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Design als brotlose Kunst?
von Oliver Schweizer | 3. April 2012
Oliver Schweizer, Foto © OS

Mit seinem Artikel „Design wird zur Hilfsdisziplin der Kunst" hat Thomas Edelmann eine wunderbare Diskussion über die Designausbildung angestoßen. Aber liefern die bisher vorgetragenen Argumente auch Antworten über die Ziele eines Designstudiums? Zu was muss es die Studenten befähigen? Was sollen sie später als Designer leisten?

Der akademische Diskurs

Es beschleicht mich das Gefühl, dass sich einige in der Wärme der Hochschulen im Diskurs verlieren, ohne die Lebenswirklichkeit für junge Absolventen außerhalb der Hochschule zu reflektieren. Selbstverständlich ist die spezialisierte, die intellektuelle Auseinandersetzung mit dem Metier ein wichtiger Teil des Studiums und essentiell, um einen Überblick zu erhalten. Und ja, für Denker ist die Hochschule ein adäquater Platz. Letztlich müssen aber – auch – Macher ausgebildet werden, die in der Mitte unserer Gesellschaft handlungsfähig sind.

Peter Sloterdijk, Rektor der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe, sprach in einer seiner Semestereröffnungsreden vom Asyl, das die Hochschule den Studierenden bieten würden. Und dass sie – gleich der Akademie im alten Griechenland – die Studierenden der Zwänge der Außenwelt entledige, wodurch sie sich frei entfalten können. Dies ist aus dem Gedächtnis wiedergegeben und auch ist zu vermuten, dass diese Beschreibung sich vornehmlich an die Erstsemester richtete, um ihnen ihre Freiheiten im Studium zu vergewissern. Vielleicht auch, um sie anzuspornen, die nun begonnene gut fünfjährige Karenzzeit bis zum Beginn des Ernst des Lebens intensiv zu nutzen. Auch möchte ich Herrn Sloterdijk keinesfalls eine unklare Sicht auf die Dinge unterstellen.

Gleichwohl finden sich vielerorts Analogien dieser Beschreibung, die ein kolossales Missverständnis birgt: Asyl steht jedem zu. Dem Studium aber ist eine Aufnahmeprüfung vorangesetzt. Nur durch Leistung und Eignung wird man Mitglied einer Hochschule. Eine Akademie, wie sie die Griechen betrieben, lebt von ihren Gönnern und Mäzenen. Ihre Mitglieder müssen ihre Schaffenskraft nicht dem Broterwerb widmen. Betrachten wir also das „Bild" der Akademie, befinden wir uns in der Welt der Kunst. Und somit auch am Ausgangspunkt dieser Debatte.

Kunst ist Selbstzweck und zunächst nicht darauf angelegt, wirtschaftlichen Erfolg zu liefern. Unsere Gesellschaft betrachtet Kunst als ein hohes Gut und hat daher vielerlei Wege manifestiert, Künstlern ein akademisches Umfeld zu finanzieren, in dem sie sich auf ihr künstlerisches Schaffen konzentrieren können. Die Schnittmenge zwischen Kunst und Design ist sicher breit und die Grenzen fließend. Aber nach meiner Auffassung sollte Design niemals brotlos sein! Design beinhaltet eine Aufgabe, ein definiertes Ziel. Design liefert ein reales Ergebnis, es ist konkret. Ganz egal, ob das Ergebnis einem genialistischen Gedanken entspringt oder einfach nur die handwerklich saubere Gestaltung eines alltäglichen Produkts darstellt, es will verkauft werden.

Um es klar zu sagen: Es muss diese Akademien geben, in denen junge Menschen sich ausprobieren können. Und gerade weil es so schwierig ist, diesen weichen Begriff des Designs zu verwissenschaftlichen, bedarf es auch Institutionen, die mehr darüber nachdenken, als es handwerklich auszuüben. Wir brauchen auch „Labore" für Designer. Aber versteht sich eine Akademie als Rückzugsort aus der Realität beziehungsweise den Zwängen des Alltags, ist sie im Reifeprozess junger Menschen zu früh platziert. Zunächst muss die Realität, der Alltag erlebt werden, bevor man sich aus diesem zurückziehen und diesen reflektieren kann. Eine Hochschule muss zu allererst ausbilden und zu einem Berufsbild hinführen.

Die Überhöhung des eigenen Werks

Sichtbar und einflussreich wird Design erst, wenn es in Form gegossen in der Gesellschaft ankommt – und akzeptiert wird. Letzteres unterscheidet wiederum fundamental vom Kunstbegriff. Hierzu bedarf es der Wirtschaft, die diese Produkte herstellt und vertreibt. Denn davon hat ein Designer von Haus aus zunächst keine Ahnung. Auch sollten wir uns an dieser Stelle devot zurücknehmen und verstehen, dass es in erster Linie der Unternehmer ist, der für erfolgreiches Design sorgt. Ob Steve Jobs bei Apple oder Rolf Fehlbaum bei Vitra, immer sind es die Unternehmensführer, die den Faktor Design für sich erkennen und in Folge dessen hervorragendes Design überhaupt erst zulassen! Wird Design nicht als strategische Kerngröße begriffen, hat der Designer kaum eine Chance Produkte mit Strahlkraft zu entwickeln.

Aber auch fernab dieser glücklichen Verbindungen werden Tag für Tag tausende Produkte entwickelt, an denen Designer ihren wohl geschätzten Anteil haben. Produkte, die sich nicht durch den Aufdruck eines Stardesigners vermarkten, für Kunden, die noch nie etwas von Philippe Starck gehört haben. Hier muss sich der Designer ein- und unterordnen. Kosten, Herstellungsmöglichkeiten, Vertriebswege und Kundenkreise sind undurchdringbare Leitplanken. Auch wenn der Designer nicht Angestellter eines Herstellers ist, so muss er sich trotzdem mit allen anderen am Entwicklungsprozess beteiligten Disziplinen abstimmen. Es bedarf eines peripheren Verständnisses für die Arbeit der anderen Beteiligten und der Kommunikationsfähigkeit mit diesen. Und genau das ist es auch, was von jungen Designern verlangt wird, die eine Anstellung oder Mitarbeit in einem Designbüro suchen. Sie müssen auch innerhalb des Teams in der Lage sein, ihr Talent darzustellen. Design-handwerkliche Grundfertigkeiten, also der Umgang mit Stift und Papier, CAD-Programmen und das Fertigen einfacher Modelle sind unabdingbar, um mitarbeiten zu können.

Ironischerweise wird der Unterricht dieses „Handwerkszeugs" an Hochschulen meist durch Lehrbeauftragte, Hilfskräfte oder Assistenten, die kurz zuvor noch selbst an eben jener Hochschule als Student eingeschrieben waren, erteilt. Die Qualität und Konstanz dieses Unterrichts ist durch den regen Wechsel auf diesen Positionen stark schwankend. Die Professorenschaft zieht sich dagegen gerne ins Ungefähre zurück. Das vermittelt den Studierenden nebenbei auch noch die fatale Sicht, dass das Ungefähre einen höheren Stellenwert hätte, als die konkrete Arbeit an der Skizze oder dem (virtuellen) Modell. Viele deutsche Hochschulen generieren so Design-Generalisten ohne echtes Fachwissen. Es wird unablässig über den Tellerrand hinaus geschaut, aber die Mitte des Tellers bleibt leer. So sind die Absolventen dann dazu verdammt sich selbständig durchzuschlagen und auf ihren unausweichlichen Durchbruch als Autorendesigner zu hoffen. Für eine Anstellung in einem Designbüro oder einer Designabteilung eines großen Unternehmens fehlen schlicht die „niederen" Fähigkeiten. – Denn dort gibt es ja bereits Chefs, die „stark im Konzept" sind und nicht nach 23 Jahre alten Vordenkern suchen, sondern nach Mitarbeitern, die eine Entwicklung durchführen können. Intelligenz gehört in jedem Fall zu den geforderten Minimalkriterien!

Wenn Design zur (Lebens-) Kunst wird

Sicher ist es nicht nur eine Frage der Möglichkeiten, die durch neue, schnelle und günstige Fertigungsverfahren entstanden sind, sondern der übergroßen Zahl der Designschaffenden geschuldet, dass Designer die Produktion ihrer Produkte immer öfter selbst übernehmen. Sich also in Ermangelung eines Auftraggebers quasi selbst beauftragen. Vielleicht wird man irgendwann zurückblicken und diese Entwicklung als Zeitenwende verstehen, als Prozesse begannen wieder dezentraler abzulaufen, als große Konzerne durch viele kleinere Unternehmen ersetzt wurden? Vordergründig beschreibt diese Entwicklung aber eine zutiefst prekäre Situation. Nur ein geringer Prozentsatz der Absolventen eines Produktdesign-Studiums findet eine Anstellung oder ein vergleichbares Arbeitsverhältnis, von dem es sich leben lässt, geschweige denn eine Familie versorgt werden kann. Gleichzeitig entsteht eine eigenwillige Produktkultur, die nur um ihrer selbst willen entsteht. Design für Designer. Ein Produkt, nur gemacht, um veröffentlicht oder ausgestellt zu werden.

Welche Design-Hochschule führt eine Ehemaligen-Kartei? Wie viele Absolventen arbeiten später wirklich als Produktdesigner und helfen nicht in Möbelgeschäften aus oder haben sich völlig neu orientiert? Und wie steht es mit dem wirtschaftlichen Ertrag derer, die sich tatsächlich als Designer verdingen? Zumindest in monetärer Hinsicht ist die Designbranche der Kunst sehr nah: Tausende in anhaltend studentischen Lebenssituationen.

Letztlich ist es konsequent und ehrlich, wenn in Hamburg das Designstudium (mit den Inhalten, mit denen es dort bislang betrieben wurde) als Variante der Kunst neu kategorisiert wird. Diesen Mut sollten andere Hochschulen auch beweisen und damit jungen Menschen bei der Wahl ihres Studiums eine klare Orientierung geben. Aktuell steht vielerorts Design drauf, wo eigentlich Kunst drin ist.

www.schweizerdesign.com

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News & Stories › 2012 › April
Design als brotlose Kunst?
von Oliver Schweizer | 3. April 2012
Wo Kunst drin sei, solle nicht Design draufstehen, meint Oliver Schweizer. Der Produktdesigner, der die Schweizer Design Consulting leitet und regelmäßig an Designhochschulen lehrt, sieht in der täglichen Praxis Bedarf für solides Handwerkszeug.
Mit seinem Artikel „Design wird zur Hilfsdisziplin der Kunst" hat Thomas Edelmann eine wunderbare Diskussion über die Designausbildung angestoßen. Aber liefern die bisher vorgetragenen Argumente auch Antworten über die Ziele eines Designstudiums? Zu was muss es die Studenten befähigen? Was sollen sie später als Designer leisten?

Der akademische Diskurs

Es beschleicht mich das Gefühl, dass sich einige in der Wärme der Hochschulen im Diskurs verlieren, ohne die Lebenswirklichkeit für junge Absolventen außerhalb der Hochschule zu reflektieren. Selbstverständlich ist die spezialisierte, die intellektuelle Auseinandersetzung mit dem Metier ein wichtiger Teil des Studiums und essentiell, um einen Überblick zu erhalten. Und ja, für Denker ist die Hochschule ein adäquater Platz. Letztlich müssen aber – auch – Macher ausgebildet werden, die in der Mitte unserer Gesellschaft handlungsfähig sind.

Peter Sloterdijk, Rektor der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe, sprach in einer seiner Semestereröffnungsreden vom Asyl, das die Hochschule den Studierenden bieten würden. Und dass sie – gleich der Akademie im alten Griechenland – die Studierenden der Zwänge der Außenwelt entledige, wodurch sie sich frei entfalten können. Dies ist aus dem Gedächtnis wiedergegeben und auch ist zu vermuten, dass diese Beschreibung sich vornehmlich an die Erstsemester richtete, um ihnen ihre Freiheiten im Studium zu vergewissern. Vielleicht auch, um sie anzuspornen, die nun begonnene gut fünfjährige Karenzzeit bis zum Beginn des Ernst des Lebens intensiv zu nutzen. Auch möchte ich Herrn Sloterdijk keinesfalls eine unklare Sicht auf die Dinge unterstellen.

Gleichwohl finden sich vielerorts Analogien dieser Beschreibung, die ein kolossales Missverständnis birgt: Asyl steht jedem zu. Dem Studium aber ist eine Aufnahmeprüfung vorangesetzt. Nur durch Leistung und Eignung wird man Mitglied einer Hochschule. Eine Akademie, wie sie die Griechen betrieben, lebt von ihren Gönnern und Mäzenen. Ihre Mitglieder müssen ihre Schaffenskraft nicht dem Broterwerb widmen. Betrachten wir also das „Bild" der Akademie, befinden wir uns in der Welt der Kunst. Und somit auch am Ausgangspunkt dieser Debatte.

Kunst ist Selbstzweck und zunächst nicht darauf angelegt, wirtschaftlichen Erfolg zu liefern. Unsere Gesellschaft betrachtet Kunst als ein hohes Gut und hat daher vielerlei Wege manifestiert, Künstlern ein akademisches Umfeld zu finanzieren, in dem sie sich auf ihr künstlerisches Schaffen konzentrieren können. Die Schnittmenge zwischen Kunst und Design ist sicher breit und die Grenzen fließend. Aber nach meiner Auffassung sollte Design niemals brotlos sein! Design beinhaltet eine Aufgabe, ein definiertes Ziel. Design liefert ein reales Ergebnis, es ist konkret. Ganz egal, ob das Ergebnis einem genialistischen Gedanken entspringt oder einfach nur die handwerklich saubere Gestaltung eines alltäglichen Produkts darstellt, es will verkauft werden.

Um es klar zu sagen: Es muss diese Akademien geben, in denen junge Menschen sich ausprobieren können. Und gerade weil es so schwierig ist, diesen weichen Begriff des Designs zu verwissenschaftlichen, bedarf es auch Institutionen, die mehr darüber nachdenken, als es handwerklich auszuüben. Wir brauchen auch „Labore" für Designer. Aber versteht sich eine Akademie als Rückzugsort aus der Realität beziehungsweise den Zwängen des Alltags, ist sie im Reifeprozess junger Menschen zu früh platziert. Zunächst muss die Realität, der Alltag erlebt werden, bevor man sich aus diesem zurückziehen und diesen reflektieren kann. Eine Hochschule muss zu allererst ausbilden und zu einem Berufsbild hinführen.

Die Überhöhung des eigenen Werks

Sichtbar und einflussreich wird Design erst, wenn es in Form gegossen in der Gesellschaft ankommt – und akzeptiert wird. Letzteres unterscheidet wiederum fundamental vom Kunstbegriff. Hierzu bedarf es der Wirtschaft, die diese Produkte herstellt und vertreibt. Denn davon hat ein Designer von Haus aus zunächst keine Ahnung. Auch sollten wir uns an dieser Stelle devot zurücknehmen und verstehen, dass es in erster Linie der Unternehmer ist, der für erfolgreiches Design sorgt. Ob Steve Jobs bei Apple oder Rolf Fehlbaum bei Vitra, immer sind es die Unternehmensführer, die den Faktor Design für sich erkennen und in Folge dessen hervorragendes Design überhaupt erst zulassen! Wird Design nicht als strategische Kerngröße begriffen, hat der Designer kaum eine Chance Produkte mit Strahlkraft zu entwickeln.

Aber auch fernab dieser glücklichen Verbindungen werden Tag für Tag tausende Produkte entwickelt, an denen Designer ihren wohl geschätzten Anteil haben. Produkte, die sich nicht durch den Aufdruck eines Stardesigners vermarkten, für Kunden, die noch nie etwas von Philippe Starck gehört haben. Hier muss sich der Designer ein- und unterordnen. Kosten, Herstellungsmöglichkeiten, Vertriebswege und Kundenkreise sind undurchdringbare Leitplanken. Auch wenn der Designer nicht Angestellter eines Herstellers ist, so muss er sich trotzdem mit allen anderen am Entwicklungsprozess beteiligten Disziplinen abstimmen. Es bedarf eines peripheren Verständnisses für die Arbeit der anderen Beteiligten und der Kommunikationsfähigkeit mit diesen. Und genau das ist es auch, was von jungen Designern verlangt wird, die eine Anstellung oder Mitarbeit in einem Designbüro suchen. Sie müssen auch innerhalb des Teams in der Lage sein, ihr Talent darzustellen. Design-handwerkliche Grundfertigkeiten, also der Umgang mit Stift und Papier, CAD-Programmen und das Fertigen einfacher Modelle sind unabdingbar, um mitarbeiten zu können.

Ironischerweise wird der Unterricht dieses „Handwerkszeugs" an Hochschulen meist durch Lehrbeauftragte, Hilfskräfte oder Assistenten, die kurz zuvor noch selbst an eben jener Hochschule als Student eingeschrieben waren, erteilt. Die Qualität und Konstanz dieses Unterrichts ist durch den regen Wechsel auf diesen Positionen stark schwankend. Die Professorenschaft zieht sich dagegen gerne ins Ungefähre zurück. Das vermittelt den Studierenden nebenbei auch noch die fatale Sicht, dass das Ungefähre einen höheren Stellenwert hätte, als die konkrete Arbeit an der Skizze oder dem (virtuellen) Modell. Viele deutsche Hochschulen generieren so Design-Generalisten ohne echtes Fachwissen. Es wird unablässig über den Tellerrand hinaus geschaut, aber die Mitte des Tellers bleibt leer. So sind die Absolventen dann dazu verdammt sich selbständig durchzuschlagen und auf ihren unausweichlichen Durchbruch als Autorendesigner zu hoffen. Für eine Anstellung in einem Designbüro oder einer Designabteilung eines großen Unternehmens fehlen schlicht die „niederen" Fähigkeiten. – Denn dort gibt es ja bereits Chefs, die „stark im Konzept" sind und nicht nach 23 Jahre alten Vordenkern suchen, sondern nach Mitarbeitern, die eine Entwicklung durchführen können. Intelligenz gehört in jedem Fall zu den geforderten Minimalkriterien!

Wenn Design zur (Lebens-) Kunst wird

Sicher ist es nicht nur eine Frage der Möglichkeiten, die durch neue, schnelle und günstige Fertigungsverfahren entstanden sind, sondern der übergroßen Zahl der Designschaffenden geschuldet, dass Designer die Produktion ihrer Produkte immer öfter selbst übernehmen. Sich also in Ermangelung eines Auftraggebers quasi selbst beauftragen. Vielleicht wird man irgendwann zurückblicken und diese Entwicklung als Zeitenwende verstehen, als Prozesse begannen wieder dezentraler abzulaufen, als große Konzerne durch viele kleinere Unternehmen ersetzt wurden? Vordergründig beschreibt diese Entwicklung aber eine zutiefst prekäre Situation. Nur ein geringer Prozentsatz der Absolventen eines Produktdesign-Studiums findet eine Anstellung oder ein vergleichbares Arbeitsverhältnis, von dem es sich leben lässt, geschweige denn eine Familie versorgt werden kann. Gleichzeitig entsteht eine eigenwillige Produktkultur, die nur um ihrer selbst willen entsteht. Design für Designer. Ein Produkt, nur gemacht, um veröffentlicht oder ausgestellt zu werden.

Welche Design-Hochschule führt eine Ehemaligen-Kartei? Wie viele Absolventen arbeiten später wirklich als Produktdesigner und helfen nicht in Möbelgeschäften aus oder haben sich völlig neu orientiert? Und wie steht es mit dem wirtschaftlichen Ertrag derer, die sich tatsächlich als Designer verdingen? Zumindest in monetärer Hinsicht ist die Designbranche der Kunst sehr nah: Tausende in anhaltend studentischen Lebenssituationen.

Letztlich ist es konsequent und ehrlich, wenn in Hamburg das Designstudium (mit den Inhalten, mit denen es dort bislang betrieben wurde) als Variante der Kunst neu kategorisiert wird. Diesen Mut sollten andere Hochschulen auch beweisen und damit jungen Menschen bei der Wahl ihres Studiums eine klare Orientierung geben. Aktuell steht vielerorts Design drauf, wo eigentlich Kunst drin ist.

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