transparent_layer
db-images/cms/banner/img/l1_v369374_958_728_90-1.jpg
Blättern: First Back
von 2143 Forward End
Wieviel Design verträgt das Klima?
von Thomas Wagner | 20. August 2008
v.l.n.r.: Hans Theo Baumann, Peter Raacke, Arno Votteler, Kurt Weidemann, Thomas Rempen, Florian Hufnagl, Herbert H. Schultes, Dieter Rams, Franco Clivio, Thomas Edelmann; Alle Fotos: © Roman Thomas, Celle

Es scheint, als würden Ansammlungen sprechender und denkender Menschen naturgemäß dazu zu neigen, gemeinsame Erklärungen abzusondern. In Zeiten, in denen Meinungen, Argumente und Themen daran gemessen werden, wie groß die Aufmerksamkeit ist, die sie zu generieren vermögen, zählt eben nicht nur der mehr oder weniger produktive Austausch untereinander; es bedarf auch eines vorzeigbaren Ausweises dessen, was stattgefunden hat, sprich: einer gemeinsam formulierten Deklaration, eines Leitbildes, einer Vision oder Agenda. Doch nicht nur in der Politik beschränken sich solche gemeinsamen Erklärungen zumeist auf den kleinsten gemeinsamen Nenner und fallen derart allgemein und nichtssagend aus, dass man sich fragt, ob sie mehr erbringen als den Nachweis einer von vielen geteilten Sorge oder gutgemeinten Absicht.

Nun haben sich vom 6. bis zum 8. August unter dem Motto „Wie viel Design verträgt das Klima?“ erfahrene deutschsprachige Designer zu den „1. Starnberger Gesprächen“ getroffen, um – nach einer Bestandsaufnahme und kritischen Diskussionen – eine „Starnberger Agenda“ zu formulieren, die helfen soll, künftige Aufgaben des Berufsfeldes zu definieren. Die international renommierten „elder statesmen“ des Designs, allesamt einstmals in führenden Positionen tätig und zum Teil heute noch immer als Berater, Hochschullehrer und Gestalter aktiv, äußerten sich dabei auch zu aktuellen Fragestellungen von Wirtschaft und Gesellschaft.

Wie der Presseinformation des iF – International Forum Design GmbH zu entnehmen ist, das die Designer – zusammen mit Florian Hufnagl, dem Leiter der Neuen Sammlung in München, der als Gast historische Bezüge und Zukunftsperspektiven herstellen sollte – zu dem Treffen eingeladen hatte, fordern die Teilnehmer Unternehmen, Politik und Öffentlichkeit auf, Designer umfassend in den Entwurf von wichtigen Zukunftstechniken einzubeziehen. Als Beispiele nennen sie Solaranlagen und Windräder oder die Verbesserung der Lichtqualität von Energiesparlampen. Junge Designer ermutigen sie, sich verstärkt mit diesen Fragestellungen zu befassen.

Ob, wie der Kommunikationsdesigner und Hochschullehrer Thomas Rempen glaubt, Not tatsächlich erfinderisch macht, wird sich zeigen. Noch scheint die Not hierzulande nicht allzu groß und die Verlagerung von Produktionsstandorten in Billiglohnländer verspricht innerhalb eines globalisierten Kapitalismus noch immer mehr Gewinn als eine nachhaltige Produktion. Gleichwohl, Designer könnten in der Tat zur Entwicklung ökologisch unbedenklicher und energieeffizienter Produktionsverfahren beitragen. Doch setzt das ein Umdenken auch bei Ingenieuren, Marketing und Vertrieb voraus, auf das Designer nur begrenzt Einfluss haben.

Fraglich ist auch, ob die Kompetenz der Kreativen, wie Rempen meint, wirklich darin besteht, „Lebensverbesserungsgenerator“ zu sein. Wäre Design so monströs wie diese Wortschöpfung, es müsste uns angst und bange werden. Aber selbst ohne Generator gehört die Lebensverbesserung durch Design wohl eher ins Reich der Legenden. „Wir Designer müssen wachsam, schnell und kreativ sein, uns stärker einmischen, wenn es darum geht, bessere und weniger schädliche Produkte zu entwickeln“, fordert Rempen – und keiner wird ihm widersprechen. Was aber heißt besser? Und wer hält eigentlich was für schädlich? Zumindest der Hinweis, das gelte auch und gerade für die Autoindustrie, die gefordert sei, verbrauchsarme und dabei attraktive neue Modelle und Antriebstechniken zu forcieren, ist gegenwärtig nicht mehr als ein Allgemeinplatz, durch den erst einmal gar nichts besser oder weniger schädlich wird.

Immerhin scheint man in der Zunft mittlerweile auch die Folgen des eigenen Tuns etwas klarer zu sehen und weist eine Mitverantwortung für die Entwicklung von Produkten, deren Produktion klimaschädliche Auswirkungen hat, nicht länger von der Hand: „Wir haben in der Vergangenheit auch fragwürdigen Dingen zu Glanz verholfen, wir haben sie mitunter zu sexy gemacht“, bekennt Herbert H. Schultes, der einst als Siemens-Chefdesigner wirkte und heute für Unternehmen wie bulthaup tätig ist. Der Designbegriff, der sich daraus ergibt, stammt freilich aus der Mottenkiste. Hingegen wird jeder Schultes ohne weiteres zustimmen können, wenn er feststellt: „Idealtypisches Design ist besonders langlebig und qualitätvoll. Was wir zunächst als teuer empfinden, ist tatsächlich sein besonderer Wert. In Zukunft aber gehört zur Designqualität auch, den CO2-Ausstoß während Produktion und Gebrauch zu verringern.“

„Das Berufsbild des Designers, das wir entwickelt haben, muss sich erweitern und verändern, wie sich auch die Aufgaben des Designs verändert und erweitert haben“, fordert auch Hans Theo Baumann, der einst mit sechs weiteren Kollegen den Verband Deutscher Industriedesigner ins Leben rief. Ohne Selbstheroisierung geht es aber auch bei ihm nicht: „Wir hatten den Mut, unsere Projekte auch gegen Widerstände zu entwickeln. Entscheidend war immer der Unternehmer. Heute müssen junge Designer ebenfalls Mut haben, um sich für die Belange der Umwelt einzusetzen. Und was die Umwelt betrifft, gibt es viel zu tun.“

Auch Franco Clivio, der für Unternehmen wie Gardena, Lamy und Erco arbeitete und in Venedig Design lehrt, setzt auf eine neue Partnerschaft: „Unternehmer waren unsere Partner, die wir von unseren Konzepten und Ideen überzeugen konnten. Wenn sie mit uns zusammenarbeiteten, konnten wir sie erfolgreich machen, deshalb haben sie uns respektiert.“ Designer sollten Ingenieure, Entwickler und Konstrukteure also künftig noch intensiver als Partner verstehen, um gemeinsam auf gute Gestaltung einzuwirken. Der Ingenieur werde „zum Verbündeten des Designs.“

Die am Ende beschlossene „Starnberger Agenda“ lautet sodann: „Während es in der Vergangenheit für das Design eher um Form-Formulierungen ging, um das Gesicht eines Wirtschaftswunders, um das Bild des „Made in Germany“, geht es heute für uns Designer um mehr. Es beginnt eine neue Etappe: Signale, wie die dramatische Ölpreis-Explosion oder die erkennbare Wasserknappheit, zeigen die neue Not, die uns erfinderisch machen muss.

Der Designer als Generalist hat eine neue Chance, eine neue Aufgabe: Er muss als Regisseur beispielhafter Problemlösungen wirken und Form-Formulierungen anbieten, die die neuen Ideen und Produkte für die neue Zeit attraktiv und begehrenswert machen.

Dringlicher denn je ist auch die enge Kooperation mit den Technikern. Die Technologien in allen Bereichen entwickeln sich in atemberaubendem Tempo in einer globalen und vernetzten Wissensgesellschaft. Der Designer als Generalist, als kreativer Ingenieur, als Lebensverbesserungsgenerator ist in einer Pole-Position: „Er macht augenfällig und gefällig, was sinnfällig ist.“

Unterzeichnet ist die Agenda von Hans Theo Baumann, Franco Clivio, Peter Raacke, Dieter Rams, Thomas Rempen, Herbert H. Schultes, Arno Votteler und Kurt Weidemann.

So weit, so gut. Oder auch nicht. Dass nun auch Designer den Anstrieg des Ölpreises mitbekommen haben, mag man beruhigend finden. Dass die erste Ölkrise mehr als dreißig Jahre zurückliegt, die auf Zukunft und Weltverbesserung abonnierten daraus aber ebenso wenig Konsequenzen gezogen haben wie die Politik, schon weniger. Und was die nun geforderte „enge Kooperation mit den Technikern“ angeht, so scheint die Runde am See ganz vergessen zu haben, dass Design immer schon etwas mit Technologie zu tun hatte und eng mit neuen Entwicklungen verzahnt war. Charles Eames oder Raymond Loewy hätte ihnen das sicher erklären können.

So manche Formulierung dieser „Agenda“ verlangt geradezu danach, die Sachkenntnis der Herren nicht über zu bewerten. So mancher, der aus der Pole-Position gestartet ist, fand sich am Ende der ersten Runde mit explodiertem Motor im Kiesbett wieder. Allein in der Rolle eines „Generalisten“ und „kreativen Ingenieurs“ wird der Designer die Zukunft jedenfalls nicht gewinnen können, mangelt es ihm als solchem doch bei weitem an der Kompetenz, neben den ökonomischen und ökologischen Folgen seines Handels auch deren kulturelle abschätzen zu können. Etwas „augenfällig und gefällig“ zu machen wird in Zeiten, da Design es im Wesentlichen mit der Gestaltung des Unsichtbaren zu tun hat, nicht ausreichen, auch wenn beides am Ende in einem Objekt „sinnfällig“ wird. Sinnvoll sollten die Produkte der Zukunft schon auch sein. Dazu bedarf es aber zunächst der Umstellung der geistigen Produktion von einem rein ästhetischen oder ökonomischen auf einen kulturellen Mehrwert.

Also warten wir, nach diesem schwachen Start aus der ersten Reihe, gespannt auf die nächsten Schritte. Die Reihe der „Starnberger Gespräche“ soll nämlich fortgesetzt werden. Und die beteiligten Designer planen für die Zukunft eigene Interventionen zum Thema Design und Klimawandel. Doch zuerst einmal erscheint im Herbst eine Dokumentation der „1. Starnberger Gespräche“ in Buchform, an der der Designjournalist und Autor Thomas Edelmann mitwirkt.

„Das war hier keine Quasselrunde“, betont der Grafikdesigner, Typograf, Autor, Lehrer und Berater Kurt Weidemann und verspricht: „Wir werden uns mit konkreten Projekten einmischen.“ Wir bitten darum. Aber auch um weniger Agenda und mehr Präzision.

www.ifdesign.de

Herbert H. Schultes
Dieter Rams
Thomas Rempen, Herbert H. Schultes, Kurt Weidemann
Kurt Weidemann
News & Stories › 2008 › August
Wieviel Design verträgt das Klima?
von Thomas Wagner | 20. August 2008
Fragen der Umweltverträglichkeit und der Nachhaltigkeit von Produkten werden nicht nur immer wichtiger, es wird auch zunehmend darüber diskutiert, was Designer dazu beitragen können, dass solche Produkte entwickelt werden. Darum kreisten auch die „1. Starnberger Gespräche“, an deren Ende sogar eine „Agenda“ beschlossen wurde. Leider steckt sie voller Plattitüden.
Es scheint, als würden Ansammlungen sprechender und denkender Menschen naturgemäß dazu zu neigen, gemeinsame Erklärungen abzusondern. In Zeiten, in denen Meinungen, Argumente und Themen daran gemessen werden, wie groß die Aufmerksamkeit ist, die sie zu generieren vermögen, zählt eben nicht nur der mehr oder weniger produktive Austausch untereinander; es bedarf auch eines vorzeigbaren Ausweises dessen, was stattgefunden hat, sprich: einer gemeinsam formulierten Deklaration, eines Leitbildes, einer Vision oder Agenda. Doch nicht nur in der Politik beschränken sich solche gemeinsamen Erklärungen zumeist auf den kleinsten gemeinsamen Nenner und fallen derart allgemein und nichtssagend aus, dass man sich fragt, ob sie mehr erbringen als den Nachweis einer von vielen geteilten Sorge oder gutgemeinten Absicht.

Nun haben sich vom 6. bis zum 8. August unter dem Motto „Wie viel Design verträgt das Klima?“ erfahrene deutschsprachige Designer zu den „1. Starnberger Gesprächen“ getroffen, um – nach einer Bestandsaufnahme und kritischen Diskussionen – eine „Starnberger Agenda“ zu formulieren, die helfen soll, künftige Aufgaben des Berufsfeldes zu definieren. Die international renommierten „elder statesmen“ des Designs, allesamt einstmals in führenden Positionen tätig und zum Teil heute noch immer als Berater, Hochschullehrer und Gestalter aktiv, äußerten sich dabei auch zu aktuellen Fragestellungen von Wirtschaft und Gesellschaft.

Wie der Presseinformation des iF – International Forum Design GmbH zu entnehmen ist, das die Designer – zusammen mit Florian Hufnagl, dem Leiter der Neuen Sammlung in München, der als Gast historische Bezüge und Zukunftsperspektiven herstellen sollte – zu dem Treffen eingeladen hatte, fordern die Teilnehmer Unternehmen, Politik und Öffentlichkeit auf, Designer umfassend in den Entwurf von wichtigen Zukunftstechniken einzubeziehen. Als Beispiele nennen sie Solaranlagen und Windräder oder die Verbesserung der Lichtqualität von Energiesparlampen. Junge Designer ermutigen sie, sich verstärkt mit diesen Fragestellungen zu befassen.

Ob, wie der Kommunikationsdesigner und Hochschullehrer Thomas Rempen glaubt, Not tatsächlich erfinderisch macht, wird sich zeigen. Noch scheint die Not hierzulande nicht allzu groß und die Verlagerung von Produktionsstandorten in Billiglohnländer verspricht innerhalb eines globalisierten Kapitalismus noch immer mehr Gewinn als eine nachhaltige Produktion. Gleichwohl, Designer könnten in der Tat zur Entwicklung ökologisch unbedenklicher und energieeffizienter Produktionsverfahren beitragen. Doch setzt das ein Umdenken auch bei Ingenieuren, Marketing und Vertrieb voraus, auf das Designer nur begrenzt Einfluss haben.

Fraglich ist auch, ob die Kompetenz der Kreativen, wie Rempen meint, wirklich darin besteht, „Lebensverbesserungsgenerator“ zu sein. Wäre Design so monströs wie diese Wortschöpfung, es müsste uns angst und bange werden. Aber selbst ohne Generator gehört die Lebensverbesserung durch Design wohl eher ins Reich der Legenden. „Wir Designer müssen wachsam, schnell und kreativ sein, uns stärker einmischen, wenn es darum geht, bessere und weniger schädliche Produkte zu entwickeln“, fordert Rempen – und keiner wird ihm widersprechen. Was aber heißt besser? Und wer hält eigentlich was für schädlich? Zumindest der Hinweis, das gelte auch und gerade für die Autoindustrie, die gefordert sei, verbrauchsarme und dabei attraktive neue Modelle und Antriebstechniken zu forcieren, ist gegenwärtig nicht mehr als ein Allgemeinplatz, durch den erst einmal gar nichts besser oder weniger schädlich wird.

Immerhin scheint man in der Zunft mittlerweile auch die Folgen des eigenen Tuns etwas klarer zu sehen und weist eine Mitverantwortung für die Entwicklung von Produkten, deren Produktion klimaschädliche Auswirkungen hat, nicht länger von der Hand: „Wir haben in der Vergangenheit auch fragwürdigen Dingen zu Glanz verholfen, wir haben sie mitunter zu sexy gemacht“, bekennt Herbert H. Schultes, der einst als Siemens-Chefdesigner wirkte und heute für Unternehmen wie bulthaup tätig ist. Der Designbegriff, der sich daraus ergibt, stammt freilich aus der Mottenkiste. Hingegen wird jeder Schultes ohne weiteres zustimmen können, wenn er feststellt: „Idealtypisches Design ist besonders langlebig und qualitätvoll. Was wir zunächst als teuer empfinden, ist tatsächlich sein besonderer Wert. In Zukunft aber gehört zur Designqualität auch, den CO2-Ausstoß während Produktion und Gebrauch zu verringern.“

„Das Berufsbild des Designers, das wir entwickelt haben, muss sich erweitern und verändern, wie sich auch die Aufgaben des Designs verändert und erweitert haben“, fordert auch Hans Theo Baumann, der einst mit sechs weiteren Kollegen den Verband Deutscher Industriedesigner ins Leben rief. Ohne Selbstheroisierung geht es aber auch bei ihm nicht: „Wir hatten den Mut, unsere Projekte auch gegen Widerstände zu entwickeln. Entscheidend war immer der Unternehmer. Heute müssen junge Designer ebenfalls Mut haben, um sich für die Belange der Umwelt einzusetzen. Und was die Umwelt betrifft, gibt es viel zu tun.“

Auch Franco Clivio, der für Unternehmen wie Gardena, Lamy und Erco arbeitete und in Venedig Design lehrt, setzt auf eine neue Partnerschaft: „Unternehmer waren unsere Partner, die wir von unseren Konzepten und Ideen überzeugen konnten. Wenn sie mit uns zusammenarbeiteten, konnten wir sie erfolgreich machen, deshalb haben sie uns respektiert.“ Designer sollten Ingenieure, Entwickler und Konstrukteure also künftig noch intensiver als Partner verstehen, um gemeinsam auf gute Gestaltung einzuwirken. Der Ingenieur werde „zum Verbündeten des Designs.“

Die am Ende beschlossene „Starnberger Agenda“ lautet sodann: „Während es in der Vergangenheit für das Design eher um Form-Formulierungen ging, um das Gesicht eines Wirtschaftswunders, um das Bild des „Made in Germany“, geht es heute für uns Designer um mehr. Es beginnt eine neue Etappe: Signale, wie die dramatische Ölpreis-Explosion oder die erkennbare Wasserknappheit, zeigen die neue Not, die uns erfinderisch machen muss.

Der Designer als Generalist hat eine neue Chance, eine neue Aufgabe: Er muss als Regisseur beispielhafter Problemlösungen wirken und Form-Formulierungen anbieten, die die neuen Ideen und Produkte für die neue Zeit attraktiv und begehrenswert machen.

Dringlicher denn je ist auch die enge Kooperation mit den Technikern. Die Technologien in allen Bereichen entwickeln sich in atemberaubendem Tempo in einer globalen und vernetzten Wissensgesellschaft. Der Designer als Generalist, als kreativer Ingenieur, als Lebensverbesserungsgenerator ist in einer Pole-Position: „Er macht augenfällig und gefällig, was sinnfällig ist.“

Unterzeichnet ist die Agenda von Hans Theo Baumann, Franco Clivio, Peter Raacke, Dieter Rams, Thomas Rempen, Herbert H. Schultes, Arno Votteler und Kurt Weidemann.

So weit, so gut. Oder auch nicht. Dass nun auch Designer den Anstrieg des Ölpreises mitbekommen haben, mag man beruhigend finden. Dass die erste Ölkrise mehr als dreißig Jahre zurückliegt, die auf Zukunft und Weltverbesserung abonnierten daraus aber ebenso wenig Konsequenzen gezogen haben wie die Politik, schon weniger. Und was die nun geforderte „enge Kooperation mit den Technikern“ angeht, so scheint die Runde am See ganz vergessen zu haben, dass Design immer schon etwas mit Technologie zu tun hatte und eng mit neuen Entwicklungen verzahnt war. Charles Eames oder Raymond Loewy hätte ihnen das sicher erklären können.

So manche Formulierung dieser „Agenda“ verlangt geradezu danach, die Sachkenntnis der Herren nicht über zu bewerten. So mancher, der aus der Pole-Position gestartet ist, fand sich am Ende der ersten Runde mit explodiertem Motor im Kiesbett wieder. Allein in der Rolle eines „Generalisten“ und „kreativen Ingenieurs“ wird der Designer die Zukunft jedenfalls nicht gewinnen können, mangelt es ihm als solchem doch bei weitem an der Kompetenz, neben den ökonomischen und ökologischen Folgen seines Handels auch deren kulturelle abschätzen zu können. Etwas „augenfällig und gefällig“ zu machen wird in Zeiten, da Design es im Wesentlichen mit der Gestaltung des Unsichtbaren zu tun hat, nicht ausreichen, auch wenn beides am Ende in einem Objekt „sinnfällig“ wird. Sinnvoll sollten die Produkte der Zukunft schon auch sein. Dazu bedarf es aber zunächst der Umstellung der geistigen Produktion von einem rein ästhetischen oder ökonomischen auf einen kulturellen Mehrwert.

Also warten wir, nach diesem schwachen Start aus der ersten Reihe, gespannt auf die nächsten Schritte. Die Reihe der „Starnberger Gespräche“ soll nämlich fortgesetzt werden. Und die beteiligten Designer planen für die Zukunft eigene Interventionen zum Thema Design und Klimawandel. Doch zuerst einmal erscheint im Herbst eine Dokumentation der „1. Starnberger Gespräche“ in Buchform, an der der Designjournalist und Autor Thomas Edelmann mitwirkt.

„Das war hier keine Quasselrunde“, betont der Grafikdesigner, Typograf, Autor, Lehrer und Berater Kurt Weidemann und verspricht: „Wir werden uns mit konkreten Projekten einmischen.“ Wir bitten darum. Aber auch um weniger Agenda und mehr Präzision.

www.ifdesign.de