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von 2143 Forward End
Keine Angst vorm schwarzen Mann
von Thomas Wagner | 7. Dezember 2008
All photos © Dimitrios Tsatsas, Stylepark

Warum-Fragen sind Kinderfragen - und sie sind amüsant. Das ist vor allem darauf zurückzuführen, dass ihre Beantwortung zwar wenig zur Beantwortung der Frage beiträgt, dafür aber umso mehr über denjenigen aussagt, der die Frage zu beantworten sucht. Warum-Fragen sind, glaubt man dem Kybernetiker Heinz von Foerster, prinzipiell unbeantwortbare Fragen von dem Typus: „Warum ist überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts?" Aber auch Fragen nach dem Ursprung des Universums oder der Sprache gehören dazu. Und, wie könnte es anders sein, die Frage, warum die Vertreter der Mutter aller Künste ihre Luxuskörper so gern in Tuch hüllen, dessen herausragend Eigenschaft darin besteht, hellschwarz zu sein. Aber wir wollen nicht über die Gründe spekulieren, wir, die wir keine Architekten sind. Denn Cordula Rau hat zahlreiche Antworten gesammelt und sie - Schwarz auf Weiß, wie sonst - in der Handschrift der mutig Antwortenden in einem kleinen Büchlein versammelt. Und wer sich mit dem Entziffern der kalligrafischen Botschaften schwertut, der kann die Bekenntnisse auch gedruckt und in Englisch nachlesen.

Nun wird es ernst: Warum also tragen Architekten Schwarz? Da eine einhellige Antwort bei der Zunft ohnehin auszuschließen ist, könnte man auf die Idee kommen und einzelne Gruppen von Antworten bilden. Doch wir ziehen ein kleines Potpourri vor, weil es dem amüsierten Blättern in der kleinen schwarzen Kladde entspricht. Jun Aoki vermutet, der Hang zum Schwarz liege daran, dass ein Architekt noch immer eine Art Kommunist sei; Hermann Kaufmann indes glaubt, ein Architekt sei ein Missionar. Oder tragen Architekten diese Verweigerung von Farbe, wie Peter Ebner meint, schlicht deshalb, „weil sie nicht über Kleidung nachdenken wollen"? Sie tun es, naturgemäß, trotzdem. Was soll man nur denken? „ - alles Existenzialisten" schreibt Thomas Ende, was Peter Conradi bestätigt, wenn er notiert: „Weil sie sich interessant machen + als Existenzialisten erscheinen wollen". „Mit Schwarz macht man wenig falsch und man muss es nicht so oft wechseln ..." stellt Jürgen Mayer H. fest. „Schwarz macht dünn" glaubt Stefan Behling, „damit die Augen besser zur Geltung kommen" Gregor Eichinger. Allein Christoph Mäckler versucht es mit einer ernsthaften Antwort: „Weil sie glauben, sich von der bürgerlichen Gesellschaft, aus der sie kommen, absondern zu müssen, um so richtig ,Künstler' werden zu können." Naturgemäß gibt es Ausreißer, die der Fangfrage nicht in die Falle gehen wollen. „ I don't whereschwartz" notiert Peter Eisenman mit der Souveränität des New Yorker Intellektuellen. Dietrich Fink hingegen tanzt aus der Reihe, wenn er nur ein Wort dazu sagt: „Grün". So ist das eben mit prinzipiell unbeantwortbaren Fragen: Sie fragen nach Schwarz und einer antwortet Grün.

Jacques Herzog übt sich lieber im Scherzen: „mir fällt zu Schwarz nichts ein - vielleicht weil so viele Architekten es tragen?" Peter Haimerl hingegen reimt sehr frei und aufs Schwärzeste: „Architekten tragen Schwarz weil ... sie gerne die autorität von Pfaffen, die ästhetische freiheit von affen, und die sichtbarkeit nächtlicher träume erschaffen." Aber sogleich zieht sich Vittorio Magnago Lampugnani wieder aus der verfänglichen Situation heraus und notiert: „das weiß ich nicht: ich trage ja nicht Schwarz und bin trotzdem Architekt." Ach, was sollen wir nur denken? Dass es schwarze, weiße und farbige Architekten gibt, die schwarz, weiß und farbig denken und schwarze, weiße und farbige Häuser bauen? Entschuldigung: Es geht ja nur um die Kleidung. Gegen eine solche, bei der Lektüre unweigerlich einsetzende Verwirrung helfen die Sätze der existentialistischen Ironiker. Warum Schwarz? „Weil sie um ihre Zukunft fürchten", meint der kooperativ-den-Himmel-b(l)auende Futurologe Wolf D. Prix. Und Hani Rashid glaubt, Schwarz diene dem Zweck „to disappear into space." Und für Matthias Sauerbruch hat die Frage nach der Farbe sogar einen sehr ernsten Grund: „Angst". Was Albert Speer noch hellsichtiger ausdrückt: „Weil das Leben so traurig ist." Nun wollen wir das aber mal nicht einreißen lassen, und dass nun keiner auf die Idee kommt, die Traurigkeit des Architekten auf die Qualität von Architektur zu beziehen. Wer wird sich denn heute noch vorm schwarzen Mann fürchten? Warum tragen Architekten Schwarz und warum nur stellen wir solche Fragen? Am besten, und um des Kontrastes willen, halten wir uns an Konstantin Grcic: „Ich weiss es nicht!"

Why do architects wear black? Herausgegeben von Cordula Rau; Springer Verlag Wien New York 2008, 228 Seiten, 21,35 €

www.springer.com

From a reliable source, so that the black Indian ink pencil can be wiped on the sleeve... which implies that the drawing + text (as seen here) must be effected colourless. Florian Aicher, Munich
The black makes room for the colourful, I hope... Architects should open possibilities and not determine everything. Good architecture gives us good ruins. Ueli Zbinden, Zurich
Black makes you look skinny. Stefan Behling, Stuttgart
So that the eyes show to advantage. Gregor Eichinger, Vienna
Fear Matthias Sauerbruch, Berlin
Because they don’t have a sense of fantasy and imagination. Massimilliano Fuksas, Rome
Black is the colour of creatives: mysterious, deep, definite. Goes with every colour. Eike Becker, Berlin
I don’t wear black. But rather grey or dark blue always in combination with a coloured shirt. Wiel Arets, Amsterdam
I don’t know. I wear coloured clothes. Peter Zumthor, Haldenstein
I never wear black! Rem Koolhaas, Rotterdam
I don't know. Konstantin Grcic, Munich
News & Stories › 2008 › Dezember
Keine Angst vorm schwarzen Mann
von Thomas Wagner | 7. Dezember 2008
Früher trugen sie Anzug, weißes oder gestreiftes Hemd und Fliege. Heute tragen Architekten - und nicht nur sie - am liebsten Schwarz. Warum? Sie wissen es nicht? Ein kleines amüsantes Buch gibt nun Auskunft darüber, wie sich die Exponenten der Branche selbst darstellen - auch wenn sie Schwarz meiden.
Warum-Fragen sind Kinderfragen - und sie sind amüsant. Das ist vor allem darauf zurückzuführen, dass ihre Beantwortung zwar wenig zur Beantwortung der Frage beiträgt, dafür aber umso mehr über denjenigen aussagt, der die Frage zu beantworten sucht. Warum-Fragen sind, glaubt man dem Kybernetiker Heinz von Foerster, prinzipiell unbeantwortbare Fragen von dem Typus: „Warum ist überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts?" Aber auch Fragen nach dem Ursprung des Universums oder der Sprache gehören dazu. Und, wie könnte es anders sein, die Frage, warum die Vertreter der Mutter aller Künste ihre Luxuskörper so gern in Tuch hüllen, dessen herausragend Eigenschaft darin besteht, hellschwarz zu sein. Aber wir wollen nicht über die Gründe spekulieren, wir, die wir keine Architekten sind. Denn Cordula Rau hat zahlreiche Antworten gesammelt und sie - Schwarz auf Weiß, wie sonst - in der Handschrift der mutig Antwortenden in einem kleinen Büchlein versammelt. Und wer sich mit dem Entziffern der kalligrafischen Botschaften schwertut, der kann die Bekenntnisse auch gedruckt und in Englisch nachlesen.

Nun wird es ernst: Warum also tragen Architekten Schwarz? Da eine einhellige Antwort bei der Zunft ohnehin auszuschließen ist, könnte man auf die Idee kommen und einzelne Gruppen von Antworten bilden. Doch wir ziehen ein kleines Potpourri vor, weil es dem amüsierten Blättern in der kleinen schwarzen Kladde entspricht. Jun Aoki vermutet, der Hang zum Schwarz liege daran, dass ein Architekt noch immer eine Art Kommunist sei; Hermann Kaufmann indes glaubt, ein Architekt sei ein Missionar. Oder tragen Architekten diese Verweigerung von Farbe, wie Peter Ebner meint, schlicht deshalb, „weil sie nicht über Kleidung nachdenken wollen"? Sie tun es, naturgemäß, trotzdem. Was soll man nur denken? „ - alles Existenzialisten" schreibt Thomas Ende, was Peter Conradi bestätigt, wenn er notiert: „Weil sie sich interessant machen + als Existenzialisten erscheinen wollen". „Mit Schwarz macht man wenig falsch und man muss es nicht so oft wechseln ..." stellt Jürgen Mayer H. fest. „Schwarz macht dünn" glaubt Stefan Behling, „damit die Augen besser zur Geltung kommen" Gregor Eichinger. Allein Christoph Mäckler versucht es mit einer ernsthaften Antwort: „Weil sie glauben, sich von der bürgerlichen Gesellschaft, aus der sie kommen, absondern zu müssen, um so richtig ,Künstler' werden zu können." Naturgemäß gibt es Ausreißer, die der Fangfrage nicht in die Falle gehen wollen. „ I don't whereschwartz" notiert Peter Eisenman mit der Souveränität des New Yorker Intellektuellen. Dietrich Fink hingegen tanzt aus der Reihe, wenn er nur ein Wort dazu sagt: „Grün". So ist das eben mit prinzipiell unbeantwortbaren Fragen: Sie fragen nach Schwarz und einer antwortet Grün.

Jacques Herzog übt sich lieber im Scherzen: „mir fällt zu Schwarz nichts ein - vielleicht weil so viele Architekten es tragen?" Peter Haimerl hingegen reimt sehr frei und aufs Schwärzeste: „Architekten tragen Schwarz weil ... sie gerne die autorität von Pfaffen, die ästhetische freiheit von affen, und die sichtbarkeit nächtlicher träume erschaffen." Aber sogleich zieht sich Vittorio Magnago Lampugnani wieder aus der verfänglichen Situation heraus und notiert: „das weiß ich nicht: ich trage ja nicht Schwarz und bin trotzdem Architekt." Ach, was sollen wir nur denken? Dass es schwarze, weiße und farbige Architekten gibt, die schwarz, weiß und farbig denken und schwarze, weiße und farbige Häuser bauen? Entschuldigung: Es geht ja nur um die Kleidung. Gegen eine solche, bei der Lektüre unweigerlich einsetzende Verwirrung helfen die Sätze der existentialistischen Ironiker. Warum Schwarz? „Weil sie um ihre Zukunft fürchten", meint der kooperativ-den-Himmel-b(l)auende Futurologe Wolf D. Prix. Und Hani Rashid glaubt, Schwarz diene dem Zweck „to disappear into space." Und für Matthias Sauerbruch hat die Frage nach der Farbe sogar einen sehr ernsten Grund: „Angst". Was Albert Speer noch hellsichtiger ausdrückt: „Weil das Leben so traurig ist." Nun wollen wir das aber mal nicht einreißen lassen, und dass nun keiner auf die Idee kommt, die Traurigkeit des Architekten auf die Qualität von Architektur zu beziehen. Wer wird sich denn heute noch vorm schwarzen Mann fürchten? Warum tragen Architekten Schwarz und warum nur stellen wir solche Fragen? Am besten, und um des Kontrastes willen, halten wir uns an Konstantin Grcic: „Ich weiss es nicht!"

Why do architects wear black? Herausgegeben von Cordula Rau; Springer Verlag Wien New York 2008, 228 Seiten, 21,35 €

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