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Auch Möbel wollen mobil sein
von Claudia Beckmann | 15. Mai 2008
Mobilität und Flexibilität sind Eigenschaften, die wir heutzutage besitzen sollten, um das Leben zu meistern. Besonders in jungen Jahren schätzen wir es, uns wenig festzulegen und möglichst unabhängig zu bleiben. Allzu gern pendeln wir wie Nomaden zwischen dem Job in der einen, der Beziehung in der anderen Stadt und Freunden überall auf der Welt. So bleiben wir ständig in Bewegung - ob geistig, physisch oder sozial. Mobilität ist eben gefragt. Also auch bei Möbeln: Wandelbar und anpassungsfähig sollen sie sein und unkompliziert auf die jeweiligen Lebensumstände reagieren.

Der "Stitch chair" von Adam Goodrum für Cappellini beispielsweise hält, was er äußerlich an Flexibilität verspricht. Sitz- und Rückenfläche lassen sich durch seitlich und mittig angebrachte Scharniere zusammenfalten. Anders als viele konventionelle Klappstühle ist der aus Aluminium gefertigte Stuhl bemerkenswert stabil. Der "Stitch chair" ist in diversen Farben erhältlich, klein und praktisch kann er jederzeit hinter dem Schrank verschwinden - schließlich hat der Stadtmensch nie genug Stauraum.

Ähnliche Fähigkeiten wie Adam Goodrums Entwurf besitzt auch "One_Shot.MGX" von Patrick Jouin. Der Name klingt zwar wie ein Dateikürzel, es handelt sich aber um einen Kunststoffstuhl, der über ein zentrales Drehelement ein- bzw. ausgefahren werden kann. Jouins Konstruktion funktioniert ähnlich wie ein Regenschirm, nur drehen sich die Kiele in diesem Fall leicht zu Seite, so dass die Form eines Diabolos entsteht, ähnlich auch den Stäbchen eines Mikadospiels, die man zu Beginn aufstellt, um sie dann in einer leichten Drehbewegung fallen zu lassen. Bei "One_Shot.MGX" formt sich dabei im oberen Teil eine Sitzfläche heraus. Wenn der Stuhl nicht mehr benötigt wird, kann man ihn kurzerhand im Schirmständer verschwinden lassen.

Mit "Back" für B&B Italia reagiert auch Patricia Urquiola auf das Thema Flexibilität. Die Rückenlehne und Sitzfläche ihres neuen Stuhls sind mit einem Überzug, einer Art Husse versehen, die dank eines Reißverschlusses auf der Rückseite abnehmbar ist. So kann "Back" dem räumlichen Kontext entsprechend neu eingekleidet werden.

Was kann man sich Angenehmeres vorstellen als im Sessel zu liegen, zu lesen und alle Lieblingsbücher, Zeitschriften, einen kühlen Drink oder wonach einem auch immer der Sinn steht, griffbereit zu haben? Mit dem neuen, mobilen Regalsystem "Motion" von Elisabeth Lux für Pastoe wird der Traum Wirklichkeit: man muss nicht mehr zum Regal gehen, es kommt zu einem. "Motion" besteht aus einzelnen Elementen, die in Höhe, Tiefe und Farbgebung variabel sind, so dass es entsprechend viele Kombinationsmöglichkeiten gibt. Die Verbindung zwischen den Teilen macht es möglich, die Elemente wie eine Ziehharmonika zusammenschieben oder auseinanderziehen zu können. So kann man "Motion" auch als Paravent nutzen, um den Raum zu gliedern. Wer will sich da schon festlegen.

An ein Baukastensystem von Fischertechnik erinnert die "Not so soft"-Kollektion von Stephen Burks. Sie besteht aus einem runden Tisch und einer Bank, die aus einzelnen Spritzguss-Modulen aus Polypropylen zusammengesetzt werden und somit besonders für den Außenbereich geeignet sind. Um eine Tisch zu bauen, benötigt man achtzehn Teile. Was die Bank angeht, kann man sich entscheiden und je nach Bedarf auch nur ein Sitzsegment zusammenstecken. Die Konstruktion lässt sich jederzeit wieder leicht auseinander nehmen und die Einzelteile bis zur nächsten Gartenparty in einer Kiste verstauen.

Eine zumindest optische Beweglichkeit bestimmt die Gartenbank "Ghisa" von Riccardo Blumer und Matteo Borghi für Alias. Sie besteht aus einer Serie modularer Einzelelemente aus Gusseisen, je elf Rippen bilden Sitz und Lehne eines Moduls. Die Sitzelemente gibt es auch in umgekehrt orientierter Ausführung, so dass sich "Ghisa" je nach Belieben zu unzähligen Varianten kombinieren lässt. Das schlangenförmige Gebilde windet sich dynamisch durch den Raum und erinnert in seiner Gestaltung an einen Notenständer oder eine Girlande - und darin auch wieder stark an die "Upon"-Bank von Stefan Diez.

Wir leben in einer Zeit hybrider Möbel, die Altes und Neues verbinden, kulturelle und gesellschaftliche Bezüge reflektieren und darüber hinaus möglichst vielfältige Funktionen besitzen. Ein Objekt für mehrere Gelegenheiten ist der "Hanger chair" von Philippe Malouin. Der Stuhl gleicht einem Bastelbogen, aus dem man einen Teil herausdrücken kann, so dass ein dreidimensionales Objekt entsteht, eben ein Stuhl. Das Clevere an Malouins Produkt ist, dass es auch eine Funktion hat, wenn man es gerade nicht zum Sitzen nutzt: Zusammengefaltet fungiert der "Hanger chair" als Kleiderbügel.

Überraschend wandlungsfähig ist auch ein weiterer Entwurf von Philippe Malouin, den er in Kooperation mit Eurocraft entwickelt hat: "Grace table" ist ein aufblasbarer Tisch, der zehn Personen Platz bietet. Wird die Luft herausgelassen, ist er so klein, dass er sich zusammengerollt in einem Beutel verstauen lässt. Jetzt fehlen nur noch die aufblasbaren Gäste.

Eine Gesellschaft bekommt eben die Möbel, die sie verlangt. So, und jetzt schnell die Stühle zusammenfalten. Wir wollen doch beweglich bleiben!
Back von Patricia Urquiola für B&B Italia
Motion von Elisabeth Lux für Pastoe
Motion von Elisabeth Lux für Pastoe
Not so soft von Stephen Burks für Mogu
Ghisa von Riccardo Blumer und Matteo Borghi für Alias
Hanger chair von Philippe Malouin
Stitch chair von Adam Goodrum für Cappellini
One_Shot.MGX von Patrick Jouin
One_Shot.MGX von Patrick Jouin
Not so soft von Stephen Burks für Mogu
Ghisa von Riccardo Blumer und Matteo Borghi für Alias
Upon-Bank von Stefan Diez für Schönbuch
Grace Table von Philippe Malouin