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Wie man das Unmögliche möglich macht
von Adelheid Komenda | 2. Oktober 2010
Portrait Florian Kaps. Alle Fotos ©The Impossible Project

Auf einer Soirée der Firma „Impossible" anlässlich der photokina Präsentation mit etwa 150 ausgewählten Personen (es ist in dem Zusammenhang nicht falsch, von einer eingefleischten Fangemeinde zu sprechen), wurde die so genannte „zweite Generation" der analogen Sofortbildfilme für traditionelle Polaroidkameras präsentiert. Erhältlich sind ab sofort der PX 70 Color Shade (ein neuer Farbfilm für Polaroid SX 70) und der PX 600 Silver Shade UV+ (als neuer Schwarz/Weiß-Film für Polaroid 600 Kameras). Zugleich wurde auch die so genannte „Impossible Batterie" eingeführt, mit der die neuen Filmgenerationen ausgestattet sind und die sich durch eine hohe Temperaturunabhängigkeit sowie eine Lebensdauer, die weit über eine Filmpackung hinausreicht, auszeichnet.

Soweit die Fakten. Wer mit einer glamourösen und stylischen Veranstaltung gerechnet hatte, wurde enttäuscht: gut so. Erlebbar war eine völlig unaufgeregte Abendveranstaltung, kein Hype, keine Society. Es ging um die Sache, und die „Sache" ist etwas für Freaks, für Liebhaber - und genau das wurde vermittelt. Eine gelungene und vor allem glaubhafte Präsentation, wozu nicht zuletzt die gewählte Lokalität - das von Wilhelm Riphahn 1950 errichtete ehemalige Britische Kulturinstitut (seit 2002 Sitz des Kölnischen Kunstvereins) beitrug.

Der Held des Abends war zweifellos der Tscheche Jan Hnizdo, der mit seinem „Baby" in Gestalt einer Polaroid-Großformatkamera einen fulminanten Auftritt hatte. Über einen Meter hoch und mehr als 100 Kilogramm schwer, ist dieser Apparat nichts für Schnappschüsse, dafür aber ein fast schon magisches Objekt für Liebhaber dieser größten je gebauten Sofortbildkamera, die einzigartig in Europa ist. Der Prager Fotograf arbeitet seit über einem Jahr mit Impossible zusammen. Die erstellten Porträtunikate im Format 50 mal 60 Zentimeter auf Farb- und Schwarz/Weiß Film sind eindrucksvoll und überraschend in der Qualität. Noch interessanter ist die Art ihrer Entstehung: Der Apparat in seiner Größe und in seinem Aussehen erinnert an die Riesenapparturen der fotografischen Anfänge aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, an Zeiten, als man Belichtungszeiten schon mal in Stunden oder auch in Tagesangaben machte. Und so knarrt und surrt und kreischt und ächzt es an dem Abend im Kunstverein zu Köln; hier muss es klicken, dort muss an einem Rädchen gedreht werden, oder es muss das Ohr an die Appartur gehalten werden um zu hören, ob die Walze auch überträgt. Der Verdunklungsstoff muss an beiden Seiten festgehalten, die Folienverschweißung des Films entfernt werden - zwei Tropfen hellblaue Flüssigkeit - ein Problem? Ach stimmt, Fotografie ist Chemie, ist Technik, ist Arbeit, ist Leidenschaft - wunderbar war all das erlebbar!

Zum ersten Mal in der Geschichte der analogen Fotografie wagt es Impossible, einen Integralfilm für die legendäre 20 mal 24 Inch Polaroid Kamera herzustellen. Alles steckt noch in den Kinderschuhen und bedarf noch weiterer Experimentierphasen, aber Rom wurde bekanntlich auch nicht an einem Tage erbaut. Die Anfänge von Impossible liegen am Ende: die Traditions- und Kultmarke Polaroid stellte 2008 die Produktion ein und der Tod des Sofortbildes schien besiegelt. Mitnichten: die Rechnung wurde ohne den damals noch weitgehend unbekannten Wirt gemacht. Dieser ist spätestens jetzt - und das nicht nur in der Szene - ein Begriff: Florian Kaps, gebürtiger Wiener, promovierter Biologe und seit Jahren Liebhaber von „Polas", wie die Fangemeinde die Sofortbilder abkürzt.

Gemeinsam mit seinen Kompagnons André Bosman, dem Ex-Produktionsleiter von Polaroid, und Marwan Saba, gründete Kaps Impossible und startete damit das „Unmögliche Projekt". Er kaufte von der insolventen US-Firma Polaroid Maschinen aus deren holländischem Werk in Enschede. Mit einer Handvoll ehemaliger Polaroid-Mitarbeiter arbeitet man nun am ehemaligen Standort der Traditionsmarke wieder an der Entwicklung neuer Sofortbildfilme - korrekter an der Entwicklung von Instant Integral Filmen, denn „Polaroid" darf man die Produkte wegen der Urheberrechte nicht nennen.

Eindrucksvoll finden sich auf der Webseite vom Ipossible - selbstredend in visueller Sofortbildmanier - die Gegebenheiten vor Ort in leichten Blau- und Grünstichen - wie man es von dem Medium kennt. Die ehemaligen Produktionshallen mit den schweren Maschinenkolossen, den Chemieschränken, den Schreibtischen und etlichem verlassenen Material sind hier zu besichtigen.

Um dem Ganzen auch einen entsprechendes Gesicht zu geben, wurde ein neues und im Ergebnis bestechend schlichtes Coporate Design von Heine/Lenz/Zizka (Frankfurt/Main) entwickelt. Der Widerspruch, der schon im Namen steckt, wurde dabei typrographisch sichtbar gemacht durch ein gespiegeltes „P" - es soll das Gegenteil von „Possible" betonen. Zugleich ist die seitenverkehrte Darstellung typisch für die Fotografie. Das akzentuierte „P" steht auch für die Marke Polaroid, ohne die es Impossible nicht gäbe. Eine rundum gelungene Wiedergeburt mit neuer CI.

Dass das Sofortbild auch im 21. Jahrhundert seine Fangemeinde hat, liegt an der Philosophie: Die Polaroid-Fotografie mag nicht mehr die schnellste sein - aber das „Ausdrucksmedium" Polaroid-Bild hat immer noch ein spontanes und künstlerisches Etwas. Schließlich ist es ja auch „das einzig fotografische Material, wo wirklich ein Original entsteht", so Florian Kaps. Das Bildfenster im weißen Rahmen mit der signifikanten Farbgebung, die Neugier auf das sich vor den eigenen Augen entwickelnde Ergebnis, die spontane Verfügbarkeit - das Sofortbild ist unvergleichbar und hat im Gegensatz zum Handy- oder Digitalkamerafoto einfach Charme. Es ist in einer immer konformer und steriler werdenden Welt der Produkte ein haptisch erfahrbares Objekt, es beansprucht seine eigene Zeit im ständig steigenden Tempo des Alltags, kurz: es hat ein eigenes Leben. Es wurde von Künstlergrößen wie Gerhard Richter oder David Hockney ebenso benutzt wie es bei polizeilichen Ermittlungen geschätzt wurde. Das Sofortbild ist wahre Leidenschaft.

Impossible hat es also geschafft: das schier Unmögliche ist wahr geworden. Neben all den Digitalkameras der neuesten Generation wurde das Projekt auf der diesjährigen photokina in Köln präsentiert. Ein schlichter Stand, die Möglichkeit ein Sofortbild erstellen zu lassen und jede Menge nette Leute und Freaks, die dem Interessenten ihre Philosophie vermitteln: authentischer geht's nicht.

www.the-impossible-project.com

PX 70 Color Shade
Impossible Camera Event 20 x 24
Impossible Soiree
News & Stories › 2010 › Oktober
Wie man das Unmögliche möglich macht
von Adelheid Komenda | 2. Oktober 2010
Als Polaroid 2008 die Produktion von Sofortbildfilmen endgültig eingestellt hat, schien nicht nur eine Erfolgsgeschichte an ihr Ende gekommen, sondern auch eine fast schon mythische Art analoger Bildproduktion für immer dahin zu sein. Nun hat die Firma „Impossible" das Unmögliche wahr gemacht und auf der photokina in Köln die zweite Generation analoger Sofortbildfilme präsentiert. Sofort ein Bild - das geht von nun an auch wieder chemisch.
Auf einer Soirée der Firma „Impossible" anlässlich der photokina Präsentation mit etwa 150 ausgewählten Personen (es ist in dem Zusammenhang nicht falsch, von einer eingefleischten Fangemeinde zu sprechen), wurde die so genannte „zweite Generation" der analogen Sofortbildfilme für traditionelle Polaroidkameras präsentiert. Erhältlich sind ab sofort der PX 70 Color Shade (ein neuer Farbfilm für Polaroid SX 70) und der PX 600 Silver Shade UV+ (als neuer Schwarz/Weiß-Film für Polaroid 600 Kameras). Zugleich wurde auch die so genannte „Impossible Batterie" eingeführt, mit der die neuen Filmgenerationen ausgestattet sind und die sich durch eine hohe Temperaturunabhängigkeit sowie eine Lebensdauer, die weit über eine Filmpackung hinausreicht, auszeichnet.

Soweit die Fakten. Wer mit einer glamourösen und stylischen Veranstaltung gerechnet hatte, wurde enttäuscht: gut so. Erlebbar war eine völlig unaufgeregte Abendveranstaltung, kein Hype, keine Society. Es ging um die Sache, und die „Sache" ist etwas für Freaks, für Liebhaber - und genau das wurde vermittelt. Eine gelungene und vor allem glaubhafte Präsentation, wozu nicht zuletzt die gewählte Lokalität - das von Wilhelm Riphahn 1950 errichtete ehemalige Britische Kulturinstitut (seit 2002 Sitz des Kölnischen Kunstvereins) beitrug.

Der Held des Abends war zweifellos der Tscheche Jan Hnizdo, der mit seinem „Baby" in Gestalt einer Polaroid-Großformatkamera einen fulminanten Auftritt hatte. Über einen Meter hoch und mehr als 100 Kilogramm schwer, ist dieser Apparat nichts für Schnappschüsse, dafür aber ein fast schon magisches Objekt für Liebhaber dieser größten je gebauten Sofortbildkamera, die einzigartig in Europa ist. Der Prager Fotograf arbeitet seit über einem Jahr mit Impossible zusammen. Die erstellten Porträtunikate im Format 50 mal 60 Zentimeter auf Farb- und Schwarz/Weiß Film sind eindrucksvoll und überraschend in der Qualität. Noch interessanter ist die Art ihrer Entstehung: Der Apparat in seiner Größe und in seinem Aussehen erinnert an die Riesenapparturen der fotografischen Anfänge aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, an Zeiten, als man Belichtungszeiten schon mal in Stunden oder auch in Tagesangaben machte. Und so knarrt und surrt und kreischt und ächzt es an dem Abend im Kunstverein zu Köln; hier muss es klicken, dort muss an einem Rädchen gedreht werden, oder es muss das Ohr an die Appartur gehalten werden um zu hören, ob die Walze auch überträgt. Der Verdunklungsstoff muss an beiden Seiten festgehalten, die Folienverschweißung des Films entfernt werden - zwei Tropfen hellblaue Flüssigkeit - ein Problem? Ach stimmt, Fotografie ist Chemie, ist Technik, ist Arbeit, ist Leidenschaft - wunderbar war all das erlebbar!

Zum ersten Mal in der Geschichte der analogen Fotografie wagt es Impossible, einen Integralfilm für die legendäre 20 mal 24 Inch Polaroid Kamera herzustellen. Alles steckt noch in den Kinderschuhen und bedarf noch weiterer Experimentierphasen, aber Rom wurde bekanntlich auch nicht an einem Tage erbaut. Die Anfänge von Impossible liegen am Ende: die Traditions- und Kultmarke Polaroid stellte 2008 die Produktion ein und der Tod des Sofortbildes schien besiegelt. Mitnichten: die Rechnung wurde ohne den damals noch weitgehend unbekannten Wirt gemacht. Dieser ist spätestens jetzt - und das nicht nur in der Szene - ein Begriff: Florian Kaps, gebürtiger Wiener, promovierter Biologe und seit Jahren Liebhaber von „Polas", wie die Fangemeinde die Sofortbilder abkürzt.

Gemeinsam mit seinen Kompagnons André Bosman, dem Ex-Produktionsleiter von Polaroid, und Marwan Saba, gründete Kaps Impossible und startete damit das „Unmögliche Projekt". Er kaufte von der insolventen US-Firma Polaroid Maschinen aus deren holländischem Werk in Enschede. Mit einer Handvoll ehemaliger Polaroid-Mitarbeiter arbeitet man nun am ehemaligen Standort der Traditionsmarke wieder an der Entwicklung neuer Sofortbildfilme - korrekter an der Entwicklung von Instant Integral Filmen, denn „Polaroid" darf man die Produkte wegen der Urheberrechte nicht nennen.

Eindrucksvoll finden sich auf der Webseite vom Ipossible - selbstredend in visueller Sofortbildmanier - die Gegebenheiten vor Ort in leichten Blau- und Grünstichen - wie man es von dem Medium kennt. Die ehemaligen Produktionshallen mit den schweren Maschinenkolossen, den Chemieschränken, den Schreibtischen und etlichem verlassenen Material sind hier zu besichtigen.

Um dem Ganzen auch einen entsprechendes Gesicht zu geben, wurde ein neues und im Ergebnis bestechend schlichtes Coporate Design von Heine/Lenz/Zizka (Frankfurt/Main) entwickelt. Der Widerspruch, der schon im Namen steckt, wurde dabei typrographisch sichtbar gemacht durch ein gespiegeltes „P" - es soll das Gegenteil von „Possible" betonen. Zugleich ist die seitenverkehrte Darstellung typisch für die Fotografie. Das akzentuierte „P" steht auch für die Marke Polaroid, ohne die es Impossible nicht gäbe. Eine rundum gelungene Wiedergeburt mit neuer CI.

Dass das Sofortbild auch im 21. Jahrhundert seine Fangemeinde hat, liegt an der Philosophie: Die Polaroid-Fotografie mag nicht mehr die schnellste sein - aber das „Ausdrucksmedium" Polaroid-Bild hat immer noch ein spontanes und künstlerisches Etwas. Schließlich ist es ja auch „das einzig fotografische Material, wo wirklich ein Original entsteht", so Florian Kaps. Das Bildfenster im weißen Rahmen mit der signifikanten Farbgebung, die Neugier auf das sich vor den eigenen Augen entwickelnde Ergebnis, die spontane Verfügbarkeit - das Sofortbild ist unvergleichbar und hat im Gegensatz zum Handy- oder Digitalkamerafoto einfach Charme. Es ist in einer immer konformer und steriler werdenden Welt der Produkte ein haptisch erfahrbares Objekt, es beansprucht seine eigene Zeit im ständig steigenden Tempo des Alltags, kurz: es hat ein eigenes Leben. Es wurde von Künstlergrößen wie Gerhard Richter oder David Hockney ebenso benutzt wie es bei polizeilichen Ermittlungen geschätzt wurde. Das Sofortbild ist wahre Leidenschaft.

Impossible hat es also geschafft: das schier Unmögliche ist wahr geworden. Neben all den Digitalkameras der neuesten Generation wurde das Projekt auf der diesjährigen photokina in Köln präsentiert. Ein schlichter Stand, die Möglichkeit ein Sofortbild erstellen zu lassen und jede Menge nette Leute und Freaks, die dem Interessenten ihre Philosophie vermitteln: authentischer geht's nicht.

www.the-impossible-project.com