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Sitzen – normal, aktiv oder passiv
17. Oktober 2010
Kasper Salto

Seine Frau wählte die Farben aus: milchweiß, buttergelb, pfeffergrau und kaffeebraun. Seit September wird der neue Stuhl, den der dänische Designer Kasper Salto für Fritz Hansen entworfen hat, in den vier Farben angeboten. Auch andere, gut durchdachte Details fallen auf: Feine Rillen, die für ein angenehmes Klima zwischen Körper und Stuhl sorgen oder die Wahl eines leicht rauen Materials, das bei entspannter Position das Wegrutschen hemmt. Entscheidend bei der Entwicklung des Stuhls „Nap", dessen Name folgerichtig aus den Adjektiven „normal", „aktiv" und „passiv" gebildet wird, aber war es, unterschiedliche Weisen des Sitzen zu ermöglichen.

Ihr neuer Stuhl „Nap" ist auf dem Markt. Gibt es nicht schon genug Stühle?

Kasper Salto: Ja, gibt es. Deshalb ist es so wichtig, beim Entwurf eines neuen Stuhls das Ziel vor Augen zu haben, ein gutes „Arbeitsmittel" für den Menschen zu schaffen. Wenn ein Stuhl herauskommt, der nur wegen einer schönen neuen Form gemacht wird, dann finde ich, das Ziel wurde verfehlt. Deswegen habe ich untersucht, was einen guten Stuhl ausmacht und wofür wir Stühle benutzen. Das war mein Anliegen für dieses Projekt. Ich hätte das Projekt abgelehnt, wenn es bei nur darum gegangen wäre, Stühle zu machen.

Wie viele Stühle haben Sie bis jetzt entworfen?


Kasper Salto: Während der letzten fünfzehn Jahre sind es insgesamt nur drei Stühle, die produziert werden. Insgesamt habe ich ungefähr fünfzehn, zwanzig Stühle entworfen. Doch am liebsten möchte ich nur einen wirklich guten Stuhl in meinem Leben machen.

Worin unterscheidet sich „Nap" von anderen Stühlen?


Kasper Salto: Ich kann nicht behaupten, dass dieser Stuhl so viel besser ist als all die anderen existierenden Stühle. Aber der Punkt, den ich wirklich betonen möchte, ist, dass ich sehr viel Zeit damit verbracht habe zu analysieren, was eigentlich ein guter Stuhl ist. Ich habe den Sitzkomfort in den Fokus meiner Betrachtungen gestellt. Bei meinem Stuhl „Ice", den ich vor sieben Jahre entworfen habe, kamen unterschiedliche Anforderungen zusammen. Er sollte in Innenräumen und im Außenbereich genutzt werden können. Diese Kombination war eine ziemliche Herausforderung, weil der Stuhl entweder zu sehr nach Außen- oder zu sehr nach Innenmöbel aussah. Deswegen war die Materialwahl bei „Ice" viel komplexer. Der neue Stuhl „Nap" ist einfach eine sehr kurze Geschichte über die Art des Sitzens.

Wie lautet diese Geschichte?

Kasper Salto: Ich sehe die Leute entweder „normal" auf einem Stuhl sitzen oder „aktiv" und aufrechter oder fast in einer liegenden Position. Daher stammt auch der Name für den Stuhl „Nap": normal, aktiv und passiv. Diese drei Positionen sind bei der Nutzung von Stühlen üblich. Wenn man als Nutzer „normal" in einem Stuhl aus Schalen sitzt, ist die Passform wichtig. Oft bieten Schalen nicht genügend Raum für das Hinterteil. Das heißt, man rutschst aus dem Stuhl heraus statt in ihn hinein. Für die „aktive" Sitzposition - es gibt nicht sehr viele Stühle, bei denen man auf der Kante sitzen kann - habe ich die Kante weicher gestaltet. So kann man sehr lange „aktiv sitzen". Der letzte Punkt ist, dass man sehr lange auf dem Stuhl fast liegen kann, ohne dass man die Stuhlkante spürt. Außerdem rutscht man in der liegenden Position wegen der mit Rillen versehenen Oberfläche nicht aus dem Stuhl heraus, was bei vielen Stühlen ein Problem ist. Zudem tragen die Rillen auch zur besseren Belüftung zwischen Körper und Stuhloberfläche bei. Ich habe lange über die Innenseite des Stuhls, die A-Seite, nachgedacht. Die B-Seite glänzt, wie man sieht. Man kann sie auch die ästhetische Seite nennen, denn sie wird für nichts gebraucht. Mit dem Wechsel aus matter und glänzender Oberfläche wollte ich die Unterschiede zwischen Innen und Außen betonen.

Wie lange haben Sie an dem Stuhl gearbeitet?

Kasper Salto: Zwei Jahre. Eigentlich zwei Jahre und zwei Monate. Eine sehr lange Zeit.

An ihrem Design kann man gewisse Einflüsse erkennen. Wer sind ihre Vorbilder?

Kasper Salto: Oh, da gibt es viele. Als ich anfing mich für Design zu interessieren, habe ich mich nach den alten Großmeistern umgeschaut, die wir in Dänemark hatten. Das waren Hans Wegner oder Arne Jacobsen. Ich dachte, „Wow! Sind sie tatsächlich so weit gegangen?". Ich meine, was das Veredeln, die gute Arbeit, die Gedanken dahinter und besonders auch das handwerkliche Geschick angeht. Die Qualität war gut und das bewundere ich sehr. Ich war inspiriert davon, dass wir solch gute Designer haben und ich dachte, wenn ich halb so gut werde...

Sie haben einmal gesagt, gute Ideen entstehen im Dialog mit anderen. Heißt das, es sollte nur noch Designerteams geben?

Kasper Salto: Das meinte ich. Nun habe ich einen Kollegen, Thomas Sigsgaard, und ich bin sehr glücklich darüber. Thomas und ich haben eine unterschiedliche Sichtweise, und das bringt uns beide viel weiter als wenn jeder von uns allein arbeiten würde. Aber ich dachte dabei auch noch an eine andere Sache. Wenn ich eben ein Produkt wie diesen Stuhl entwerfe, dann ist das keine One-Man-Show, es steht ein großes Team dahinter. Ohne das Team gäbe es keinen „Nap".

Forschung und Analyse sind für Sie beim Gestalten entscheidend. Entwerfen Sie auch aus dem Bauch heraus?

Kasper Salto: Nein. Brauchen wir tatsächlich ein neues Auto oder brauchen wir irgendetwas? Nein, brauchen wir nicht. Wir haben alles. Das heißt, wenn du nicht alles von allen Seiten betrachtest, reinen Tisch machst und genau untersuchst, was für eine Art Produkt du entwirfst, wo es gebraucht wird, wer es braucht und wie er es gebrauchen kann, dann denke ich, ist das Ergebnis nicht von Nutzen.

Die Freiheit eines Künstlers hat sie nie gereizt?

Kasper Salto: Nein, was mich am meisten interessiert ist Design, weil es an die Funktionalität eines Gegenstandes gebunden ist. Ich mag das Arbeiten und das Betrachten aus verschiedenen Blickwinkeln. Bei der Kunst würde ich denken, dass es zu viele Möglichkeiten gibt. Ich komme aus einer Familie von Künstlern und mein Vater ist Architekt. Vermutlich habe ich den Beruf des Designers gewählt, weil er zwischen Kunst und Architektur liegt.

Stuhl "NAP" (Kaffeebraun) von Kasper Salto designed für Fritz Hansen
Stuhl "NAP" (Buttergelb) von Kasper Salto designed für Fritz Hansen
Stuhl "NAP" (Pfeffergrau) von Kasper Salto designed für Fritz Hansen
Stuhl "NAP" (Kaffeebraun) von Kasper Salto designed für Fritz Hansen
Stuhl "NAP" (Milchweiß) von Kasper Salto designed für Fritz Hansen
Produkte
Fritz Hansen: NAP™ KS60 @ Stylepark
Fritz Hansen
NAP™ KS60
Kasper Salto
News & Stories › 2010 › Oktober
Sitzen – normal, aktiv oder passiv
17. Oktober 2010
Der dänische Designer Kasper Salto hat für Fritz Hansen einen Schalenstuhl entworfen, der verschiedene Möglichkeiten des Sitzens unterstützt. Schließlich bedeutet gesundes Sitzen, seine Position ständig ändern zu können. Nancy Jehmlich hat mit Kasper Salto über die Herausforderungen gesprochen, heute einen Stuhl zu entwerfen.
Seine Frau wählte die Farben aus: milchweiß, buttergelb, pfeffergrau und kaffeebraun. Seit September wird der neue Stuhl, den der dänische Designer Kasper Salto für Fritz Hansen entworfen hat, in den vier Farben angeboten. Auch andere, gut durchdachte Details fallen auf: Feine Rillen, die für ein angenehmes Klima zwischen Körper und Stuhl sorgen oder die Wahl eines leicht rauen Materials, das bei entspannter Position das Wegrutschen hemmt. Entscheidend bei der Entwicklung des Stuhls „Nap", dessen Name folgerichtig aus den Adjektiven „normal", „aktiv" und „passiv" gebildet wird, aber war es, unterschiedliche Weisen des Sitzen zu ermöglichen.

Ihr neuer Stuhl „Nap" ist auf dem Markt. Gibt es nicht schon genug Stühle?

Kasper Salto: Ja, gibt es. Deshalb ist es so wichtig, beim Entwurf eines neuen Stuhls das Ziel vor Augen zu haben, ein gutes „Arbeitsmittel" für den Menschen zu schaffen. Wenn ein Stuhl herauskommt, der nur wegen einer schönen neuen Form gemacht wird, dann finde ich, das Ziel wurde verfehlt. Deswegen habe ich untersucht, was einen guten Stuhl ausmacht und wofür wir Stühle benutzen. Das war mein Anliegen für dieses Projekt. Ich hätte das Projekt abgelehnt, wenn es bei nur darum gegangen wäre, Stühle zu machen.

Wie viele Stühle haben Sie bis jetzt entworfen?


Kasper Salto: Während der letzten fünfzehn Jahre sind es insgesamt nur drei Stühle, die produziert werden. Insgesamt habe ich ungefähr fünfzehn, zwanzig Stühle entworfen. Doch am liebsten möchte ich nur einen wirklich guten Stuhl in meinem Leben machen.

Worin unterscheidet sich „Nap" von anderen Stühlen?


Kasper Salto: Ich kann nicht behaupten, dass dieser Stuhl so viel besser ist als all die anderen existierenden Stühle. Aber der Punkt, den ich wirklich betonen möchte, ist, dass ich sehr viel Zeit damit verbracht habe zu analysieren, was eigentlich ein guter Stuhl ist. Ich habe den Sitzkomfort in den Fokus meiner Betrachtungen gestellt. Bei meinem Stuhl „Ice", den ich vor sieben Jahre entworfen habe, kamen unterschiedliche Anforderungen zusammen. Er sollte in Innenräumen und im Außenbereich genutzt werden können. Diese Kombination war eine ziemliche Herausforderung, weil der Stuhl entweder zu sehr nach Außen- oder zu sehr nach Innenmöbel aussah. Deswegen war die Materialwahl bei „Ice" viel komplexer. Der neue Stuhl „Nap" ist einfach eine sehr kurze Geschichte über die Art des Sitzens.

Wie lautet diese Geschichte?

Kasper Salto: Ich sehe die Leute entweder „normal" auf einem Stuhl sitzen oder „aktiv" und aufrechter oder fast in einer liegenden Position. Daher stammt auch der Name für den Stuhl „Nap": normal, aktiv und passiv. Diese drei Positionen sind bei der Nutzung von Stühlen üblich. Wenn man als Nutzer „normal" in einem Stuhl aus Schalen sitzt, ist die Passform wichtig. Oft bieten Schalen nicht genügend Raum für das Hinterteil. Das heißt, man rutschst aus dem Stuhl heraus statt in ihn hinein. Für die „aktive" Sitzposition - es gibt nicht sehr viele Stühle, bei denen man auf der Kante sitzen kann - habe ich die Kante weicher gestaltet. So kann man sehr lange „aktiv sitzen". Der letzte Punkt ist, dass man sehr lange auf dem Stuhl fast liegen kann, ohne dass man die Stuhlkante spürt. Außerdem rutscht man in der liegenden Position wegen der mit Rillen versehenen Oberfläche nicht aus dem Stuhl heraus, was bei vielen Stühlen ein Problem ist. Zudem tragen die Rillen auch zur besseren Belüftung zwischen Körper und Stuhloberfläche bei. Ich habe lange über die Innenseite des Stuhls, die A-Seite, nachgedacht. Die B-Seite glänzt, wie man sieht. Man kann sie auch die ästhetische Seite nennen, denn sie wird für nichts gebraucht. Mit dem Wechsel aus matter und glänzender Oberfläche wollte ich die Unterschiede zwischen Innen und Außen betonen.

Wie lange haben Sie an dem Stuhl gearbeitet?

Kasper Salto: Zwei Jahre. Eigentlich zwei Jahre und zwei Monate. Eine sehr lange Zeit.

An ihrem Design kann man gewisse Einflüsse erkennen. Wer sind ihre Vorbilder?

Kasper Salto: Oh, da gibt es viele. Als ich anfing mich für Design zu interessieren, habe ich mich nach den alten Großmeistern umgeschaut, die wir in Dänemark hatten. Das waren Hans Wegner oder Arne Jacobsen. Ich dachte, „Wow! Sind sie tatsächlich so weit gegangen?". Ich meine, was das Veredeln, die gute Arbeit, die Gedanken dahinter und besonders auch das handwerkliche Geschick angeht. Die Qualität war gut und das bewundere ich sehr. Ich war inspiriert davon, dass wir solch gute Designer haben und ich dachte, wenn ich halb so gut werde...

Sie haben einmal gesagt, gute Ideen entstehen im Dialog mit anderen. Heißt das, es sollte nur noch Designerteams geben?

Kasper Salto: Das meinte ich. Nun habe ich einen Kollegen, Thomas Sigsgaard, und ich bin sehr glücklich darüber. Thomas und ich haben eine unterschiedliche Sichtweise, und das bringt uns beide viel weiter als wenn jeder von uns allein arbeiten würde. Aber ich dachte dabei auch noch an eine andere Sache. Wenn ich eben ein Produkt wie diesen Stuhl entwerfe, dann ist das keine One-Man-Show, es steht ein großes Team dahinter. Ohne das Team gäbe es keinen „Nap".

Forschung und Analyse sind für Sie beim Gestalten entscheidend. Entwerfen Sie auch aus dem Bauch heraus?

Kasper Salto: Nein. Brauchen wir tatsächlich ein neues Auto oder brauchen wir irgendetwas? Nein, brauchen wir nicht. Wir haben alles. Das heißt, wenn du nicht alles von allen Seiten betrachtest, reinen Tisch machst und genau untersuchst, was für eine Art Produkt du entwirfst, wo es gebraucht wird, wer es braucht und wie er es gebrauchen kann, dann denke ich, ist das Ergebnis nicht von Nutzen.

Die Freiheit eines Künstlers hat sie nie gereizt?

Kasper Salto: Nein, was mich am meisten interessiert ist Design, weil es an die Funktionalität eines Gegenstandes gebunden ist. Ich mag das Arbeiten und das Betrachten aus verschiedenen Blickwinkeln. Bei der Kunst würde ich denken, dass es zu viele Möglichkeiten gibt. Ich komme aus einer Familie von Künstlern und mein Vater ist Architekt. Vermutlich habe ich den Beruf des Designers gewählt, weil er zwischen Kunst und Architektur liegt.