transparent_layer
db-images/cms/banner/img/l1_v369373_958_728_90-1.jpg
Blättern: First Back
von 2139 Forward End
Beginnen wir bei der Architektur. „Luginsland. Architektur mit Aussicht“ heißt ein Band des Schweizerischen Architekturmuseums (SAM) in Basel, der die gleichnamige, aktuelle Ausstellung begleitet. Auch wenn wir diese – leider, leider – nicht gesehen haben, so befinden wir uns doch überraschenderweise noch in der Gegenwart, schließlich ist die Schau noch bis zum 9. März zu sehen. Ausstellung und Katalog widmen sich einem Bautyp, den man wahrlich nicht leicht übersehen kann, dessen Geschichte samt ihren Windungen und Wendungen man sich aber selten klar macht. Es geht um „Aussichtsarchitektur“, also um Türme, Besucherplattformen, Baumkronenpfade und all jene Bauten, die mehr oder weniger dazu dienen, von einer hoch und oft an einem besonders reizvollen Ort gelegenen Position aus den Blick über Land oder Stadt schweifen zu lassen. Wer möchte nicht dann und wann einen Teil der Welt vor sich hingebreitet sehen und ihn aus ungewohnter Perspektive wahrnehmen? Aussichtstürme, ob historisch oder zeitgenössisch, sind eben nicht nur hohe Gebäude, sie sind gleichsam Sprungtürme für das schwindelfreie Auge.

„Architekturhistorisch gesehen“, stellt Hubertus Adam, der Direktor des SAM, schon in seinem Vorwort fest, „handelt es sich bei Gebäuden, die dem zweckfreien Schauen dienen, um ein vergleichsweise junges Phänomen. Im Verlauf des 18. Jahrhunderts entstanden in den englischen Parks die ersten Bauten, die nur dazu dienten, in die Landschaft zu blicken. Mit der Entwicklung des Tourismus im Verlauf des 19. Jahrhunderts entstand eine neue Bauaufgabe: der Aussichtsturm. Oftmals in einer nationalromantischen Formensprache umgesetzt, ließen die frühen Türme mit ihren Zinnen und ihrem Mauerwerk noch die militärische Tradition des Bautyps anklingen.“ Einen mit Zinnen bewehrten Turm auf einer Burg, von dem aus sich die anrückenden Freunde oder Feinde lange vor ihrer Ankunft erspähen lassen, kennt jedes Kind. Hinzu kommen Türme, die der Kommunikation dienen, also Leuchttürme, Fernsehtürme und Flughafentowers.

Wer sich den Bautyp und seine Entwicklung bis in die unmittelbare Gegenwart genauer anschauen möchte, der wird hier fündig. Der Blick selbst, der aufs bloße Schauen aus ist und Natur zuallererst als Landschaft entdeckt, bleibt leider ausgeblendet. Er ist älter als der aus ihm entstandene Bautyp und hat seinen Ursprung im Aufstieg des italienischen Dichters Francesco Petrarcas auf den Mont Ventoux am 26. April des Jahres 1336. Petrarcas Motiv ist eindeutig: „Den höchsten Berg dieser Gegend, den man nicht unverdient Ventosus, den Windumbrausten, nennt, habe ich am heutigen Tage bestiegen, einzig von der Begierde getrieben, diese ungewöhnliche Höhenregion mit eigenen Augen zu sehen“. Nicht zuletzt darin liegt der besondere Reiz sämtlicher Aussichtsbauten: Von hier aus kann man eine Gegend mit eigenen Augen sehen. Anhand von Aussichtstürmen lässt sich also erkennen, wie sich das Verhältnis von Kultur und Natur darstellt.

Anhand fundierter Aufsätze von Hubertus Adam zu „Geschichte und Gegenwart der Aussichtsarchitektur“, von Joachim Kleinmanns über die Lust am Schauen und von Gion A. Caminada über den im Gebiet des Adula-Massivs geplanten bisher größten Naturpark der Schweiz, lässt sich unter anderem nachvollziehen, dass der Aussichtsturm im Verlauf des 20. Jahrhunderts zunächst seine historisierende Hülle verlor um auf eine konstruktive Struktur reduziert zu werden und danach weitere Aufgaben übernehmen zu können. Nicht nur als Besucherplattformen über innerstädtischen Transformationszonen haben Aussichtsbauten in den letzten Jahren wieder an Attraktivität gewonnen, sie dienen auch einem ausgeklügelten Standortmarketing oder einem neu erwachten ökologischen Interesse an der Natur. Was die These, hier sei der Blick aufs bloße Schauen aus, nicht widerlegt, diesen aber in den Dienst vor allem des Tourismus stellt.

Ganz gleich, ob sich Stararchitekten, Künstler wie Anish Kapoor oder weniger bekannte Baumeister der Bauaufgabe annehmen, die – vom Tourismus angefachte – Schaulust bleibt meist die treibende Kraft. Wobei nicht nur der Blick in die Landschaft, sondern auch der auf das Gebäude, das den Blick gewährt, seine Reize hat. Ob die Bjarke Ingels Group in Phoenix, Arizona, einen innerstädtischen Turm plant, der in einer sechsgeschossigen Raumspirale ausklingt, der „Metropol Parasol“ von Jürgen Mayer H. in Sevilla einen Blick über die Stadt gewährt, ob Kazuo Sejima und Ryue Nishizawa von Sanaa im spanischen Elche einen verschlungenen Pfad über den als Weltnaturerbe ausgezeichneten Palmenhainen planen, stets verbindet, sich spektakuläre Architektur mit dem Blick über ein abwechslungsreiches Terrain. Architektonisch zurückhaltender stellt sich Mario Bottas „Tour de Moron“ in den Dienst am spektakulären Rundblick über den Schweizer Jura. Eine ganz andere Aufgabe erfüllt der 36 Meter hohe, leicht auf- und abzubauende „Kronenraumforschungsturm“, den Kirchspitz Architekten + Ingenieure für den Pfälzer Wald und die dort forschenden Biologen der TU Kaiserlautern konzipiert haben. Und dass es auch bescheiden und weniger hoch geht, belegt der „Grunnfør Bycicle Shelter“ von 70o N Arkitektur an der windigen Lofoten-Tourismusroute. Nun denn, nichts wie auf den Turm! Und sei es nur beim Blättern.

SAM 11 – Luginsland. Architektur mit Aussicht
Hrsg. v. Hubertus Adam, Schweizerisches Architekturmuseum
22,5 x 30 cm, 112 S. 157 meist farbige Abbildungen, broschiert
Deutsch / Englisch
Christoph Merian Verlag Basel
29,00 Euro


In die Schweiz – schon wieder – und zur Fotografie, führen zwei bei Lars Müller erschienene Bände. Beide widmen sich dem großen Le Corbusier, wenngleich auf ganz unterschiedliche Weise.

Der Band „Le Corbusiers Pavillon für Zürich“ befasst sich, der Untertitel deutet es an, mit dem „Modell und Prototyp eines idealen Ausstellungsraums“. Anhand zahlreicher handschriftlicher Dokumente, Skizzen und Pläne vom „Laboratoire permanent des arts majeurs“ an der Porte Maillot bis zum Entwurf der „Maison d’Homme“ für Heidi Weber in Zürich, sowie in fundierten Aufsätzen wird dieses Spätwerk – Le Corbusiers letzter Bau, dessen Ausführung erst nach seinem Tod erfolgte – in seiner Entwicklung vorgestellt. Immer wieder staunt man, wie aufwendig die Planungen waren, mit welcher Sorgfalt Varianten geprüft wurden und wie ambitioniert das ganze Unternehmen sich darstellt. „Le Corbusier“, so Uta Hasseler, „hatte nichts geringeres im Sinn als einen idealen Ausstellungspavillon: Heimat seines Œuvres und Versicherung des Überlebens von Werk und Wirkung; eine abstrakt-allgemeine Architekturformulierung großer Ambition und großer Freiheit, die Demonstration einer Synthese von Kunst, Architektur und Leben.“ Das Wohnhaus, das zugleich Museum ist, wurde von der Zürcher Galeristin Heidi Weber initiiert und stellt mit seinen abstrakten Formen und Farben nicht weniger als ein intellektuelles Vermächtnis des berühmten Architekten dar.

Wer sich für Le Corbusier, für Ausstellungsbauten im Allgemeinen oder für beides interessiert, der sollte sich diesen Band über einen in vielfacher Weise außergewöhnlichen Bau unbedingt ansehen, der mal als „Heidi Weber Museum“, mal als „Centre Le Corbusier“, mal als „Ausstellungspavillon ZHLC“ oder einfach als „LCZH“ bezeichnet wird.

Le Corbusiers Pavillon für Zürich
Tim Benton, Catherine Dumont D’Ayot
16,5 x 24 cm, 224 Seiten, 198 Abbildungen, Hardcover,
Lars Müller Publishers
erhältlich in Englisch, Französisch, Deutsch
40,00 Euro


Von einer ganz anderen Seite nähert sich Le Corbusier der von Tim Benton verantwortete Band „LC Foto: Le Corbusier Secret Photographer“. Benton untersucht darin auf akribische Weise, wie der berühmte Architekt die Fotografie verwendet hat. Es beginnt bei den Versuchen des noch jungen Charles-Edouard Jeanneret, der während seiner Reisen durch Mitteleuropa, den Balkan, die Türkei, Griechenland und Italien professionelle Aufnahmen machen wollte. Zwar hat Le Corbusier stets behauptet, er messe der Fotografie keinen großen Wert bei, gleichwohl erwarb er zwischen 1907 und 1917 drei Fotoapparate und machte damit hunderte von Aufnahmen, viele davon durchaus in hoher Qualität. Im Jahr 1936 kaufte er sogar eine 16mm-Filmkamera, mit der er 120 Filmsequenzen drehte.

Im Zentrum des Bandes stehen dann auch Teile aus diesem öffentlich kaum bekannten Material. Man erfährt, welche Kameras LC wann benutzt hat und erkennt, dass LC mit einer Vielzahl fotografischer Stile experimentiert hat. Das ist aber bei weitem nicht alles: Wer sich auf die selten touristisch oder gar gefällig wirkenden Schwarzweiß-Fotografien einlässt, der erhält auch Einblicke, wie LC Natur und Stadt wahrgenommen und welche Lehren er daraus gezogen hat. Es sind zugleich die architektonischen Ensembles und die Details, die LC aufnimmt, es sind aber auch die Hülle eines Zeppelins oder die Glieder einer Ankerkette, die seine visuellen Interessen verraten und sein Vorstellungsvermögen bezeugen.

LC FOTO: Le Corbusier Secret Photographer
Tim Benton
24 x 16,5 cm, 416 Seiten, 970 Abbildungen, Hardcover
Lars Müller Publishers
Englisch
48,00 Euro


MEHR auf Stylepark:

Aufgeklappt, aufgeklärt: Der Direktor des Deutschen Architekturmuseums (DAM) hat den neuen „Architekturführer Frankfurt am Main“ unter die Lupe genommen.
(11. Dezember 2013)

Tauwetter auf den Gipfeln von Inca-City: Ein Bildband mit faszinierenden Aufnahmen zeigt den Mars mit seiner Oberfläche im Detail.
(23. Oktober 2013)
Produkte
Cassina: LC2 Villa Church @ Stylepark
Cassina
LC2 Villa Church
Piero Lissoni
Pierre Jeanneret
Charlotte Perriand
Le Corbusier
Cassina: LC 16 @ Stylepark
Cassina
LC 16
Le Corbusier
Serge Ferrari: Précontraint®, Monumenta 2011 @ Stylepark
Serge Ferrari
Précontraint®, Monumenta 2011
Cassina: LC 17 @ Stylepark
Cassina
LC 17
Le Corbusier
RIVA 1920: Clessidra @ Stylepark
RIVA 1920
Clessidra
Mario Botta
Alias: prima @ Stylepark
Alias
prima
Mario Botta
News & Stories › 2014 › Januar
N minus X – Lesen bildet, Teil 1
von Thomas Wagner | 15. Januar 2014
Jedes Mal, wenn ein neues Jahr beginnt, befällt einen eine seltsame Unruhe. Als gelte es, einen Virus zu bekämpfen, fängt man an, aufzuräumen. Dabei stößt man auf Bücherstapel, die es wert sind, nicht noch länger unbeachtet zu bleiben. Also, los geht’s – schauen wir, was sich so alles angesammelt hat.
Beginnen wir bei der Architektur. „Luginsland. Architektur mit Aussicht“ heißt ein Band des Schweizerischen Architekturmuseums (SAM) in Basel, der die gleichnamige, aktuelle Ausstellung begleitet. Auch wenn wir diese – leider, leider – nicht gesehen haben, so befinden wir uns doch überraschenderweise noch in der Gegenwart, schließlich ist die Schau noch bis zum 9. März zu sehen. Ausstellung und Katalog widmen sich einem Bautyp, den man wahrlich nicht leicht übersehen kann, dessen Geschichte samt ihren Windungen und Wendungen man sich aber selten klar macht. Es geht um „Aussichtsarchitektur“, also um Türme, Besucherplattformen, Baumkronenpfade und all jene Bauten, die mehr oder weniger dazu dienen, von einer hoch und oft an einem besonders reizvollen Ort gelegenen Position aus den Blick über Land oder Stadt schweifen zu lassen. Wer möchte nicht dann und wann einen Teil der Welt vor sich hingebreitet sehen und ihn aus ungewohnter Perspektive wahrnehmen? Aussichtstürme, ob historisch oder zeitgenössisch, sind eben nicht nur hohe Gebäude, sie sind gleichsam Sprungtürme für das schwindelfreie Auge.

„Architekturhistorisch gesehen“, stellt Hubertus Adam, der Direktor des SAM, schon in seinem Vorwort fest, „handelt es sich bei Gebäuden, die dem zweckfreien Schauen dienen, um ein vergleichsweise junges Phänomen. Im Verlauf des 18. Jahrhunderts entstanden in den englischen Parks die ersten Bauten, die nur dazu dienten, in die Landschaft zu blicken. Mit der Entwicklung des Tourismus im Verlauf des 19. Jahrhunderts entstand eine neue Bauaufgabe: der Aussichtsturm. Oftmals in einer nationalromantischen Formensprache umgesetzt, ließen die frühen Türme mit ihren Zinnen und ihrem Mauerwerk noch die militärische Tradition des Bautyps anklingen.“ Einen mit Zinnen bewehrten Turm auf einer Burg, von dem aus sich die anrückenden Freunde oder Feinde lange vor ihrer Ankunft erspähen lassen, kennt jedes Kind. Hinzu kommen Türme, die der Kommunikation dienen, also Leuchttürme, Fernsehtürme und Flughafentowers.

Wer sich den Bautyp und seine Entwicklung bis in die unmittelbare Gegenwart genauer anschauen möchte, der wird hier fündig. Der Blick selbst, der aufs bloße Schauen aus ist und Natur zuallererst als Landschaft entdeckt, bleibt leider ausgeblendet. Er ist älter als der aus ihm entstandene Bautyp und hat seinen Ursprung im Aufstieg des italienischen Dichters Francesco Petrarcas auf den Mont Ventoux am 26. April des Jahres 1336. Petrarcas Motiv ist eindeutig: „Den höchsten Berg dieser Gegend, den man nicht unverdient Ventosus, den Windumbrausten, nennt, habe ich am heutigen Tage bestiegen, einzig von der Begierde getrieben, diese ungewöhnliche Höhenregion mit eigenen Augen zu sehen“. Nicht zuletzt darin liegt der besondere Reiz sämtlicher Aussichtsbauten: Von hier aus kann man eine Gegend mit eigenen Augen sehen. Anhand von Aussichtstürmen lässt sich also erkennen, wie sich das Verhältnis von Kultur und Natur darstellt.

Anhand fundierter Aufsätze von Hubertus Adam zu „Geschichte und Gegenwart der Aussichtsarchitektur“, von Joachim Kleinmanns über die Lust am Schauen und von Gion A. Caminada über den im Gebiet des Adula-Massivs geplanten bisher größten Naturpark der Schweiz, lässt sich unter anderem nachvollziehen, dass der Aussichtsturm im Verlauf des 20. Jahrhunderts zunächst seine historisierende Hülle verlor um auf eine konstruktive Struktur reduziert zu werden und danach weitere Aufgaben übernehmen zu können. Nicht nur als Besucherplattformen über innerstädtischen Transformationszonen haben Aussichtsbauten in den letzten Jahren wieder an Attraktivität gewonnen, sie dienen auch einem ausgeklügelten Standortmarketing oder einem neu erwachten ökologischen Interesse an der Natur. Was die These, hier sei der Blick aufs bloße Schauen aus, nicht widerlegt, diesen aber in den Dienst vor allem des Tourismus stellt.

Ganz gleich, ob sich Stararchitekten, Künstler wie Anish Kapoor oder weniger bekannte Baumeister der Bauaufgabe annehmen, die – vom Tourismus angefachte – Schaulust bleibt meist die treibende Kraft. Wobei nicht nur der Blick in die Landschaft, sondern auch der auf das Gebäude, das den Blick gewährt, seine Reize hat. Ob die Bjarke Ingels Group in Phoenix, Arizona, einen innerstädtischen Turm plant, der in einer sechsgeschossigen Raumspirale ausklingt, der „Metropol Parasol“ von Jürgen Mayer H. in Sevilla einen Blick über die Stadt gewährt, ob Kazuo Sejima und Ryue Nishizawa von Sanaa im spanischen Elche einen verschlungenen Pfad über den als Weltnaturerbe ausgezeichneten Palmenhainen planen, stets verbindet, sich spektakuläre Architektur mit dem Blick über ein abwechslungsreiches Terrain. Architektonisch zurückhaltender stellt sich Mario Bottas „Tour de Moron“ in den Dienst am spektakulären Rundblick über den Schweizer Jura. Eine ganz andere Aufgabe erfüllt der 36 Meter hohe, leicht auf- und abzubauende „Kronenraumforschungsturm“, den Kirchspitz Architekten + Ingenieure für den Pfälzer Wald und die dort forschenden Biologen der TU Kaiserlautern konzipiert haben. Und dass es auch bescheiden und weniger hoch geht, belegt der „Grunnfør Bycicle Shelter“ von 70o N Arkitektur an der windigen Lofoten-Tourismusroute. Nun denn, nichts wie auf den Turm! Und sei es nur beim Blättern.

SAM 11 – Luginsland. Architektur mit Aussicht
Hrsg. v. Hubertus Adam, Schweizerisches Architekturmuseum
22,5 x 30 cm, 112 S. 157 meist farbige Abbildungen, broschiert
Deutsch / Englisch
Christoph Merian Verlag Basel
29,00 Euro


In die Schweiz – schon wieder – und zur Fotografie, führen zwei bei Lars Müller erschienene Bände. Beide widmen sich dem großen Le Corbusier, wenngleich auf ganz unterschiedliche Weise.

Der Band „Le Corbusiers Pavillon für Zürich“ befasst sich, der Untertitel deutet es an, mit dem „Modell und Prototyp eines idealen Ausstellungsraums“. Anhand zahlreicher handschriftlicher Dokumente, Skizzen und Pläne vom „Laboratoire permanent des arts majeurs“ an der Porte Maillot bis zum Entwurf der „Maison d’Homme“ für Heidi Weber in Zürich, sowie in fundierten Aufsätzen wird dieses Spätwerk – Le Corbusiers letzter Bau, dessen Ausführung erst nach seinem Tod erfolgte – in seiner Entwicklung vorgestellt. Immer wieder staunt man, wie aufwendig die Planungen waren, mit welcher Sorgfalt Varianten geprüft wurden und wie ambitioniert das ganze Unternehmen sich darstellt. „Le Corbusier“, so Uta Hasseler, „hatte nichts geringeres im Sinn als einen idealen Ausstellungspavillon: Heimat seines Œuvres und Versicherung des Überlebens von Werk und Wirkung; eine abstrakt-allgemeine Architekturformulierung großer Ambition und großer Freiheit, die Demonstration einer Synthese von Kunst, Architektur und Leben.“ Das Wohnhaus, das zugleich Museum ist, wurde von der Zürcher Galeristin Heidi Weber initiiert und stellt mit seinen abstrakten Formen und Farben nicht weniger als ein intellektuelles Vermächtnis des berühmten Architekten dar.

Wer sich für Le Corbusier, für Ausstellungsbauten im Allgemeinen oder für beides interessiert, der sollte sich diesen Band über einen in vielfacher Weise außergewöhnlichen Bau unbedingt ansehen, der mal als „Heidi Weber Museum“, mal als „Centre Le Corbusier“, mal als „Ausstellungspavillon ZHLC“ oder einfach als „LCZH“ bezeichnet wird.

Le Corbusiers Pavillon für Zürich
Tim Benton, Catherine Dumont D’Ayot
16,5 x 24 cm, 224 Seiten, 198 Abbildungen, Hardcover,
Lars Müller Publishers
erhältlich in Englisch, Französisch, Deutsch
40,00 Euro


Von einer ganz anderen Seite nähert sich Le Corbusier der von Tim Benton verantwortete Band „LC Foto: Le Corbusier Secret Photographer“. Benton untersucht darin auf akribische Weise, wie der berühmte Architekt die Fotografie verwendet hat. Es beginnt bei den Versuchen des noch jungen Charles-Edouard Jeanneret, der während seiner Reisen durch Mitteleuropa, den Balkan, die Türkei, Griechenland und Italien professionelle Aufnahmen machen wollte. Zwar hat Le Corbusier stets behauptet, er messe der Fotografie keinen großen Wert bei, gleichwohl erwarb er zwischen 1907 und 1917 drei Fotoapparate und machte damit hunderte von Aufnahmen, viele davon durchaus in hoher Qualität. Im Jahr 1936 kaufte er sogar eine 16mm-Filmkamera, mit der er 120 Filmsequenzen drehte.

Im Zentrum des Bandes stehen dann auch Teile aus diesem öffentlich kaum bekannten Material. Man erfährt, welche Kameras LC wann benutzt hat und erkennt, dass LC mit einer Vielzahl fotografischer Stile experimentiert hat. Das ist aber bei weitem nicht alles: Wer sich auf die selten touristisch oder gar gefällig wirkenden Schwarzweiß-Fotografien einlässt, der erhält auch Einblicke, wie LC Natur und Stadt wahrgenommen und welche Lehren er daraus gezogen hat. Es sind zugleich die architektonischen Ensembles und die Details, die LC aufnimmt, es sind aber auch die Hülle eines Zeppelins oder die Glieder einer Ankerkette, die seine visuellen Interessen verraten und sein Vorstellungsvermögen bezeugen.

LC FOTO: Le Corbusier Secret Photographer
Tim Benton
24 x 16,5 cm, 416 Seiten, 970 Abbildungen, Hardcover
Lars Müller Publishers
Englisch
48,00 Euro


MEHR auf Stylepark:

Aufgeklappt, aufgeklärt: Der Direktor des Deutschen Architekturmuseums (DAM) hat den neuen „Architekturführer Frankfurt am Main“ unter die Lupe genommen.
(11. Dezember 2013)

Tauwetter auf den Gipfeln von Inca-City: Ein Bildband mit faszinierenden Aufnahmen zeigt den Mars mit seiner Oberfläche im Detail.
(23. Oktober 2013)