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Endspurt 18:
Selbst Dionysos braucht einen Spiegel
18. Dezember 2015
Foto © Mathias Hahn 
Die Reihe der „Objects“, die Antonia Henschel für Trademark Publishers gestaltet, geht weiter. Nach „Hamelner Töpferei“, „Alle Metalle“ und „Rock on“, dreht sich das Rad des Gestaltens nun – der Titel „Handle with Care“ legt es nahe – um so fragile und zerbrechliche Materialien wie Glas, Keramik und Porzellan. Wer nun aber denkt, Glas sei nichts weiter als transparent, Porzellan immer weiß, und aus Keramik bestünden nur Vasen, der wird rasch eines besseren und desweiteren darüber belehrt, wie Gestalter heute mit diesen Materialien umgehen – in gewohnt präziser Aufmachung und mittels guter Bilder, versteht sich. Und natürlich muss man nicht jedes Objekt gleich mit Samthandschuhen anfassen.

Allessandro Zambelli beispielsweise lässt in seinen Leuchten behutsam die Sixties wiederaufleben, feiner gemustert allerdings und gewürzt mit einer Prise Kinderzimmer. Daniel To und Emma Aiston reihen drei gläserne Luftballons zur schwebenden Lampe, und von Mathias Hahn stammen mundgeblasene Gläser, die sich schon wegen ihrer subtilen Farbigkeit ohne weiteres auf einem Gemälde von Giorgio Morandi verstecken könnten. Von Hahn stammen auch experimentelle Einmachgläser in intensiv leuchtenden Farben, die praktischerweise in Zusammenarbeit mit dem Wiener Konfitüren- und Kompotthersteller Staud’s entwickelt wurden. Überhaupt fällt auf, wie häufig und wie gekonnt Farbe eingesetzt wird – nicht nur in den aparten Farbkombination der Keramiken von Benjamin Hubert oder in der schillernden Seifenblasenoptik der Leuchten von Sebastian Scherer.

Dabei dürfen Nendos Kreationen für Glas Italia natürlich ebenso wenig fehlen wie die „Man Machine Collection“ von Konstantin Grcic oder „Gli specchi di Dionisio“ – die Spiegel des Dionysos – von Ettore Sottsass. So sind es am Ende vor allem die farbigen, zuweilen bunten Tische, Spiegel und Behälter, die selbst eingefleischte Glasgegner zum Nachdenken bewegen. Auch wenn diese „Objects“ zuweilen recht unbekümmert auf der Grenze zum Kunsthandwerk balancieren und man sich doch hier und da einen weiterführenden Text gewünscht hätte – das Thema wird mit der nötigen Vorsicht behandelt. (tw)


Objects: Handle With Care
hrsg. v. Antonia Henschel
mit einem Text von Eva Steidl
288 S., geb.,
Trademark Publishing, Frankfurt am Main 2015
ISBN 978-3-9817475-3-9
28 Euro

Foto © Mathias Hahn
Foto © Mathias Hahn
Foto © Mathias Hahn
News & Stories › 2015 › Dezember
Endspurt 18:
Selbst Dionysos braucht einen Spiegel
von Thomas Wagner | 18. Dezember 2015
„Handle with Care“ heißt die Fortsetzung von Antonia Henschels Reihe „Objects“ – diesmal sind sie aus Glas, Porzellan und Keramik.
Die Reihe der „Objects“, die Antonia Henschel für Trademark Publishers gestaltet, geht weiter. Nach „Hamelner Töpferei“, „Alle Metalle“ und „Rock on“, dreht sich das Rad des Gestaltens nun – der Titel „Handle with Care“ legt es nahe – um so fragile und zerbrechliche Materialien wie Glas, Keramik und Porzellan. Wer nun aber denkt, Glas sei nichts weiter als transparent, Porzellan immer weiß, und aus Keramik bestünden nur Vasen, der wird rasch eines besseren und desweiteren darüber belehrt, wie Gestalter heute mit diesen Materialien umgehen – in gewohnt präziser Aufmachung und mittels guter Bilder, versteht sich. Und natürlich muss man nicht jedes Objekt gleich mit Samthandschuhen anfassen.

Allessandro Zambelli beispielsweise lässt in seinen Leuchten behutsam die Sixties wiederaufleben, feiner gemustert allerdings und gewürzt mit einer Prise Kinderzimmer. Daniel To und Emma Aiston reihen drei gläserne Luftballons zur schwebenden Lampe, und von Mathias Hahn stammen mundgeblasene Gläser, die sich schon wegen ihrer subtilen Farbigkeit ohne weiteres auf einem Gemälde von Giorgio Morandi verstecken könnten. Von Hahn stammen auch experimentelle Einmachgläser in intensiv leuchtenden Farben, die praktischerweise in Zusammenarbeit mit dem Wiener Konfitüren- und Kompotthersteller Staud’s entwickelt wurden. Überhaupt fällt auf, wie häufig und wie gekonnt Farbe eingesetzt wird – nicht nur in den aparten Farbkombination der Keramiken von Benjamin Hubert oder in der schillernden Seifenblasenoptik der Leuchten von Sebastian Scherer.

Dabei dürfen Nendos Kreationen für Glas Italia natürlich ebenso wenig fehlen wie die „Man Machine Collection“ von Konstantin Grcic oder „Gli specchi di Dionisio“ – die Spiegel des Dionysos – von Ettore Sottsass. So sind es am Ende vor allem die farbigen, zuweilen bunten Tische, Spiegel und Behälter, die selbst eingefleischte Glasgegner zum Nachdenken bewegen. Auch wenn diese „Objects“ zuweilen recht unbekümmert auf der Grenze zum Kunsthandwerk balancieren und man sich doch hier und da einen weiterführenden Text gewünscht hätte – das Thema wird mit der nötigen Vorsicht behandelt. (tw)


Objects: Handle With Care
hrsg. v. Antonia Henschel
mit einem Text von Eva Steidl
288 S., geb.,
Trademark Publishing, Frankfurt am Main 2015
ISBN 978-3-9817475-3-9
28 Euro