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Schwitzen im Blechkamerad
von Adeline Seidel | 15. Juni 2015
Das Berliner Architekturbüro Raumlabor hat im Göteborger Freihafen eine Sauna gebaut, die den einen der anderen an einen „AT-AT“ aus Star Wars erinnern mag. Alle Fotos © Raumlabor
Es ist ein weitverbreitetes Klischee: Die Sauna gehört zu Skandinavien wie die Weißwurst zu Bayern. Gemeinsam schwitzen und gemeinsam essen sollen ja selbst beim „business“ nicht eben hinderlich sein. Schon die Römer haben angeblich große Geschäfte im Dampfbad eingefädelt. Die typische Sauna, so verlangt es das Klischee, ist ein entzückendes kleines Holzhaus und steht im besten Falle an einem schimmernden See, mindestens aber in einem herrlichen Wald.

Mit finnischer Seenplatte oder schwedischer Landlust-Romantik hat der Sauna-Turm im Hafenbecken des Göteborger Freihafens („Frihamnen“) von Raumlabor nichts am Handtuch. Er erinnert vielmehr an einen „AT-AT“, den „Allterrain-Angriffstransporter“ aus Star Wars, dessen Einsatzzeit vorbei ist und der nun – ergraut und mit rostigen Stellen hier und da – am Rand des Hafenbeckens abgestellt worden ist. Statt Kampfeinheiten befindet sich im Bauch des kantigen Körpers, der von vier dicken „Beinen“ getragen wird, nun ein Saunaraum. Es scheint, als wäre die Maschine bei ihrem letzten Gang einfach mitten in der Bewegung stehengeblieben.

Wie viele andere Projekte von Raumlabor ist auch dieses mit Hilfe zupackender Hände („Partizipation“) und geschickter Improvisation entstanden. Ein Großteil der Materialien wurde in der Umgebung „geerntet“, „recycled“ und „upcycled“, wie es so schön heißt. Das gilt für die Außenwände aus Wellblech, für die Fenster im Empfangsbereich und die Flaschen, die aufeinandergelegt als „Glasbausteine“ für die Duschwände dienen. Mit einem ausgesprochenen Sinn fürs Detail ist der Saunaraum gestaltet: Große Schindeln aus Lärchenholz ergeben eine lebendige Struktur an Decke und Wänden. Und durch die Fenster hat man einen durchaus romantischen Blick auf die Stadt und das Hafenareal.

Der Bau passt gut zur wettergegerbten, schroffen Umgebung und soll auch dann noch stehen, wenn das Hafenareal mit schicken Wohn- und Geschäftshäusern bebaut worden ist. Schließlich ist die Sauna nur ein Baustein des „River Pool Projects“ von Raumlabor, das für die Entwicklung des Quartiers zunächst eine urbane Badekultur aufbauen und die neuen öffentlichen Bereiche des Gebietes bei den Göteborgern etablieren möchten – weswegen Sonnendecks, ein Pool und auch eine Segelschule noch hinzukommen sollen. Was sich der Schwede für die Badekultur in der Stadt sonst noch wünscht, darüber kann er nun beim Saunieren sinnieren.

www.raumlabor.net
www.goteborg2021.com
Der Hafen soll in den kommenden Jahren zu einem Wohn- und Geschäftsquartier entwickelt werden – die Sauna ist ein erster Baustein hierfür.
Mit einem ausgesprochenen Sinn fürs Detail ist der Saunaraum gestaltet: Große Schindeln aus Lärchenholz ergeben eine lebendige Struktur an Decke und Wänden.
Für den Bau wurden Materialien aus der Umgebung „geerntet“, „recycled“ und „upcycled“: Der alte Pier wurde neu beplankt …
… und Glasflaschen dienen als Glasbausteine für die Duschräume.
Am Ufer befinden sich neben den Duschen noch die Umkleideräume und ein kleiner Pavillon, der als Rezeption dient.
Der holzbeplankte Weg verbindet die neuen öffentlichen Räume des Hafenareals miteinander.
Sonnendecks, ein Pool und auch eine Segelschule sollen bei Raumlabors „River Pool Projects“ noch hinzukommen.
Architektur › 2015 › Juni
Schwitzen im Blechkamerad
von Adeline Seidel | 15. Juni 2015
Im schwedischen Göteborg beginnt die Transformation des Freihafens zu einem neuen Stadtquartier mit einer Sauna von Raumlabor.
Es ist ein weitverbreitetes Klischee: Die Sauna gehört zu Skandinavien wie die Weißwurst zu Bayern. Gemeinsam schwitzen und gemeinsam essen sollen ja selbst beim „business“ nicht eben hinderlich sein. Schon die Römer haben angeblich große Geschäfte im Dampfbad eingefädelt. Die typische Sauna, so verlangt es das Klischee, ist ein entzückendes kleines Holzhaus und steht im besten Falle an einem schimmernden See, mindestens aber in einem herrlichen Wald.

Mit finnischer Seenplatte oder schwedischer Landlust-Romantik hat der Sauna-Turm im Hafenbecken des Göteborger Freihafens („Frihamnen“) von Raumlabor nichts am Handtuch. Er erinnert vielmehr an einen „AT-AT“, den „Allterrain-Angriffstransporter“ aus Star Wars, dessen Einsatzzeit vorbei ist und der nun – ergraut und mit rostigen Stellen hier und da – am Rand des Hafenbeckens abgestellt worden ist. Statt Kampfeinheiten befindet sich im Bauch des kantigen Körpers, der von vier dicken „Beinen“ getragen wird, nun ein Saunaraum. Es scheint, als wäre die Maschine bei ihrem letzten Gang einfach mitten in der Bewegung stehengeblieben.

Wie viele andere Projekte von Raumlabor ist auch dieses mit Hilfe zupackender Hände („Partizipation“) und geschickter Improvisation entstanden. Ein Großteil der Materialien wurde in der Umgebung „geerntet“, „recycled“ und „upcycled“, wie es so schön heißt. Das gilt für die Außenwände aus Wellblech, für die Fenster im Empfangsbereich und die Flaschen, die aufeinandergelegt als „Glasbausteine“ für die Duschwände dienen. Mit einem ausgesprochenen Sinn fürs Detail ist der Saunaraum gestaltet: Große Schindeln aus Lärchenholz ergeben eine lebendige Struktur an Decke und Wänden. Und durch die Fenster hat man einen durchaus romantischen Blick auf die Stadt und das Hafenareal.

Der Bau passt gut zur wettergegerbten, schroffen Umgebung und soll auch dann noch stehen, wenn das Hafenareal mit schicken Wohn- und Geschäftshäusern bebaut worden ist. Schließlich ist die Sauna nur ein Baustein des „River Pool Projects“ von Raumlabor, das für die Entwicklung des Quartiers zunächst eine urbane Badekultur aufbauen und die neuen öffentlichen Bereiche des Gebietes bei den Göteborgern etablieren möchten – weswegen Sonnendecks, ein Pool und auch eine Segelschule noch hinzukommen sollen. Was sich der Schwede für die Badekultur in der Stadt sonst noch wünscht, darüber kann er nun beim Saunieren sinnieren.

www.raumlabor.net
www.goteborg2021.com