transparent_layer
db-images/cms/banner/img/l1_v369373_958_728_90-1.jpg
Blättern: First Back
von 2143 Forward End
Schnurrbärte, Schnauzer und Möbelentwürfe
von Sandra Hofmeister | 15. April 2009
„Moustache" ist der Name des neuen Möbellabels, das Stéphane Arriubergé und Massimiliano Iorio auf dem Salone in Mailand launchen. Ein ungewöhnlicher Name für eine Möbelfirma, die den Schnauzer auch noch frech als Markenlogo trägt und erst einmal sowohl an staatstragendes französisches Pathos als auch an die Slapstick-Seiten der Grande Nation erinnert. Charles de Gaules und Asterix sind also irgendwie vereint in dem engagierten Projekt der beiden Franzosen, die sich bereits als Partner von Domestic kennen und große Pläne haben. Moustache möchte aus den festgefahrenen Strukturen des Möbelmarktes ausbrechen, neue häusliche Perpektiven und einen neuen Kombinations- sowie Variationshorizont öffnen. Ohne Nostalgie soll das Vorhandene umbewertet werden, anstatt künstliche Neuheiten zu erzwingen, die niemand braucht. Klingt soweit plausibel - aber wie man sich das wohl vorzustellen hat, die unnostalgische Neubewertung von Möbel und Objekten? Die neuen Ideale in der Möbelindustrie?

Die erste Kollektion von Moustache scheint jedenfalls vielversprechend: Tische und Stühle, Leuchten, Schranksysteme, Regale und Garderoben der Designer Matali Crasset, Inga Sempé, Big-Game, François Azambourg und Ana Mir + Emili Padros - ein erfrischendes Sammelsurium, das die Vorfreude größer werden lässt. Kombinationsmöglichkeiten und Praktikabilität, Materialexperimente und verspielte Kapriolen sind mit dabei. Da ist zum Beispiel die Instant-Familie von Matali Crasset, die sich schon in früheren Projekten als genaue Beobachterin des Alltags bewiesen hat und in ihrem neuen Entwurf für Moustache mit dem Thema des Gestells experimentiert: Stuhl und Tisch aus Buchenfurniertem Schichtholz sind mit einfachen Handgriffen zusammenklappbar und Platz sparend wegzupacken - die Tischoberfläche ist aus den Schnittresten des Tischgestells gefertigt. Azambourg weitet seine Erkundungen mit Polyruethan-Schaum auf einen Tisch-Entwurf aus: „La belle et le clochard" heißt das kantige Möbel mit Ahornoberflächen und Schaumfüllung. Inga Sempé probiert sich in Falten und Stoffkräuseln: Ihre Vampeur-Leuchte gleicht einem zerknitterten Flugobjekt, das sich wie die Miniatur eines hellen Heißluftballons gibt. Leicht ausbaubar und immer wieder zu verwenden - absolut umzugstauglich - ist das Schranksystem „Armoire Souple" der französischen Designerin. Die Rahmenmodule können zu großen Türmen oder flachen Kommoden kombiniert werden, wobei die Seitenwände aus faltbaren Textilwänden einfach zur Seite zu schieben sind.

Offensichtlich bringt die Kollektion von Moustache frischen Wind in den ansonsten Luxus verwöhnten Möbelmarkt der letzten Jahre. Ausgestellt wird sie erstmals während des Salone in Mailand, ab 22. April via Tortona 19.

www.moustache.fr