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Wenn das Licht spricht
von Franziska Horn | 22. November 2009
Neulich im Museum. Ein junger Mann passiert auf seinem Weg durch die größte Designsammlung Deutschlands eine freistehende, matt schimmernde Wand. Diese reagiert unvermutet, indem sie stellenweise aufleuchtet. Der junge Mann stutzt, nimmt den Schein aus dem Augenwinkel wahr, bleibt stehen, geht auf die Wand zu. Diese antwortet erneut: Leuchtet stärker und spiegelt leuchtend die Bewegungen des Gegenübers wider. Mit der Freude und Faszination eines Kleinkindes, das erstmals das eigene Ich im Spiegel entdeckt, beginnt der Mann, Faxen zu machen. Die wellenartig verlaufenden Leuchtinseln - ein Mosaik aus gereihten Quadraten - erwidern die Aktion prompt und verblassen, sobald der Mann verharrt.

Was auf den ersten Blick wie eine dekorative Spielerei wirkt, besitzt ein Potenzial, das in naher Zukunft unseren Alltag prägen könnte. Denn die experimentelle OLED-Installation des Designer-Künstler-Kollektivs rAndom International für Philips Lumiblade ist weit mehr als eine technikverliebte Lampen-Innovation inklusive einer neckischen Bespiegelung des Selbst. Erstmals auf der Mailänder Möbelmesse im April präsentiert, zeigen die strahlenden Lumiblade-Quadrate nun auch in München, was sie können. „Selbst mit der schärfsten Leuchte kann man nicht in Dialog treten, so wie es hier möglich ist", sagt Florian Hufnagl, Direktor der Neuen Sammlung. „Hier liegt unsere Zukunft - warum trauern wir eigentlich der Glühbirne nach?", fragt er.

Worin liegt also die ungeheuerliche Neuerung? Warum landet eine technologische Erfindung im Museum, bevor sie den Alltag erobert? Das ist ungewöhnlich. Aber berechtigt: Um es kurz zu sagen: Die OLED-Installation von rAndom International ist ein Schaustück dessen, was geht - und was gehen wird. Ein Blick hinter die Wand aus 900 spiegelblanken Lumiblade OLED-Modulen zeigt eine einzelne, kleine Kamera, die in der Mitte der Fläche angebracht ist. „Sie nimmt ausschließlich Bewegungen wahr, misst sie und übersetzt sie in Licht - umgekehrt ebenso in Schatten, auch das ist möglich", erklärt Stefanie Greca, Head of Special Projects bei der Neuen Sammlung. „Eine Gestaltung der Oberfläche, individualisierbar und wie der Einzelne sie will, liegt im Trend", resümiert Hufnagl. Ist damit der Weg für interaktive Leuchtpanele im Bad, an Möbeln und Spiegeln und im gesamten Haus eröffnet?

Auch wenn hier ein wahrlich erhellender Dialog im Vordergrund steht, bleibt die Frage: Was kann OLED, was LED nicht kann? Die Antwort: Während LEDs mit anorganischen Kristallen hergestellt werden, verwendet man für Organisch lichtemittierende Dioden (OLEDs) organische Kohlenwasserstoffe als Halbleiter. Die Parallelen: OLEDs gelten ebenfalls als effizient, langlebig und energiesparend. Doch haben sie zudem den Vorteil der Nachhaltigkeit (aufgrund der organischen Verbindung) und zudem einen niedrigen Hitzegrad, was die Kombination mit einer Vielzahl von Kunststoffen ermöglicht. OLEDs verbreiten ein warmweißes, diffuses und flächiges Licht und stellen somit eine neue Art der Lichtverteilung dar. Im Kontrast dazu setzen LEDs scharf gerichtete, akzentuierende Lichtpunkte oder Lichtstrahlen. Noch ein Plus der OLEDs: die extrem dünnflächige Bauart in Kombination mit Glas macht sie für den großen Markt der Displays interessant. Auch Fenster könnten in naher Zukunft des Nachts als Lichtquelle fungieren. Daneben forscht man aktuell daran, gebogene sowie flexible Trägerflächen einzusetzen - den Möglichkeiten bis hin zu leuchtenden Tapeten und Vorhängen sowie zu faltbaren Bildschirmen scheinen damit kaum Grenzen gesetzt.

Auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung fragt bereits: Gehört den OLEDs die Zukunft? Tatsache ist: LED und OLED ergänzen sich und bilden einen neuen Typus digitaler Beleuchtung. Denn während die Glühbirne: fünf Prozent Wirkungsgrad besitzt, verfügen OLEDs über fünfzig bis sechzig Prozent. Das japanische Unternehmen Sony brachte bereits im Januar 2009 das Modell „Sony XEL-1" und damit den ersten OLED-Fernseher auf den Markt, Kostenpunkt: stolze 4.300 Euro. Doch ebenso wie die Installation „You fade to light" ist dieser ein Argument und zugleich industrielles Beweisstück für eine neue Art der Beleuchtung.


Die Neue Sammlung - The International Design Museum Munich
OLED-Installation „You fade to light"
vom 11.November 2009 bis 7. Februar 2010
Pinakothek der Moderne München

die-neue-sammlung.de
Alle Fotos: © Rainer Schmitzberger
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