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Spezial: Adaptive Fassaden
Die Selfie-Fassade
von Sophia Walk | 6. Februar 2014
Mittels der Computersimulation des Pavillons lässt sich bereits im Vorfeld das Geschehen während der Olympischen Winterspiele in Sochi darstellen und die Wirkung der interaktiven Fassade darstellen. Foto © iart
Ein „Selfie“ beschreibt die fotografische Selbstdarstellung auf den Plattformen der sozialen Medien. Der ausufernde „Selfie-ismus“ – das Wort „Selfie“ wurde übrigens zum englischen Wort des Jahres 2013 gewählt – erfährt mit dem Fassadenkonzept des Londoner Architekten Asif Khan eine vollkommen neue Dimension. Gemeinsam mit dem Schweizer Unternehmen „iart“, das Kommunikationskonzepte in den Bereichen Medien, Kunst und Technologie entwickelt, konzipierte Khan eine Fassade, deren dreidimensionale, wandelbare Konturen jenen Effekt ermöglichen, der an das so genannte „Nagelkissen“ erinnert, das in keinem Jugendzimmer der 1990er Jahre fehlen durfte.

Zum ersten Mal wird dieser „Nagelkissen“-Effekt an der Fassade des „MegaFon Pavillon“, ein Gebäude des größten russischen Telekommunikationsunternehmens „MegaFon“, realisiert. Der Pavillon gehört zu den Bauanstrengungen für die Olympischen Winterspiele 2014 im russischen Sochi. In dem 2.000 Quadratmeter umfassenden Bau sind eine Ausstellungshalle, Hospitality-Bereiche, eine Aussichtsterrasse, ein Amphitheater sowie zwei Räume für die Rundfunkübertragung untergebracht.

Um die entsprechenden Daten der Gesichter für die Fassade zu generieren, werden im Pavillon selbst, aber auch in ausgewählten MegaFon-Filialen in ganz Russland 3D-Fotoautomaten aufgestellt. Hier kann jeder sein Gesicht scannen lassen, um es dann als dreidimensionale Abbildung an der Gebäudehülle zu sehen. Dafür nimmt der Scanner gleichzeitig fünf Fotos aus unterschiedlichen Winkeln auf, die zu einem 3D-Bild zusammengefügt und dessen Daten an die Fassade gesendet werden um die konvexe Form zu erzeugen. Es können gleichzeitig drei Gesichter von je acht Metern Höhe und sechs Metern Breite angezeigt werden.

Technisch wird dieser „Bildaufbau“ an der Fassade von über 10.000 sogenannten „Aktoren“, Antriebselementen, die computergesteuerte Signale erhalten und diese in mechanische Bewegung umsetzen, erzeugt. Diese teleskopischen Zylinder können bis zu zwei Meter über die Gebäudegrenze ausfahren. Die Spitze eines jeden Zylinders trägt eine RGB-LED-Kugel, die an der textilen, weißen Membran angebracht ist, die die gesamte Fassade umspannt.

Ein wenig mag diese Darstellung an das Mount Rushmore National Memorial in South Dakota in den Vereinigten Staaten erinnern. Nur sind es am MegaFon Pavillon nicht die Köpfe von Präsidenten – zumindest dürfen wir das hoffen – sondern Du und ich. Jeder der möchte, darf einmal ein Teil der Fassade werden – in Zeiten der „Selfie“-Darstellungen scheint diese interaktive Gebäudehülle also den Zeitgeist einzufangen.
Links: Erst aus der Nähe sind die LED-Spitzen der teleskopischen Antriebselemente deutlich zu erkennen. Rechts: Das dreidimensionale Bild wird wie bei einem Nagelkissen bis zu zwei Metern aus der Hauptfassade heraus getragen. Fotos © iart
Vom 3D-Fotoautomaten zum Selfie-Video auf dem Mobiltelefon: Die interaktive Fassade setzt die ihr übermittelten Bildinformationen in mechanische Bewegung um. Die Darstellung des eigenen Gesichtes wird gefilmt und der gezeigten Person als Video gesendet. Darstellung © iart
News & Stories › 2014 › Februar
Die Selfie-Fassade
von Sophia Walk | 6. Februar 2014
Der „Selfie-ismus“, die Selbstinszenierung via Handyfoto auf den Plattformen der Sozialen Medien ist nun auch auf der Gebäudehülle möglich. Der Architekt Asif Khan hat eine Fassade entwickelt, die Gesichter dreidimensional abbildet.
Ein „Selfie“ beschreibt die fotografische Selbstdarstellung auf den Plattformen der sozialen Medien. Der ausufernde „Selfie-ismus“ – das Wort „Selfie“ wurde übrigens zum englischen Wort des Jahres 2013 gewählt – erfährt mit dem Fassadenkonzept des Londoner Architekten Asif Khan eine vollkommen neue Dimension. Gemeinsam mit dem Schweizer Unternehmen „iart“, das Kommunikationskonzepte in den Bereichen Medien, Kunst und Technologie entwickelt, konzipierte Khan eine Fassade, deren dreidimensionale, wandelbare Konturen jenen Effekt ermöglichen, der an das so genannte „Nagelkissen“ erinnert, das in keinem Jugendzimmer der 1990er Jahre fehlen durfte.

Zum ersten Mal wird dieser „Nagelkissen“-Effekt an der Fassade des „MegaFon Pavillon“, ein Gebäude des größten russischen Telekommunikationsunternehmens „MegaFon“, realisiert. Der Pavillon gehört zu den Bauanstrengungen für die Olympischen Winterspiele 2014 im russischen Sochi. In dem 2.000 Quadratmeter umfassenden Bau sind eine Ausstellungshalle, Hospitality-Bereiche, eine Aussichtsterrasse, ein Amphitheater sowie zwei Räume für die Rundfunkübertragung untergebracht.

Um die entsprechenden Daten der Gesichter für die Fassade zu generieren, werden im Pavillon selbst, aber auch in ausgewählten MegaFon-Filialen in ganz Russland 3D-Fotoautomaten aufgestellt. Hier kann jeder sein Gesicht scannen lassen, um es dann als dreidimensionale Abbildung an der Gebäudehülle zu sehen. Dafür nimmt der Scanner gleichzeitig fünf Fotos aus unterschiedlichen Winkeln auf, die zu einem 3D-Bild zusammengefügt und dessen Daten an die Fassade gesendet werden um die konvexe Form zu erzeugen. Es können gleichzeitig drei Gesichter von je acht Metern Höhe und sechs Metern Breite angezeigt werden.

Technisch wird dieser „Bildaufbau“ an der Fassade von über 10.000 sogenannten „Aktoren“, Antriebselementen, die computergesteuerte Signale erhalten und diese in mechanische Bewegung umsetzen, erzeugt. Diese teleskopischen Zylinder können bis zu zwei Meter über die Gebäudegrenze ausfahren. Die Spitze eines jeden Zylinders trägt eine RGB-LED-Kugel, die an der textilen, weißen Membran angebracht ist, die die gesamte Fassade umspannt.

Ein wenig mag diese Darstellung an das Mount Rushmore National Memorial in South Dakota in den Vereinigten Staaten erinnern. Nur sind es am MegaFon Pavillon nicht die Köpfe von Präsidenten – zumindest dürfen wir das hoffen – sondern Du und ich. Jeder der möchte, darf einmal ein Teil der Fassade werden – in Zeiten der „Selfie“-Darstellungen scheint diese interaktive Gebäudehülle also den Zeitgeist einzufangen.