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Vintage allein reicht nicht
von Daniel von Bernstorff | 16. Juni 2013
„Maison des Jours Meilleurs“ von Jean Prouvé, 1956, Galerie Patrick Seguin, Paris. Foto © Dimitrios Tsatsas
Es kann einem fast ein schon leid tun. Nebenan bei der Art Basel tobt der Kampf um den begehrten frühen Einlass, die Gänge sind brechend voll und die Galeristen reiben sich voll Vorfreude die Hände. Ein paar Schritte weiter, in den Weiten der neuen Halle 1 von Herzog & de Meuron, wo die Design Miami/Basel 2013 nun ihre Zelte aufgeschlagen hat, ist – vorsichtig formuliert – von großem Andrang wenig zu spüren. Nur wenige Besucher haben den Weg hierher gefunden. Es beschleicht einen das Gefühl, der Grund dafür liege nicht allein in der Konkurrenz gleich nebenan.

„The Global Forum for Design“ – das ist der Claim dieser Veranstaltung, die in jedem Jahr parallel zur Art Basel in Miami und Basel stattfindet. Von einem globalen Forum würde man doch eigentlich kontroverse Debatten, spannende Sonderausstellungen und die Diskussion wichtiger Positionen des zeitgenössischen Designs erwarten. Das mögen hohe Ansprüche sein. Doch wenn das Ergebnis dann eine – mit wenigen Ausnahmen – rein kommerzielle Abspielfläche ist, wie das bei dieser Ausgabe der Fall ist, dann sollte das zumindest zum kritischen Nachdenken Anlass geben.

Natürlich hinkt der Vergleich mit der seit Jahrzehnten etablierten und begehrten Art Basel, die sich ihre Aussteller selbst aussuchen kann. Selbstverständlich sind bei einer Messe kommerzielle Aspekte zu berücksichtigen: Die Flächen müssen vermietet werden und es ist kaum möglich, den ausstellenden Galerien Vorgaben für die Präsentation zu machen. Und dennoch: Ohne eine eigene Handschrift kommt eine solche Veranstaltung einfach nicht aus. Eine solche war bei früheren Ausgaben zumindest in Ansätzen vorhanden. Wir erinnern uns an die Inszenierung und Ausstellung von Konstantin Grcic als „Designer in Residence“ in Miami im Dezember 2010 oder die „Designers of the Future“ 2009: Martino Gamper, Max Lamb, Julia Lohmann und Kram&Weisshaar. In diesen Fällen wurden wichtige und innovative Positionen im zeitgenössischen Design vorgestellt, kommentiert und diskutiert.

Davon geblieben ist der inzwischen nach seinem Sponsor unbenannte Award, der ohne Nennung einer Jury und ohne erkennbares Konzept drei Designer auszeichnet. Daneben baut die Messe auf qualitativ sehr unterschiedliche Galeriepräsentationen, auf ein deutlich reduziertes Vortragsprogramm und eine Präsentation des Audi Quattro durch den Hauptsponsor Audi.

Bei den Galerien, die sich in Basel präsentieren, liegt der Schwerpunkt eindeutig auf dem – vermutlich besser zu verkaufenden – Vintage-Design. Etablierte zeitgenössische Galerien wie Kreo aus Paris präsentieren ein wenig sortiertes Sammelsurium, das eher an eine Messepräsentation auf der Light+Building als an eine kuratierte Designmesse erinnert.

Natürlich gibt es auch hier positive Ausnahmen wie die frische und innovative Präsentation von Victor Hunt aus Brüssel. Hunt nennt sich etwas provokativ „Designart Dealer“ und zeigt an dieser spannenden Schnittsteller zwischen Kunst und Design ausgewählte und spannende Arbeiten junger „Designkünstler“ wie Humans since 1982 und Johannes Hemann. „We offer the design the industry can’t“, hat Victor Hunt zu seinem Credo gemacht. Mehr davon bitte!

www.designmiami.com
„Maison des Jours Meilleurs“ von Jean Prouvé, 1956, Galerie Patrick Seguin, Paris. Foto © Dimitrios Tsatsas
Objekte von Gerrit Rietveld und Marcel Breuer bei der Galerie Ulrich Fiedler, Berlin. Fotos © Dimitrios Tsatsas
Objekte der Galerie Kreo, Paris. Foto © Dimitrios Tsatsas
„Cellae Coffee Table“ von Francois Bauchet, Galerie Kreo, Paris. Foto © Dimitrios Tsatsas
Präsentation der Galerie Nilufar (Mailand) mit Leuchten der „Lit Lines Collection“ von Michael Anastassiadis, 2013. Foto © Dimitrios Tsatsas
Die Ausstellung der Dansk Møbelkunst Gallery aus Kopenhagen/Paris. Foto © Dimitrios Tsatsas
Der Stand der Galerie Steinitz aus Paris. Foto © Dimitrios Tsatsas
Die Galerie Jacksons (Berlin/Stockholm) zeigte ausgewählte Arbeiten von Alvar Aalto. Foto © Dimitrios Tsatsas
„Kidassia Chair“ von Fernando und Humberto Campana, 2013, Galleria O., Rom. Foto © Dimitrios Tsatsas
Leuchten der „W Hotels Designer of the Future“ Gewinnerin Bethan Laura Wood. Fotos © Dimitrios Tsatsas
„Claude Glass“ von Jon Stam, einem der diesjährigen Gewinner des „W Hotels Designer of the Future“ Awards. Foto © Dimitrios Tsatsas
Die „Wheeljek Collection“ von Seung-Yong Song, ausgezeichnet als „W Hotels Designer of the Future“. Foto © Dimitrios Tsatsas
Audi zeigte die Installation „Home of Quattro” von Tim John. Foto © Dimitrios Tsatsas
„Bent Wood Tables“ und „Logo Chairs“ von Richard Woods und Sebastian Wrong, 2012/2013, Galerie Vivid, Rotterdam. Foto © Dimitrios Tsatsas
„Froisse Mirror“ von Mathias Kiss, 2012, Galerie Armel Soyer, Paris. Foto © Dimitrios Tsatsas
„Palissade Cabinets“ von Normal Studio, Galerie Ymer & Malta, Paris. Foto © Dimitrios Tsatsas
Die Serie „Slat” von Philippe Malouin, 2012, Galerie ProjectB, Mailand. Foto © Dimitrios Tsatsas
Glasskulpturen von Ettore Sottsass für Venini, 1994, Erastudio Apartment-Gallery, Mailand. Foto © Dimitrios Tsatsas
Objekte der „The Thread Wrapping Machine“ Serie von Anton Alvarez, 2013, Galerie Libby Sellers, London. Foto © Dimitrios Tsatsas
Präsentation der Galerie Pierre Marie Giraud, Brüssel. Foto © Dimitrios Tsatsas
Das Projekt „Verbier Mountain Climbers: Revisiting a Swiss Icon“. Foto © Dimitrios Tsatsas
„Landscapes Series“ von India Mahdavi, 2013, Carwan Galerie, Beirut. Foto © Dimitrios Tsatsas
„A Million Times“ von Humans since 1982, 2013, Galerie Victor Hunt, Brüssel. Foto © Dimitrios Tsatsas
Leuchte der „Storm Series“ von Johannes Hemann, 2013, Galerie Victor Hunt, Brüssel. Fotos © Dimitrios Tsatsas
„Collection of Light 400“ von Humans since 1982, 2011, Galerie Victor Hunt, Brüssel. Foto © Dimitrios Tsatsas
„Block Containers“ von Sylvain Willenz, Galerie Victor Hunt, Brüssel. Foto © Dimitrios Tsatsas
„Tea Set“ von Tomás Alonso, Galerie Victor Hunt, Brüssel. Foto © Dimitrios Tsatsas
Der Eingangsbereich der neuen Messehalle von Herzog & de Meuron. Fotos © Dimitrios Tsatsas
News & Stories › 2013 › Juni
Vintage allein reicht nicht
von Daniel von Bernstorff | 16. Juni 2013
Die Messe Design Miami, die parallel zur Art Basel stattfindet, konnte nur wenig überzeugen. Es fehlen eine kuratorische Handschrift, spannende Ausstellungen und Statements. Und nicht zuletzt eine klare Position zum zeitgenössischen Design, die dieses so dringend benötigt.
Es kann einem fast ein schon leid tun. Nebenan bei der Art Basel tobt der Kampf um den begehrten frühen Einlass, die Gänge sind brechend voll und die Galeristen reiben sich voll Vorfreude die Hände. Ein paar Schritte weiter, in den Weiten der neuen Halle 1 von Herzog & de Meuron, wo die Design Miami/Basel 2013 nun ihre Zelte aufgeschlagen hat, ist – vorsichtig formuliert – von großem Andrang wenig zu spüren. Nur wenige Besucher haben den Weg hierher gefunden. Es beschleicht einen das Gefühl, der Grund dafür liege nicht allein in der Konkurrenz gleich nebenan.

„The Global Forum for Design“ – das ist der Claim dieser Veranstaltung, die in jedem Jahr parallel zur Art Basel in Miami und Basel stattfindet. Von einem globalen Forum würde man doch eigentlich kontroverse Debatten, spannende Sonderausstellungen und die Diskussion wichtiger Positionen des zeitgenössischen Designs erwarten. Das mögen hohe Ansprüche sein. Doch wenn das Ergebnis dann eine – mit wenigen Ausnahmen – rein kommerzielle Abspielfläche ist, wie das bei dieser Ausgabe der Fall ist, dann sollte das zumindest zum kritischen Nachdenken Anlass geben.

Natürlich hinkt der Vergleich mit der seit Jahrzehnten etablierten und begehrten Art Basel, die sich ihre Aussteller selbst aussuchen kann. Selbstverständlich sind bei einer Messe kommerzielle Aspekte zu berücksichtigen: Die Flächen müssen vermietet werden und es ist kaum möglich, den ausstellenden Galerien Vorgaben für die Präsentation zu machen. Und dennoch: Ohne eine eigene Handschrift kommt eine solche Veranstaltung einfach nicht aus. Eine solche war bei früheren Ausgaben zumindest in Ansätzen vorhanden. Wir erinnern uns an die Inszenierung und Ausstellung von Konstantin Grcic als „Designer in Residence“ in Miami im Dezember 2010 oder die „Designers of the Future“ 2009: Martino Gamper, Max Lamb, Julia Lohmann und Kram&Weisshaar. In diesen Fällen wurden wichtige und innovative Positionen im zeitgenössischen Design vorgestellt, kommentiert und diskutiert.

Davon geblieben ist der inzwischen nach seinem Sponsor unbenannte Award, der ohne Nennung einer Jury und ohne erkennbares Konzept drei Designer auszeichnet. Daneben baut die Messe auf qualitativ sehr unterschiedliche Galeriepräsentationen, auf ein deutlich reduziertes Vortragsprogramm und eine Präsentation des Audi Quattro durch den Hauptsponsor Audi.

Bei den Galerien, die sich in Basel präsentieren, liegt der Schwerpunkt eindeutig auf dem – vermutlich besser zu verkaufenden – Vintage-Design. Etablierte zeitgenössische Galerien wie Kreo aus Paris präsentieren ein wenig sortiertes Sammelsurium, das eher an eine Messepräsentation auf der Light+Building als an eine kuratierte Designmesse erinnert.

Natürlich gibt es auch hier positive Ausnahmen wie die frische und innovative Präsentation von Victor Hunt aus Brüssel. Hunt nennt sich etwas provokativ „Designart Dealer“ und zeigt an dieser spannenden Schnittsteller zwischen Kunst und Design ausgewählte und spannende Arbeiten junger „Designkünstler“ wie Humans since 1982 und Johannes Hemann. „We offer the design the industry can’t“, hat Victor Hunt zu seinem Credo gemacht. Mehr davon bitte!

www.designmiami.com