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Von Warschau träumen
von Leyla Basaran | 14. Juni 2013
Till Ronachers „ninetynine" Papiertoaster. Ein Panorama der derzeitig in Deutschland erhältlichen Toaster, jedoch jeglicher Funktion entbehrend. Foto © Leyla Basaran, Stylepark
Auffallen und Aufsehen erregen schien die Devise der diesjährigen Teilnehmer des DMY. 500 Firmen, Designer und Hochschulen werben im riesigen Hangar des ehemaligen Flughafens Berlin Tempelhof um die Gunst der Besucher. Im New Talents-Bereich kommt man dann auf seine Kosten: Hier stellen Jungdesigner ihre experimentellen und zukunftsorientierten Projekte vor. Spannung, Spiel und Spaß scheint die Attitüde zu sein, das Design ist weniger auf Nutzen ausgelegt als auf den Überraschungseffekt.

Design im Sandkasten

So baggert ein gelber Roboter namens „The Worker“ in einem überdimensionalen Sandkasten munter vor sich hin, während sein Kopf in hellem Licht erstrahlt. Roboter und Leuchte werden zu einem Happening vereint. Auch bei den Hochschulen versucht sich der Nachwuchs oft im Experimentellen und spielt mit unerwarteten Gegensätzen und Trompe l’oeil-Effekten. Auf der Mauer, auf der Lauer, dachte sich wohl Laura Christopheri von der Hochschule Burg Giebichenstein. Von weitem wie eine solide Backsteinmauer wirkend, entpuppt sich das "Mauer(werk)" von Christopheri als softe Schaumstoffkonstruktion, die einen nach dem Prinzip „Harte Schale, weicher Kern“ beim Sitzen einsinken lässt. Das regt an, unsere allzu oft festgefahrenen (Vor-)urteile noch einmal zu überdenken.
Nicht nur die Mauer, auch andere Objekte laden zum Ausprobieren ein, bieten Einblicke in den Designprozess – wie eine Maschine, die Teller mit Tropfen verziert -, und zaubern ein Schmunzeln auf das Gesicht der Besucher.

Poetische Grüße aus Polen

Nach Gastländern wie den Niederlanden und Finnland ist es dieses Jahr das Nachbarland Polen, auf das das DMY seinen Scheinwerfer richtet. Das hat es auch verdient. Nicht nur die Wirtschaft Polens schafft in den vergangenen Jahren den Anschluss an die Spitze der Europäischen Union, sondern auch zunehmend die dortige Kunst- und Designszene. Das sieht man mitunter am Lodz Design Festival, das mehr und mehr über die Landesgrenzen hinaus Beachtung findet. So haben sich 40 polnische Designern, Studios, Hochschulen und Institutionen nach Berlin aufgemacht, um den Besuchern der DMY einen Einblick in die aktuellen Designentwicklungen ihres Landes zu bieten.
Auf besonders poetische Art schafft es Jakub Szczęsny mit seinem „Schattenmacher“ die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen: Inmitten des wuseligen Messegeschehens steht sein Baum mit Zetteln in Mobilé-Art bestückt, der nicht nur Erholung bieten soll, sondern auch die Schönheit Warschaus anhand von 28 Motiven zeigt.

Sehen, Staunen und Spielen

Während man sich es so nach einem anstrengenden DMY-Tag unter Szczęsnys „Baum“ gemütlich macht, umwehen einen all die schönen Sehenswürdigkeiten und das Mobilé für Erwachsene lädt so zum Träumen und Abschalten ein. Am letzten Tag der DMY wurden Teile der Installation an Kinder der Messebesucher verschenkt; Polen hinterlässt also seine Spuren, und damit nicht nur sinnbildlich in den Kinderzimmern, sondern auch in der Designszene. Daneben bleibt am Ende der DMY das Gefühl, eine gute Zeit und jede Menge kurzweilige Momente gehabt zu haben, auch wenn man echte Innovationen, die berichtenswert gewesen wären, vergeblich suchte. So bleibt die als Designmai gegründete Messe nach wie vor ein Platz zum Sehen, Staunen und nicht zuletzt Spielen.


www.dmy-berlin.com

Designerin Meike Harde lässt die Zeit tanzen mit ihrer „time is dancing" Wanduhr. Foto © Leyla Basaran, Stylepark
Jakub Szczęsnys Traum-Baum bietet nicht nur einen Ruhepunkt, sondern zeigt gleichzeitig 28 Warschaumotive. Foto © Leyla Basaran, Stylepark
Eine fleißige Maschine gibt Einblicke in den Herstellungsprozess der bunten Tellerdekore. Foto © Leyla Basaran, Stylepark
Für Meike Hardes „Zieharsofika" werden Schaumstoffmatten in gleichmäßige Falten gelegt und mit Gummibändern fixiert. Die Raffung ergibt eine weiche Wellenform. Foto © Leyla Basaran, Stylepark
Laura Christopheris Sitzmöbel „Mauer[Werk]" löst Verwunderung aus, durch die Diskrepanz zwischen Erwartungshaltung und haptischer Wahrnehmung. Foto © Leyla Basaran, Stylepark
Nora Busch, eine Studentin der Hochschule Wismar entwarf „Linjal", eine Leuchte aus faltbaren Zollstöcken. Foto © Leyla Basaran, Stylepark
Eine Schubkarre als Leuchte: überraschende Material- und Objektkombinationen waren dieses Jahr ein beliebtes Thema unter den Designern. Foto © Leyla Basaran, Stylepark
Die „Kami" Vasen des Berliner Designstudios Ett La Benn bestehen aus biologisch abbaubarer Zellulose. Foto © Leyla Basaran, Stylepark
Mädchenhafter Charme: verspielte Details ließen sich bei vielen Objekten entdecken. Foto © Leyla Basaran, Stylepark
Miriam Aust and Sebastian Amelung entwarfen die Dua Kollektion „Like paper", bestehend aus Decken- und Tischleuchte. Foto © Leyla Basaran, Stylepark
Eine schöne und angenehme Atmosphäre kann man auf dem DMY-Festival immer erwarten. Foto © Leyla Basaran, Stylepark
News & Stories › 2013 › Juni
Von Warschau träumen
von Leyla Basaran | 14. Juni 2013
Gute Stimmung und nette Atmosphäre: Das DMY-Design Festival im Berliner Flughafen Tempelhof zeigte, was 500 Nachwuchsdesigner so zu bieten haben. Neben Partyfeeling und dem Länderfokus Polen waren echte Innovationen allerdings Mangelware.

Auffallen und Aufsehen erregen schien die Devise der diesjährigen Teilnehmer des DMY. 500 Firmen, Designer und Hochschulen werben im riesigen Hangar des ehemaligen Flughafens Berlin Tempelhof um die Gunst der Besucher. Im New Talents-Bereich kommt man dann auf seine Kosten: Hier stellen Jungdesigner ihre experimentellen und zukunftsorientierten Projekte vor. Spannung, Spiel und Spaß scheint die Attitüde zu sein, das Design ist weniger auf Nutzen ausgelegt als auf den Überraschungseffekt.

Design im Sandkasten

So baggert ein gelber Roboter namens „The Worker“ in einem überdimensionalen Sandkasten munter vor sich hin, während sein Kopf in hellem Licht erstrahlt. Roboter und Leuchte werden zu einem Happening vereint. Auch bei den Hochschulen versucht sich der Nachwuchs oft im Experimentellen und spielt mit unerwarteten Gegensätzen und Trompe l’oeil-Effekten. Auf der Mauer, auf der Lauer, dachte sich wohl Laura Christopheri von der Hochschule Burg Giebichenstein. Von weitem wie eine solide Backsteinmauer wirkend, entpuppt sich das "Mauer(werk)" von Christopheri als softe Schaumstoffkonstruktion, die einen nach dem Prinzip „Harte Schale, weicher Kern“ beim Sitzen einsinken lässt. Das regt an, unsere allzu oft festgefahrenen (Vor-)urteile noch einmal zu überdenken.
Nicht nur die Mauer, auch andere Objekte laden zum Ausprobieren ein, bieten Einblicke in den Designprozess – wie eine Maschine, die Teller mit Tropfen verziert -, und zaubern ein Schmunzeln auf das Gesicht der Besucher.

Poetische Grüße aus Polen

Nach Gastländern wie den Niederlanden und Finnland ist es dieses Jahr das Nachbarland Polen, auf das das DMY seinen Scheinwerfer richtet. Das hat es auch verdient. Nicht nur die Wirtschaft Polens schafft in den vergangenen Jahren den Anschluss an die Spitze der Europäischen Union, sondern auch zunehmend die dortige Kunst- und Designszene. Das sieht man mitunter am Lodz Design Festival, das mehr und mehr über die Landesgrenzen hinaus Beachtung findet. So haben sich 40 polnische Designern, Studios, Hochschulen und Institutionen nach Berlin aufgemacht, um den Besuchern der DMY einen Einblick in die aktuellen Designentwicklungen ihres Landes zu bieten.
Auf besonders poetische Art schafft es Jakub Szczęsny mit seinem „Schattenmacher“ die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen: Inmitten des wuseligen Messegeschehens steht sein Baum mit Zetteln in Mobilé-Art bestückt, der nicht nur Erholung bieten soll, sondern auch die Schönheit Warschaus anhand von 28 Motiven zeigt.

Sehen, Staunen und Spielen

Während man sich es so nach einem anstrengenden DMY-Tag unter Szczęsnys „Baum“ gemütlich macht, umwehen einen all die schönen Sehenswürdigkeiten und das Mobilé für Erwachsene lädt so zum Träumen und Abschalten ein. Am letzten Tag der DMY wurden Teile der Installation an Kinder der Messebesucher verschenkt; Polen hinterlässt also seine Spuren, und damit nicht nur sinnbildlich in den Kinderzimmern, sondern auch in der Designszene. Daneben bleibt am Ende der DMY das Gefühl, eine gute Zeit und jede Menge kurzweilige Momente gehabt zu haben, auch wenn man echte Innovationen, die berichtenswert gewesen wären, vergeblich suchte. So bleibt die als Designmai gegründete Messe nach wie vor ein Platz zum Sehen, Staunen und nicht zuletzt Spielen.


www.dmy-berlin.com