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Elche lauern überall
von Thomas Wagner | 4. September 2013
Die Tiere im Wald dürfen aufatmen: Das unkalkulierbare Risiko „Mensch“ bekommt Unterstützung. Foto © suze / photocase.com
Nein, wir tun es nicht mehr ohne sie – ohne die vielen kleinen Helferlein, die unseren Alltag leichter, bequemer, sicherer und effizienter, manchmal auch bunter, aufregender und überraschender machen sollen. Ganz gleich, wo wir sind, was wir tun und womit wir uns fortbewegen, intelligente Systeme, die uns assistieren, finden sich überall: zuhause und unterwegs, drinnen wie draußen, im Büro und im Flieger ebenso wie in Bahn, Bus oder Auto. Wir denken dabei nicht nur an von Sensoren gesteuerte Heizanlagen, an Kühlschränke, die schon bald Obst und Gemüse bestellen können, oder an Smartphones voller Apps, die uns Fahrpläne, Rezepte und Wetterdaten liefern. Automatikgetriebe, Sicherheitsgurt, Airbag, Elchtest und ESP, selbst ein Navi sind längst schon selbstverständlicher Standard. Heute massiert uns der Sitz, die Scheinwerfer von Autos leuchten um die Ecke und es mahnt uns der entsprechende Assistent, die Spur zu halten, sollten wir unaufmerksam sein. Wenn nötig, bremst unser Gefährt, hat es den richtigen Chip, in der Stadt sogar ohne unser Zutun. Währenddessen lassen wir zuhause die Jalousien herunter. Dabei haben wir all die anderen Features noch nicht einmal erwähnt, die uns beistehen, wenn wir zu schnell sind oder zu dicht auffahren, wenn wir einparken, eine Tankstelle oder ein Restaurant suchen. Und, und, und ... Alleingelassen werden war gestern.

Verändert sich das Verhältnis des Menschen zu seinen Geräten?

Nun pflegt der Mensch schon seit der grauen Vorzeit ein inniges Verhältnis zu seinen Geräten. Weshalb also sollte das heutzutage anders sein, in Zeiten nahezu totaler Mobilität? Der Anthropologe und Soziologe Arnold Gehlen hat die Technik einmal treffend den „großen Menschen“ genannt – mittlerweile begegnet uns dieser tagtäglich in wechselnden Gestalten, heißen sie nun Haus, Smartphone, Computer oder Internet. Mag auch dann und wann die Sorge wachsen, die neuen Technologien könnten unsere Umtriebe in der Welt nicht nur bequemer, effizienter und sicherer machen, so beruhen doch ein großer Teil unserer Zukunftshoffnungen auf solchen technischen Lösungen. Der Siegeszug von Kybernetik und Steuerungstechnik, Automation und Vernetzung ist unübersehbar. Lassen wir beiseite, ob es hauptsächlich der „Faktor Mensch“ ist, der für Unfälle sorgt oder mit Fehlern behaftet ist, ein elektronisches System kann einfach besser Sprit sparen, das Fahrwerk schneller Untergrund und Geschwindigkeit anpassen oder dafür sorgen, dass wir einen freien Parkplatz finden. Eine Folge von Vernetzung und Automation aber ist: Unser Verhältnis zu den Dingen verändert sich, womöglich von Grund auf. Eine weitere: Wo das Vertrauen in die Technik wächst, schwindet es womöglich, was unsere eigenen sozialen Fähigkeiten angeht.

Geht künftig alles wie von selbst?

Was sich da gerade so alles ändert und wandelt, lässt sich – neben den Segnungen „smarter“ Technik für Haus und Hosentasche – aktuell besonders gut an der Entwicklung im Automobilbau ablesen. Wenn am 12. September in Frankfurt am Main die 65. Internationale Automobil-Ausstellung IAA eröffnet wird, werden abermals neue, aus Sicht der Hersteller unverzichtbare Helferlein auf den Zubehörlisten stehen. Eine gute Gelegenheit, das Thema schon vorab unter die Lupe zu nehmen.

Das Automobil ist und bleibt, nach einem Wort des Philosophen Peter Sloterdijk, eben doch „das technische Zentralobjekt der Moderne“. Nach wie vor scheint kein anderes Objekt die Wünsche unseres kinetischen Egos besser zu befriedigen. Fragt sich nur, wohin die Kombination aus Autonomie und Automation führt? Bereiten die allgegenwärtigen elektronischen Assistenzsysteme womöglich den Abschied vom Selbstgenuss durch Fahren vor? Oder machen sie das Fahrerlebnis einfach nur sicherer und komfortabler?

Werden wir überall verbunden sein?

Unabhängig von solch eher grundsätzlichen Fragen, steht schon jetzt fest: Die neuen Systeme verändern vor allem den Innenraum aktueller Modelle. Mögen die Designer noch so sehr am Blechkleid werkeln, hier eine Bügelfalte, dort einen Abnäher setzen, mögen sie die Brauen und Lider im Gesicht der schönen Blechernen auch noch so elegant betonen und weiterhin mit allerlei dynamischen Linien, Lippen und Spoilern der Lehre von der Luftströmung ästhetisch Tribut zollen – es ist das Interior-Design, das sich rasant zu verändern beginnt.

Während Stoffe, Muster und Materialien dem fahrbaren Wohnzimmer ein neues Outfit verpassen, das sich, je nach Geschmack und Geldbeutel, mal am Boot, mal an einer Lounge orientiert, dreht sich alles andere um Schnittstellen und Displays. „Be connected“ heißt die Losung. Also gibt es jetzt überall da, wo eben noch feinmechanisch mit Zeigern oder Schaltern gearbeitet wurde, Bildschirme oder Touchscreens. Ob eingebaut oder aufgesetzt, ob Senderwahl, Motorsteuerung oder Email-Abruf, die multifunktionalen Bildschirme scheinen – neben dem, was sie tatsächlich anzeigen – die immer gleiche Botschaft zu verbreiten: Hier werden Sie geholfen!

Besteht die schöne neue Welt aus Bildern?

Die schöne neue Welt, sie ist eine Welt voller Bildschirme. War das Automobil schon von jeher eine Art Assistenzsystem, das den Radius unserer Mobilität erweitert hat, so sucht es nun seinen größten Konkurrenten zu integrieren: das Bild. Und je weiter die Transformation fortschreitet, desto mehr wird aus der ehemals mechanischen eine elektronische Braut. Was nicht ohne Auswirkungen bleiben kann auf die Beziehung des Autos zum, wie Marshall McLuhan das noch nannte, „Gesellschaftsleben“. Nach einem amerikanischen Zeitungsbericht aus den 1950er Jahren sah das Erlebnis „Auto“ einmal so aus: „Es war einfach großartig. Da saß ich in meinem weißen Continental, mit einem reinseidenen, schneeweißen Cowboy-Hemd mit Spitzenbesatz und schwarzen Gabardine-Hosen. Neben mir im Wagen war mein pechschwarzer „Großer Däne“, aus Europa importiert und Dana von Krupp genannt. Besser kann man es nicht mehr haben.“

Seitdem ist das Unbehagen über das Ausmaß, in dem „die Autos zur eigentlichen Bevölkerung der Städte geworden sind“, stetig angewachsen. Womit der Endpunkt der Entwicklung am Horizont erkennbar wird: das vollautomatische Gefahrenwerden, zumindest zeitweise und in der Innenstadt. Eben erst hat Carlos Ghosn, der Chef des Renault-Nissan-Konzerns, ein komplett automatisiertes Autos angekündigt: „Ich verpflichte mich, das autonome Auto, eine technologische Revolution, ab 2020 zu präsentieren, und wir liegen gut in der Zeit“. Auch der Internetkonzern „Google“ und der deutsche Autozulieferer „Continental“ arbeiten, wie viele andere Unternehmen auch, längst an entsprechenden Technologien.

Machen Assistenten uns bequem?

Und wir, die Nutzer? Wie fühlen wir uns, wenn uns ständig Hilfestellung angeboten wird? Wenn uns nicht länger zugetraut wird, allein klar zu kommen? Der Mensch ist ja von Natur aus nicht vollkommen. Ja, er ist geradezu ein Wesen voller Mängel. Und er weiß es. Selbst wenn sich sein Ungenügen etwas weniger dramatisch darstellt, nimmt man die Gattung als Ganzes zum Maßstab, so schlägt sich doch ein jeder für sich genommen andauernd mit Dingen herum, die er nicht weiß und nicht kann. Einer verwechselt andauernd rechts und links, ein zweiter kann keinen Nagel in die Wand schlagen, eine dritte weiß nicht, was „Phänomenologie“ bedeutet – ganz abgesehen von Fertigkeiten wie Tanzen, Schneidern, Hobeln oder Hemdenbügeln. Brauchen wir also nicht ohnehin andauernd Hilfe? Müssen wir nicht dankbar sein für all die Hilfsangebote?

Bestünde eine gleichsam natürliche Möglichkeit, dem einzelnen Menschen aus der Patsche zu helfen, darin, jedem eine leibhaftige Assistentin oder einen leibhaftigen Assistenten an die Seite zu stellen, so wird schnell klar: die Sache kann nicht klappen. Schon aus Prinzip nicht. Denn wenn jeder etwas nicht kann, so bräuchte auch jeder ein Helferlein. Wo aber blieben dann die Helfer selbst, die ja selbst etwas nicht können. Und wer könnte sie alle bezahlen?

Ein Glück, dass der Mensch keineswegs nur Defizite hat. Er kann auch eine Menge. Er macht Krach, hört schlechte Musik und er erfindet ohne Unterlass viele praktische Dinge, die es ihm leichter machen, zu tun, was er nicht lassen kann. Womit wir uns vollends im Kreise drehen – und abermals bei der Technik, den Maschinen und Geräten angekommen wären.

Doch sind wir ehrlich: Wir sind bislang ganz gut gefahren, mit all den technischen Assistenten. Also schau’n wir mal, was uns die Hilfskräfte und deren vernetzte Intelligenz noch so alles anbieten werden. „Der Mensch“, hat uns der große Komödiant Loriot wissen lassen, sei „das einzige Wesen, das im Fliegen eine warme Mahlzeit einnehmen kann.“ Wer weiß, vielleicht kann er das ja schon bald auch beim Autofahren – gefahrlos und effizient.

Ein Auto ohne Signale, Töne und Warnhinweise findet man (leider) selbst bei kleinen Modellen nicht mehr. Video: © Citroen
Opel bringt den unaufmerksamen Fahrer wieder zurück in die Spur. Video © Opel
Auch wenn Mercedes dem Fahrer die Flausen austreiben möchte: Assistenzsysteme verführen zum Träumen. Video: © Daimler
Volvo nimmt mit einer Crashtest-Sinfonie Abschied vom Auffahrunfall. Video © Vovlo
News & Stories › 2013 › September
Elche lauern überall
von Thomas Wagner | 4. September 2013
Die aktuellen Zauberworte unserer Gegenwart heißen „smart technology“ und „Vernetzung“. Wo man auch hinschaut, überall sollen Assistenzsysteme unser Leben sicherer, effizienter und leichter machen.
Nein, wir tun es nicht mehr ohne sie – ohne die vielen kleinen Helferlein, die unseren Alltag leichter, bequemer, sicherer und effizienter, manchmal auch bunter, aufregender und überraschender machen sollen. Ganz gleich, wo wir sind, was wir tun und womit wir uns fortbewegen, intelligente Systeme, die uns assistieren, finden sich überall: zuhause und unterwegs, drinnen wie draußen, im Büro und im Flieger ebenso wie in Bahn, Bus oder Auto. Wir denken dabei nicht nur an von Sensoren gesteuerte Heizanlagen, an Kühlschränke, die schon bald Obst und Gemüse bestellen können, oder an Smartphones voller Apps, die uns Fahrpläne, Rezepte und Wetterdaten liefern. Automatikgetriebe, Sicherheitsgurt, Airbag, Elchtest und ESP, selbst ein Navi sind längst schon selbstverständlicher Standard. Heute massiert uns der Sitz, die Scheinwerfer von Autos leuchten um die Ecke und es mahnt uns der entsprechende Assistent, die Spur zu halten, sollten wir unaufmerksam sein. Wenn nötig, bremst unser Gefährt, hat es den richtigen Chip, in der Stadt sogar ohne unser Zutun. Währenddessen lassen wir zuhause die Jalousien herunter. Dabei haben wir all die anderen Features noch nicht einmal erwähnt, die uns beistehen, wenn wir zu schnell sind oder zu dicht auffahren, wenn wir einparken, eine Tankstelle oder ein Restaurant suchen. Und, und, und ... Alleingelassen werden war gestern.

Verändert sich das Verhältnis des Menschen zu seinen Geräten?

Nun pflegt der Mensch schon seit der grauen Vorzeit ein inniges Verhältnis zu seinen Geräten. Weshalb also sollte das heutzutage anders sein, in Zeiten nahezu totaler Mobilität? Der Anthropologe und Soziologe Arnold Gehlen hat die Technik einmal treffend den „großen Menschen“ genannt – mittlerweile begegnet uns dieser tagtäglich in wechselnden Gestalten, heißen sie nun Haus, Smartphone, Computer oder Internet. Mag auch dann und wann die Sorge wachsen, die neuen Technologien könnten unsere Umtriebe in der Welt nicht nur bequemer, effizienter und sicherer machen, so beruhen doch ein großer Teil unserer Zukunftshoffnungen auf solchen technischen Lösungen. Der Siegeszug von Kybernetik und Steuerungstechnik, Automation und Vernetzung ist unübersehbar. Lassen wir beiseite, ob es hauptsächlich der „Faktor Mensch“ ist, der für Unfälle sorgt oder mit Fehlern behaftet ist, ein elektronisches System kann einfach besser Sprit sparen, das Fahrwerk schneller Untergrund und Geschwindigkeit anpassen oder dafür sorgen, dass wir einen freien Parkplatz finden. Eine Folge von Vernetzung und Automation aber ist: Unser Verhältnis zu den Dingen verändert sich, womöglich von Grund auf. Eine weitere: Wo das Vertrauen in die Technik wächst, schwindet es womöglich, was unsere eigenen sozialen Fähigkeiten angeht.

Geht künftig alles wie von selbst?

Was sich da gerade so alles ändert und wandelt, lässt sich – neben den Segnungen „smarter“ Technik für Haus und Hosentasche – aktuell besonders gut an der Entwicklung im Automobilbau ablesen. Wenn am 12. September in Frankfurt am Main die 65. Internationale Automobil-Ausstellung IAA eröffnet wird, werden abermals neue, aus Sicht der Hersteller unverzichtbare Helferlein auf den Zubehörlisten stehen. Eine gute Gelegenheit, das Thema schon vorab unter die Lupe zu nehmen.

Das Automobil ist und bleibt, nach einem Wort des Philosophen Peter Sloterdijk, eben doch „das technische Zentralobjekt der Moderne“. Nach wie vor scheint kein anderes Objekt die Wünsche unseres kinetischen Egos besser zu befriedigen. Fragt sich nur, wohin die Kombination aus Autonomie und Automation führt? Bereiten die allgegenwärtigen elektronischen Assistenzsysteme womöglich den Abschied vom Selbstgenuss durch Fahren vor? Oder machen sie das Fahrerlebnis einfach nur sicherer und komfortabler?

Werden wir überall verbunden sein?

Unabhängig von solch eher grundsätzlichen Fragen, steht schon jetzt fest: Die neuen Systeme verändern vor allem den Innenraum aktueller Modelle. Mögen die Designer noch so sehr am Blechkleid werkeln, hier eine Bügelfalte, dort einen Abnäher setzen, mögen sie die Brauen und Lider im Gesicht der schönen Blechernen auch noch so elegant betonen und weiterhin mit allerlei dynamischen Linien, Lippen und Spoilern der Lehre von der Luftströmung ästhetisch Tribut zollen – es ist das Interior-Design, das sich rasant zu verändern beginnt.

Während Stoffe, Muster und Materialien dem fahrbaren Wohnzimmer ein neues Outfit verpassen, das sich, je nach Geschmack und Geldbeutel, mal am Boot, mal an einer Lounge orientiert, dreht sich alles andere um Schnittstellen und Displays. „Be connected“ heißt die Losung. Also gibt es jetzt überall da, wo eben noch feinmechanisch mit Zeigern oder Schaltern gearbeitet wurde, Bildschirme oder Touchscreens. Ob eingebaut oder aufgesetzt, ob Senderwahl, Motorsteuerung oder Email-Abruf, die multifunktionalen Bildschirme scheinen – neben dem, was sie tatsächlich anzeigen – die immer gleiche Botschaft zu verbreiten: Hier werden Sie geholfen!

Besteht die schöne neue Welt aus Bildern?

Die schöne neue Welt, sie ist eine Welt voller Bildschirme. War das Automobil schon von jeher eine Art Assistenzsystem, das den Radius unserer Mobilität erweitert hat, so sucht es nun seinen größten Konkurrenten zu integrieren: das Bild. Und je weiter die Transformation fortschreitet, desto mehr wird aus der ehemals mechanischen eine elektronische Braut. Was nicht ohne Auswirkungen bleiben kann auf die Beziehung des Autos zum, wie Marshall McLuhan das noch nannte, „Gesellschaftsleben“. Nach einem amerikanischen Zeitungsbericht aus den 1950er Jahren sah das Erlebnis „Auto“ einmal so aus: „Es war einfach großartig. Da saß ich in meinem weißen Continental, mit einem reinseidenen, schneeweißen Cowboy-Hemd mit Spitzenbesatz und schwarzen Gabardine-Hosen. Neben mir im Wagen war mein pechschwarzer „Großer Däne“, aus Europa importiert und Dana von Krupp genannt. Besser kann man es nicht mehr haben.“

Seitdem ist das Unbehagen über das Ausmaß, in dem „die Autos zur eigentlichen Bevölkerung der Städte geworden sind“, stetig angewachsen. Womit der Endpunkt der Entwicklung am Horizont erkennbar wird: das vollautomatische Gefahrenwerden, zumindest zeitweise und in der Innenstadt. Eben erst hat Carlos Ghosn, der Chef des Renault-Nissan-Konzerns, ein komplett automatisiertes Autos angekündigt: „Ich verpflichte mich, das autonome Auto, eine technologische Revolution, ab 2020 zu präsentieren, und wir liegen gut in der Zeit“. Auch der Internetkonzern „Google“ und der deutsche Autozulieferer „Continental“ arbeiten, wie viele andere Unternehmen auch, längst an entsprechenden Technologien.

Machen Assistenten uns bequem?

Und wir, die Nutzer? Wie fühlen wir uns, wenn uns ständig Hilfestellung angeboten wird? Wenn uns nicht länger zugetraut wird, allein klar zu kommen? Der Mensch ist ja von Natur aus nicht vollkommen. Ja, er ist geradezu ein Wesen voller Mängel. Und er weiß es. Selbst wenn sich sein Ungenügen etwas weniger dramatisch darstellt, nimmt man die Gattung als Ganzes zum Maßstab, so schlägt sich doch ein jeder für sich genommen andauernd mit Dingen herum, die er nicht weiß und nicht kann. Einer verwechselt andauernd rechts und links, ein zweiter kann keinen Nagel in die Wand schlagen, eine dritte weiß nicht, was „Phänomenologie“ bedeutet – ganz abgesehen von Fertigkeiten wie Tanzen, Schneidern, Hobeln oder Hemdenbügeln. Brauchen wir also nicht ohnehin andauernd Hilfe? Müssen wir nicht dankbar sein für all die Hilfsangebote?

Bestünde eine gleichsam natürliche Möglichkeit, dem einzelnen Menschen aus der Patsche zu helfen, darin, jedem eine leibhaftige Assistentin oder einen leibhaftigen Assistenten an die Seite zu stellen, so wird schnell klar: die Sache kann nicht klappen. Schon aus Prinzip nicht. Denn wenn jeder etwas nicht kann, so bräuchte auch jeder ein Helferlein. Wo aber blieben dann die Helfer selbst, die ja selbst etwas nicht können. Und wer könnte sie alle bezahlen?

Ein Glück, dass der Mensch keineswegs nur Defizite hat. Er kann auch eine Menge. Er macht Krach, hört schlechte Musik und er erfindet ohne Unterlass viele praktische Dinge, die es ihm leichter machen, zu tun, was er nicht lassen kann. Womit wir uns vollends im Kreise drehen – und abermals bei der Technik, den Maschinen und Geräten angekommen wären.

Doch sind wir ehrlich: Wir sind bislang ganz gut gefahren, mit all den technischen Assistenten. Also schau’n wir mal, was uns die Hilfskräfte und deren vernetzte Intelligenz noch so alles anbieten werden. „Der Mensch“, hat uns der große Komödiant Loriot wissen lassen, sei „das einzige Wesen, das im Fliegen eine warme Mahlzeit einnehmen kann.“ Wer weiß, vielleicht kann er das ja schon bald auch beim Autofahren – gefahrlos und effizient.