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von 2143 Forward End
Sschiiiifffaaarrnn!!
von Thomas Wagner
8. Januar 2016
Anatomie und Eigenschaften aktueller Ski-Typen und -modelle sind nicht immer ganz leicht zu durchschauen. Lange vorbei sind die Zeiten, als der Onkel, von Beruf Stellmacher oder Wagner, mittels Bandsäge, Hobel, Stemm- und Zieheisen Skier für die ganze Familie gefertigt hat. Zumindest schwer und steif waren diese Bretter. Heute ist das ganz anders, da sind Leichtbau und Vielfalt angesagt. Also muss man sich für ein Modell und einen Einsatzzweck entscheiden. Soll es ein Slalomski (kurz, mittelhart, fürs Kurven auf präparierten Pisten), ein Riesenslalomski (gut für lange Schwünge auf der Piste, aber auch auf weniger präpariertem Untergrund) oder ein Abfahrtski (lang, hart, gerade, für hohes Tempo) sein. Vielleicht doch lieber ein Allmountain-Modell (für Tiefschnee und Piste, kann alles, aber nichts perfekt), ein Freerider (große Auflagefläche für tiefen Schnee) oder gleich ein Freestyle-Ski (vorne und hinten aufgebogen, für Tricks und Sprünge)? So ist es zumindest theoretisch, wobei Variablen wie Breite, Taillierung, Materialmix und Gewichtsverteilung noch nicht berücksichtigt sind. Zum Glück lösen sich in der Praxis einst zementierte Grenzen zwischen den Kategorien eher auf.

Nachdem sich das Design – selbst hochwertiger und luxuriöser Modelle – jahrelang in Farbe und Muster eher an Snowboards und Skateboards orientiert und einer offensiven Jugendlichkeit gehuldigt hat, lässt sich seit geraumer Zeit auch optisch die Rückkehr zu mehr Materialgerechtigkeit und einer weniger aufgeregten Gestaltung beobachten. Schaut man also mehr auf die schöne Oberfläche, so wirkt etwa der „Kufo 108“ von Armada, als bestünde der Ski – wie früher der von Onkel Hans – komplett aus in Wind und Wetter gealtertem Holz. Dabei spricht der Hersteller mit leicht aggressiven Unterton von einer leichtgewichtigen „High-Speed Touring Waffe, die für unvergleichliche Stabilität bei der Abfahrt gebaut wurde“. Um „beim Aufstieg möglichst leicht unterwegs zu sein und in der Abfahrt die bestmögliche Stabilität zu gewähren“, seien „nur hochwertigste Materialien wie ein Hybrid Tour Light Holzkern, AR50 Seitenwangen und Carbon Fasern verbaut“ worden. Schließlich steht Kufo ja für „Keep Up or Fuck Off“. Nun denn, wenn’s sein muss.
Hochwertige Skier besitzen auch heute zumeist einen Holzkern, in der Regel aus parallel verleimtem Schichtholz, zuweilen, wie bei Nordica, auch aus Balsaholz. Die Eigenschaften eines Skis hängen zudem davon ab, woraus die einzelnen Komponenten bestehen und wie sie miteinander zum Ski verbacken werden. Ein klassischer Pistenski mit Schichtholzkern ist ein Sandwich, das aus einem Deckel aus Kunststoff, aus Obergurt, Seitenwangen, Kern, Untergurt, Kanten, Dämpfungselementen und dem abschließenden Belag besteht. Jeder, der schon etwas länger auf der Piste steht, weiß zudem: Lange Skier sind spurtreu und gut fürs Tempo, drehen bei kurzen Schwüngen aber weniger leicht wie kurze Latten. Mit breiten Skiern schwimmt man gut auf Tiefschnee, dafür bereiten sie auf der Piste mehr Mühe. Stark taillierte Modelle – Stichwort Carving – erlauben engere Kurven, und während der klassische Ski vorn und hinten nur leicht nach oben zeigt, sind „gerockte“ Modelle vorne und hintern weiter aufgebogen.

Wie in anderen Branchen, so bestimmen auch bei Skiern nicht selten Hersteller aus dem High-End-Bereich den Trend. Und diese setzen eben schon seit längeren nicht nur auf ausgefeilte Technik, sondern vertrauen auch im Design ganz auf die Wirkung von Form und Material. Zu den Vorreitern gehört zweifellos das im schweizerischen Disentis beheimatete Label „Zai“. Hier findet man beides, innovative Technik und schlichtes Designs, schließlich ist Zai 2003 angetreten, um „den besten Ski der Welt zu kreieren“. Wir reden, was Konstruktion, Fahrleistung und Design angeht, also von der Spitze der Zunft. Die von Hand gefertigten Modelle sind allesamt High-End, vom Renn-Ski „scadin“, dessen natürliche Filzoberfläche für besonders gute Dämpfungseigenschaften sorgen soll, über den in seiner Form etwas gewöhnungsbedürftigen All-Mountain-Ski „laisa“ bis hin zum Modell „Bentley“, das in limitierter Auflage aus einer Kooperation mit der noblen Automarke entstanden ist. Das Rautenmotiv aus Stahl, das sich über die Oberfläche aus Naturkautschuk schlängelt, hat dabei weniger mit Branding zu tun. Das Metallband des „Bentley“ ist hochfunktional und sorgt für eine effektive Verteilung der Torsionskräfte auf den gesamten Ski. Und was Materialien angeht: Im Fall des Modells „spada“ besteht der Kern aus Granit.

www.armadaskis.com
www.nordica.com
www.zai.ch
www.indigosnow.de
www.volantski.com
www.head.com
www.voelkl.com
„ACR“ von Indigo. Foto © Indigo
Puristische Abfahrt (von links nach rechts):
„Pure Platinum“ von Volant, „Black Heritage“ von Bomber, „CPM82CA“ von Kästle, „Franco“ von Zai, „Ski Essence“ von Indigo. Fotos © Volant, Bomber, Kästle, Zai, Indigo
Auf in die Holzklasse (von links nach rechts):
„Kufo 108“ Lightweight Touring Ski von Armada, „AllMountain Woodie“ von Bomber, „Ski Concept One“ von Indigo, „Ski Nira Montana“ von Zai, „Testa“ von Zai. Fotos © Armada, Bomber, Indigo, Zai
Alle meine Muster (von links nach rechts):
„Venturi“ von Head, „Absolut Joy“ von Head, „Pulse Colorade“ von Volant, „Bentley Green“ von Zai for Bentley „GT 2.0“ von La Sportiva. Fotos © Head, Volant, Zai, La Sportiva
Everybody says „Yeah“ (von links nach rechts):
„Basquiat Self Portrait“-Artist Series von Bomber, „Cochise“-Freeride Ski von Blizzard, „TX107“ von Kästle, „VTA88 LITE“-Tourenski von Völkl, „Zero G“ von Blizzard.
Fotos © Bomber, Blizzard, Kästle, Völkl
News & Stories › 2016 › Januar
Sschiiiifffaaarrnn!!
von Thomas Wagner | 8. Januar 2016
Ski-Hersteller aus dem High-End-Bereich setzen keineswegs nur auf innovative Technik und Materialien. Ihre Modelle fallen auch optisch schlicht und edel aus.
Anatomie und Eigenschaften aktueller Ski-Typen und -modelle sind nicht immer ganz leicht zu durchschauen. Lange vorbei sind die Zeiten, als der Onkel, von Beruf Stellmacher oder Wagner, mittels Bandsäge, Hobel, Stemm- und Zieheisen Skier für die ganze Familie gefertigt hat. Zumindest schwer und steif waren diese Bretter. Heute ist das ganz anders, da sind Leichtbau und Vielfalt angesagt. Also muss man sich für ein Modell und einen Einsatzzweck entscheiden. Soll es ein Slalomski (kurz, mittelhart, fürs Kurven auf präparierten Pisten), ein Riesenslalomski (gut für lange Schwünge auf der Piste, aber auch auf weniger präpariertem Untergrund) oder ein Abfahrtski (lang, hart, gerade, für hohes Tempo) sein. Vielleicht doch lieber ein Allmountain-Modell (für Tiefschnee und Piste, kann alles, aber nichts perfekt), ein Freerider (große Auflagefläche für tiefen Schnee) oder gleich ein Freestyle-Ski (vorne und hinten aufgebogen, für Tricks und Sprünge)? So ist es zumindest theoretisch, wobei Variablen wie Breite, Taillierung, Materialmix und Gewichtsverteilung noch nicht berücksichtigt sind. Zum Glück lösen sich in der Praxis einst zementierte Grenzen zwischen den Kategorien eher auf.

Nachdem sich das Design – selbst hochwertiger und luxuriöser Modelle – jahrelang in Farbe und Muster eher an Snowboards und Skateboards orientiert und einer offensiven Jugendlichkeit gehuldigt hat, lässt sich seit geraumer Zeit auch optisch die Rückkehr zu mehr Materialgerechtigkeit und einer weniger aufgeregten Gestaltung beobachten. Schaut man also mehr auf die schöne Oberfläche, so wirkt etwa der „Kufo 108“ von Armada, als bestünde der Ski – wie früher der von Onkel Hans – komplett aus in Wind und Wetter gealtertem Holz. Dabei spricht der Hersteller mit leicht aggressiven Unterton von einer leichtgewichtigen „High-Speed Touring Waffe, die für unvergleichliche Stabilität bei der Abfahrt gebaut wurde“. Um „beim Aufstieg möglichst leicht unterwegs zu sein und in der Abfahrt die bestmögliche Stabilität zu gewähren“, seien „nur hochwertigste Materialien wie ein Hybrid Tour Light Holzkern, AR50 Seitenwangen und Carbon Fasern verbaut“ worden. Schließlich steht Kufo ja für „Keep Up or Fuck Off“. Nun denn, wenn’s sein muss.
Hochwertige Skier besitzen auch heute zumeist einen Holzkern, in der Regel aus parallel verleimtem Schichtholz, zuweilen, wie bei Nordica, auch aus Balsaholz. Die Eigenschaften eines Skis hängen zudem davon ab, woraus die einzelnen Komponenten bestehen und wie sie miteinander zum Ski verbacken werden. Ein klassischer Pistenski mit Schichtholzkern ist ein Sandwich, das aus einem Deckel aus Kunststoff, aus Obergurt, Seitenwangen, Kern, Untergurt, Kanten, Dämpfungselementen und dem abschließenden Belag besteht. Jeder, der schon etwas länger auf der Piste steht, weiß zudem: Lange Skier sind spurtreu und gut fürs Tempo, drehen bei kurzen Schwüngen aber weniger leicht wie kurze Latten. Mit breiten Skiern schwimmt man gut auf Tiefschnee, dafür bereiten sie auf der Piste mehr Mühe. Stark taillierte Modelle – Stichwort Carving – erlauben engere Kurven, und während der klassische Ski vorn und hinten nur leicht nach oben zeigt, sind „gerockte“ Modelle vorne und hintern weiter aufgebogen.

Wie in anderen Branchen, so bestimmen auch bei Skiern nicht selten Hersteller aus dem High-End-Bereich den Trend. Und diese setzen eben schon seit längeren nicht nur auf ausgefeilte Technik, sondern vertrauen auch im Design ganz auf die Wirkung von Form und Material. Zu den Vorreitern gehört zweifellos das im schweizerischen Disentis beheimatete Label „Zai“. Hier findet man beides, innovative Technik und schlichtes Designs, schließlich ist Zai 2003 angetreten, um „den besten Ski der Welt zu kreieren“. Wir reden, was Konstruktion, Fahrleistung und Design angeht, also von der Spitze der Zunft. Die von Hand gefertigten Modelle sind allesamt High-End, vom Renn-Ski „scadin“, dessen natürliche Filzoberfläche für besonders gute Dämpfungseigenschaften sorgen soll, über den in seiner Form etwas gewöhnungsbedürftigen All-Mountain-Ski „laisa“ bis hin zum Modell „Bentley“, das in limitierter Auflage aus einer Kooperation mit der noblen Automarke entstanden ist. Das Rautenmotiv aus Stahl, das sich über die Oberfläche aus Naturkautschuk schlängelt, hat dabei weniger mit Branding zu tun. Das Metallband des „Bentley“ ist hochfunktional und sorgt für eine effektive Verteilung der Torsionskräfte auf den gesamten Ski. Und was Materialien angeht: Im Fall des Modells „spada“ besteht der Kern aus Granit.

www.armadaskis.com
www.nordica.com
www.zai.ch
www.indigosnow.de
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www.voelkl.com