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Häberlis Hotel
von Andrea Eschbach | 3. Dezember 2012
„Kennst Du eins, kennst Du keins!“ – so lautet das Motto der deutschen Designhotelkette „25hours“. Jung und urban ist das Konzept. In der Lobby legen DJ’s auf, die Zimmer sind farbenfroh, verspielt und plakativ gestaltet. Die Macher verstehen sich als pures Gegenteil der omnipräsenten und uniformen Hotelketten und wollen bewusst eine Alternative schaffen für eine urbane, kosmopolitische Zielgruppe.

Nach Hamburg, Frankfurt und Wien wurde Anfang November nun auch das erste Konzept-Hotel in Zürich-West eröffnet. „Hier ist das progressive Zürich, kulturell aufgeschlossen, vielschichtig und mit lebendigem Szeneblick“, sagt Christoph Hoffmann, der CEO von „25hours". In der Tat, Zürich-West ist ein Gebiet der Stadt, das sich derzeit besonders dynamisch entwickelt. Wo früher Industrie ansässig war, haben sich heute Kreative, Clubs und Shops angesiedelt. Mit dem „Prime Tower“ steht hier das höchste Gebäude der Stadt, die kleine Bühne des Schauspielhauses Zürich und der größte Kinokomplex der Schweiz liegen in Fußnähe, und um die Ecke wird schon bald die Hochschule der Künste ins Toni-Areal einziehen. „Abwechslung in der grauen Stadtwüste“, wie ein Prospekt der „25hours" Hotels verkündet, soll nun auch das Zürcher Haus mit 126 Zimmern bieten. Dafür verpflichteten die Hotel-Macher um Christoph Hoffmann keinen Geringeren als den Designer Alfredo Häberli.

Der 48 Jahre alte Zürcher mit argentinischen Wurzeln gilt als der international erfolgreichste Produktgestalter der Schweiz. Zu seinem Portfolio gehören Kunden wie Iittala, Kvadrat, Luceplan, Vitra und Moroso. Seine Arbeiten sind mehrfach preisgekrönt. 2009 wurde Häberli vom Magazin „Architekur & Wohnen“ zum Designer des Jahres gekürt. Häberli ist ein gefragter Mann. Gerade hat er den Camper-Shop in Zürich eingerichtet.

Nun also ein Hotel – für den Designer trotz zahlreicher Erfahrungen in Sachen Interior-Design doch etwas Neues, sowohl, was die Komplexität, als auch, was die Größenordnung des Projekts angeht. „Es war schon immer mein Traum, ein Hotel von A bis Z zu entwerfen“, sagt Häberli. Drei Jahre hat er mit seinem Team an dem Projekt gearbeitet, wobei rund sechzig neue Produkte entstanden sind – von der Türklinke über den Kleiderbügel und die Leuchten bis zum Teppich. „Mein Ziel war es“, so Häberli, „dem Hotel eine Seele zu geben“. Dafür konnte der Designer auf eigene Erfahrungen als Reisender zurückgreifen, aber auch auf seinen familiären Hintergrund: Im argentinischen Córdoba führten seine Großeltern ein Hotel, seine Eltern ein Restaurant.

Bei der Gestaltung ließen die „25hours" Gründer dem Designer freie Hand. Eine markante Freitreppe charakterisiert die Lobby, die – ganz im Stil traditionsreicher Grand Hotels – ein Platz zum Sehen und Gesehenwerden sein will. „Das ist der Catwalk des Hotels“, sagt Häberli. Offene Areale und geschützte Nischen werden geschickt kombiniert, ein flexibles Vorhangsystem ermöglicht es, Bereiche abzuteilen. Häberlis Handschrift ist in Formen, Farben und Textilien spürbar. „Farbe ist die erste, unmittelbare Möglichkeit der Dekoration“, meint Häberli.

Also hat er die Zimmer als gemütliche Rückzugsorte in leuchtenden Farben gestaltet. Gemeinsam ist ihnen, dass sie mit Möbeln, Stoffen und Accessoires ausgestattet sind, die auf Häberli-Entwürfe zurückgehen: Man schläft in Betten von Alias, sitzt auf Stühlen von Vitra und steckt seine Zahnbürste in gestreifte Becher der Origo-Serie von Iittala.

In Anlehnung an Zürich als Bankenstadt sind die Zimmer nach Edelmetallen benannt: Silber, Gold und Platin warten auf die Gäste, im Knopfmosaik der Fliesen im Badezimmer zitieren silberne, goldenen oder platinfarbene Einleger die Kategorie. Jede Kategorie hat ihr eigenes Kolorit: In der Kategorie „Gold“ bedeutet dies: Wände in Aubergine-Tönen und warmes Parkett, in der Kategorie „Silber“ ist ein grüner Teppichboden mit abstrakten Tiermotiven der Eyecatcher. Auch diesen Teppich hat Häberli speziell für „25hours" entworfen und in Zusammenarbeit mit der renommierten Firma Tai Ping realisiert. Auch bei der Gestaltung der schweren Filzvorhänge im Colour-Blocking konnte der Designer seine Kontakte einsetzen: Produzent ist hier der dänische Stoffhersteller Kvadrat. Nicht nur der ergonomisch gestaltete Türgriff für FSB wird hier erstmals im großen Rahmen eingesetzt, sondern auch der Stuhl „Jill“, den er für für Vitra entworfen hat.

„Meine Ideen sieht man oft erst auf den zweiten Blick“, meint Häberli und verweist auf Vogel und Katze, die als comic-hafte Illustration die Leiste eines Zimmers zieren. Stefanie Häberli-Bachmann, die für das charmant-spielerische grafische Erscheinungsbild verantwortlich zeichnet, erklärt: „Alles basiert auf den Original-Skizzen von Alfredo“. Für die Zimmer-Nummern wurde gar ein eigener Font auf der Grundlage von Häberlis Handschrift entwickelt.

Design mit einem Augenzwinkern charakterisiert bis ins Detail Häberlis Gestaltung. Und so versteckt er hier und da Hinweise auf die Stadt Zürich, die nur der sieht, der den Kopf dreht, hinter die Vorhänge späht oder seine Perspektive ändert. Das gesamte Haus stellt Häberli unter das Motto: „The smile of my hometown“. Das Hotel soll ein dreidimensionaler Guide Zürichs sein. Die Glasfenster im Parterre zitieren im Cartoon-Stil sämtliche Haltestellen der Tram mit der Nummer 4, samt der Sehenswürdigkeiten, die auf der Strecke liegen – von Häberlis eigenem Design-Atelier bis zum „25hours" Hotel. In der Lobby wurden sogar Münzen in den Gussboden eingelegt – eine ironische Anspielung auf das Klischee, dass in Zürich das Geld auf der Straße liege. Solche vergnüglichen Hinweise – Interventionen nennt sie Häberli – finden sich im überall im Hotel: Sie erzählen von Zürcher Kirchen ebenso wie von Zürcher Köstlichkeiten.

Mondän, aber gemütlich, hochwertig, aber mit Witz: Das Hotel ist eine Hommage an Zürich – und auch an Häberli selbst. „Das H im Logo der Kette steht in Zürich nicht nur für „home, heart, honesty and humour“, sondern ganz klar auch für Häberli.

www.25hours-hotels.com
In Anlehnung an die Bankenstadt Zürich sind die Hotelzimmer nach den Edelmetallen Silber, Gold und Platin benannt – hier die Kategorie „Gold“, Foto © 25hours Hotels
Die „Häberli Suite“, Foto © 25hours Hotels
Sechzig neue Produkte wurden von Häberli für das Hotel entworfen - von der Türklinke über den Kleiderbügel bis zum Teppich, Foto © 25hours Hotels
Alle Zimmer sind mit Möbeln, Stoffen und Accessoires des Designers Alfredo Häberli ausgestattet, Foto © 25hours Hotels
Ein Hotelzimmer der Kategorie „Platin“, Foto © 25hours Hotels
Je nach Zimmerkategorie zieren silberne, goldenen oder platinfarbene Mosaikfliesen die Badezimmer, Foto © 25hours Hotels
Der Wellnessbereich des Hotels mit angeschlossener Sauna, Foto © 25hours Hotels
Das „25hours" Hotel in Zürich mit seiner großzügigen Lobby ist das vierte Haus der Designhotelkette, Foto © 25hours Hotels
Die „Zunftstube“ ist mit den Stühlen „Jill“ und den Sesseln „Take A Line For A Walk“ ausgestattet, die Häberli für Vitra und Moroso entwarf, Foto © 25hours Hotels
Das Hotel liegt in Zürich-West, einem Gebiet, in dem sich derzeit zahlreiche Kreative ansiedeln, Foto © 25hours Hotels
Alfredo Häberli, Foto © I&I Fotografie Zürich
Produkte
Moroso: Take A Line For A Walk Drehsessel @ Stylepark
Moroso
Take A Line For A Walk Drehsessel
Alfredo Häberli
Alias: stabiles 694 @ Stylepark
Alias
stabiles 694
Alfredo Häberli
Vitra: Jill - I @ Stylepark
Vitra
Jill - I
Alfredo Häberli
BD Barcelona Design: Happy Hour Ginger Stool 80 @ Stylepark
BD Barcelona Design
Happy Hour Ginger Stool 80
Alfredo Häberli
Fredericia: Seracs @ Stylepark
Fredericia
Seracs
Alfredo Häberli
Alias: taormina wood 565 @ Stylepark
Alias
taormina wood 565
Alfredo Häberli
Moroso: Take Off Low @ Stylepark
Moroso
Take Off Low
Alfredo Häberli
Iittala: Origo Schale 2,5 L @ Stylepark
Iittala
Origo Schale 2,5 L
Alfredo Häberli
Alias: legnoletto 140 @ Stylepark
Alias
legnoletto 140
Alfredo Häberli
Alias: segesta wood 558 @ Stylepark
Alias
segesta wood 558
Alfredo Häberli
Architektur › 2012 › Dezember
Häberlis Hotel
von Andrea Eschbach | 3. Dezember 2012
Was kommt dabei heraus, wenn Alfredo Häberli ein komplettes Hotel gestaltet? Im neuen „25hours" Hotel in Zürich kann man es besichtigen.
„Kennst Du eins, kennst Du keins!“ – so lautet das Motto der deutschen Designhotelkette „25hours“. Jung und urban ist das Konzept. In der Lobby legen DJ’s auf, die Zimmer sind farbenfroh, verspielt und plakativ gestaltet. Die Macher verstehen sich als pures Gegenteil der omnipräsenten und uniformen Hotelketten und wollen bewusst eine Alternative schaffen für eine urbane, kosmopolitische Zielgruppe.

Nach Hamburg, Frankfurt und Wien wurde Anfang November nun auch das erste Konzept-Hotel in Zürich-West eröffnet. „Hier ist das progressive Zürich, kulturell aufgeschlossen, vielschichtig und mit lebendigem Szeneblick“, sagt Christoph Hoffmann, der CEO von „25hours". In der Tat, Zürich-West ist ein Gebiet der Stadt, das sich derzeit besonders dynamisch entwickelt. Wo früher Industrie ansässig war, haben sich heute Kreative, Clubs und Shops angesiedelt. Mit dem „Prime Tower“ steht hier das höchste Gebäude der Stadt, die kleine Bühne des Schauspielhauses Zürich und der größte Kinokomplex der Schweiz liegen in Fußnähe, und um die Ecke wird schon bald die Hochschule der Künste ins Toni-Areal einziehen. „Abwechslung in der grauen Stadtwüste“, wie ein Prospekt der „25hours" Hotels verkündet, soll nun auch das Zürcher Haus mit 126 Zimmern bieten. Dafür verpflichteten die Hotel-Macher um Christoph Hoffmann keinen Geringeren als den Designer Alfredo Häberli.

Der 48 Jahre alte Zürcher mit argentinischen Wurzeln gilt als der international erfolgreichste Produktgestalter der Schweiz. Zu seinem Portfolio gehören Kunden wie Iittala, Kvadrat, Luceplan, Vitra und Moroso. Seine Arbeiten sind mehrfach preisgekrönt. 2009 wurde Häberli vom Magazin „Architekur & Wohnen“ zum Designer des Jahres gekürt. Häberli ist ein gefragter Mann. Gerade hat er den Camper-Shop in Zürich eingerichtet.

Nun also ein Hotel – für den Designer trotz zahlreicher Erfahrungen in Sachen Interior-Design doch etwas Neues, sowohl, was die Komplexität, als auch, was die Größenordnung des Projekts angeht. „Es war schon immer mein Traum, ein Hotel von A bis Z zu entwerfen“, sagt Häberli. Drei Jahre hat er mit seinem Team an dem Projekt gearbeitet, wobei rund sechzig neue Produkte entstanden sind – von der Türklinke über den Kleiderbügel und die Leuchten bis zum Teppich. „Mein Ziel war es“, so Häberli, „dem Hotel eine Seele zu geben“. Dafür konnte der Designer auf eigene Erfahrungen als Reisender zurückgreifen, aber auch auf seinen familiären Hintergrund: Im argentinischen Córdoba führten seine Großeltern ein Hotel, seine Eltern ein Restaurant.

Bei der Gestaltung ließen die „25hours" Gründer dem Designer freie Hand. Eine markante Freitreppe charakterisiert die Lobby, die – ganz im Stil traditionsreicher Grand Hotels – ein Platz zum Sehen und Gesehenwerden sein will. „Das ist der Catwalk des Hotels“, sagt Häberli. Offene Areale und geschützte Nischen werden geschickt kombiniert, ein flexibles Vorhangsystem ermöglicht es, Bereiche abzuteilen. Häberlis Handschrift ist in Formen, Farben und Textilien spürbar. „Farbe ist die erste, unmittelbare Möglichkeit der Dekoration“, meint Häberli.

Also hat er die Zimmer als gemütliche Rückzugsorte in leuchtenden Farben gestaltet. Gemeinsam ist ihnen, dass sie mit Möbeln, Stoffen und Accessoires ausgestattet sind, die auf Häberli-Entwürfe zurückgehen: Man schläft in Betten von Alias, sitzt auf Stühlen von Vitra und steckt seine Zahnbürste in gestreifte Becher der Origo-Serie von Iittala.

In Anlehnung an Zürich als Bankenstadt sind die Zimmer nach Edelmetallen benannt: Silber, Gold und Platin warten auf die Gäste, im Knopfmosaik der Fliesen im Badezimmer zitieren silberne, goldenen oder platinfarbene Einleger die Kategorie. Jede Kategorie hat ihr eigenes Kolorit: In der Kategorie „Gold“ bedeutet dies: Wände in Aubergine-Tönen und warmes Parkett, in der Kategorie „Silber“ ist ein grüner Teppichboden mit abstrakten Tiermotiven der Eyecatcher. Auch diesen Teppich hat Häberli speziell für „25hours" entworfen und in Zusammenarbeit mit der renommierten Firma Tai Ping realisiert. Auch bei der Gestaltung der schweren Filzvorhänge im Colour-Blocking konnte der Designer seine Kontakte einsetzen: Produzent ist hier der dänische Stoffhersteller Kvadrat. Nicht nur der ergonomisch gestaltete Türgriff für FSB wird hier erstmals im großen Rahmen eingesetzt, sondern auch der Stuhl „Jill“, den er für für Vitra entworfen hat.

„Meine Ideen sieht man oft erst auf den zweiten Blick“, meint Häberli und verweist auf Vogel und Katze, die als comic-hafte Illustration die Leiste eines Zimmers zieren. Stefanie Häberli-Bachmann, die für das charmant-spielerische grafische Erscheinungsbild verantwortlich zeichnet, erklärt: „Alles basiert auf den Original-Skizzen von Alfredo“. Für die Zimmer-Nummern wurde gar ein eigener Font auf der Grundlage von Häberlis Handschrift entwickelt.

Design mit einem Augenzwinkern charakterisiert bis ins Detail Häberlis Gestaltung. Und so versteckt er hier und da Hinweise auf die Stadt Zürich, die nur der sieht, der den Kopf dreht, hinter die Vorhänge späht oder seine Perspektive ändert. Das gesamte Haus stellt Häberli unter das Motto: „The smile of my hometown“. Das Hotel soll ein dreidimensionaler Guide Zürichs sein. Die Glasfenster im Parterre zitieren im Cartoon-Stil sämtliche Haltestellen der Tram mit der Nummer 4, samt der Sehenswürdigkeiten, die auf der Strecke liegen – von Häberlis eigenem Design-Atelier bis zum „25hours" Hotel. In der Lobby wurden sogar Münzen in den Gussboden eingelegt – eine ironische Anspielung auf das Klischee, dass in Zürich das Geld auf der Straße liege. Solche vergnüglichen Hinweise – Interventionen nennt sie Häberli – finden sich im überall im Hotel: Sie erzählen von Zürcher Kirchen ebenso wie von Zürcher Köstlichkeiten.

Mondän, aber gemütlich, hochwertig, aber mit Witz: Das Hotel ist eine Hommage an Zürich – und auch an Häberli selbst. „Das H im Logo der Kette steht in Zürich nicht nur für „home, heart, honesty and humour“, sondern ganz klar auch für Häberli.

www.25hours-hotels.com