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Bellinis Bibliothek
und Jains Pool
Peter-Philipp Schmitt | 7. April 2014
Das ist Studio Mumbai: In seinem Haus nahe Alibag, rund 30 Kilometer von Mumbai entfernt, lebt und arbeitet der indische Architekt Bijoy Jain. Foto © Francesca Molteni
Der eine lebt im Wald unweit der Küste des Arabischen Meeres, der andere in einem Hochhaus in New York. Während Bijoy Jain sein Zuhause als offenen Raum bezeichnet, in den angeblich jeder einfach so hinein spazieren darf, ist die Wohnung von Daniel Libeskind in Tribeca unweit von „Ground Zero“ und „Freedom Tower“ ein Refugium, wie er sagt. Libeskind, geboren 1946, hat ein unstetes Leben geführt, das ihn von Łódź in Polen nach Tel Aviv, in die Vereinigten Staaten, nach Berlin und 2003 nach New York verschlagen hat. Dort wurde der Architekt, der unter anderem das Jüdische Museum in Berlin entworfen hat, mit der Bebauung des ehemaligen World-Trade-Center-Geländes beauftragt. Er blieb in Manhattan, obwohl man ihm 2005 den Auftrag wieder entzog.

Wo leben Architekten? Diese Frage wird anlässlich der diesjährigen Mailänder Möbelmesse in acht Fällen beantwortet. Die italienische Filmproduzentin Francesca Molteni hat einige der bekanntesten Architekten der Welt besucht, um ihre Häuser und Wohnungen auf dem „Salone del Mobile“ vorzustellen – mit Bildern, Videos und Installationen. An dem Projekt haben sich der Brasilianer Marcio Kogan, der Japaner Shigeru Ban, der Engländer David Chipperfield, der in Polen geborene Amerikaner Libeskind, die im Irak geborene Britin Zaha Hadid, der Inder Bijoy Jain sowie die Italiener Mario Bellini und Massimiliano Fuksas mit seiner Frau Doriana beteiligt.
Mario Bellinis Wohnung in Mailand, das sich in einem Gebäude aus dem 19. Jahrhundert befindet, windet sich um eine neun Meter hohe Bibliothek. Foto © Davide Pizzigoni
Marcio Kogan, 1952 in São Paulo geboren, ist zugleich Filmemacher und hat 2012 sein Heimatland auf der Biennale in Venedig mit einem humorvollen Kurzfilm vertreten. Der Titel der in Zusammenarbeit mit Lea Van Steen entstandenen Arbeit: „Peep“. Wie ein Voyeur folgt die Kamera dem alltäglichen Tun einer Familie in ihrem Zuhause. Es ist ein von Kogan entworfenes Privathaus mit Namen „V4“ in São Paulo. Kogan selbst lebt ebenfalls in der Metropole. Das Wohnhaus war sein erster Entwurf mit dem er 1980 siegreich aus einem Wettbewerb hervorgegangen ist. Seine Wohnung im zwölften Stock ist vollgestopft mit Erinnerungsstücken aus aller Welt, viele mit Bezug zu Filmen, darunter jede Menge Comicfiguren.
12 Stockwerke über São Paulo: Der brasilianische Architekt Marcio Kogan auf dem Balkon seiner Wohnung - den Gebäudekomplex hat er selbst gestaltet. Foto © Romulo Fialdini
David Chipperfield, Jahrgang 1953, lud Francesca Molteni nach Berlin ein, wo der gebürtige Londoner seit 1997 mehr oder weniger regelmäßig wohnt. Damals bekam er den Auftrag für den Masterplan der Museumsinsel übertragen. Unweit der Museen in Berlin-Mitte hat er ein Haus ganz aus Beton gebaut, zu dem neben Studio und Wohnung auch eine Kantine gehört, die öffentlich zugänglich ist.
3-in-1: David Chipperfields Haus in Berlin-Mitte ist nicht nur sein Privatwohnsitz, sondern zugleich auch Studio samt angeschlossener, öffentlicher Kantine. Foto © Davide Pizzigoni
Zaha Hadid, die sich selbst als Zigeunerin und ohne feste Bleibe beschreibt, verortet ihr Zuhause in der Kindheit, in der Wohnung ihrer Eltern in Bagdad. Inzwischen lebt Hadid, Jahrgang 1950, in London in einem lichtdurchfluteten Apartment. An den Wänden hängen frühe eigene Gemälde, die von dem russischen Avantgardisten Eliezer „El“ Lissitzky inspiriert wurden.
Obwohl sich Zaha Hadid selbst als “Vagabundin” beschreibt, hat sie es sich doch in London gemütlich gemacht. Foto © Davide Pizzigoni
Und Mario Bellini, Jahrgang 1935, träumt angeblich davon, in einem weißen Würfel zu leben. Bis es soweit ist, wohnt und arbeitet der Mailänder in einem Haus aus dem 19. Jahrhundert, das von Piero Portaluppi im 20. Jahrhundert überarbeitet wurde. Im Zentrum befindet sich eine neun Meter hohe Bibliothek, um die herum das Haus gebaut zu sein scheint.
Gebaute Stille: Zuhause bei dem japanischen Architekten und Pritzker-Preisträger Shigeru Ban. Foto © Hiroyuki Hirai
Shigeru Ban ist berühmt für seine Hanegi-Forest-Architektur mitten in einem Wald in Tokio. Für den Bau, in dem er selbst wohnt, durfte kein Baum gefällt werden. Mit seinem – gemeinsam mit dem deutschen Architekten Frei Otto – aus Karton gefertigten japanischen Pavillon für die Expo 2000 in Hannover wurde der 1957 geborene Japaner in Deutschland bekannt. Vor kurzem hat der Japaner obendrein den Pritzker-Preis erhalten, die weltweit bedeutendste Auszeichnung für Architektur.
Ganz und gar nicht futuristisch: Massimiliano und Doriana Fuksas leben in Paris zwischen historischen Gemälden und originalen Jean Prouvé-Möbeln. Foto © Aki Furudate
Und – last but not least – das Ehepaar Fuksas, eigentlich in Rom geboren, öffnete die Türen seines Hauses am Place des Vosges in Paris, das unter anderem mit Original-Möbeln von Jean Prouvé und wertvollen Kunstwerken ausgestattet ist. Bekannt in Deutschland sind sie wegen ihres Einkaufszentrum „MyZeil“ in Frankfurt. Der Name Massimiliano Fuksas, Jahrgang 1944, ist allerdings auch untrennbar mit der Mailänder Möbelmesse verbunden: Er entwarf das neue Messegelände „FieraMilano“ bei Rho und Pero vor den Toren Mailands.


Lesen Sie mehr über die Ausstellung "Where Architects Live"
Where Architects Live
Salone Internazionale del Mobile
Halle 9
Messegelände in Rho
8. bis 13. April 2014
News & Stories › 2014 › April
Bellinis Bibliothek und Jains Pool
von Peter-Philipp Schmitt | 7. April 2014
Kaum etwas ist spannender, als einen Blick in die Wohnung fremder Leute zu werfen. Umso mehr, wenn es sich um weltbekannte Architekten handelt. Eine Ausstellung auf der Mailänder Möbelmesse macht es möglich.
Der eine lebt im Wald unweit der Küste des Arabischen Meeres, der andere in einem Hochhaus in New York. Während Bijoy Jain sein Zuhause als offenen Raum bezeichnet, in den angeblich jeder einfach so hinein spazieren darf, ist die Wohnung von Daniel Libeskind in Tribeca unweit von „Ground Zero“ und „Freedom Tower“ ein Refugium, wie er sagt. Libeskind, geboren 1946, hat ein unstetes Leben geführt, das ihn von Łódź in Polen nach Tel Aviv, in die Vereinigten Staaten, nach Berlin und 2003 nach New York verschlagen hat. Dort wurde der Architekt, der unter anderem das Jüdische Museum in Berlin entworfen hat, mit der Bebauung des ehemaligen World-Trade-Center-Geländes beauftragt. Er blieb in Manhattan, obwohl man ihm 2005 den Auftrag wieder entzog.

Wo leben Architekten? Diese Frage wird anlässlich der diesjährigen Mailänder Möbelmesse in acht Fällen beantwortet. Die italienische Filmproduzentin Francesca Molteni hat einige der bekanntesten Architekten der Welt besucht, um ihre Häuser und Wohnungen auf dem „Salone del Mobile“ vorzustellen – mit Bildern, Videos und Installationen. An dem Projekt haben sich der Brasilianer Marcio Kogan, der Japaner Shigeru Ban, der Engländer David Chipperfield, der in Polen geborene Amerikaner Libeskind, die im Irak geborene Britin Zaha Hadid, der Inder Bijoy Jain sowie die Italiener Mario Bellini und Massimiliano Fuksas mit seiner Frau Doriana beteiligt.
Marcio Kogan, 1952 in São Paulo geboren, ist zugleich Filmemacher und hat 2012 sein Heimatland auf der Biennale in Venedig mit einem humorvollen Kurzfilm vertreten. Der Titel der in Zusammenarbeit mit Lea Van Steen entstandenen Arbeit: „Peep“. Wie ein Voyeur folgt die Kamera dem alltäglichen Tun einer Familie in ihrem Zuhause. Es ist ein von Kogan entworfenes Privathaus mit Namen „V4“ in São Paulo. Kogan selbst lebt ebenfalls in der Metropole. Das Wohnhaus war sein erster Entwurf mit dem er 1980 siegreich aus einem Wettbewerb hervorgegangen ist. Seine Wohnung im zwölften Stock ist vollgestopft mit Erinnerungsstücken aus aller Welt, viele mit Bezug zu Filmen, darunter jede Menge Comicfiguren.David Chipperfield, Jahrgang 1953, lud Francesca Molteni nach Berlin ein, wo der gebürtige Londoner seit 1997 mehr oder weniger regelmäßig wohnt. Damals bekam er den Auftrag für den Masterplan der Museumsinsel übertragen. Unweit der Museen in Berlin-Mitte hat er ein Haus ganz aus Beton gebaut, zu dem neben Studio und Wohnung auch eine Kantine gehört, die öffentlich zugänglich ist.Zaha Hadid, die sich selbst als Zigeunerin und ohne feste Bleibe beschreibt, verortet ihr Zuhause in der Kindheit, in der Wohnung ihrer Eltern in Bagdad. Inzwischen lebt Hadid, Jahrgang 1950, in London in einem lichtdurchfluteten Apartment. An den Wänden hängen frühe eigene Gemälde, die von dem russischen Avantgardisten Eliezer „El“ Lissitzky inspiriert wurden.Und Mario Bellini, Jahrgang 1935, träumt angeblich davon, in einem weißen Würfel zu leben. Bis es soweit ist, wohnt und arbeitet der Mailänder in einem Haus aus dem 19. Jahrhundert, das von Piero Portaluppi im 20. Jahrhundert überarbeitet wurde. Im Zentrum befindet sich eine neun Meter hohe Bibliothek, um die herum das Haus gebaut zu sein scheint.Shigeru Ban ist berühmt für seine Hanegi-Forest-Architektur mitten in einem Wald in Tokio. Für den Bau, in dem er selbst wohnt, durfte kein Baum gefällt werden. Mit seinem – gemeinsam mit dem deutschen Architekten Frei Otto – aus Karton gefertigten japanischen Pavillon für die Expo 2000 in Hannover wurde der 1957 geborene Japaner in Deutschland bekannt. Vor kurzem hat der Japaner obendrein den Pritzker-Preis erhalten, die weltweit bedeutendste Auszeichnung für Architektur.Und – last but not least – das Ehepaar Fuksas, eigentlich in Rom geboren, öffnete die Türen seines Hauses am Place des Vosges in Paris, das unter anderem mit Original-Möbeln von Jean Prouvé und wertvollen Kunstwerken ausgestattet ist. Bekannt in Deutschland sind sie wegen ihres Einkaufszentrum „MyZeil“ in Frankfurt. Der Name Massimiliano Fuksas, Jahrgang 1944, ist allerdings auch untrennbar mit der Mailänder Möbelmesse verbunden: Er entwarf das neue Messegelände „FieraMilano“ bei Rho und Pero vor den Toren Mailands.


Lesen Sie mehr über die Ausstellung "Where Architects Live"
Where Architects Live
Salone Internazionale del Mobile
Halle 9
Messegelände in Rho
8. bis 13. April 2014