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Viktor&Rolf oder Ein Puppenhaus
von Claudia Beckmann | 11. August 2008
Viktor&Rolf, die oft als Gilbert and George der Modewelt bezeichnet werden, haben die Dinge schon immer gern auf den Kopf gestellt. Bei der Ausstellung „The House of Viktor&Rolf“, die noch bis zum 21. September in der Londoner Barbican Art Gallery zu sehen ist, bleibt der Boden zwar unten und das Dach oben, aber auf Irritationen und verzerrte Proportionen wurde auch diesmal nicht verzichtet. Es ist eine Mode-Rückschau der letzten fünfzehn Jahre, in der alle Entwürfe noch einmal präsentiert werden, platziert in einem palastartigen Puppenhaus. Einem, von dem kleine Mädchen – aber auch große Jungs - immer geträumt haben.

Viktor Horsting und Rolf Snoeren, wie die beiden Designer mit bürgerlichem Namen heißen, haben die Modewelt mit ihrem speziellen Entwürfen, die Ironie und surreale Schönheit miteinander verbinden, im Sturm erobert. Beide sind 1969 geboren und in den Niederlanden aufgewachsen. Ende der achtziger Jahre trafen sie sich an der Kunstakademie von Arnheim. 1992 begannen sie ihre erfolgreiche Zusammenarbeit als Designer-Duo Viktor&Rolf, 1998 konnte man ihre erste Couture Kollektion in Paris bewundern. Und nun wurde es Zeit für einen ersten Rückblick auf die ersten fünfzehn Schaffensjahre.

Die Idee des aktuellen Projektes geht auf eine Ausstellung aus dem Jahr 1995 zurück, in der die beiden das Miniaturmodell einer Viktor&Rolf-Welt gebaut hatten: mit einem Fotostudio, einem Laufsteg, einer Boutique und einem Parfüm. Diesmal wurde es eben ein Puppenstube - oder besser ein riesiges Modehaus.

In dem raumgreifenden Gebäude von sieben Meter Höhe und neun Meter Länge, gestaltet vom niederländischen Architekten Siebe Tettero, stehen 55 Püppchen, die mit ihren Pausbacken aussehen als stammten sie aus dem 19. Jahrhundert. Jede Einzelne wurde von einem Puppenmacher handgefertigt und mit in einer Kreation von Viktor&Rolf umhüllt. Die Figuren tragen aufwendige Roben, Kleider mit voluminöser Schnittführung oder ganze Beleuchtungsanlage mit Gestellen und Scheinwerferlicht mit sich herum.

Aber damit nicht genug: Im obersten Stockwerk laufen Videoprojektionen der Viktor&Rolf-Modenschauen, in denen „echte“ Models aus Fleisch und Blut die Miniaturkleider in Originalgröße tragen. Davor wiederum stehen Figurinen mit ausgewählten Kleidungsstücken, so dass ein und dasselbe Kleid mitunter in drei Varianten präsentiert wird. Diese Spiegelung, Vervielfältigung und Verschiebung der Größenverhältnisse der textilen Kreationen, sind vielleicht der spannendste Kunstgriff im Puppenhaus.

In der Welt der Kunst sehen sie ihre Wurzeln, wie sie der britischen Vogue anvertrauten, und dahin möchten sie auch wieder zurück. Mit der Ausstellung in der Barbican Art Gallery haben sie ihren Weg in den nährstoffreichen Untergrund der Kunst angetreten. Ob es sich bei „The House of Viktor&Rolf“ nun mehr um kunstvolle Mode oder eine modische Inszenierung von Kunst handelt – das zu entscheiden sei jedem selbst überlassen. Die Kunst des Marketings beherrscht das Duo auf jeden Fall. Im Museumsshop kann man unter anderem Sonnebrillen und Parfums designt von Viktor&Rolf kaufen, und in der Hausbar gibt’s sogar einen speziellen Cocktail.

www.viktor-rolf.com
All photos © Lyndon Douglas