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Der französische Nachwuchsdesigner Benjamin Graindorge, Foto © Stylepark
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Fragen an Benjamin Graindorge
Uta Abendroth
15. Februar 2013
Uta Abendroth: Monsieur Graindorge, Ihre Entwürfe sind nie klassisches Industriedesign. Eine Entwurfsskizze für Ihr Sofa „Soft Wild“ zeigt, wie die Polsterung des Möbels einer Decke gleicht, die einen Eisbären wärmt. Die Leuchte „The Cave“, aus deren Korpus etwas nach außen dringen möchte, erinnert an Michaelangelos „prigioni“, und bei der Bank „Fallen Tree“, deren eine Seite von einem Glasfuß getragen wird, mündet die Sitzfläche auf der anderen Seite in einer verästelten Baumkrone. Sehen Sie sich selbst mehr als Künstler oder als Designer?

Benjamin Graindorge: Nein, ich bin kein Künstler. Ich sehe mich ganz und gar als Designer, denn ich arbeite immer mit dem Handwerkszeug der Industrie. Ich stimme meine Entwürfe voll und ganz darauf ab, sowohl die Produktion, als auch den späteren Gebrauch und sogar die Seele des Entwurfs.
Allerdings habe ich die Vorstellung, dass ein Objekt lebendig sein und auf eine gute Art und Weise altern muss. Das will ich mit meinem Ansatz zu gestalten erreichen. Ich versuche immer wieder neue gestalterische Territorien zu entdecken, denn wenn ich vor einer Sache Angst habe, dann ist das Langeweile. Ich denke, wenn man ein neues Objekt zeichnet, dann auch, um die emotionale Seite in sich zu pflegen und zu nähren.

Sie haben längere Zeit in Japan gelebt. Ihr Hocker „Lace“, den Ligne Roset auf der imm Cologne präsentiert hat, kommt wie ein französisches Konfekt in asiatisch-schlichter Verpackung daher. Was für einen Einfluss hat die japanische Ästhetik auf Ihr Design?

Graindorge: Japan ist von zentraler Bedeutung für mich. Ich schätze die Feinheiten und die Tiefe sehr, die vielen Dingen dort innewohnt. Und ich fühle mich unglaublich wohl in Japan, fast als wäre ich in dem Land geboren. Es ist, als ob ich die Kultur in mich aufgenommen hätte und ich kann sagen, nirgendwo fühle ich mich lebendiger als dort. Dieses kontrastreiche Land inspiriert mich und die japanische und die französische Kultur vereinen sich in mir auf ideale Weise. In Japan zu leben hat mich eines gelehrt: Was am meisten zählt, ist das Gefühl, das wir als Designer in unsere Arbeit hineinbringen. Das haben viele Europäer vergessen… Japan ist kein Land des Designs, sondern des Kunsthandwerks – und ich liebe es!

Es ist zu beobachten, dass Design sich in unserer globalen Welt immer weniger zuordnen lässt und sich früher gängige Klischees wie französisch = elegant, deutsch = geradlinig oder niederländisch = ironisch-humorvoll aufzulösen scheinen. Auf der anderen Seite beobachten wir alle einen Trend zum Regionalen. Wie findet man da als Designer seine Nische?

Graindorge: Natürlich ist die Krise, in der wir alle gerade stecken und von der die ganze Welt redet, eine schwierige Sache für uns Designer. Aber sie ist andererseits gut für das Design an sich, denn sie verlangt gewissermaßen von uns Gestaltern, ernsthafter zu werden. Ich bin mir sicher, dass das Industriedesign, wie wir es bisher kannten, so nicht länger existieren wird. Wir können nicht länger über ein Produkt für 10.000 Menschen nachdenken. Stattdessen müssen wir herausfinden, wie sich die Werkzeuge der Industrie für Einzelstücke oder Kleinserien nutzen lassen. Wir müssen insgesamt genauer hinsehen und gezielter arbeiten. Viel wichtiger als die Nationalität der Designer sind die Gedankenströmungen, die die Kreativen ihrer Arbeit zu Grunde legen. Was zählt, sind die emotionale Verantwortung und die Präzision des Denkens, die wir in unsere Arbeit einfließen lassen.

Schon während Ihre Studiums an der ENSCI haben Sie ein Praktikum bei Ronan und Erwan Bouroullec gemacht. Danach haben Sie bei Mathieu Lehanneur und Radi Designers assistiert. Was haben Sie von diesen gelernt?

Graindorge: Dass ich heute Designer bin, habe ich Ronan und Erwan Bouroullec zu verdanken. Bei den beiden habe ich gelernt, richtig hinzuschauen, denn es ist sehr schwierig die Dinge so zu sehen, wie sie tatsächlich sind. Es ist kein Geheimnis: die beiden sind brillant. Sie sehen die Welt nicht wie alle anderen, sondern aus einem absolut neuen Blickwinkel. Erst einmal musste ich lernen, wie man wirklich arbeitet und wie ich in dem kreativen Prozess meine Ideen und Gefühle bewahren kann, ohne dass meine Entwürfe von der Realität beschädigt werden oder abgegriffen wirken. Ronan und Erwan haben mir gezeigt, dass die Wirklichkeit schön ist, dass sie einen inspiriert und die Gedanken anfeuern kann. Sie haben mir Mut gemacht.

Sie gelten als einer der talentiertesten französischen Nachwuchsdesigner. Was dürfen wir in den nächsten Jahren von Ihnen erwarten?

Graindorge: Erwarten? Nichts… Oder vielleicht ganz viel, ich weiß es nicht. Ich habe einfach Glück gehabt und manchmal denke ich, dass dies vielleicht alles nur vorübergehend ist. Ich arbeite und sage mir die ganze Zeit, dass das einzige, was für mich zählt, Freiheit ist. Ich gebe zu, dass ich glücklich bin, von meinen Herstellern unterstützt zu werden, weil sie mir immer wieder Selbstvertrauen geben. Das ist sehr wertvoll für mich. Gerne würde ich auch internationaler tätig werden und zum Beispiel mit japanischen oder skandinavischen Unternehmen zusammenarbeiten. Ich hätte große Lust Restaurants oder Apartments zu designen, um neue Bereiche gestalterisch auszuloten. Und wenn ich Zeit hätte, würde ich am liebsten tagelang mit meinen Buntstiften zeichnen…


www.benjamingraindorge.com
www.ligne-roset.de

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Moustache: Ceramic Feeld @ Stylepark
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News & Stories › 2013 › Februar
5 Fragen an Benjamin Graindorge
von Uta Abendroth | 15. Februar 2013
Bei Ronan und Erwan Bouroullec hat er sehen gelernt, er ist immer für eine Überraschung gut und er liebt Japan. Uta Abendroth hat den 33 Jahre alten französischen Nachwuchsdesigner auf der imm Cologne getroffen, wo er bei Ligne Roset seinen Hocker „Lace“ vorgestellt hat.
Uta Abendroth: Monsieur Graindorge, Ihre Entwürfe sind nie klassisches Industriedesign. Eine Entwurfsskizze für Ihr Sofa „Soft Wild“ zeigt, wie die Polsterung des Möbels einer Decke gleicht, die einen Eisbären wärmt. Die Leuchte „The Cave“, aus deren Korpus etwas nach außen dringen möchte, erinnert an Michaelangelos „prigioni“, und bei der Bank „Fallen Tree“, deren eine Seite von einem Glasfuß getragen wird, mündet die Sitzfläche auf der anderen Seite in einer verästelten Baumkrone. Sehen Sie sich selbst mehr als Künstler oder als Designer?

Benjamin Graindorge: Nein, ich bin kein Künstler. Ich sehe mich ganz und gar als Designer, denn ich arbeite immer mit dem Handwerkszeug der Industrie. Ich stimme meine Entwürfe voll und ganz darauf ab, sowohl die Produktion, als auch den späteren Gebrauch und sogar die Seele des Entwurfs.
Allerdings habe ich die Vorstellung, dass ein Objekt lebendig sein und auf eine gute Art und Weise altern muss. Das will ich mit meinem Ansatz zu gestalten erreichen. Ich versuche immer wieder neue gestalterische Territorien zu entdecken, denn wenn ich vor einer Sache Angst habe, dann ist das Langeweile. Ich denke, wenn man ein neues Objekt zeichnet, dann auch, um die emotionale Seite in sich zu pflegen und zu nähren.

Sie haben längere Zeit in Japan gelebt. Ihr Hocker „Lace“, den Ligne Roset auf der imm Cologne präsentiert hat, kommt wie ein französisches Konfekt in asiatisch-schlichter Verpackung daher. Was für einen Einfluss hat die japanische Ästhetik auf Ihr Design?

Graindorge: Japan ist von zentraler Bedeutung für mich. Ich schätze die Feinheiten und die Tiefe sehr, die vielen Dingen dort innewohnt. Und ich fühle mich unglaublich wohl in Japan, fast als wäre ich in dem Land geboren. Es ist, als ob ich die Kultur in mich aufgenommen hätte und ich kann sagen, nirgendwo fühle ich mich lebendiger als dort. Dieses kontrastreiche Land inspiriert mich und die japanische und die französische Kultur vereinen sich in mir auf ideale Weise. In Japan zu leben hat mich eines gelehrt: Was am meisten zählt, ist das Gefühl, das wir als Designer in unsere Arbeit hineinbringen. Das haben viele Europäer vergessen… Japan ist kein Land des Designs, sondern des Kunsthandwerks – und ich liebe es!

Es ist zu beobachten, dass Design sich in unserer globalen Welt immer weniger zuordnen lässt und sich früher gängige Klischees wie französisch = elegant, deutsch = geradlinig oder niederländisch = ironisch-humorvoll aufzulösen scheinen. Auf der anderen Seite beobachten wir alle einen Trend zum Regionalen. Wie findet man da als Designer seine Nische?

Graindorge: Natürlich ist die Krise, in der wir alle gerade stecken und von der die ganze Welt redet, eine schwierige Sache für uns Designer. Aber sie ist andererseits gut für das Design an sich, denn sie verlangt gewissermaßen von uns Gestaltern, ernsthafter zu werden. Ich bin mir sicher, dass das Industriedesign, wie wir es bisher kannten, so nicht länger existieren wird. Wir können nicht länger über ein Produkt für 10.000 Menschen nachdenken. Stattdessen müssen wir herausfinden, wie sich die Werkzeuge der Industrie für Einzelstücke oder Kleinserien nutzen lassen. Wir müssen insgesamt genauer hinsehen und gezielter arbeiten. Viel wichtiger als die Nationalität der Designer sind die Gedankenströmungen, die die Kreativen ihrer Arbeit zu Grunde legen. Was zählt, sind die emotionale Verantwortung und die Präzision des Denkens, die wir in unsere Arbeit einfließen lassen.

Schon während Ihre Studiums an der ENSCI haben Sie ein Praktikum bei Ronan und Erwan Bouroullec gemacht. Danach haben Sie bei Mathieu Lehanneur und Radi Designers assistiert. Was haben Sie von diesen gelernt?

Graindorge: Dass ich heute Designer bin, habe ich Ronan und Erwan Bouroullec zu verdanken. Bei den beiden habe ich gelernt, richtig hinzuschauen, denn es ist sehr schwierig die Dinge so zu sehen, wie sie tatsächlich sind. Es ist kein Geheimnis: die beiden sind brillant. Sie sehen die Welt nicht wie alle anderen, sondern aus einem absolut neuen Blickwinkel. Erst einmal musste ich lernen, wie man wirklich arbeitet und wie ich in dem kreativen Prozess meine Ideen und Gefühle bewahren kann, ohne dass meine Entwürfe von der Realität beschädigt werden oder abgegriffen wirken. Ronan und Erwan haben mir gezeigt, dass die Wirklichkeit schön ist, dass sie einen inspiriert und die Gedanken anfeuern kann. Sie haben mir Mut gemacht.

Sie gelten als einer der talentiertesten französischen Nachwuchsdesigner. Was dürfen wir in den nächsten Jahren von Ihnen erwarten?

Graindorge: Erwarten? Nichts… Oder vielleicht ganz viel, ich weiß es nicht. Ich habe einfach Glück gehabt und manchmal denke ich, dass dies vielleicht alles nur vorübergehend ist. Ich arbeite und sage mir die ganze Zeit, dass das einzige, was für mich zählt, Freiheit ist. Ich gebe zu, dass ich glücklich bin, von meinen Herstellern unterstützt zu werden, weil sie mir immer wieder Selbstvertrauen geben. Das ist sehr wertvoll für mich. Gerne würde ich auch internationaler tätig werden und zum Beispiel mit japanischen oder skandinavischen Unternehmen zusammenarbeiten. Ich hätte große Lust Restaurants oder Apartments zu designen, um neue Bereiche gestalterisch auszuloten. Und wenn ich Zeit hätte, würde ich am liebsten tagelang mit meinen Buntstiften zeichnen…


www.benjamingraindorge.com
www.ligne-roset.de