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von 2139 Forward End
Die Dame, die ich in der Bahn traf, ist die ideale Kundin der Küchenbranche. Auf der Rückreise von Köln nach Hamburg sortiere ich nicht nur Eindrücke, sondern auch Presseunterlagen. Alle fünf Jahre, erzählt sie, müsse sie ihre Küche erneuern. Alles fliegt dann raus. Und obwohl die letzte Welle gerade einmal zwei Jahre her ist, spürt man ihre Nervosität angesichts der Messeneuheiten, die sie natürlich in etwa kennt, selbst wenn sie nicht auf der „Living Kitchen“ war, dem großen Event rund um Kücheneinrichtung und -gerätschaften in Köln.

Kunden von heute sind gut informiert. Vor allem der Induktionsherd mit Vollflächenkochfeld hat es ihr angetan. „Gaggenau“ hat ihn vor zwei Jahren erstmals präsentiert und nun ist das Vollflächenkochfeld im Begriff, sich als neuer Standard bei den High-End-Küchen durchzusetzen. Viele kleine Induktoren sind dabei unter der durchgehenden Glaskeramik-Platte so miteinander verschaltet, dass ein einmal erkannter Topf beliebig über das Kochfeld verschoben werden kann. Die per Display oder Steuerknopf getätigten Einstellungen bleiben erhalten, egal wo sich der Topf auf dem Kochfeld befindet. „Da bin ich leider nicht up-to-date“, sagt die Dame in der Bahn.

Mir geht in diesem Moment eine Showküche besonderer Art durch den Kopf: Die Feuerstelle im Frankfurter Goethehaus, das bekanntlich eine Nachkriegsrekonstruktion ist. Hier wurden Töpfe noch ins Feuer gehängt. Kochen war eine schweißtreibende Betätigung, die Kraft, viele Hände und Töpfe erforderte. Für Profi-Köche, die bis heute mit dem Feuer hantieren, sobald sie das Fernsehstudio verlassen, gilt das heute noch. Der private Küchenfanatiker orientiert sich zwar am Vorbild des Kochs, soviel alltägliche Mühe aufwenden wie dieser möchte er aber nicht. Er nähert sich seinem Vorbild, übernimmt die Gestalt seiner Maschinen, Möbel und Utensilien, um die archaischen Rituale der Essenszubereitung in eine ästhetisierte Umgebung zu transferieren.

Wer sich für Technik begeistert und das regelmäßige Renovieren der eigenen Küche gleichsam als Hobby betreibt, für den war Köln dieser Tage ein Pilgerort besonderer Güte. Hersteller von Kücheneinrichtungen und -geräten verstanden es, einen wirtschaftlichen Dreiklang zu erzeugen: Die Phantasie anregen, Emotionen beflügeln und Kaufentscheidungen vorbereiten. Gegenwärtig scheinen die Messegesellschaften potentiellen Ausstellern plausible Angebote zu unterbreiten. So kehrten Hersteller auf die Kölner Messe zurück oder waren dort erstmals präsent. Insgesamt 175 Aussteller mit einem Auslandsanteil von 40 Prozent waren in Köln vertreten. Hinzu kamen verteilt über die Stadt Aktivitäten in eigenen Showrooms.

Der Name „Living Kitchen“, mittlerweile etabliert, aber noch immer merkwürdig, hat inzwischen eine zusätzliche Bedeutung erlangt: Denn mehr denn je verweist er auf das Eigenleben der Küchen. Wenn die Küche zeitgemäß ist, soll sie „smart“ und „vernetzt“ sein. Der alten Frage, ob das Licht im Kühlschrank tatsächlich ausgeht, sobald dessen Tür geschlossen ist, verleiht Siemens mit einer Zukunftsstudie zu neuer Brisanz: Eine iPad-App erlaubt nun auch den Blick in den geschlossenen Kühlschrank und seine Warenbestände. Wie man aus diesen ein Abendessen bereitet und welche Einkäufe noch zu tätigen sind, soll ebenfalls per App organisierbar sein. Selten erschließt sich der Sinn solcher Vernetzung, die mit einem hohen technischen Aufwand verbunden ist, wo doch auch der traditionelle Blick in Kühlschrank und Kochbuch zu ähnlichen Ergebnissen führt.

Höchst fragwürdig ist die Designstudie „Alno Mesa“, deren Griffe in Form eines Kleiderhakens jede Köchin und jeden Koch bei der Arbeit behindern. Sehenswert dagegen das modulare Konzept einer „Bewegten Küche“, ebenfalls von „Alno", die Technik für das Zusammenleben mehrerer Generationen nutzbar machen will. Verstellbare Hubelemente sollen es Menschen unterschiedlicher Größe und unterschiedlichen Alters ermöglichen, bequem in der Küche zu arbeiten. Um die Ziele von Christian Hartmannsgruber, dem Projektleiter Innovation bei „Alno" zu erfüllen, muss aus der „Bewegten Küche“ ein langlebiges Produkt werden, denn sie soll im Laufe der Zeit verschiedene IT-Techniken, Aspekte der Gesundheitsvorsorge und der Kommunikation integrieren, alles allerdings auf der Basis bereits bestehender Technik. Ab Herbst wird die „Bewegte Küche“ als Produkt der wiederbelebten Marke Tielsa auf den Markt kommen.

Technik ganz anderer Art präsentierte „Warendorf“ mit der „Hidden Kitchen“, einer Küchenzeile, die per Schlüssel gesteuert hinter einem schwenkbaren Garagentor mit ästhetischer Rost-Oberfäche mal erscheint und dann wieder verschwindet. Dagegen wirkt die Küche aus dunkelbraun eloxiertem Aluminium, die „Minotti Cucine“ inmitten des italienischen Küchen-Gemeinschaftsstands zeigte, aufgrund geringer Anstrengungen zur Inszenierung geradezu bescheiden.

Dass Inszenierung alles ist, beweisen die großen Konzern-Gruppen mit ihren Marken. Die „Bosch-Siemens-Hausgeräte BSH" präsentierten sich dabei unabhängig voneinander und mit größtmöglicher Eigenständigkeit. Während „Bosch" sich als technikorientierte Marke mit hohem Nutzwert für den Alltag in Szene setzt und gleichsam nebenbei auf die große Zahl gewonnener Designpreise verweist, ohne auch nur einen einzigen zu nennen, gibt sich „Siemens" als fast schon unterkühlte Technik-Marke, deren Visionen nicht immer atemberaubend sind (siehe oben). „Neff" gruppiert seine Produkte – zum Beispiel einen Herd, der pausenlos seine Tür öffnet und unter den Backraum schiebt – inmitten einer mediterran erscheinenden Küchenlandschaft. Deren Fliesenboden wurde allerdings – eine wirtschaftlich und ökologisch kluge Entscheidung – durch einen Laminatboden ersetzt. Dieser verlangt allerdings, wie die meisten der ausgestellten Produkte, nach permanent aktivem Reinigungspersonal.

In einer Welt für sich dagegen agiert „Gaggenau". Als wichtigste Neuheiten wurden die beiden Backofen-Serien 200 und 400 präsentiert. Designchef Sven Baacke entwickelte mit seinem fünfköpfigen Team die bekannte Bilderrahmen-Thematik von „Gaggenau" evolutionär weiter. Die Serie 400 wirkt dabei skulpturaler und ragt mit einem leichten Frontüberstand in den Raum. Die Serie 200 hingegen wird flächenbündig eingebaut. Wie bisher kann die Bedienung sowohl per TFT-Touch-Display als auch über Drehknebel erfolgen. Die Türen beider Serien wurden von Sound-Designern mitgestaltet. Bemerkbar macht sich dies über ein sattes Einschnappen wie bei Autos entsprechender Premiummarken. Changierende Farben sollen besonders gut auf das Umfeld reagieren, was auf dem dunklen Stand, der zum Teil als Schaulager inszeniert war, der eigenen Einbildungskraft überlassen blieb.

Als eine Einheit mit unterschiedlichen Angeboten präsentierte sich die „Electrolux-Gruppe", in der sich skandinavische, deutsche und italienische Einflüsse mit „Zanussi", „AEG", „Electrolux" und der neuen Linie „Electrolux Grand Cusine“ mischten. Der Stand war hier eine Raumfolge, bei der die Marken unterschiedliche Themen in den Vordergrund rückten.

Als belebtester Messestand bleibt „Miele“ in Erinnerung. Erst nach einer kurzen Akkreditierungs-Prozedur durfte er betreten werden. Dennoch herrschte drangvolle Enge. Eine neue Einbauserie und die Bedienung „M-Touch“ nach Smartphone-Vorbild wurden präsentiert, auch ein Kühlschrank, dessen verstellbare Tablare einzeln mit LEDs beleuchtet sind, gehörte zu den Neuerungen, ebenso ein Kaffeevollautomat, dessen Sensoren die Höhe der untergestellten Tasse von selbst wahrnehmen.

Weil „Emotion“ im Vordergrund der Messestände steht, bleibt für Information nicht viel Raum. Die verpflichtenden Angaben zum Stromverbrauch der einzelnen Geräte wurden nur bei „Liebherr“ vorbildlich dokumentiert, die übrigen Aussteller beschränkten sich auf das geläufige „A“ mit einem oder mehreren Plus-Zeichen, was über den realen Verbrauch kaum etwas aussagt.

Während sich viele Technik-Hersteller auf Schwarz, Weiß und diverse Brauntöne für ihre Fronten konzentrieren, bietet „Blanco“ farbige Spülbecken an. Stark farbige Küchen waren nur vereinzelt zu sehen, dagegen tauchte das von „Bulthaup“ in Mailand als Oberfläche vorgestellte sägeraue Furnier auch bei „Leicht“ und dem Wohnmöbelhersteller „Ligne Roset“ auf.

Eine technische Neuheit für den zweiten Blick sind die „eUnits“ von „Dornbracht“. Mit ihnen lässt sich Wasser genau dosieren, temperieren und – falls keine Hand frei ist – per Sensor und Fußsteuerung abstellen.

Womöglich führt die neue Küchenwelt ein Eigenleben und fordert ihre potentiellen Benutzer durch planerische Phantasie und Mut zum Experiment auf. Wer Kochen bislang auch als körperliche Tätigkeit begriffen hat, geht künftig besser ins Sportstudio.

www.livingkitchen-cologne.de
Neue Funktionalitäten bei „Neff“: die Herdtür schiebt sich unter den Backraum, Foto © Thomas Edelmann
Von der Leichtigkeit des Kochens
von Thomas Edelmann
22. Januar 2013
„Siemens“ auf der "Living Kitchen", Foto © Thomas Edelmann
In einer Zukunftsstudie vernetzt „Siemens“ alle Küchengeräte digital, Foto © Thomas Edelmann
Die Präsentation von „Neff“, Foto © Thomas Edelmann
Der Vollinduktionsherd von „Siemens“, Foto © Thomas Edelmann
Die „Hidden Kitchen“ von „Warendorf“, Foto © Thomas Edelmann
Auf Knopfdruck verschwindet die Küchenzeile der „Hidden Kitchen“, Foto © Thomas Edelmann
Die neue Linie „Electrolux Grand Cuisine“, Foto © Thomas Edelmann
Mit einer neuen iPad-App erlaubt „Siemens“ den Blick in den geschlossenen Kühlschrank, Foto © Siemens
„Liebherr“ stellte den geringen Stromverbrauch der Geräte in den Vordergrund, Foto © Thomas Edelmann
Die Designstudie „Alno Mesa“, Foto © Thomas Edelmann
Sägeraues Furnier zeigte „Leicht“ als neue Oberfläche, Foto © Thomas Edelmann
Küchenfronten in Rost-Ästhetik bei „Warendorf“, Foto © Thomas Edelmann
Großflächige Induktionskochfelder präsentierte „AEG“, Foto © Thomas Edelmann
Die Armatur „Pivot" von Dornbracht, Foto © Robert Volhard, Stylepark
Das modulare Konzept der „Bewegten Küche“ von Alno, Foto © Thomas Edelmann
Zwei neue Backofen-Serien präsentierte „Gaggenau” als wichtigste Neuheiten, Foto © Thomas Edelmann
Die mobile Küche “Critter“ von Skitsch, Foto © Sabrina Spee, Stylepark
News & Stories › 2013 › Januar
Von der Leichtigkeit des Kochens
von Thomas Edelmann | 22. Januar 2013
Bedienung per Touch-Display, bewegliche Arbeitsflächen, sensorisch gesteuerte Kaffeezubereitung: Die alle zwei Jahre parellel zur imm Cologne stattfindende „Living Kitchen“ präsentierte Technik als Hilfe zum besseren Leben. Eine Vision, die mitunter sogar überzeugen kann.
Die Dame, die ich in der Bahn traf, ist die ideale Kundin der Küchenbranche. Auf der Rückreise von Köln nach Hamburg sortiere ich nicht nur Eindrücke, sondern auch Presseunterlagen. Alle fünf Jahre, erzählt sie, müsse sie ihre Küche erneuern. Alles fliegt dann raus. Und obwohl die letzte Welle gerade einmal zwei Jahre her ist, spürt man ihre Nervosität angesichts der Messeneuheiten, die sie natürlich in etwa kennt, selbst wenn sie nicht auf der „Living Kitchen“ war, dem großen Event rund um Kücheneinrichtung und -gerätschaften in Köln.

Kunden von heute sind gut informiert. Vor allem der Induktionsherd mit Vollflächenkochfeld hat es ihr angetan. „Gaggenau“ hat ihn vor zwei Jahren erstmals präsentiert und nun ist das Vollflächenkochfeld im Begriff, sich als neuer Standard bei den High-End-Küchen durchzusetzen. Viele kleine Induktoren sind dabei unter der durchgehenden Glaskeramik-Platte so miteinander verschaltet, dass ein einmal erkannter Topf beliebig über das Kochfeld verschoben werden kann. Die per Display oder Steuerknopf getätigten Einstellungen bleiben erhalten, egal wo sich der Topf auf dem Kochfeld befindet. „Da bin ich leider nicht up-to-date“, sagt die Dame in der Bahn.

Mir geht in diesem Moment eine Showküche besonderer Art durch den Kopf: Die Feuerstelle im Frankfurter Goethehaus, das bekanntlich eine Nachkriegsrekonstruktion ist. Hier wurden Töpfe noch ins Feuer gehängt. Kochen war eine schweißtreibende Betätigung, die Kraft, viele Hände und Töpfe erforderte. Für Profi-Köche, die bis heute mit dem Feuer hantieren, sobald sie das Fernsehstudio verlassen, gilt das heute noch. Der private Küchenfanatiker orientiert sich zwar am Vorbild des Kochs, soviel alltägliche Mühe aufwenden wie dieser möchte er aber nicht. Er nähert sich seinem Vorbild, übernimmt die Gestalt seiner Maschinen, Möbel und Utensilien, um die archaischen Rituale der Essenszubereitung in eine ästhetisierte Umgebung zu transferieren.

Wer sich für Technik begeistert und das regelmäßige Renovieren der eigenen Küche gleichsam als Hobby betreibt, für den war Köln dieser Tage ein Pilgerort besonderer Güte. Hersteller von Kücheneinrichtungen und -geräten verstanden es, einen wirtschaftlichen Dreiklang zu erzeugen: Die Phantasie anregen, Emotionen beflügeln und Kaufentscheidungen vorbereiten. Gegenwärtig scheinen die Messegesellschaften potentiellen Ausstellern plausible Angebote zu unterbreiten. So kehrten Hersteller auf die Kölner Messe zurück oder waren dort erstmals präsent. Insgesamt 175 Aussteller mit einem Auslandsanteil von 40 Prozent waren in Köln vertreten. Hinzu kamen verteilt über die Stadt Aktivitäten in eigenen Showrooms.

Der Name „Living Kitchen“, mittlerweile etabliert, aber noch immer merkwürdig, hat inzwischen eine zusätzliche Bedeutung erlangt: Denn mehr denn je verweist er auf das Eigenleben der Küchen. Wenn die Küche zeitgemäß ist, soll sie „smart“ und „vernetzt“ sein. Der alten Frage, ob das Licht im Kühlschrank tatsächlich ausgeht, sobald dessen Tür geschlossen ist, verleiht Siemens mit einer Zukunftsstudie zu neuer Brisanz: Eine iPad-App erlaubt nun auch den Blick in den geschlossenen Kühlschrank und seine Warenbestände. Wie man aus diesen ein Abendessen bereitet und welche Einkäufe noch zu tätigen sind, soll ebenfalls per App organisierbar sein. Selten erschließt sich der Sinn solcher Vernetzung, die mit einem hohen technischen Aufwand verbunden ist, wo doch auch der traditionelle Blick in Kühlschrank und Kochbuch zu ähnlichen Ergebnissen führt.

Höchst fragwürdig ist die Designstudie „Alno Mesa“, deren Griffe in Form eines Kleiderhakens jede Köchin und jeden Koch bei der Arbeit behindern. Sehenswert dagegen das modulare Konzept einer „Bewegten Küche“, ebenfalls von „Alno", die Technik für das Zusammenleben mehrerer Generationen nutzbar machen will. Verstellbare Hubelemente sollen es Menschen unterschiedlicher Größe und unterschiedlichen Alters ermöglichen, bequem in der Küche zu arbeiten. Um die Ziele von Christian Hartmannsgruber, dem Projektleiter Innovation bei „Alno" zu erfüllen, muss aus der „Bewegten Küche“ ein langlebiges Produkt werden, denn sie soll im Laufe der Zeit verschiedene IT-Techniken, Aspekte der Gesundheitsvorsorge und der Kommunikation integrieren, alles allerdings auf der Basis bereits bestehender Technik. Ab Herbst wird die „Bewegte Küche“ als Produkt der wiederbelebten Marke Tielsa auf den Markt kommen.

Technik ganz anderer Art präsentierte „Warendorf“ mit der „Hidden Kitchen“, einer Küchenzeile, die per Schlüssel gesteuert hinter einem schwenkbaren Garagentor mit ästhetischer Rost-Oberfäche mal erscheint und dann wieder verschwindet. Dagegen wirkt die Küche aus dunkelbraun eloxiertem Aluminium, die „Minotti Cucine“ inmitten des italienischen Küchen-Gemeinschaftsstands zeigte, aufgrund geringer Anstrengungen zur Inszenierung geradezu bescheiden.

Dass Inszenierung alles ist, beweisen die großen Konzern-Gruppen mit ihren Marken. Die „Bosch-Siemens-Hausgeräte BSH" präsentierten sich dabei unabhängig voneinander und mit größtmöglicher Eigenständigkeit. Während „Bosch" sich als technikorientierte Marke mit hohem Nutzwert für den Alltag in Szene setzt und gleichsam nebenbei auf die große Zahl gewonnener Designpreise verweist, ohne auch nur einen einzigen zu nennen, gibt sich „Siemens" als fast schon unterkühlte Technik-Marke, deren Visionen nicht immer atemberaubend sind (siehe oben). „Neff" gruppiert seine Produkte – zum Beispiel einen Herd, der pausenlos seine Tür öffnet und unter den Backraum schiebt – inmitten einer mediterran erscheinenden Küchenlandschaft. Deren Fliesenboden wurde allerdings – eine wirtschaftlich und ökologisch kluge Entscheidung – durch einen Laminatboden ersetzt. Dieser verlangt allerdings, wie die meisten der ausgestellten Produkte, nach permanent aktivem Reinigungspersonal.

In einer Welt für sich dagegen agiert „Gaggenau". Als wichtigste Neuheiten wurden die beiden Backofen-Serien 200 und 400 präsentiert. Designchef Sven Baacke entwickelte mit seinem fünfköpfigen Team die bekannte Bilderrahmen-Thematik von „Gaggenau" evolutionär weiter. Die Serie 400 wirkt dabei skulpturaler und ragt mit einem leichten Frontüberstand in den Raum. Die Serie 200 hingegen wird flächenbündig eingebaut. Wie bisher kann die Bedienung sowohl per TFT-Touch-Display als auch über Drehknebel erfolgen. Die Türen beider Serien wurden von Sound-Designern mitgestaltet. Bemerkbar macht sich dies über ein sattes Einschnappen wie bei Autos entsprechender Premiummarken. Changierende Farben sollen besonders gut auf das Umfeld reagieren, was auf dem dunklen Stand, der zum Teil als Schaulager inszeniert war, der eigenen Einbildungskraft überlassen blieb.

Als eine Einheit mit unterschiedlichen Angeboten präsentierte sich die „Electrolux-Gruppe", in der sich skandinavische, deutsche und italienische Einflüsse mit „Zanussi", „AEG", „Electrolux" und der neuen Linie „Electrolux Grand Cusine“ mischten. Der Stand war hier eine Raumfolge, bei der die Marken unterschiedliche Themen in den Vordergrund rückten.

Als belebtester Messestand bleibt „Miele“ in Erinnerung. Erst nach einer kurzen Akkreditierungs-Prozedur durfte er betreten werden. Dennoch herrschte drangvolle Enge. Eine neue Einbauserie und die Bedienung „M-Touch“ nach Smartphone-Vorbild wurden präsentiert, auch ein Kühlschrank, dessen verstellbare Tablare einzeln mit LEDs beleuchtet sind, gehörte zu den Neuerungen, ebenso ein Kaffeevollautomat, dessen Sensoren die Höhe der untergestellten Tasse von selbst wahrnehmen.

Weil „Emotion“ im Vordergrund der Messestände steht, bleibt für Information nicht viel Raum. Die verpflichtenden Angaben zum Stromverbrauch der einzelnen Geräte wurden nur bei „Liebherr“ vorbildlich dokumentiert, die übrigen Aussteller beschränkten sich auf das geläufige „A“ mit einem oder mehreren Plus-Zeichen, was über den realen Verbrauch kaum etwas aussagt.

Während sich viele Technik-Hersteller auf Schwarz, Weiß und diverse Brauntöne für ihre Fronten konzentrieren, bietet „Blanco“ farbige Spülbecken an. Stark farbige Küchen waren nur vereinzelt zu sehen, dagegen tauchte das von „Bulthaup“ in Mailand als Oberfläche vorgestellte sägeraue Furnier auch bei „Leicht“ und dem Wohnmöbelhersteller „Ligne Roset“ auf.

Eine technische Neuheit für den zweiten Blick sind die „eUnits“ von „Dornbracht“. Mit ihnen lässt sich Wasser genau dosieren, temperieren und – falls keine Hand frei ist – per Sensor und Fußsteuerung abstellen.

Womöglich führt die neue Küchenwelt ein Eigenleben und fordert ihre potentiellen Benutzer durch planerische Phantasie und Mut zum Experiment auf. Wer Kochen bislang auch als körperliche Tätigkeit begriffen hat, geht künftig besser ins Sportstudio.

www.livingkitchen-cologne.de