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Eminenzen in Schwarzweiß
von Nina Reetzke | 3. Dezember 2011
Eminenz war früher einmal ein Titel für Kardinäle, heute bedeutet er hervorragend oder außerordentlich, oder auch einfach groß. Wenn man eminente Architekten sucht, könnte man sich die Liste der Pritzker-Preisträger ansehen – oder die Ausstellung „Große Architekten" besuchen, die gerade im Frankfurter Deutschen Architekturmuseum läuft. Über einen Zeitraum von zwei Jahren hinweg hat die Fotografin Ingrid von Kruse dafür prominente Architekten porträtiert, Gebäude und Modelle fotografiert, Skizzen und Pläne gesammelt, Statements zur Architektur zusammen getragen. Im Vorwort der dazu gehörenden Publikation „Eminent Architects" beschreibt sie ihre Begegnungen mit den Architekten – oft war bis zur letzten Minute nicht klar, ob die Treffen wirklich stattfinden würden.

„Wann und ob der Meister erscheinen wird, ist ungewiss. Nach einer Stunde schließlich steht Peter Zumthor im Raum, schweigend, still, ganz in Schwarz, unerreichbar sein Blick. Niemand hat gesehen, woher er kam." Ingrid von Kruse trifft den Schweizer Architekten in seinem Haus in Haldenstein. Sie beschreibt ihren Weg in das schwarze, kubusförmige, scheinbar fenster- und türlose Gebäude, den Blick in den Garten mit alten Apfelbäumen – die introvertierte Art von Zumthor. Sie fotografiert ein Modell der Gedenkstätte für die Hexenverbrennungen in Norwegen, die Zumthor gerade gebaut hat. Peter Zumthor schickt Ingrid von Kruse Fotografien von Ruinen alter Bauernhäuser aus den Alpen und schreibt dazu: „Ich sende Ihnen fünf Bilder von alpiner Architektur, die ich liebe; hochgelegene Einfänge, die kaum jemand kennt. ´Landart´ von Bauern. Das Erfüllen von Bedürfnissen: hart, direkt, nahe an den Dingen, bringt die schönsten Formen hervor."

In ähnlicher Weise nähert sich Ingrid von Kruse insgesamt 32 Architekten, die – wie sie bei der Eröffnung sagt – zwischen 37 und 103 Jahre alt sind, von Bjarke Ingels bis Oscar Niemeyer. Von Kruse selbst hat sowohl ein Grafik- und Designstudium an der Hochschule für Bildende Künste absolviert als auch Fotografie an der Gesamthochschule in Essen studiert. Ihre Werke bezeichnet sie als „freibildnerische Photographie", ihre bisherigen Publikationen zeigen beispielsweise Aufnahmen aus Venedig und Abbildungen von einem Zen-Tempel in Kyoto. Wie sie erklärt, ist moderne Architektur ein neues Gebiet für sie. Vor diesem Hintergrund ist nachvollziehbar, dass Peter Cachola Schmal, Direktor des Deutschen Architekturmuseums, ihr bei der Auswahl der „Eminent Architects" zur Seite stand. Diese Konstellation mag die Stärken und Schwächen von Ausstellung und Publikation erklären. Die meisterhaft aufgenommen und aufwendig produzierten Schwarzweiß-Fotografien überzeugen. Gleichzeitig erscheint jedoch fraglich, inwiefern die Zuweisung „groß – eminent" als Präsentationskonzept ausreicht, einmal mehr in Zeiten, wo der Starbegriff mit Castingshows und Youtube-Größen längst ins Wanken geraten ist.

Große Architekten. Fotografiert von Ingrid von Kruse
Deutsches Architekturmuseum, Frankfurt am Main
Von 19. November 2011 bis 15. Januar 2012
www.dam-online.de

Eminent Architects. Seen by Ingrid von Kruse
Hardcover, 288 Seiten, Deutsch / Englisch
Jovis, Berlin, 2011
68 Euro
www.jovis.de
Fotografien von Tadao Ando und seinem Modell für die Langen Foundation in der Ausstellung „Eminent Architects", Foto © Nina Reetzke, Stylepark
David Chipperfield, Foto © Ingrid von Kruse
Bjake Ingels und ein Modell von den „Walter Towers", Foto © Nina Reetzke, Stylepark
Kazuyo Sejima, Foto © Ingrid von Kruse
Ingrid von Kruse, Foto © Nina Reetzke, Stylepark
Peter Zumthor, Foto © Ingrid von Kruse
Abbildungen von alpiner Architektur ausgewählt von Peter Zumthor, Foto © Nina Reetzke, Stylepark
Rem Koolhaas, Foto © Ingrid von Kruse
Norman Foster, Foto © Ingrid von Kruse
Zaha Hadid, Foto © Ingrid von Kruse