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Was heißt hier „autonom“?
von Anneke Bokern | 10. Februar 2009
„International Fair for Autonomous Design" lautete der Untertitel der neuen Designmesse Object Rotterdam, die vom 4. bis 8. Februar im ehemaligen Werkstattgebäude Las Palmas auf dem Wilhelminapier in Rotterdam stattfand. Object ist ein Ableger der Kunstmesse Art Rotterdam, die seit 2000 alljährlich im Kreuzfahrtterminal auf der gegenüberliegenden Straßenseite abgehalten wird. Dieses Jahr zeigten dort 73 vorwiegend niederländische Galerien junge Kunst zu noch halbwegs bezahlbaren Preisen zwischen 500 und 15 000 Euro.

Was bei Object Rotterdam gezeigt werden würde, konnte man sich ungefähr ausrechnen: Designkunst von der Sorte, wie sie gerade angesagt ist und auch bei Design Basel Miami oder DesignArt London herumsteht. Teure Auflagenstücke, die irgendwo zwischen Funktionalität und Konzeptionalität pendeln, und Käufer locken, denen die Kunstwerke in der Halle gegenüber doch etwas zu wenig nützlich erscheinen oder die gehört haben, dass Brad Pitt so was jetzt auch kauft.

Was man aber genau unter „autonomem Design" verstehen soll, wusste trotzdem keiner. Bei einer Podiumsdiskussion mit Droog-Gründerin Renny Ramakers und einigen internationalen Droog-Händlern, die der Eröffnung der Messe vorausging, fiel eine bleischwere Stille über den Saal, als eine Journalistin um eine Definition bat. Auch Design-Academy-Direktorin Li Edelkoort wusste, als sie später gefragt wurde, keine bessere Antwort als: „Das ist Design, das nicht von der Industrie produziert wird." Angesichts des großen Hypes um Designkunst scheint es an der Zeit, eine Begriffsbestimmung zu finden, die über eine simple Negation hinausgeht.

Auch Object Rotterdam machte deutlich, dass eine solche Definition von Vorteil wäre. An den insgesamt 21 Ständen wurde viel gutes Konzeptdesign gezeigt, was nicht verwundert, da die Niederländer auf diesem Gebiet dank Droog Design und Design Academy noch immer erstaunlich viel zu bieten haben. Am eigenen Stand präsentierte Droog Design eine neue XS-Version von Tejo Remys legendärer „Chest of Drawers", die Mailänder Galerie I+I zeigte Richard Huttens Teppich „Playing with Tradition", bei der Vivid Gallery aus Rotterdam gab es unter anderem die Kunststoffmöbelkollektion „La Divina Commedia" von Niels van Eijck und Miriam van der Lubbe. Der Schwerpunkt lag auf zeitgenössischen niederländischen Designern, so dass man zum Glück nicht schon wieder Blobmöbel von Ron Arad oder unbezahlbare Klassiker von Prouvé serviert bekam. Auch die kleinen Sonderausstellungen des Zuiderzeemuseum aus Enkhuizen, das unter anderem niederländisches Textil und Kunsthandwerk vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart sammelt, und vom Designhuis Eindhoven, das mit Examensarbeiten von Studenten der Design Academy angereist war, lohnten sich.

Daneben gab es jedoch auch viel Schmuck und Keramik mit geringem konzeptionellen Anspruch zu sehen, weshalb man sich ein ums andere mal auf einem Kunsthandwerkermarkt in einer deutschen Mehrzweckhalle wähnte. Wenn sich Object Rotterdam auf Dauer neben Art Rotterdam behaupten will, dann bedarf die Messe einer deutlicheren Linie und einer strengeren Qualitätskontrolle. Eine Definition des Messethemas wäre kein schlechter Anfang.

www.objectrotterdam.com
Körbe von Scholten & Baijings für Thomas Eyck, © Udo Feitsma, Object Rotterdam
Körbe von Scholten & Baijings für Thomas Eyck, © Udo Feitsma, Object Rotterdam
Koninklijke Tichelaar Makkum
Keramik von Michael Geertsen für Køppe Gallery; © Udo Feitsma, Object Rotterdam
Keramik von Michael Geertsen für Køppe Gallery; © Udo Feitsma, Object Rotterdam
Doodle von Paulo Giordano und Mamma Rosa von Emmanuel Babled für I + I Milan, Italy; © Udo Feitsma, Art Rotterdam
Vivid Gallery; © Udo Feitsma, Object Rotterdam