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Falls das Wetter es zulässt
von Marcel Krenz | 14. Mai 2010
Alle Fotos: © Dimitrios Tsatsas, Stylepark

Falls Sie sich weder für das Wetter noch für Architektur interessieren, ist dies genau das richtige Buch für Sie: Das in englischer Sprache erschienene Buch „-arium. Weather + Architecture", herausgegeben von Jürgen Mayer H. und Neeraj Bhatia im Verlag Hatje Cantz, wird Ihnen neue Einblicke in ein anderes Verständnis von Architektur als Schutz vor dem Wetter geben, auch wenn Sie vielleicht weder selbst das Wetter vorhersagen noch die Umwelt gestalten.

Entstanden aus einem studentischen Projekt an der Architekturfakultät der University of Toronto in Kanada, befasst sich der anregend gestaltete Band nicht nur mit der Beziehung zwischen Wetter und Architektur, sondern auch mit Industrie-Archäologie, die anhand eines möglichen Bauvorhabens an Torontos Küste beschrieben wird. Vor dem Hintergrund der historischen und kulturellen Entwicklung beider Forschungsbereiche werden Themenkreise wie „Wetter und Shopping", „Wetter und Medien" oder „Wetter und Tourismus" beleuchtet und daraus am Beispiel des Bauprojektes neue Designkonzepte für einen nachhaltigen Umgang mit Wetter und Architektur entwickelt, die der Dekan der Architekturhochschule George Baird als „die interessantesten Design-Vorschläge der Fakultät in den vergangenen Jahren" beschreibt. Der Herausgeber Jürgen Mayer H. hatte dort, an der John H. Daniels Faculty of Architecture, Landscape and Design, im Jahre 2008 als erster Europäer die Gastprofessor des Frank Gehry International Visiting Chair in Architectural Design inne.

Ein Kernaspekt der Forschungen ist es, auch in Anbetracht eines drohenden Klimawandels, ein neues Verständnis von der Abgrenzung unserer Lebenswelten vor den unangenehmen und dramatischen Folgen der Naturgewalten zu finden: „Die dynamischen, turbulenten und unvorhersehbaren Kräfte, die das Wetter ausmachen, haben einen direkten Einfluss auf die ökonomischen Kreisläufe von Produktion und Konsum," beschreibt Jürgen Mayer H. die Aufgabe des Forschungsprojektes in einem geschichtlichen Augenblick, in dem Wirtschaft und Wetter zusammenkommen, um eine neue, grüne Ökonomie auszubilden. „Während die Wirtschaft endlich aufgeholt hat und Zeuge der Verbrauchsaspekte von ‚grüner' Architektur geworden ist, hat die Architektur einen Moment bekommen, in dem sie ihre Nemesis - Instabilität und Unordnung - erforschen kann. Das Wetter erinnert uns kontinuierlich daran, dass diese Gewalten in unserem täglichen Leben existieren." Und während die Aufgabe eines Gebäudes stets „Ordnung und Stabilität in einer chaotischen Welt" zu schaffen gewesen ist, in der der Architekt dafür zuständig war, diese „Turbulenzen" außen vor zu lassen, sieht Jürgen Mayer H. die Zeit für eine neue Rolle gekommen: „Die Reorganisation der Weltwirtschaft, Technologie, sozialer Strukturen, Kommunikation und Politik fordert eine Architektur die sich nicht länger diesen Turbulenzen widersetzt, sondern aus der eigenen Instabilität heraus kommt," erklärt der Architekt die Notwendigkeit einer „nachhaltigen" Architektur, die sich mit den produktiven und atmosphärischen Eigenschaften des Wetters auseinandersetzt.

Das scheinbare Modewort „Nachhaltigkeit" - 1986 erstmals von United Nations als „Entwicklung, die gegenwärtig vorhandenen Bedürfnisse deckt, ohne dadurch die Möglichkeiten zukünftiger Generationen ihre eigenen Bedürfnisse zu decken, einzuschränken" definiert - wird dabei von Mayer und seinen Studenten und Mitarbeitern höchst ernst genommen. „Während wir gar nicht wissen, wie lang die grüne Ökonomie anhält und während die Auffassungen von Nachhaltigkeit fortwährend in Frage gestellt und korrigiert werden, ist die statische und Energie verbrauchende Natur der Architektur scheinbar zu einem Faktum geworden." Bereits seit den sechziger und siebziger Jahren haben sich Baumeister wie Richard Rogers, Norman Foster oder Nicholas Grimshaw extensiv mit dieser Fragestellung auseinander gesetzt. Und dabei waren sie sicher nicht die ersten, denn schon Architekten wie Le Corbusier, Buckminster Fuller oder Frank Lloyd Wright haben nach Lösungen für die jahrtausende alte Beziehung zwischen Architektur und Umwelt - und damit der Natur - gesucht. „-arium" präsentiert sich nun als ein Grundlagenwerk, das den alten Fragen eine neue Dimension verleiht. Oder anders gesagt: Wer im Aquarium sitzt, sollte nicht mit Fischen werfen.

Arium Weather and Architecture, Herausgegeben von Neeraj Bhatia, Jürgen Mayer H., Text von George Baird, Chad Dembski, Robert Levit, Henry Urbach, Mason White u.a., Rodolphe el-Khoury, Gestaltung von Eric Bury, Texte in Englisch, Hatje Cantz Verlag, Ostfildern 2009, 320 Seiten, gebunden, 35,00 €

www.hatjecantz.de

News & Stories › 2010 › Mai
Falls das Wetter es zulässt
von Marcel Krenz | 14. Mai 2010
Die Skiabfahrt im heißen Dubai, das tropische Spaßbad in Bochum oder das Einkaufserlebnis in der klimatisierten Shopping Mall in Edmonton - künstliche Wetterverhältnisse und das Ausschließen von Naturgewalten sind heute mehr denn je eine Aufgabe der Architektur. Das Fachbuch „-arium" nimmt sich diesen Herausforderungen auf ungewöhnliche Art und Weise an.
Falls Sie sich weder für das Wetter noch für Architektur interessieren, ist dies genau das richtige Buch für Sie: Das in englischer Sprache erschienene Buch „-arium. Weather + Architecture", herausgegeben von Jürgen Mayer H. und Neeraj Bhatia im Verlag Hatje Cantz, wird Ihnen neue Einblicke in ein anderes Verständnis von Architektur als Schutz vor dem Wetter geben, auch wenn Sie vielleicht weder selbst das Wetter vorhersagen noch die Umwelt gestalten.

Entstanden aus einem studentischen Projekt an der Architekturfakultät der University of Toronto in Kanada, befasst sich der anregend gestaltete Band nicht nur mit der Beziehung zwischen Wetter und Architektur, sondern auch mit Industrie-Archäologie, die anhand eines möglichen Bauvorhabens an Torontos Küste beschrieben wird. Vor dem Hintergrund der historischen und kulturellen Entwicklung beider Forschungsbereiche werden Themenkreise wie „Wetter und Shopping", „Wetter und Medien" oder „Wetter und Tourismus" beleuchtet und daraus am Beispiel des Bauprojektes neue Designkonzepte für einen nachhaltigen Umgang mit Wetter und Architektur entwickelt, die der Dekan der Architekturhochschule George Baird als „die interessantesten Design-Vorschläge der Fakultät in den vergangenen Jahren" beschreibt. Der Herausgeber Jürgen Mayer H. hatte dort, an der John H. Daniels Faculty of Architecture, Landscape and Design, im Jahre 2008 als erster Europäer die Gastprofessor des Frank Gehry International Visiting Chair in Architectural Design inne.

Ein Kernaspekt der Forschungen ist es, auch in Anbetracht eines drohenden Klimawandels, ein neues Verständnis von der Abgrenzung unserer Lebenswelten vor den unangenehmen und dramatischen Folgen der Naturgewalten zu finden: „Die dynamischen, turbulenten und unvorhersehbaren Kräfte, die das Wetter ausmachen, haben einen direkten Einfluss auf die ökonomischen Kreisläufe von Produktion und Konsum," beschreibt Jürgen Mayer H. die Aufgabe des Forschungsprojektes in einem geschichtlichen Augenblick, in dem Wirtschaft und Wetter zusammenkommen, um eine neue, grüne Ökonomie auszubilden. „Während die Wirtschaft endlich aufgeholt hat und Zeuge der Verbrauchsaspekte von ‚grüner' Architektur geworden ist, hat die Architektur einen Moment bekommen, in dem sie ihre Nemesis - Instabilität und Unordnung - erforschen kann. Das Wetter erinnert uns kontinuierlich daran, dass diese Gewalten in unserem täglichen Leben existieren." Und während die Aufgabe eines Gebäudes stets „Ordnung und Stabilität in einer chaotischen Welt" zu schaffen gewesen ist, in der der Architekt dafür zuständig war, diese „Turbulenzen" außen vor zu lassen, sieht Jürgen Mayer H. die Zeit für eine neue Rolle gekommen: „Die Reorganisation der Weltwirtschaft, Technologie, sozialer Strukturen, Kommunikation und Politik fordert eine Architektur die sich nicht länger diesen Turbulenzen widersetzt, sondern aus der eigenen Instabilität heraus kommt," erklärt der Architekt die Notwendigkeit einer „nachhaltigen" Architektur, die sich mit den produktiven und atmosphärischen Eigenschaften des Wetters auseinandersetzt.

Das scheinbare Modewort „Nachhaltigkeit" - 1986 erstmals von United Nations als „Entwicklung, die gegenwärtig vorhandenen Bedürfnisse deckt, ohne dadurch die Möglichkeiten zukünftiger Generationen ihre eigenen Bedürfnisse zu decken, einzuschränken" definiert - wird dabei von Mayer und seinen Studenten und Mitarbeitern höchst ernst genommen. „Während wir gar nicht wissen, wie lang die grüne Ökonomie anhält und während die Auffassungen von Nachhaltigkeit fortwährend in Frage gestellt und korrigiert werden, ist die statische und Energie verbrauchende Natur der Architektur scheinbar zu einem Faktum geworden." Bereits seit den sechziger und siebziger Jahren haben sich Baumeister wie Richard Rogers, Norman Foster oder Nicholas Grimshaw extensiv mit dieser Fragestellung auseinander gesetzt. Und dabei waren sie sicher nicht die ersten, denn schon Architekten wie Le Corbusier, Buckminster Fuller oder Frank Lloyd Wright haben nach Lösungen für die jahrtausende alte Beziehung zwischen Architektur und Umwelt - und damit der Natur - gesucht. „-arium" präsentiert sich nun als ein Grundlagenwerk, das den alten Fragen eine neue Dimension verleiht. Oder anders gesagt: Wer im Aquarium sitzt, sollte nicht mit Fischen werfen.

Arium Weather and Architecture, Herausgegeben von Neeraj Bhatia, Jürgen Mayer H., Text von George Baird, Chad Dembski, Robert Levit, Henry Urbach, Mason White u.a., Rodolphe el-Khoury, Gestaltung von Eric Bury, Texte in Englisch, Hatje Cantz Verlag, Ostfildern 2009, 320 Seiten, gebunden, 35,00 €

www.hatjecantz.de