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Luftschiff mit Jüngling im weißen Anzug
von Thomas Wagner | 13. Dezember 2010
Sigmar Polke, alle Fotos: Dimitrios Tsatsas, Stylepark

Jonathan Meese, das Auge so erzdunkel wie die leeren Höhlen des Totenschädels, den er, auf einen Spieß gesteckt, vor sein Gesicht hält; Pedro Cabrita Reis als Zigarre rauchender, dämonisch wirkender Industrieller oder Medienmogul im feinen Anzug, hinter sich an der Wand sein übergroßer Schatten; Julian Rosefeldt, ein Mann der Geschichte, der, als beäuge die junge Schöne den Filmemacher über die Zeiten hinweg, vor dem übergroßen „Bildnis einer jungen Dame" posiert, das Petrus Christus vor fünfhundert Jahren gemalt hat, und, auf einer anderen Aufnahme, zwei große runde Unterlegscheiben in die Augenhöhlen geklemmt, als Gegenwartsnarr vor einer besprühten Backsteinwand. Marcel Odenbach - an der Grenze zwischen Boden und Wand verharrend wie ein Tangotänzer im dunklen Anzug, den seine Partnerin versetzt hat; oder Daniel Buren im Overall als junger Arbeiter der Kunst an einem Bauzaun. Angelika Platens Künstlerporträts sind stets subtile Inszenierungen. Sie balancieren dabei fast immer auf der Grenze, die Mensch und Künstler, Person und Werk trennt und verbindet. Ihre Aufnahmen dokumentieren eben nicht nur das Aussehen des Künstlers, sie verbinden den Künstler mit dem, für das er gemeinhin steht: mit seinem Werk. Und das auf ebenso zurückhaltende wie subtile Weise.

Man mag es schwer glauben, aber Künstler sind, obgleich sie in der Öffentlichkeit stehen und heute zunehmend mehr zur Show gezwungen werden, oft genug eher scheue Menschen. Nicht sie selbst, ihre Kunst soll sich entfalten und die Bühne betreten. Angelika Platen erweist sich gerade darin als ebenso geschickte wie einfühlsame Porträtistin, der es, seien die einzelnen Künstlerpersönlichkeiten noch so verschieden, immer wieder auf ebenso erhellende wie bezaubernde Weise gelingt, die Person aus der Deckung zu locken, das Werk, für das sie steht, darüber aber nicht zu vergessen. Selbstverständlich gehören auch diese Porträts ein Stück weit in die Kategorie „Selbstdarstellung"; doch entsteht diese bei Angelika Platen immer aus einem Dialog, den die Fotografin beginnt und bei dem sie ihre „Modelle" in ein gemeinsames Spiel verstrickt, an dessen Ende - trotz oder wegen der Pose, auf die sich die beiden irgendwann geeinigt haben - sich die Wahrheit eines Augenblicks im Auge der Kamera verewigt.

Mehr als fünfhundert Künstler hat Angelika Platen auf der Straße, in ihren Ateliers oder bei Ausstellungen fotografiert. Rund zweihundert ihrer subtilen Schwarzweiß-Aufnahmen, aus den sechziger und siebziger Jahren ebenso wie aus den vergangenen zwei Jahrzehnten, sind nun in dem Band versammelt. Einige Aufnahmen hat der Herausgeber, Günter Engelhard, eigens kommentiert, wobei man sich mehr von diesen knappen, aber stets erhellenden Texten gewünscht hätte. Hinzu kommen zwei Essays, einer von Christina Weiß, der die Besonderheiten der Fotografie von Angelika Platen umkreist, und ein zweiter von Hans Peter Schwerfel, der die Annäherung der Fotografin an Künstlerinnen und Künstler in Beziehung setzt zu seinen eigenen filmischen Porträts, um auf diese Weise persönliche, zeitbedingte und mediale Unterschiede kenntlich zu machen.

Ergänzt wird dieses Ensemble aus Fotografien und Texten von einem Gespräch, das der Schriftsteller Thomas Hettche mit der Fotografin geführt hat. In diesem erfährt man sowohl, wie Angelika Platen das Fotografieren betreibt, als auch etwas über ihren Lebensweg, darüber, wie sie zu Fotografie kam und wie sie diese bis heute versteht. Dazu gewährt sie Einblick in einige Schubladen in ihrem Atelier, in denen sie ihr Leben einsortiert hat. „Schublade eins ist die Kindheit?", fragt Hettche, und sie antwortet: „Ja". „Und wie viele gibt es?" - „Fünf". Fünf Schubladen voller Tagebücher, Fotoalben, Schulheften - dokumentarisch uneitel und doch voller Geschichten. Sie handeln beispielsweise davon, wie das „kleine Mädchen mit blauem Faltenrock und einem Blüschen und mit Pferdeschwanz" 1955 mit dreizehn - der Vater ist Manager bei Mobil Oil - nach Amerika kommt und dort auf junge Frauen im Pettycoat und mit rot geschminkten Lippen trifft, wie sie später, nach der Geburt ihrer ersten Tochter, beginnt, Babyfotos zu machen und - auf Reisen mit ihrem damaligen Mann, einem Romanisten und Theaterwissenschaftler, der Mitte der sechziger Jahre zum „Stern" geht - langsam anfängt, professionell zu fotografieren. „Das waren die ersten guten Fotos", sagt sie. Also fotografiert sie auf dem ersten Kunstmarkt in Köln, die Sammlung Ströher, Joseph Beuys in Eindhoven. Und sie erzählt die schöne Geschichte, dass sie, als sie Franz Dahlem und Joseph Beuys, der gerade in Hamburg ist, zum Abendessen einlädt, die Beuys-Zeichnungen, die ihr Dahlem für fünfzig Mark anbietet, nicht kaufen kann, weil sie das Geld für das Essen mit den beiden ausgegeben hat.

Als Hettche sie fragt, ob sie sich als Vermittlerin verstanden habe, die Teil hatte an dem Aufbruch der Kunst in den sechziger und siebziger Jahren, ob sie die Künstler etwa durch ihre Fotografien bekannt machen wollte, da antwortet sie: „Nein, überhaupt nicht. Ich war nur die, die ihnen ins Gesicht und in die Seele schauen wollte." Sie hat aber auch gewusst, dass die Seele eines Künstlers ebenso in seinem Werk wie in seinen Gesicht zu finden ist. Also zeigt sie den Künstler weniger in seiner Privatheit als Mensch denn als Botschafter seiner selbst und als einen, der sich so inszeniert wissen will, dass sich sein Bildnis mit seinem Werk verträgt und im besten Fall das eine auf das andere abstrahlt. Und sie erzählt, nicht anders als ihre Fotografien, von dem Spiel, das sie, die junge attraktive Frau, in den sechziger und siebziger Jahren mit dem meist gleichaltrigen Künstlermännern spielte: „Natürlich", sagt sie, „war da so ein Appeal da. Zwischen der Fotografin und den Künstlern." Besonders gut zu spüren ist das bei Sigmar Polke, einem, der immer als scheu galt, und der, 1972 vor der Kamera der Angelika Platen, mit einem Mal so ausgelassen wie ein junger Hund am Rheinufer herumspringt und sichtlich mit der Fotografin und ihrer Kamera flirtet. Hier, aber auch bei anderen Aufnahmen, merkt man, wie viel Nähe und Verständnis in diesen Porträts stecken, dass sie zwar jeweils eine Künstlerin oder einen Künstler zeigen, aber wie ein spontan gesungenes Duett entstanden sind.

In Schublade drei dreht sich das Karussell des Lebens weiter. Es sind die siebziger Jahre - sie macht gerade den Kunstmarkt bei der „Zeit" und leitet die Galerie von Gunter Sachs. Dann, Schublade vier bleibt verschlossen, geht sie 1976 nach Saint Tropez und etwas geschieht, dass ihr Leben so sehr verändert, dass Kunst und Fotografieren zwanzig Jahre lang darin keinen Platz mehr haben. Mitte der neunziger Jahre nimmt Angelika Platen die Fäden wieder auf, beginnt abermals in Ausstellungen zu gehen und wieder zu fotografieren - die Künstler, die sie noch von früher kennt, aber auch die, die mittlerweile nachgewachsen sind.

So hat Angelika Platen über die Jahre viele bekannte und weniger bekannte Künstler fotografiert, ob Henry Moore, Joseph Beuys, Marcel Broodthaers, Gotthard Graubner oder Ben Vautier, ob Georg Baselitz, Jürgen Klauke oder Lawrence Wiener, ob Pawel Althamer, Veronica Janssens oder Michel Majerus. Bis hin zu Walter de Maria, der an einem Sommertag des Jahres 1968 die Rollbahn des Flughafens in Hamburg-Fuhlsbüttel mit seinem Körper und mit Gesten vermisst, bis zu Panamarenko, der ihr im selben Jahr als schöner Jüngling im weißen Sommeranzug hinter einem seiner Luftschiffmodelle Modell stand. Und bis zu Hanne Darboven, die uns 1971 als strenge, rätselhafte junge Frau mit kurzen Haaren vor ihrer „Schreibzeit"-Wand begegnet, und dann noch einmal 2002, kahl, mit Zigarette und von Krankheit gezeichnet.

Angelika Platens Fotografien wohnt eine besondere Form des Blicks inne, eines Blicks, der Nähe herstellt, ohne dem, auf den er trifft, zu nahe zu treten. Aber auch, ohne sich in zu viel Distanz zu verlieren. Auf diese Weise - und verschränkt mit dem eigene Lebensweg - ist ein ganz eigenes Panorama der Zeit anhand der Bildnisse ihrer Künstler entstanden, ein Kaleidoskop, in dem die Welt der Kunst vielfach gebrochen und doch als ein zusammenhängender Fluss aus vielen Gesichtern erscheint, die sie in den vergangenen fünf Jahrzehnten geprägt haben.

Angelika Platen / Künstler
Herausgegeben von Günter Engelhard
Hardcover, 240 Seiten, Deutsch/Englisch
Verlag Hatje Cantz, Ostfildern, 2010
49,80 Euro

www.hatjecantz.de

Panamarenko
Pedro Cabrita Reis
Jonathan Meese
Julian Rosefeld
Darren Almond, Marcel Odenbach
Walter de Maria
Daniel Buren
Gerhard Richter
Angelika Platen fotografiert von Blinky Palermo
Lawrence Weiner
Hanne Darboven
Erich Reusch
Michael Heizer
News & Stories › 2010 › Dezember
Luftschiff mit Jüngling im weißen Anzug
von Thomas Wagner | 13. Dezember 2010
Ein Panorama der Zeit aus lauter Künstlerporträts - das ist es, was Angelika Platen in den vergangenen Jahrzehnten geschaffen hat. Ein Band mit einer Auswahl ihrer Schwarzweiß-Fotografien zeigt, wie subtil die Fotografin Nähe und Distanz auszubalancieren vermag.
Jonathan Meese, das Auge so erzdunkel wie die leeren Höhlen des Totenschädels, den er, auf einen Spieß gesteckt, vor sein Gesicht hält; Pedro Cabrita Reis als Zigarre rauchender, dämonisch wirkender Industrieller oder Medienmogul im feinen Anzug, hinter sich an der Wand sein übergroßer Schatten; Julian Rosefeldt, ein Mann der Geschichte, der, als beäuge die junge Schöne den Filmemacher über die Zeiten hinweg, vor dem übergroßen „Bildnis einer jungen Dame" posiert, das Petrus Christus vor fünfhundert Jahren gemalt hat, und, auf einer anderen Aufnahme, zwei große runde Unterlegscheiben in die Augenhöhlen geklemmt, als Gegenwartsnarr vor einer besprühten Backsteinwand. Marcel Odenbach - an der Grenze zwischen Boden und Wand verharrend wie ein Tangotänzer im dunklen Anzug, den seine Partnerin versetzt hat; oder Daniel Buren im Overall als junger Arbeiter der Kunst an einem Bauzaun. Angelika Platens Künstlerporträts sind stets subtile Inszenierungen. Sie balancieren dabei fast immer auf der Grenze, die Mensch und Künstler, Person und Werk trennt und verbindet. Ihre Aufnahmen dokumentieren eben nicht nur das Aussehen des Künstlers, sie verbinden den Künstler mit dem, für das er gemeinhin steht: mit seinem Werk. Und das auf ebenso zurückhaltende wie subtile Weise.

Man mag es schwer glauben, aber Künstler sind, obgleich sie in der Öffentlichkeit stehen und heute zunehmend mehr zur Show gezwungen werden, oft genug eher scheue Menschen. Nicht sie selbst, ihre Kunst soll sich entfalten und die Bühne betreten. Angelika Platen erweist sich gerade darin als ebenso geschickte wie einfühlsame Porträtistin, der es, seien die einzelnen Künstlerpersönlichkeiten noch so verschieden, immer wieder auf ebenso erhellende wie bezaubernde Weise gelingt, die Person aus der Deckung zu locken, das Werk, für das sie steht, darüber aber nicht zu vergessen. Selbstverständlich gehören auch diese Porträts ein Stück weit in die Kategorie „Selbstdarstellung"; doch entsteht diese bei Angelika Platen immer aus einem Dialog, den die Fotografin beginnt und bei dem sie ihre „Modelle" in ein gemeinsames Spiel verstrickt, an dessen Ende - trotz oder wegen der Pose, auf die sich die beiden irgendwann geeinigt haben - sich die Wahrheit eines Augenblicks im Auge der Kamera verewigt.

Mehr als fünfhundert Künstler hat Angelika Platen auf der Straße, in ihren Ateliers oder bei Ausstellungen fotografiert. Rund zweihundert ihrer subtilen Schwarzweiß-Aufnahmen, aus den sechziger und siebziger Jahren ebenso wie aus den vergangenen zwei Jahrzehnten, sind nun in dem Band versammelt. Einige Aufnahmen hat der Herausgeber, Günter Engelhard, eigens kommentiert, wobei man sich mehr von diesen knappen, aber stets erhellenden Texten gewünscht hätte. Hinzu kommen zwei Essays, einer von Christina Weiß, der die Besonderheiten der Fotografie von Angelika Platen umkreist, und ein zweiter von Hans Peter Schwerfel, der die Annäherung der Fotografin an Künstlerinnen und Künstler in Beziehung setzt zu seinen eigenen filmischen Porträts, um auf diese Weise persönliche, zeitbedingte und mediale Unterschiede kenntlich zu machen.

Ergänzt wird dieses Ensemble aus Fotografien und Texten von einem Gespräch, das der Schriftsteller Thomas Hettche mit der Fotografin geführt hat. In diesem erfährt man sowohl, wie Angelika Platen das Fotografieren betreibt, als auch etwas über ihren Lebensweg, darüber, wie sie zu Fotografie kam und wie sie diese bis heute versteht. Dazu gewährt sie Einblick in einige Schubladen in ihrem Atelier, in denen sie ihr Leben einsortiert hat. „Schublade eins ist die Kindheit?", fragt Hettche, und sie antwortet: „Ja". „Und wie viele gibt es?" - „Fünf". Fünf Schubladen voller Tagebücher, Fotoalben, Schulheften - dokumentarisch uneitel und doch voller Geschichten. Sie handeln beispielsweise davon, wie das „kleine Mädchen mit blauem Faltenrock und einem Blüschen und mit Pferdeschwanz" 1955 mit dreizehn - der Vater ist Manager bei Mobil Oil - nach Amerika kommt und dort auf junge Frauen im Pettycoat und mit rot geschminkten Lippen trifft, wie sie später, nach der Geburt ihrer ersten Tochter, beginnt, Babyfotos zu machen und - auf Reisen mit ihrem damaligen Mann, einem Romanisten und Theaterwissenschaftler, der Mitte der sechziger Jahre zum „Stern" geht - langsam anfängt, professionell zu fotografieren. „Das waren die ersten guten Fotos", sagt sie. Also fotografiert sie auf dem ersten Kunstmarkt in Köln, die Sammlung Ströher, Joseph Beuys in Eindhoven. Und sie erzählt die schöne Geschichte, dass sie, als sie Franz Dahlem und Joseph Beuys, der gerade in Hamburg ist, zum Abendessen einlädt, die Beuys-Zeichnungen, die ihr Dahlem für fünfzig Mark anbietet, nicht kaufen kann, weil sie das Geld für das Essen mit den beiden ausgegeben hat.

Als Hettche sie fragt, ob sie sich als Vermittlerin verstanden habe, die Teil hatte an dem Aufbruch der Kunst in den sechziger und siebziger Jahren, ob sie die Künstler etwa durch ihre Fotografien bekannt machen wollte, da antwortet sie: „Nein, überhaupt nicht. Ich war nur die, die ihnen ins Gesicht und in die Seele schauen wollte." Sie hat aber auch gewusst, dass die Seele eines Künstlers ebenso in seinem Werk wie in seinen Gesicht zu finden ist. Also zeigt sie den Künstler weniger in seiner Privatheit als Mensch denn als Botschafter seiner selbst und als einen, der sich so inszeniert wissen will, dass sich sein Bildnis mit seinem Werk verträgt und im besten Fall das eine auf das andere abstrahlt. Und sie erzählt, nicht anders als ihre Fotografien, von dem Spiel, das sie, die junge attraktive Frau, in den sechziger und siebziger Jahren mit dem meist gleichaltrigen Künstlermännern spielte: „Natürlich", sagt sie, „war da so ein Appeal da. Zwischen der Fotografin und den Künstlern." Besonders gut zu spüren ist das bei Sigmar Polke, einem, der immer als scheu galt, und der, 1972 vor der Kamera der Angelika Platen, mit einem Mal so ausgelassen wie ein junger Hund am Rheinufer herumspringt und sichtlich mit der Fotografin und ihrer Kamera flirtet. Hier, aber auch bei anderen Aufnahmen, merkt man, wie viel Nähe und Verständnis in diesen Porträts stecken, dass sie zwar jeweils eine Künstlerin oder einen Künstler zeigen, aber wie ein spontan gesungenes Duett entstanden sind.

In Schublade drei dreht sich das Karussell des Lebens weiter. Es sind die siebziger Jahre - sie macht gerade den Kunstmarkt bei der „Zeit" und leitet die Galerie von Gunter Sachs. Dann, Schublade vier bleibt verschlossen, geht sie 1976 nach Saint Tropez und etwas geschieht, dass ihr Leben so sehr verändert, dass Kunst und Fotografieren zwanzig Jahre lang darin keinen Platz mehr haben. Mitte der neunziger Jahre nimmt Angelika Platen die Fäden wieder auf, beginnt abermals in Ausstellungen zu gehen und wieder zu fotografieren - die Künstler, die sie noch von früher kennt, aber auch die, die mittlerweile nachgewachsen sind.

So hat Angelika Platen über die Jahre viele bekannte und weniger bekannte Künstler fotografiert, ob Henry Moore, Joseph Beuys, Marcel Broodthaers, Gotthard Graubner oder Ben Vautier, ob Georg Baselitz, Jürgen Klauke oder Lawrence Wiener, ob Pawel Althamer, Veronica Janssens oder Michel Majerus. Bis hin zu Walter de Maria, der an einem Sommertag des Jahres 1968 die Rollbahn des Flughafens in Hamburg-Fuhlsbüttel mit seinem Körper und mit Gesten vermisst, bis zu Panamarenko, der ihr im selben Jahr als schöner Jüngling im weißen Sommeranzug hinter einem seiner Luftschiffmodelle Modell stand. Und bis zu Hanne Darboven, die uns 1971 als strenge, rätselhafte junge Frau mit kurzen Haaren vor ihrer „Schreibzeit"-Wand begegnet, und dann noch einmal 2002, kahl, mit Zigarette und von Krankheit gezeichnet.

Angelika Platens Fotografien wohnt eine besondere Form des Blicks inne, eines Blicks, der Nähe herstellt, ohne dem, auf den er trifft, zu nahe zu treten. Aber auch, ohne sich in zu viel Distanz zu verlieren. Auf diese Weise - und verschränkt mit dem eigene Lebensweg - ist ein ganz eigenes Panorama der Zeit anhand der Bildnisse ihrer Künstler entstanden, ein Kaleidoskop, in dem die Welt der Kunst vielfach gebrochen und doch als ein zusammenhängender Fluss aus vielen Gesichtern erscheint, die sie in den vergangenen fünf Jahrzehnten geprägt haben.

Angelika Platen / Künstler
Herausgegeben von Günter Engelhard
Hardcover, 240 Seiten, Deutsch/Englisch
Verlag Hatje Cantz, Ostfildern, 2010
49,80 Euro

www.hatjecantz.de