium, das man in schmutziges Wasser gebe, produziere einen Kunststoff, der sich letzten Endes selbst abbaue. Es tauchte die Frage auf, wie die Zuschreibungen erfolge, was „negativ" und „positiv" sei.

Das Themenspektrum des Expertenpanels konnte mit Themen wie Globalisierung, Urbanisierung, Demografie und Nachhaltigkeit kaum weiter gefasst sein. Innerhalb von neunzig Minuten wurden einige Aspekte andiskutiert, für tiefergehende Erörterungen oder abschließende Resümees fehlte freilich die Zeit. Angesichts des dichten Programms während der Light+Building überzeugte die Veranstaltung jedoch gerade durch ihre kompakte Präsentation.

www.saskiasassen.com
www.big.dk
www.arup.com
www.lichtkunstlicht.de