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Noch kommt Design in Dubai aus Europa
von Franziska Holzmann | 16. Februar 2009
Ist sie schon geplatzt, die Dubai Blase? Der ein Kilometer hohe Nakheel Tower auf Eis gelegt, 3000 verwaiste Autos, Auswanderer irgendwo in der Stadt abgestellt, Preisverfall im Immobiliensektor - so lauten derzeit die Neuigkeiten aus Dubai. Musste ein Höhenflug, wie Dubai ihn in den vergangenen Jahren erlebt hat, nicht irgendwann ein Ende haben? Die Frage lautet eher, ob es für Dubai eine sanfte Zwischenlandung oder ein schmerzvoller Aufprall wird. Was kommen wird, kann und will keiner vorhersagen, aber man scheint sich einig zu sein - schon allein um sich selbst zu beruhigen -, dass die derzeitige Lage auch jede Menge Chancen birgt. Viele äußern sich sogar erleichtert über die Drosselung des fast unheimlich gewordenen Entwicklungstempos und sprechen von einer gesunden Phase des Nach- und Überdenkens: Dubai solle sich jetzt stabilisieren und sich auf seine Identität, insbesondere auf seine kulturellen Werte besinnen.

Schon vor der Finanzkrise wurde kulturellen Themen eine wichtige strategische Rolle eingeräumt. Abu Dhabi ist hier Vorreiter und setzt mit der Museumsinsel Saadiyat Island auf Kultur und der Masdar City auf Nachhaltigkeit - aber auch Dubai zieht nach. So hat die staatliche Dubai Culture and Arts Authority unter der Schirmherrschaft von Scheich Mohammed Bin Rashid Al Maktoum bereits im Juni 2008 zur Art Basel die Ausstellung „Dubai Next" gezeigt. Von Rem Koolhaas kuratiert, setzte sie sich selbstkritisch mit der Entwicklung Dubais auseinander und stellte die geplanten Kulturbauten von Zaha Hadid Architects und Rem Koolhaas/OMA vor. Bezeichnenderweise wurde die Ausstellung auf dem Vitra Gelände in Weil am Rhein präsentiert, das heißt nicht in einem von Kunst, sondern von Design und Architektur geprägten Umfeld. Damit wurde ein klarer Weg in Richtung Gebrauchskultur gewiesen, der in Dubai so noch nicht spürbar ist, auch weil es entsprechende Orte dort nicht gibt - oder nur im Verborgenen und für Eingeweihte und Kenner auffindbar.

Ein solcher Ort ist „Traffic". Die Designgalerie wurde 2007 von dem Einheimischen Rami Farook gegründet und inzwischen um ein eigenes Designstudio und ein Geschäft erweitert. Damals gab es vor allem einen Mangel an wirklich guten Möbelläden, heute versteht sich Traffic als Design Netzwerk für die ganze arabische Region. Es werden erste Wettbewerbe und Ausstellungen initiiert, der Designdiskurs angekurbelt. Das eigene Designteam besteht aus Menschen unterschiedlichster Herkunft und wurde gerade erst um Katrin Greiling, eine deutsch-schwedische Designerin, erweitert. Schauraum und Büro von Traffic befinden sich in einer unauffälligen Seitenstrasse gleich neben der Mall of Emirates. Die Fassade des Gebäudes ist schlicht, die Räume und ihre Ausstattung könnte man minimalistisch nennen. Im Schaufenster stehen „Myto"-Stühle von Konstantin Grcic, direkt dahinter das „Siebenschläfer"-Bett aus dem Programm von Nils Holger Moormann. Es gibt aber auch limitierte Stücke wie eines der „Chest of Drawers" von Droog. Inmitten des „Megageglitzers" von Dubai ist das ein echtes Statement, denn Myto ist letztendlich nichts anderes als ein bunter Plastikstuhl und den Siebenschläfer baut man sich im „do it yourself"-Verfahren aus Multiplexlatten zusammen. Und das in einer Stadt, wo alle nach dem vermeintlich Teuersten, Größten, Luxuriösesten streben.

Laut Rami Farook wird Design in Dubai erst seit etwa zwei Jahren als Thema wahrgenommen. Die Zahl derjenigen, für die sich Exklusivität durch Reduktion und Innovation auszeichnet, aber steigt kontimnuierlich. Zu den besten Kunden von Traffic gehören jene Bürger der Vereinten Arabischen Emirate, die durch Auslandsaufenthalte zeitgenössisches Design schätzen gelernt haben und es sich auch leisten können. Bisher mussten Investoren und Planer eine Vielzahl an Geschmäckern und Kulturen befriedigen. Zudem mussten Projekte immer sehr schnell realisiert und unter kommerziellen Gesichtspunkten betrachtet werden. Der globalisierte „Hotel Interior Style" war dabei der sicherste Weg; für radikalere Ideen gab es wenig Platz. Im Grafik Design, verwurzelt in der langen Tradition der Kaligraphie, ist der Fortschritt dagegen längst in vollem Gange. Auf dieser Ebene entwickelt Traffic schon jetzt gemeinsame Projekte mit der Khatt Stiftung, einem in Amsterdam ansässigen Zentrum für arabische Typographie, das den kulturellen Austausch zwischen Europa und dem Mittlerem Osten fördert.

Farooks Wunsch ist es, das lokale Erbe bewahren und gleichzeitig weiterentwickeln zu können, denn in der Vergangenheit standen viele lokale Traditionen plötzlich westlichen Gewohnheiten gegenüber und vermischten sich mit diesen. Für eine Kultur aber, die sich in kurzer Zeit drastischen Veränderungen ausgesetzt gesehen und sich diesen gestellt hat, sind Bindungen an kulturelle Identitäten essentiell, zumal es kaum einen zweiten Ort wie Dubai gegeben hat, an dem man Neuerungen gegenüber so aufgeschlossen war wie hier. Heute sieht man bei Traffic vornehmlich Design-Produkte aus Europa. „Es gibt nichts anderes", merkt Rami Farook mit einem vielversprechenden Lächeln an, „noch nicht."

www.viatraffic.org
cultureartsdubai.ae
www.katringreiling.com
www.khtt.net
Gallery Traffic; photos © Katrin Greiling
Dubai; photos © Franziska Holzmann
Dubai; photos © Franziska Holzmann
Dubai; photos © Franziska Holzmann
Gallery Traffic; photos © Katrin Greiling
Gallery Traffic; photos © Katrin Greiling
Dubai; photos © Franziska Holzmann
Dubai; photos © Franziska Holzmann