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Meiner Meinung nach sollte eigentlich alles weiß sein
3. Januar 2011
The white album by the beatles, cover design by Richard Hamilton Fotos: Dimitrios Tsatsas, Stylepark

Man kennt es gut, das 1968 erschienene „Weiße Album" der Beatles. Entworfen hat das schlichte weiße Plattencover der britische Pop-Art-Künstler Richard Hamilton - als Kontrast zu dem vorangegangenen, extrem bunten und kleinteiligen Cover von „Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band". Nur der blindgeprägte Name der Band und eine graue Ziffer - jedes Exemplar wurde nummeriert - sind auf der quadratischen weißen Fläche zu sehen. Durch sein reduziertes Design, das so gar nicht nach Pop-Art aussieht, verlieh Hamilton dem Cover etwas Überraschendes, ja Revolutionäres. Darüberhinaus ist es das einzige Album der Beatles, das nicht die Bandmitglieder auf dem Cover zeigt. Hamilton gestaltete auch das beigelegte Poster mit Fotografien der Beatles auf der Vorderseite und den Songtexten auf der Rückseite. Mit der ersten CD-Ausgabe gingen Teile des grafischen Konzepts verloren, der Schriftzug „The Beatles" wurde nun in Grau gedruckt und die Nummerierung nicht weitergeführt.

Franziska von Bethmann: Mister Hamilton, wie haben Sie die Beatles kennengelernt?

Richard Hamilton: Robert Fraser, mein Galerist, war mit vielen bekannten Musikern befreundet, unter anderem mit den Beatles. Sie kamen oft zu Vernissagen in seine Galerie.

Wollten Sie das Cover für das „Weiße Album" gestalten oder ging die Initiative von den Beatles aus?

Richard Hamilton: Paul McCartney rief mich an, um zu fragen, ob ich das Erscheinungsbild des neuen Beatles-Albums gestalten möchte. Fraser hatte für das Cover von „Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band" Peter Blake empfohlen. Und es war auch Fraser, der Paul vorschlug, mich für das „Weiße Album" zu kontaktieren.

Das Cover des LP-Albums zeigt auf der gänzlich weißen Fläche nichts als den blindgeprägten Namen „The Beatles" und eine kleine graue Nummer in der unteren Ecke. Wie sind Sie darauf gekommen?

Richard Hamilton: Peter Blakes Plattenhülle war voll mit Menschen und sehr bunt. Ich hielt es für eine gute Idee, ein Album zu präsentieren, das einfach nur weiß ist. Paul äußerte Zweifel angesichts der vollkommenen Leere der weißen Fläche. Daraufhin kam mir die Idee, die einzelnen Exemplare des Albums in grauer Schrift zu nummerieren, so dass der Eindruck einer limitierten Edition entsteht. Ich fragte, wie viele verkaufte Alben die Beatles erwarteten. Ungefähr acht Millionen lautet die Antwort - also entschieden wir uns für eine Nummerierung aus jeweils sieben Ziffern.

Was bedeutet „Weiß" für Sie?

Richard Hamilton: Meiner Meinung nach sollte eigentlich alles weiß sein so lange es keinen Grund für eine andere Farbe gibt - weiße Unterwäsche, Handtücher und das Papier, auf dem Bücher und Kataloge gedruckt werden. Ich persönlich habe keine besonders starke Verbindung zu Weiß. Sein Vorteil ist, dass es keine bewusste Wahl darstellt; es geht mehr um die Abwesenheit von Farbe. Umso arbeitsaufwendiger erwies sich das beigelegte Poster. Während der Entwurfszeit verbrachte Paul jeden Tag einige Stunden in meinem Atelier und hat die Informationen über die Fotografien besorgt, während ich an der Grafik arbeitete.

Was halten Sie heute von dem Cover, mehr als vierzig Jahre nach dessen Erscheinen?

Richard Hamilton: Das weiße Album war ein Erfolg und hat jetzt einen Platz in der Geschichte. Ich mag es - aber es gibt immer noch einen Punkt, der mir nicht gefällt. Der Name „The Beatles" sollte eigentlich gar nicht auf dem Cover erscheinen. Ich hatte nichts von der Veränderung mitbekommen bis das Album bereits fertig produziert im Handel erhältlich war. Vielleicht habe ich auch einfach vorher die Blindprägung der Wörter nicht gesehen, die wahrscheinlich unter Druck von anderen durch meinem Freund Gordon House eingefügt wurde. Er war für die Umsetzung der Songtexte auf der Rückseite des Posters zuständig. Ich finde immer noch, dass die eingeprägten Worte einen kleinen, bedauerlichen Akt von Vandalismus darstellen - wie Graffiti.

www.thebeatleswhitealbum.org

News & Stories › 2011 › Januar
Meiner Meinung nach sollte eigentlich alles weiß sein
3. Januar 2011
Der britische Pop-Art-Künstler Richard Hamilton hat das legendäre Cover des Weißen Albums der Beatles entworfen. Die scheinbar unbedruckte Plattenhülle verhalf der Platte zu ihrem Namen und hob sie optisch zwischen all den farbig gestalteten Alben hervor. Franziska von Bethmann hat Richard Hamilton gefragt, wie das Cover entstanden ist.
Man kennt es gut, das 1968 erschienene „Weiße Album" der Beatles. Entworfen hat das schlichte weiße Plattencover der britische Pop-Art-Künstler Richard Hamilton - als Kontrast zu dem vorangegangenen, extrem bunten und kleinteiligen Cover von „Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band". Nur der blindgeprägte Name der Band und eine graue Ziffer - jedes Exemplar wurde nummeriert - sind auf der quadratischen weißen Fläche zu sehen. Durch sein reduziertes Design, das so gar nicht nach Pop-Art aussieht, verlieh Hamilton dem Cover etwas Überraschendes, ja Revolutionäres. Darüberhinaus ist es das einzige Album der Beatles, das nicht die Bandmitglieder auf dem Cover zeigt. Hamilton gestaltete auch das beigelegte Poster mit Fotografien der Beatles auf der Vorderseite und den Songtexten auf der Rückseite. Mit der ersten CD-Ausgabe gingen Teile des grafischen Konzepts verloren, der Schriftzug „The Beatles" wurde nun in Grau gedruckt und die Nummerierung nicht weitergeführt.

Franziska von Bethmann: Mister Hamilton, wie haben Sie die Beatles kennengelernt?

Richard Hamilton: Robert Fraser, mein Galerist, war mit vielen bekannten Musikern befreundet, unter anderem mit den Beatles. Sie kamen oft zu Vernissagen in seine Galerie.

Wollten Sie das Cover für das „Weiße Album" gestalten oder ging die Initiative von den Beatles aus?

Richard Hamilton: Paul McCartney rief mich an, um zu fragen, ob ich das Erscheinungsbild des neuen Beatles-Albums gestalten möchte. Fraser hatte für das Cover von „Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band" Peter Blake empfohlen. Und es war auch Fraser, der Paul vorschlug, mich für das „Weiße Album" zu kontaktieren.

Das Cover des LP-Albums zeigt auf der gänzlich weißen Fläche nichts als den blindgeprägten Namen „The Beatles" und eine kleine graue Nummer in der unteren Ecke. Wie sind Sie darauf gekommen?

Richard Hamilton: Peter Blakes Plattenhülle war voll mit Menschen und sehr bunt. Ich hielt es für eine gute Idee, ein Album zu präsentieren, das einfach nur weiß ist. Paul äußerte Zweifel angesichts der vollkommenen Leere der weißen Fläche. Daraufhin kam mir die Idee, die einzelnen Exemplare des Albums in grauer Schrift zu nummerieren, so dass der Eindruck einer limitierten Edition entsteht. Ich fragte, wie viele verkaufte Alben die Beatles erwarteten. Ungefähr acht Millionen lautet die Antwort - also entschieden wir uns für eine Nummerierung aus jeweils sieben Ziffern.

Was bedeutet „Weiß" für Sie?

Richard Hamilton: Meiner Meinung nach sollte eigentlich alles weiß sein so lange es keinen Grund für eine andere Farbe gibt - weiße Unterwäsche, Handtücher und das Papier, auf dem Bücher und Kataloge gedruckt werden. Ich persönlich habe keine besonders starke Verbindung zu Weiß. Sein Vorteil ist, dass es keine bewusste Wahl darstellt; es geht mehr um die Abwesenheit von Farbe. Umso arbeitsaufwendiger erwies sich das beigelegte Poster. Während der Entwurfszeit verbrachte Paul jeden Tag einige Stunden in meinem Atelier und hat die Informationen über die Fotografien besorgt, während ich an der Grafik arbeitete.

Was halten Sie heute von dem Cover, mehr als vierzig Jahre nach dessen Erscheinen?

Richard Hamilton: Das weiße Album war ein Erfolg und hat jetzt einen Platz in der Geschichte. Ich mag es - aber es gibt immer noch einen Punkt, der mir nicht gefällt. Der Name „The Beatles" sollte eigentlich gar nicht auf dem Cover erscheinen. Ich hatte nichts von der Veränderung mitbekommen bis das Album bereits fertig produziert im Handel erhältlich war. Vielleicht habe ich auch einfach vorher die Blindprägung der Wörter nicht gesehen, die wahrscheinlich unter Druck von anderen durch meinem Freund Gordon House eingefügt wurde. Er war für die Umsetzung der Songtexte auf der Rückseite des Posters zuständig. Ich finde immer noch, dass die eingeprägten Worte einen kleinen, bedauerlichen Akt von Vandalismus darstellen - wie Graffiti.

www.thebeatleswhitealbum.org