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„Pro" von Konstantin Grcic (Flötotto), „Catifa 46" von Lievore Altherr Molina (Arper) sowie der Ahne all dieser und folgender Stühle, der „Plastic Chair" von Charles und Ray Eames (Vitra/Herman Miller). Foto © Flötotto, Arper, Vitra; Grafik © Sarah Böttger, Stylepark
Vierbeiner mit Schale
von Thomas Wagner
13. Juni 2015
Sie tragen Namen wie „Substance“ oder „Elephant“, „Alfi“ oder „Catifa“, „Dot“, „Pro“ oder „Sedan“. Entworfen wurden sie von so namhaften Designern wie Naoto Fukasawa, Konstantin Grcic, Alfredo Häberli, Lievore Altherr Molina, Jean-Marie Massaud, Jasper Morrison, Neri & Hu, Luca Nichetto, Scholten & Baijings und Marcel Wanders. Und doch folgen alle diese Stühle dem gleichen Schema. Beim Salone del Mobile in Mailand war es nicht zu übersehen: Es gibt ihn tatsächlich, den Universalstuhl des Jahres 2015. Nicht alle Modelle stammen aus diesem Jahr, die Welle hat sich über die letzten Jahre aufgebaut. Der Stuhltypus aber markiert offenbar so etwas wie den gegenwärtigen Stand der Technik, lässt sich relativ preiswert herstellen, befriedigt die Bedürfnisse der Nutzer und trifft deren aktuellen Geschmack.

Vier Holzbeine, eine Kunststoffschale

Wie er aussieht? Der universelle Stuhl unserer so vielfältigen Tage besitzt vorzugsweise vier Holzbeine oder ein aus Holz gefertigtes Untergestell, wird aber auch mit anderen Füßen oder Untergestellen, etwa aus Metall, angeboten. Auf den Beinen oder dem Untergestell montiert ist eine Sitzschale aus Kunststoff oder Recyclingmaterial, die es in verschiedenen – mal frischen, mal gedeckten – Farben, oft auch in Ausführungen mit und ohne Armlehnen gibt. Typologisch betrachtet entspringen Untergestell und Schale gleichwohl einer gemeinsamen Quelle. In dieser Hinsicht herrscht seltene Eintracht, weshalb es auf jedes Detail ankommt. Es sind die Feinheiten, die den Unterschied machen. Wer sich allein auf sein Auge verlässt und auf die Typologie achtet, übersieht sie leicht.

Ein gemeinsamer Ahne

Alle diese Stühle gehen auf einen berühmten Ahnen zurück. Was die Frage aufwirft: Orientiert sich zumindest das gängige gegenwärtige Möbeldesign insgeheim noch immer an den Grundlagen und Mustern, wie sie vor allem im „mid century design“ der 1940er und 1950er Jahre gelegt und ausgeprägt wurden?

Bei dem Ahnen handelt es sich um keinen Geringeren als den „Plastic“ oder „Fiberglass Chair“ von Charles und Ray Eames. Die Idee, mittels dreidimensionaler Verformung von Sperrholzplatten körpergerechte und somit komfortable Sitzschalen herzustellen, beschäftigte die Eames bereits 1940. Technisch realisieren ließen sich solche Schalen damals freilich noch nicht. Die Eames aber gaben nicht auf und erforschten das Problem während des Zweiten Weltkriegs weiter. Ein erster Erfolg war die berühmte Beinschiene aus „moulded plywood“, die sie 1942 für die US-Navy entwickelt haben. Nach Kriegsende konnten die Eames das erworbene Know-how dann einsetzen, um Tische, Kindermöbel, Raumteiler und Stühle herzustellen, wobei Sitz und Lehne aber getrennt blieben.

Die Idee einer körpergerecht geformten Sitzschale aus einem Stück ließ die Eames weiterhin nicht ruhen. Sie experimentierten mit Sperrholz und Aluminium, die Ergebnisse aber blieben unbefriedigend. Erst als sie bei der Suche nach Alternativen auf fiberglasverstärktes Polyesterharz stießen, deutete sich eine Lösung an. Als das Eames Office 1948 den internationalen Wettbewerb „Low Cost Furniture Design“ veranstaltete, reichte Charles die neue Stuhlserie ein. Der damals in der Möbelindustrie noch unbekannte Werkstoff machte es möglich, die Schalenentwürfe in Serie zu fertigen und neue technische und ästhetische Maßstäbe zu setzen. Der Kunststoff war preiswert, leicht formbar, fest und zugleich flexibel, und er besaß eine angenehme Haptik. 1950 kamen die Kunststoffschalen mit Armlehnen (A-Schalen) und bald darauf in einer einfacheren Variante (S-Schalen) auf den Markt. Es waren die ersten in Serie hergestellten Kunststoffstühle der Möbelgeschichte. In der Folge wurden sie mit einer Vielzahl von Untergestellen kombiniert, was ihre Einsatzmöglichkeiten erweiterte. Aus ökologischen Gründen wurde 1993 bei Vitra die Produktion der Fiberglas-Modelle eingestellt. Seit 1999 bzw. 2004 werden die „Plastic Chairs" wieder produziert, nun aus recycelbarem Polypropylen.

Variatio delectat

Heute müssen die Konsumenten zwar nicht mehr dazu gebracht werden, sich für modernes Design zu interessieren, die bewährten Muster scheinen trotzdem wenig von ihrer Attraktivität eingebüßt zu haben. Betrachtet man die aktuellen Nachfolger des Urtyps, so fällt auf: Was die organische Form der Schale selbst, deren Kanten und den Schwung der Rücken- und Seitenpartien angeht, so reibt man sich am Vorbild und erkundet weitere Varianten. Das gilt auch hinsichtlich der Verbindung von Gestell und Schale. Ferner hat sich das Angebot an (recyclingfähigen) Materialien sowie deren Farbigkeit und Haptik wesentlich erweitert.

Schale, Schwung und Kante

So arbeitet – um nur wenige Beispiele herauszugreifen – Alfredo Häberli bei seinem „Erice Chair“ mit einer durchbrochenen Schale, bei der „Segesta“-Serie (beide für Alias) mit filigranen, aus dem oberen Teil der Schale entspringenden Armlehnen. Den „Hal“(Vitra) von Jasper Morrison gibt es nicht nur mit einer an den Seiten geöffneten und an der vorderen Kante deutlich nach unten kippenden A-Schale und einer sanft gebogenen S-Schale. Er wird in dieser Variante zudem sowohl in Sperrholz als auch in Kunststoff (sowie mit einer leicht gepolsterten und mit Leder bezogenen Schale) angeboten und lässt sich mit nicht weniger als 15 Untergestellen kombinieren. Die Schale von Morrisons in Mailand vorgestellter „Alfi“-Kollektion (Emeco) hingegen verbindet einen flachen Sitz mit einer gerundeten, den unteren Rückbereich umfangenden und von einer Grifföffnungdurchbrochenen Lehne. Die Schale besteht komplett aus recycelten Abfallstoffen (92,5 Prozent Polypropylen und 7,5 Prozent Holzfasern), das Gestell wird von Handwerkern der Amish aus lokalem Eschenholz gefertigt.

Luca Nichetto (Casamania) hingegen tailliert bei „Stereo Wood“ die auf einem mit Kreuzstreben versehenen Gestell sitzende Polypropylen-Schale und verleiht ihrer deutlich dreidimensionalen Form einen zusätzlichen Akzent, indem er sie an den oberen Seiten nach hinten umkantet. Neri & Hu bauen für den „Sedan Chair“ (Classicon) ein komplettes Stuhlgestell aus Holz, über das eine an den Rändern abgekantete Schale gesetzt ist. Konstantin Grcic wiederum gestaltet bei seinem „Pro“ (Flötotto) den Sitz der Schale rund, gibt der Lehne einen deutlichen zweifachen Schwung, der die Form dynamisiert und an eine menschliche Wirbelsäule erinnert. Auf diese Weise schafft er Raum für unterschiedliche Sitzpositionen und integriert eine Lordosenstütze.

So deutlich die Unterschiede auch zutage treten, das typologische Muster bleibt ein und dasselbe. Es gibt ihn also wirklich, den Universalstuhl des Jahres 2015. Man muss ihn nur in allen seinen Varianten erkennen – und auf die feinen Unterschiede achten.

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Im Universum der Stühle: Trotz vieler technischer Neuerungen dominiert momentan die Vorstellung des Substanziellen und Supernormalen.
(30. Oktober 2011)

Design als Gesprächskultur: Thomas Edelmann traf Jasper Morrison, um mit ihm über das Erwachsenwerden, Arbeiten an verschiedenen Orten und Schalensitze zu sprechen.
(27. April 2011)
„Alfi" von Jasper Morrison (Emeco) im Querschnitt zum „Plastic Chair" von Charles und Ray Eames (Vitra/Herman Miller). Foto © Emeco, Vitra; Grafik © Sarah Böttger, Stylepark
„Sedan" von Neri & Hu (Classicon). Foto © Classicon; Grafik © Sarah Böttger, Stylepark
„Elephant" von Eva Paster und Michael Geldmacher (Kristalia).
Foto © Kristalia; Grafik © Sarah Böttger, Stylepark
„Sharky" von Eva Paster und Michael Geldmacher (Kristalia).
Foto © Kristalia; Grafik © Sarah Böttger, Stylepark
„Duna 02" von Lievore Altherr Molina (Arper). Foto © Arper; Grafik © Sarah Böttger, Stylepark
„Duna 02" von Lievore Altherr Molina (Arper). Foto © Arper; Grafik © Sarah Böttger, Stylepark
„Form Armchair" von Simon Legald (Normann Copenhagen) im Querschnitt zu „Elephant" von Eva Paster und Michael Geldmacher (Kristalia).
Foto © Normann Copenhagen, Kristalia; Grafik © Sarah Böttger, Stylepark
„Erice" von Alfredo Häberli (Alias). Foto © Alias; Grafik © Sarah Böttger, Stylepark
„Pro" von Konstantin Grcic (Flötotto) und „Alfi" von Jasper Morrison (Emeco).
Foto © Flötotto, Emeco; Grafik © Sarah Böttger, Stylepark
Zweimal „Hal" von Jasper Morrison (Vitra) mit Metall- und Holzbeinen. Foto © Vitra; Grafik © Sarah Böttger, Stylepark
Produkte
Vitra: Wire Chair DKR- 2 @ Stylepark
Vitra
Wire Chair DKR- 2
Ray Eames
Charles Eames
Vitra: Eames Plastic Side Chair auf Traverse @ Stylepark
Vitra
Eames Plastic Side Chair auf Traverse
Charles Eames
Ray Eames
Magis: SUBSTANCE mit Armlehnen @ Stylepark
Magis
SUBSTANCE mit Armlehnen
Naoto Fukasawa
Magis: SUBSTANCE mit Armlehnen @ Stylepark
Magis
SUBSTANCE mit Armlehnen
Naoto Fukasawa
Magis: SUBSTANCE @ Stylepark
Magis
SUBSTANCE
Naoto Fukasawa
Vitra: Eames Plastic Side Chair DSW @ Stylepark
Vitra
Eames Plastic Side Chair DSW
Charles Eames
Ray Eames
Vitra: Eames Plastic Armchair RAR @ Stylepark
Vitra
Eames Plastic Armchair RAR
Charles Eames
Ray Eames
Vitra: Eames Plastic Armchair auf Traverse mit Armlehnen @ Stylepark
Vitra
Eames Plastic Armchair auf Traverse mit Armlehnen
Charles Eames
Ray Eames
Magis: SUBSTANCE mit Armlehnen @ Stylepark
Magis
SUBSTANCE mit Armlehnen
Naoto Fukasawa
Magis: SUBSTANCE mit Armlehnen @ Stylepark
Magis
SUBSTANCE mit Armlehnen
Naoto Fukasawa
Kristalia: Elephant Schaukelstuhl @ Stylepark
Kristalia
Elephant Schaukelstuhl
Eva Paster
Michael Geldmacher
Kristalia: Elephant 4 beinig @ Stylepark
Kristalia
Elephant 4 beinig
Eva Paster
Michael Geldmacher
Kristalia: Elephant gepolstert mit Holz Beinen @ Stylepark
Kristalia
Elephant gepolstert mit Holz Beinen
Eva Paster
Michael Geldmacher
Kristalia: Elephant Leder 4 beinig @ Stylepark
Kristalia
Elephant Leder 4 beinig
Eva Paster
Michael Geldmacher
Kristalia: Elephant Drehstuhl @ Stylepark
Kristalia
Elephant Drehstuhl
Eva Paster
Michael Geldmacher
Emeco: Alfi Bank @ Stylepark
Emeco
Alfi Bank
Jasper Morrison
Emeco: Alfi Stuhl Low Back @ Stylepark
Emeco
Alfi Stuhl Low Back
Jasper Morrison
Emeco: Alfi Barhocker High Back @ Stylepark
Emeco
Alfi Barhocker High Back
Jasper Morrison
Emeco: Alfi Barhocker Low Back @ Stylepark
Emeco
Alfi Barhocker Low Back
Jasper Morrison
Emeco: Alfi Stuhl High Back @ Stylepark
Emeco
Alfi Stuhl High Back
Jasper Morrison
ClassiCon: Sedan Stuhl Kunststoff @ Stylepark
ClassiCon
Sedan Stuhl Kunststoff
Neri&Hu
Arper: Catifa 53 - Vierbeinig @ Stylepark
Arper
Catifa 53 - Vierbeinig
Lievore Altherr Molina
Arper: Catifa 53 - Kufengestell @ Stylepark
Arper
Catifa 53 - Kufengestell
Lievore Altherr Molina
HAY: Baby Dot Quilt @ Stylepark
HAY
Baby Dot Quilt
HAY
ClassiCon: Sedan Stuhl Leder @ Stylepark
ClassiCon
Sedan Stuhl Leder
Neri&Hu
ClassiCon: Sedan Leder @ Stylepark
ClassiCon
Sedan Leder
Neri&Hu
ClassiCon: Sedan Filzstoff @ Stylepark
ClassiCon
Sedan Filzstoff
Neri&Hu
Flötotto: PRO Barstuhl @ Stylepark
Flötotto
PRO Barstuhl
Konstantin Grcic
Flötotto: PRO Traversenstuhl @ Stylepark
Flötotto
PRO Traversenstuhl
Konstantin Grcic
Alias: erice wood @ Stylepark
Alias
erice wood
Alfredo Häberli
Flötotto: PRO 4-Leg Buche @ Stylepark
Flötotto
PRO 4-Leg Buche
Konstantin Grcic
ClassiCon: Sedan Sitzschale @ Stylepark
ClassiCon
Sedan Sitzschale
Neri&Hu
Flötotto: PRO Kufenstuhl @ Stylepark
Flötotto
PRO Kufenstuhl
Konstantin Grcic
Flötotto: PRO ARMCHAIR 4-Star @ Stylepark
Flötotto
PRO ARMCHAIR 4-Star
Konstantin Grcic
Alias: erice trestle @ Stylepark
Alias
erice trestle
Alfredo Häberli
Alias: erice armchair @ Stylepark
Alias
erice armchair
Alfredo Häberli
Alias: erice chair sledge @ Stylepark
Alias
erice chair sledge
Alfredo Häberli
Alias: segesta wood 558 @ Stylepark
Alias
segesta wood 558
Alfredo Häberli
Alias: erice cross @ Stylepark
Alias
erice cross
Alfredo Häberli
Alias: segesta cross 557 @ Stylepark
Alias
segesta cross 557
Alfredo Häberli
Alias: segesta trestle @ Stylepark
Alias
segesta trestle
Alfredo Häberli
Alias: segesta chair 500 @ Stylepark
Alias
segesta chair 500
Alfredo Häberli
Alias: segesta chair 501 @ Stylepark
Alias
segesta chair 501
Alfredo Häberli
Vitra: HAL Ply Tube @ Stylepark
Vitra
HAL Ply Tube
Jasper Morrison
Vitra: HAL Wood @ Stylepark
Vitra
HAL Wood
Jasper Morrison
Casamania: Stereo Wood @ Stylepark
Casamania
Stereo Wood
Luca Nichetto
Vitra: HAL Armchair Wood @ Stylepark
Vitra
HAL Armchair Wood
Jasper Morrison
Vitra: HAL Cantilever @ Stylepark
Vitra
HAL Cantilever
Jasper Morrison
Vitra: HAL Armchair Studio @ Stylepark
Vitra
HAL Armchair Studio
Jasper Morrison
Casamania: Stereo Wood gepolstert @ Stylepark
Casamania
Stereo Wood gepolstert
Luca Nichetto
Casamania: Stereo Wood gepolstert @ Stylepark
Casamania
Stereo Wood gepolstert
Luca Nichetto
Casamania: Stereo Wood gepolstert @ Stylepark
Casamania
Stereo Wood gepolstert
Luca Nichetto
Alias: selinunte armchair @ Stylepark
Alias
selinunte armchair
Alfredo Häberli
Alias: selinunte chair 530 @ Stylepark
Alias
selinunte chair 530
Alfredo Häberli
Arper: Duna 02 - Vierbeinig, Holz @ Stylepark
Arper
Duna 02 - Vierbeinig, Holz
Lievore Altherr Molina
Alias: selinunte wood 561 @ Stylepark
Alias
selinunte wood 561
Alfredo Häberli
Casamania: Stereo Wood gepolstert @ Stylepark
Casamania
Stereo Wood gepolstert
Luca Nichetto
Alias: selinunte trestle @ Stylepark
Alias
selinunte trestle
Alfredo Häberli
Alias: selinunte studio 538 @ Stylepark
Alias
selinunte studio 538
Alfredo Häberli
B&B Italia: PAPILIO SHELL @ Stylepark
B&B Italia
PAPILIO SHELL
Naoto Fukasawa
B&B Italia: PAPILIO SHELL mit Rollen @ Stylepark
B&B Italia
PAPILIO SHELL mit Rollen
Naoto Fukasawa
B&B Italia: PAPILIO @ Stylepark
B&B Italia
PAPILIO
Naoto Fukasawa
B&B Italia: PAPILIO SHELL mit Holzbeinen @ Stylepark
B&B Italia
PAPILIO SHELL mit Holzbeinen
Naoto Fukasawa
B&B Italia: PAPILIO SHELL mit Fußkreuz @ Stylepark
B&B Italia
PAPILIO SHELL mit Fußkreuz
Naoto Fukasawa
Extremis: Captain´s Stuhl mit Rollen @ Stylepark
Extremis
Captain´s Stuhl mit Rollen
Metrica
Extremis: Captain High Woody’s chair @ Stylepark
Extremis
Captain High Woody’s chair
Metrica
Extremis: Captain´s Sliding Stuhl @ Stylepark
Extremis
Captain´s Sliding Stuhl
Metrica
Extremis: Captain's Barhocker @ Stylepark
Extremis
Captain's Barhocker
Metrica
HAY: AAC21 @ Stylepark
HAY
AAC21
Hee Welling
HAY
Extremis: Captain Woody’s chair @ Stylepark
Extremis
Captain Woody’s chair
Metrica
HAY: AAC22 @ Stylepark
HAY
AAC22
Hee Welling
HAY
HAY: AAC25 @ Stylepark
HAY
AAC25
HAY
Hee Welling
HAY: AAC43 @ Stylepark
HAY
AAC43
Hee Welling
HAY: AAC42 @ Stylepark
HAY
AAC42
HAY
Hee Welling
Magis: TROY Drehstuhl mit Armlehnen @ Stylepark
Magis
TROY Drehstuhl mit Armlehnen
Marcel Wanders
Magis: TROY Stoff Drehstuhl @ Stylepark
Magis
TROY Stoff Drehstuhl
Marcel Wanders
Magis: TROY Barhocker @ Stylepark
Magis
TROY Barhocker
Marcel Wanders
MDF Italia: FLOW CHAIR mit 4 Beinen in Stahl @ Stylepark
MDF Italia
FLOW CHAIR mit 4 Beinen in Stahl
Jean-Marie Massaud
MDF Italia: FLOW CHAIR mit höhenverstellbarer Fünfsternbasis @ Stylepark
MDF Italia
FLOW CHAIR mit höhenverstellbarer Fünfsternbasis
Jean-Marie Massaud
MDF Italia: FLOW CHAIR mit 4 Beinen in Eiche @ Stylepark
MDF Italia
FLOW CHAIR mit 4 Beinen in Eiche
Jean-Marie Massaud
Magis: TROY mit Holzbeinen @ Stylepark
Magis
TROY mit Holzbeinen
Marcel Wanders
Magis: TROY mit Armlehnen @ Stylepark
Magis
TROY mit Armlehnen
Marcel Wanders
MDF Italia: FLOW CHAIR mit Kufen @ Stylepark
MDF Italia
FLOW CHAIR mit Kufen
Jean-Marie Massaud
MDF Italia: FLOW SLIM Armchair mit 4 Beinen in Eiche @ Stylepark
MDF Italia
FLOW SLIM Armchair mit 4 Beinen in Eiche
Jean-Marie Massaud
Muuto: Fiber mit Kufen @ Stylepark
Muuto
Fiber mit Kufen
Komplot
Muuto: Fiber Drehstuhl @ Stylepark
Muuto
Fiber Drehstuhl
Komplot
Muuto: Fiber Holzbasis @ Stylepark
Muuto
Fiber Holzbasis
Komplot
Muuto: Fiber Holzbasis @ Stylepark
Muuto
Fiber Holzbasis
Komplot
Muuto: Fiber  @ Stylepark
Muuto
Fiber
Komplot
Muuto: Fiber Drehstuhl @ Stylepark
Muuto
Fiber Drehstuhl
Komplot
Normann Copenhagen: Form Armchair mit Holzbeinen @ Stylepark
Normann Copenhagen
Form Armchair mit Holzbeinen
Simon Legald
Normann Copenhagen: Form Armchair @ Stylepark
Normann Copenhagen
Form Armchair
Simon Legald
Normann Copenhagen: Form Tisch @ Stylepark
Normann Copenhagen
Form Tisch
Simon Legald
Normann Copenhagen: Form Tisch @ Stylepark
Normann Copenhagen
Form Tisch
Simon Legald
Normann Copenhagen: Form Stuhl @ Stylepark
Normann Copenhagen
Form Stuhl
Simon Legald
Pedrali: GLISS WOOD 904 @ Stylepark
Pedrali
GLISS WOOD 904
Archivolto Design
Pedrali: GLISS SWING 350 @ Stylepark
Pedrali
GLISS SWING 350
Archivolto Design
Pedrali: GLISS 1020 @ Stylepark
Pedrali
GLISS 1020
Archivolto Design
Pedrali: GLISS 966/F @ Stylepark
Pedrali
GLISS 966/F
Archivolto Design
Pedrali: GLISS 985 @ Stylepark
Pedrali
GLISS 985
Archivolto Design
News & Stories › 2015 › Juni
Vierbeiner mit Schale
von Thomas Wagner | 13. Juni 2015
Es gibt ihn tatsächlich: den Universalstuhl des Jahres 2015. Er wurde von unterschiedlichen Designern entworfen, existiert in zahlreichen Varianten und folgt doch einer Typologie, die auf einen berühmten Ahnen zurückgeht. Am Ende zählen die feinen Unterschiede.
Sie tragen Namen wie „Substance“ oder „Elephant“, „Alfi“ oder „Catifa“, „Dot“, „Pro“ oder „Sedan“. Entworfen wurden sie von so namhaften Designern wie Naoto Fukasawa, Konstantin Grcic, Alfredo Häberli, Lievore Altherr Molina, Jean-Marie Massaud, Jasper Morrison, Neri & Hu, Luca Nichetto, Scholten & Baijings und Marcel Wanders. Und doch folgen alle diese Stühle dem gleichen Schema. Beim Salone del Mobile in Mailand war es nicht zu übersehen: Es gibt ihn tatsächlich, den Universalstuhl des Jahres 2015. Nicht alle Modelle stammen aus diesem Jahr, die Welle hat sich über die letzten Jahre aufgebaut. Der Stuhltypus aber markiert offenbar so etwas wie den gegenwärtigen Stand der Technik, lässt sich relativ preiswert herstellen, befriedigt die Bedürfnisse der Nutzer und trifft deren aktuellen Geschmack.

Vier Holzbeine, eine Kunststoffschale

Wie er aussieht? Der universelle Stuhl unserer so vielfältigen Tage besitzt vorzugsweise vier Holzbeine oder ein aus Holz gefertigtes Untergestell, wird aber auch mit anderen Füßen oder Untergestellen, etwa aus Metall, angeboten. Auf den Beinen oder dem Untergestell montiert ist eine Sitzschale aus Kunststoff oder Recyclingmaterial, die es in verschiedenen – mal frischen, mal gedeckten – Farben, oft auch in Ausführungen mit und ohne Armlehnen gibt. Typologisch betrachtet entspringen Untergestell und Schale gleichwohl einer gemeinsamen Quelle. In dieser Hinsicht herrscht seltene Eintracht, weshalb es auf jedes Detail ankommt. Es sind die Feinheiten, die den Unterschied machen. Wer sich allein auf sein Auge verlässt und auf die Typologie achtet, übersieht sie leicht.

Ein gemeinsamer Ahne

Alle diese Stühle gehen auf einen berühmten Ahnen zurück. Was die Frage aufwirft: Orientiert sich zumindest das gängige gegenwärtige Möbeldesign insgeheim noch immer an den Grundlagen und Mustern, wie sie vor allem im „mid century design“ der 1940er und 1950er Jahre gelegt und ausgeprägt wurden?

Bei dem Ahnen handelt es sich um keinen Geringeren als den „Plastic“ oder „Fiberglass Chair“ von Charles und Ray Eames. Die Idee, mittels dreidimensionaler Verformung von Sperrholzplatten körpergerechte und somit komfortable Sitzschalen herzustellen, beschäftigte die Eames bereits 1940. Technisch realisieren ließen sich solche Schalen damals freilich noch nicht. Die Eames aber gaben nicht auf und erforschten das Problem während des Zweiten Weltkriegs weiter. Ein erster Erfolg war die berühmte Beinschiene aus „moulded plywood“, die sie 1942 für die US-Navy entwickelt haben. Nach Kriegsende konnten die Eames das erworbene Know-how dann einsetzen, um Tische, Kindermöbel, Raumteiler und Stühle herzustellen, wobei Sitz und Lehne aber getrennt blieben.

Die Idee einer körpergerecht geformten Sitzschale aus einem Stück ließ die Eames weiterhin nicht ruhen. Sie experimentierten mit Sperrholz und Aluminium, die Ergebnisse aber blieben unbefriedigend. Erst als sie bei der Suche nach Alternativen auf fiberglasverstärktes Polyesterharz stießen, deutete sich eine Lösung an. Als das Eames Office 1948 den internationalen Wettbewerb „Low Cost Furniture Design“ veranstaltete, reichte Charles die neue Stuhlserie ein. Der damals in der Möbelindustrie noch unbekannte Werkstoff machte es möglich, die Schalenentwürfe in Serie zu fertigen und neue technische und ästhetische Maßstäbe zu setzen. Der Kunststoff war preiswert, leicht formbar, fest und zugleich flexibel, und er besaß eine angenehme Haptik. 1950 kamen die Kunststoffschalen mit Armlehnen (A-Schalen) und bald darauf in einer einfacheren Variante (S-Schalen) auf den Markt. Es waren die ersten in Serie hergestellten Kunststoffstühle der Möbelgeschichte. In der Folge wurden sie mit einer Vielzahl von Untergestellen kombiniert, was ihre Einsatzmöglichkeiten erweiterte. Aus ökologischen Gründen wurde 1993 bei Vitra die Produktion der Fiberglas-Modelle eingestellt. Seit 1999 bzw. 2004 werden die „Plastic Chairs" wieder produziert, nun aus recycelbarem Polypropylen.

Variatio delectat

Heute müssen die Konsumenten zwar nicht mehr dazu gebracht werden, sich für modernes Design zu interessieren, die bewährten Muster scheinen trotzdem wenig von ihrer Attraktivität eingebüßt zu haben. Betrachtet man die aktuellen Nachfolger des Urtyps, so fällt auf: Was die organische Form der Schale selbst, deren Kanten und den Schwung der Rücken- und Seitenpartien angeht, so reibt man sich am Vorbild und erkundet weitere Varianten. Das gilt auch hinsichtlich der Verbindung von Gestell und Schale. Ferner hat sich das Angebot an (recyclingfähigen) Materialien sowie deren Farbigkeit und Haptik wesentlich erweitert.

Schale, Schwung und Kante

So arbeitet – um nur wenige Beispiele herauszugreifen – Alfredo Häberli bei seinem „Erice Chair“ mit einer durchbrochenen Schale, bei der „Segesta“-Serie (beide für Alias) mit filigranen, aus dem oberen Teil der Schale entspringenden Armlehnen. Den „Hal“(Vitra) von Jasper Morrison gibt es nicht nur mit einer an den Seiten geöffneten und an der vorderen Kante deutlich nach unten kippenden A-Schale und einer sanft gebogenen S-Schale. Er wird in dieser Variante zudem sowohl in Sperrholz als auch in Kunststoff (sowie mit einer leicht gepolsterten und mit Leder bezogenen Schale) angeboten und lässt sich mit nicht weniger als 15 Untergestellen kombinieren. Die Schale von Morrisons in Mailand vorgestellter „Alfi“-Kollektion (Emeco) hingegen verbindet einen flachen Sitz mit einer gerundeten, den unteren Rückbereich umfangenden und von einer Grifföffnungdurchbrochenen Lehne. Die Schale besteht komplett aus recycelten Abfallstoffen (92,5 Prozent Polypropylen und 7,5 Prozent Holzfasern), das Gestell wird von Handwerkern der Amish aus lokalem Eschenholz gefertigt.

Luca Nichetto (Casamania) hingegen tailliert bei „Stereo Wood“ die auf einem mit Kreuzstreben versehenen Gestell sitzende Polypropylen-Schale und verleiht ihrer deutlich dreidimensionalen Form einen zusätzlichen Akzent, indem er sie an den oberen Seiten nach hinten umkantet. Neri & Hu bauen für den „Sedan Chair“ (Classicon) ein komplettes Stuhlgestell aus Holz, über das eine an den Rändern abgekantete Schale gesetzt ist. Konstantin Grcic wiederum gestaltet bei seinem „Pro“ (Flötotto) den Sitz der Schale rund, gibt der Lehne einen deutlichen zweifachen Schwung, der die Form dynamisiert und an eine menschliche Wirbelsäule erinnert. Auf diese Weise schafft er Raum für unterschiedliche Sitzpositionen und integriert eine Lordosenstütze.

So deutlich die Unterschiede auch zutage treten, das typologische Muster bleibt ein und dasselbe. Es gibt ihn also wirklich, den Universalstuhl des Jahres 2015. Man muss ihn nur in allen seinen Varianten erkennen – und auf die feinen Unterschiede achten.

MEHR auf Stylepark:

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(30. Oktober 2011)

Design als Gesprächskultur: Thomas Edelmann traf Jasper Morrison, um mit ihm über das Erwachsenwerden, Arbeiten an verschiedenen Orten und Schalensitze zu sprechen.
(27. April 2011)