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Verdoppelt den Design-Etat!
von Jochen Paul | 6. August 2009
Diskussionsrunde des ersten Abends: Dominik Wichmann (Chefredakteur der SZ Magazins), Marie Aigner (Aigner Architects) und Gert Hildebrand (Leiter Designstudio MINI) (v.l.n.r.)

Vor der Drehtür am Promenadenplatz parken drei, der Veranstaltung entsprechend beklebte Minis - ein Clubman, ein Cabrio und ein Coupé. Neben all den schwarzen Porsche Cayennes, Audis A8, 7er-BMWs und Mercedes S-Klasse-Limousinen wirken sie gar nicht deplatziert. Ein kleiner Hinweis darauf, was gutes Design vermag. An drei Abenden im Mai, Juni und Juli lud Mini München in Kooperation mit bulthaup, Loewe und dem Hotel Bayerischer Hof standesgemäß auf die Dachterrasse des Blue Spa ein, um über Design und sein wirtschaftliches Umfeld zu diskutieren. Die Veranstaltungsreihe wurde von Elena Del Carlo vom Bayerischen Hof und Simone Nickl entwickelt und umgesetzt.

Am ersten Abend konnten sich das Podium und der Moderator Dominik Wichmann anhand des Beispiels von Opel noch relativ schnell darauf verständigen, dass fahrlässiges Design eine Marke gefährden kann: Der Opel GT war das letzte Modell der Marke, das bei design-affinen Kunden wirklich gut ankam - und das, obwohl er weder besonders praktisch noch besonders sportlich war. Er sah einfach gut aus, was sicher auch daran lag, dass General Motors die in Rüsselsheim für die Produktentwicklung Verantwortlichen damals noch nicht im Dreijahresrhythmus ausgetauscht hat.

Beim Thema „Inspirationsquellen" dagegen gingen die Meinungen auseinander: Während der Architekt Matthias Sauerbruch auf die Rolle des Zufalls verwies - die ursprünglich vertikal gegliederte Stabfassade des Museum Brandhorst scheiterte an den Sicherheitsbedenken des Landeskriminalamts -, und Mini-Designchef Gert Hildebrand das Erkennen eines Problems als Grundvoraussetzung jeglicher Inspiration ausmachte, bekannte sich einzig Konstantin Landuris vom Designstudio „hansundfranz" zu dem Anspruch, jeden Tag etwas neues schaffen zu wollen. Idealismus oder Alterskohorten-Problem - jedenfalls war Landuris mit seinen dreißig Jahren der mit Abstand jüngste Diskussionsteilnehmer.

Am dritten Abend schließlich ging es konträr zur Sache - darüber, ob gutes Design nun besser in einem Großkonzern oder in einem Familienunternehmen gedeihe, war das Podium dezidiert uneins: Einerseits setzten managementgeführte Unternehmen ein höheres Maß an „Obrigkeitsfähigkeit" voraus (Nils Holger Moormann), andererseits sei „Gleichschaltung" auch für große Unternehmen kein Erfolgsrezept (Gert Hildebrand). Entscheidend für den Erfolg von Design sei dort aber, dass es „ins Lastenheft passen muss" (Hartmut Roehrig von bulthaup). Wo sich der Designer in Familienunternehmen einfacher auf Werte und Personen beziehen kann, landet er in Großkonzernen gerne mal beim „Produktmanager als Ansprechpartner, wenn sich der Vorstand lieber mit Aktienkursen und Firmenübernahmen beschäftigt" (Andreas Haug von Phoenix Design). Dort ist Design aber schlecht aufgehoben, weil Innovation immer ein betriebswirtschaftlich nicht kalkulierbares Risiko beinhaltet.

Eins zu null also für das Familienunternehmen? Immerhin sind Mittelständler mit dem Thema Design viel häufiger erfolgreicher als Großkonzerne - mit Ausnahme der Automobilindustrie, wie Gert Hildebrand betonte. Sein Rat an die Unternehmer: „Verdoppelt den Design-Etat, Ihr werdet es gar nicht merken!" Je komplexer - und damit teurer - ein Produkt nämlich ist, desto weniger fällt der Faktor Design im Verhältnis zu den Gesamtkosten ins Gewicht. Die Kaufentscheidung aber hängt überwiegend von der Sinneswahrnehmung der Kunden ab.

Diskussionsrunde des ersten Abends: Frieder C. Löhrer (Vorstand Loewe), Christian Gärtner (Vorstand Stylepark) und Dominik Wichmann (v.l.n.r.)
News & Stories › 2009 › August
Verdoppelt den Design-Etat!
von Jochen Paul | 6. August 2009
Kam Opel in die Krise, weil das Design nicht stimmte? Aus welchen Inspirationsquellen schöpft ein Designer? Wo gedeiht gutes Design besser, in einem Großkonzern oder in einem Familienunternehmen? Drei Diskussionsrunden sind den Fragen in einer von Mini München in Kooperation mit bulthaup und Loewe organisierten Veranstaltung nachgegangen.
Vor der Drehtür am Promenadenplatz parken drei, der Veranstaltung entsprechend beklebte Minis - ein Clubman, ein Cabrio und ein Coupé. Neben all den schwarzen Porsche Cayennes, Audis A8, 7er-BMWs und Mercedes S-Klasse-Limousinen wirken sie gar nicht deplatziert. Ein kleiner Hinweis darauf, was gutes Design vermag. An drei Abenden im Mai, Juni und Juli lud Mini München in Kooperation mit bulthaup, Loewe und dem Hotel Bayerischer Hof standesgemäß auf die Dachterrasse des Blue Spa ein, um über Design und sein wirtschaftliches Umfeld zu diskutieren. Die Veranstaltungsreihe wurde von Elena Del Carlo vom Bayerischen Hof und Simone Nickl entwickelt und umgesetzt.

Am ersten Abend konnten sich das Podium und der Moderator Dominik Wichmann anhand des Beispiels von Opel noch relativ schnell darauf verständigen, dass fahrlässiges Design eine Marke gefährden kann: Der Opel GT war das letzte Modell der Marke, das bei design-affinen Kunden wirklich gut ankam - und das, obwohl er weder besonders praktisch noch besonders sportlich war. Er sah einfach gut aus, was sicher auch daran lag, dass General Motors die in Rüsselsheim für die Produktentwicklung Verantwortlichen damals noch nicht im Dreijahresrhythmus ausgetauscht hat.

Beim Thema „Inspirationsquellen" dagegen gingen die Meinungen auseinander: Während der Architekt Matthias Sauerbruch auf die Rolle des Zufalls verwies - die ursprünglich vertikal gegliederte Stabfassade des Museum Brandhorst scheiterte an den Sicherheitsbedenken des Landeskriminalamts -, und Mini-Designchef Gert Hildebrand das Erkennen eines Problems als Grundvoraussetzung jeglicher Inspiration ausmachte, bekannte sich einzig Konstantin Landuris vom Designstudio „hansundfranz" zu dem Anspruch, jeden Tag etwas neues schaffen zu wollen. Idealismus oder Alterskohorten-Problem - jedenfalls war Landuris mit seinen dreißig Jahren der mit Abstand jüngste Diskussionsteilnehmer.

Am dritten Abend schließlich ging es konträr zur Sache - darüber, ob gutes Design nun besser in einem Großkonzern oder in einem Familienunternehmen gedeihe, war das Podium dezidiert uneins: Einerseits setzten managementgeführte Unternehmen ein höheres Maß an „Obrigkeitsfähigkeit" voraus (Nils Holger Moormann), andererseits sei „Gleichschaltung" auch für große Unternehmen kein Erfolgsrezept (Gert Hildebrand). Entscheidend für den Erfolg von Design sei dort aber, dass es „ins Lastenheft passen muss" (Hartmut Roehrig von bulthaup). Wo sich der Designer in Familienunternehmen einfacher auf Werte und Personen beziehen kann, landet er in Großkonzernen gerne mal beim „Produktmanager als Ansprechpartner, wenn sich der Vorstand lieber mit Aktienkursen und Firmenübernahmen beschäftigt" (Andreas Haug von Phoenix Design). Dort ist Design aber schlecht aufgehoben, weil Innovation immer ein betriebswirtschaftlich nicht kalkulierbares Risiko beinhaltet.

Eins zu null also für das Familienunternehmen? Immerhin sind Mittelständler mit dem Thema Design viel häufiger erfolgreicher als Großkonzerne - mit Ausnahme der Automobilindustrie, wie Gert Hildebrand betonte. Sein Rat an die Unternehmer: „Verdoppelt den Design-Etat, Ihr werdet es gar nicht merken!" Je komplexer - und damit teurer - ein Produkt nämlich ist, desto weniger fällt der Faktor Design im Verhältnis zu den Gesamtkosten ins Gewicht. Die Kaufentscheidung aber hängt überwiegend von der Sinneswahrnehmung der Kunden ab.