transparent_layer
db-images/cms/banner/img/l1_v369374_958_728_90-1.jpg
Blättern: First Back
von 2143 Forward End
Erinnert an die Eleganz einer Cruella de Vil aus „101 Dalmatiner“ – Everlasting Sprouts Kollektion für Herbst/Winter 2013/14. Foto © Everlasting Sprout
Kleider als Leinwand
von Martina Metzner
14. August 2013
Sein Background als Kostümdesigner kann Keiichi Muramatsu kaum verbergen, so stilisiert kommen die Roben und Gewänder des jungen Japaners daher, der 2005 mit seiner Studienkollegin Noriko Seki das Label „Everlasting Sprout“ ins Leben gerufen hat und es mittlerweile alleine betreibt. Der Absolvent des „Bunka Fukusou Gakuin Fashion College“ in Tokio, der bekanntesten Modeschule des Landes, sieht sich in einer Linie mit großen japanischen Designer wie Yohji Yamamoto, Issey Myake, Rei Kawakubo und Junya Watanabe. Sein Kennzeichen ist experimentelles Design mit Strick, der zum Teil per Hand in ihrem Studio hergestellt wird. Aufmerksamkeit bekam das Label, das seine Stücke seit einigen Saisons zur „Tokio Fashion Week“ präsentiert und dem auch schon eine Ausstellung gewidmet war, jüngst durch ein zusammen mit der Sanaa-Architektin Kazuyo Sejima für „Architecture for dogs“ realisiertes Projekt, für das Muji-Kreativchef Kenya Hara im vergangenen Jahr Architekten und Designer wie Toyo Ito, Kengo Kuma, Konstant Grcic und eben Kazuyo Sejima ermuntern konnte, Hundehütten neu zu denken und zu gestalten.

Besonders außergewöhnlich ist die Kollektion, die Everlasting Sprout für diesen Winter entworfen hat. Unter dem Namen „Black and White“ zeigt Muramatsu eine außergewöhnliche Mixtur aus unterschiedlichen Materialien, Mustern und Stilen. Klassische Strick-Pattern wie Fischgrat oder Hahnentritt werden fast schon überpräsent in Form von Mänteln und Anzügen verarbeitet, Details wie gemusterte Kragen, Crochets oder Volants bringen mädchenhafte Raffinesse in den Gesamtlook, begleitet von zebraesk anmutenden Pelzapplikationen, die ein wenig an die Eleganz einer Cruella de Vil aus dem Film „101 Dalmatiner“ erinnern. Das Zusammenspiel der Klassiker Schwarz und Weiß ist Keiichi Muramatsu zufolge keineswegs belanglos. So weist er darauf hin, dass es ihm um ein „kräftiges“ Weiß zu einem „kräftigen“ Schwarz gehe, und um das Bild, das aus dem Zusammenspiel der beiden Farben in den Mustern entstehe. Betrachtet man seine Mode aus dieser Perspektive, erklärt sich auch die generelle Beschreibung des Labels unter dem „about“-Button auf seiner Internetpräsenz. Dort heißt es: „Die Kleider sind die Leinwand, die Materialien die Farbe.“ Wie bei den vorhergehenden Kollektionen, die mit Namen wie „Chromolumnist“, „The bird’s eye“ oder „Restaurant Wildcat House“ immer thematisch spitz ausgerichtet waren, hat Muramatsu auch für diese Kollektion ein Gedicht gezaubert:

„Black and white.
White spreads. Black cuts through.
White clean. White scary.
Black is serious. Black wriggles.“

Everlasting Sprout inszeniert seine Kleider, die immer etwas märchenhaftes und auch kindlich-verspieltes in sich tragen, und spannt dabei den Bogen eines von Zurückhaltung nicht weniger als von avantgardistischen Grenzüberschreitungen geprägten japanischen Stils zum europäischem Modeverständnis mit seinem Hang zu Schmuck und Luxuriösem. Was durchaus Sinn ergibt. Denn in Europa wird japanisches Design seit einigen Jahren wieder verstärkt rezipiert, sei es in der Architektur, im Produkt- und Möbeldesign und nicht zuletzt in der Mode, wenn man sich den Erfolg von japanischen Einzelhändlern wie Muji und Uniqlo anschaut. Letztere haben durch die Kooperation mit Jil Sander wahrlich Brücken nach Europa gebaut und verkaufen ihre Mode in Paris gegenüber den ehrenwürdigen Galeries Lafayette wie warme Semmeln. Dass Muramatsu seine Ausbildung auch in Italien bei Lineapiù genossen hat, einem der führenden Strickspezialisten im hochwertigen Genre, passt da gut ins Bild.

www.everlasting-sprout.com

www.architecturefordogs.com

Die Männerkollektion hat weniger Modelle, ist weniger gewagt, aber durchaus experimentell – und immer auch gestrickt. Foto © Everlasting Sprout
Strich und Punkt – der Mustermix macht die Kollektion lebhaft und feminin. Foto © Everlasting Sprout
Neues Haus, glücklicher Pudel – für das Projekt “architecure for dogs” hat Keiichi Muramatsu mit Kazuyo Sejima von Sanaa zusammengearbeitet. Foto © architecture for dogs
Eine Portion Britishness gepaart mit französischer Eleganz und einem Hauch Ironie, fertig ist das Knickerbocker-Ensemble. Foto © Everlasting Sprout
Coco last grüßen – der klassische Zweiteiler wird modern gedreht durch Highheels und Mustermix. Foto © Everlasting Sprout
Mustergültig: der Fischgrat-Wollmantel wie aus alten Zeiten. Foto © Everlasting Sprout
Designer Keiichi Muramatsu. Foto © Everlasting Sprout
Gut verpackt: Hahnentrittmäntelchen über Rock, Strickjacke und Kniestrümpfe. Foto © Everlasting Sprout
Könnte auch einem kleinen Mädchen gefallen: Hängerchen-Kleid mit Crochets am Saum. Foto © Everlasting Sprout
Eigenwillig und androgyn: die Modelle für den Mann. Foto © Everlasting Sprout
Architektur › 2013 › August
Kleider als Leinwand
von Martina Metzner | 14. August 2013
Everlasting Sprout ist ein junges Label aus Japan, das durch seine aufwendigen Strickkreationen und durch ein Projekt mit Kazuyo Sejima von Sanaa bekannt geworden ist. Nach Issey, Yohji und Rei zeigen sie, wieso es sich lohnt, modisch wieder einmal nach Japan zu schauen.
Sein Background als Kostümdesigner kann Keiichi Muramatsu kaum verbergen, so stilisiert kommen die Roben und Gewänder des jungen Japaners daher, der 2005 mit seiner Studienkollegin Noriko Seki das Label „Everlasting Sprout“ ins Leben gerufen hat und es mittlerweile alleine betreibt. Der Absolvent des „Bunka Fukusou Gakuin Fashion College“ in Tokio, der bekanntesten Modeschule des Landes, sieht sich in einer Linie mit großen japanischen Designer wie Yohji Yamamoto, Issey Myake, Rei Kawakubo und Junya Watanabe. Sein Kennzeichen ist experimentelles Design mit Strick, der zum Teil per Hand in ihrem Studio hergestellt wird. Aufmerksamkeit bekam das Label, das seine Stücke seit einigen Saisons zur „Tokio Fashion Week“ präsentiert und dem auch schon eine Ausstellung gewidmet war, jüngst durch ein zusammen mit der Sanaa-Architektin Kazuyo Sejima für „Architecture for dogs“ realisiertes Projekt, für das Muji-Kreativchef Kenya Hara im vergangenen Jahr Architekten und Designer wie Toyo Ito, Kengo Kuma, Konstant Grcic und eben Kazuyo Sejima ermuntern konnte, Hundehütten neu zu denken und zu gestalten.

Besonders außergewöhnlich ist die Kollektion, die Everlasting Sprout für diesen Winter entworfen hat. Unter dem Namen „Black and White“ zeigt Muramatsu eine außergewöhnliche Mixtur aus unterschiedlichen Materialien, Mustern und Stilen. Klassische Strick-Pattern wie Fischgrat oder Hahnentritt werden fast schon überpräsent in Form von Mänteln und Anzügen verarbeitet, Details wie gemusterte Kragen, Crochets oder Volants bringen mädchenhafte Raffinesse in den Gesamtlook, begleitet von zebraesk anmutenden Pelzapplikationen, die ein wenig an die Eleganz einer Cruella de Vil aus dem Film „101 Dalmatiner“ erinnern. Das Zusammenspiel der Klassiker Schwarz und Weiß ist Keiichi Muramatsu zufolge keineswegs belanglos. So weist er darauf hin, dass es ihm um ein „kräftiges“ Weiß zu einem „kräftigen“ Schwarz gehe, und um das Bild, das aus dem Zusammenspiel der beiden Farben in den Mustern entstehe. Betrachtet man seine Mode aus dieser Perspektive, erklärt sich auch die generelle Beschreibung des Labels unter dem „about“-Button auf seiner Internetpräsenz. Dort heißt es: „Die Kleider sind die Leinwand, die Materialien die Farbe.“ Wie bei den vorhergehenden Kollektionen, die mit Namen wie „Chromolumnist“, „The bird’s eye“ oder „Restaurant Wildcat House“ immer thematisch spitz ausgerichtet waren, hat Muramatsu auch für diese Kollektion ein Gedicht gezaubert:

„Black and white.
White spreads. Black cuts through.
White clean. White scary.
Black is serious. Black wriggles.“

Everlasting Sprout inszeniert seine Kleider, die immer etwas märchenhaftes und auch kindlich-verspieltes in sich tragen, und spannt dabei den Bogen eines von Zurückhaltung nicht weniger als von avantgardistischen Grenzüberschreitungen geprägten japanischen Stils zum europäischem Modeverständnis mit seinem Hang zu Schmuck und Luxuriösem. Was durchaus Sinn ergibt. Denn in Europa wird japanisches Design seit einigen Jahren wieder verstärkt rezipiert, sei es in der Architektur, im Produkt- und Möbeldesign und nicht zuletzt in der Mode, wenn man sich den Erfolg von japanischen Einzelhändlern wie Muji und Uniqlo anschaut. Letztere haben durch die Kooperation mit Jil Sander wahrlich Brücken nach Europa gebaut und verkaufen ihre Mode in Paris gegenüber den ehrenwürdigen Galeries Lafayette wie warme Semmeln. Dass Muramatsu seine Ausbildung auch in Italien bei Lineapiù genossen hat, einem der führenden Strickspezialisten im hochwertigen Genre, passt da gut ins Bild.

www.everlasting-sprout.com

www.architecturefordogs.com