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Wasser gestaltet
von Adeline Seidel
13. Februar 2015
Seit Jahrtausenden werden Räume für und mit Wasser gestaltet. Ganz gleich, ob es sich um Parkanlagen mit Teichen, Wasserfällen und Springbrunnen, um Brunnen auf städtischen Plätzen, Uferpromenaden oder private Schwimmbecken, Saunen oder Badezimmer handelt, überall fließt und plätschert, strömt und strudelt, rauscht, rinnt und rieselt das erfrischende Nass. Tritt Wasser kontrolliert und nicht im Übermaß auf, es bietet in einer nicht zufällig entstandenen Umgebung ein reizvolles Erlebnis für alle Sinne.

Im großen Maßstab beeindruckt Wasser ganz besonders, wobei seine Macht uns durchaus zu ängstigen oder sein Lauf groteske Züge anzunehmen vermag. Wie beispielsweise die runde Überlaufschleuse inmitten des Berryessa-Sees, der durch den Bau des Monticello-Damms in Kalifornien entstanden ist. Fast verleiht das runde Loch – auch „The Glory Hole“ genannt – dem riesigen künstlichen See etwas „Waschbeckenhaftes“. Sein Anblick wirkt geradezu surreal, wobei man sich dem faszinierenden Anblick kaum entziehen kann, wenn das Wasser kraftvoll in das schwarze Loch hineinströmt und man aus sicherer Entfernung ein gutturales Gurgeln hört.

Doch welche Räume entstehen, wenn Wasser selbst zum Gestalter wird? Welche Formen schafft das Wasser? Reisen wir hierfür in den Bundesstaat Arizona der Vereinigten Staaten und begeben uns in den Antelope Canyon. Hat man den schmalen Eingang einmal passiert, so öffnet sich eine einzigartige Welt bizarr geformter, sanft geschwungener und kantig scharfer Sandsteinformationen, die wirken, als sei der Jahrtausende lange Fluss des Wassers hier selbst zu Stein erstarrt. Formen, die man in der Architektur – trotz aller Bemühungen – vergebens sucht. Das Wasser, aber auch der Wind, haben die schmale, aber bis zu 30 Meter tiefe Schlucht in den roten Sandstein zurechtgeschliffen.

Wer selbst Räume entwirft, für den kann es nicht darum gehen, natürliche, von Wasser geformte Räume nachzuahmen oder eins zu eins nachzubilden. All die taktilen, visuellen, haptischen und auditiven Eigenschaften solcher „Wasserräume“ aber wirken durchaus inspirierend. Mit solchen Räumen beschäftig sich auch Otmar Grober. Der Wasserbaumeister, Gewässerunterhalter, Wasserwegbegleiter, wie sich selbst nennt, gilt als Begründer des naturnahen Flussbaus. Er behauptet, man könne Bäche und Flüsse als Schwingungselemente begreifen, die auf den Charakter einer Landschaft gestimmt seien wie Musikinstrumente. Da aber die Landschaft – die Täler, die Talböden, die Sedimente, die Biologie – wiederum vom Wasser geschaffen werde, sei das Wasser letztlich der Konzertmeister. „Ich persönlich“, erklärt Grober, „erkenne die Gewässer meiner Heimat mit verbundenen Augen zu 80 Prozent – allein an ihrem Klang.“

Grober betrachtet nicht nur die Landschaft als Resonanzkörper des Gewässers und beobachtet die vom Wasser geformten Landschaften, er überträgt die Prinzipien auch auf Flussbauprojekte, beispielsweis die Wirkung von Wasserschnecken. Damit sind keine Tiere gemeint, sondern große Blocksteine, schneckenförmig im Flussbett angeordnet, mittels derer die Fließenergie des Wassers umgeleitet und die Uferzonen entlastet werden. Oder nehmen wir Pendeltreppen, wie sie in Bächen voller loser Steine im Bachbett auf ganz natürliche Weise entstehen und die Fließgeschwindigkeit des Wassers verlangsamen. Werden sie künstlich angelegt, so sind sie ein Werkzeug, um die Uferbelastung bei steigendem Wasserstand zu reduzieren. Gleichzeitig sorgen sie für ein äußerst sinnliches Rauschen und für eine Wasseroberfläche, die durch die Verwirbelungen weißer, unregelmäßiger und lebhafter wirkt.

Wirbel, vor allem Strudel, sind lebendige Wasserbilder, deren Bewegung man lange zuschauen kann und die zuweilen einen kindlichen Spieltrieb wecken. Man erinnere sich nur daran, wie man in der Badewanne saß, das Wasser abgelassen hat und dem Tanz der Wasserspielzeuge im Sog des immer schneller ins sich kreisenden Strudels folgte. Deutlich sichtbar ins Bad zurückgeholt hat ihn Axor nun mit „Starck V“, wobei Wasser nun nicht ab, sondern wie eine Wasserhose aus einem Brunnen aufsteigt, um klar und frisch aus einer gläsernen Rinne herauszufließen. Nicht wenige Produkte für den Badbereich spielen heute mit solch sinnlichen Erlebnissen: Duschköpfe, die das Wasser sanft wie einen Sommerregenschauer auf uns herabrieseln lassen oder unsere Haut durch einen harten Strahl massieren, sind fast schon zum Standard in hochpreisigen Hotels geworden. Oder Wasserhähne, die das Wasser in einem breiten Strahl oder in vielen einzelnen Wasserperlen über die Hände fließen lassen. Im Armaturenbereich haben die Gestalter schon ganz genau auf die Eigenschaften und die sinnlichen Qualitäten des Wassers geschaut. Im Badezimmer indes, der nach DIN genormten Wohlfühlzone, wird erst begonnen, einen Raum für, mit und durch Wasser zu formen –von der Natur nicht weniger inspiriert als von der Kultur.
Räume die von Wasser geschaffen wurden: Der Antelope Canyon. Foto ©© Wikipedia
Das Wasser, aber auch der Wind, haben den roten Sandstein zurechtgeschliffen. Foto ©© Wikipedia
Die runde Überlaufschleuse inmitten des Berryessa-Seesdem verleiht dem künstlichen See etwas „Waschbeckenhaftes“. Foto © iliketowastemytime.com
Man kann sich dem faszinierenden Anblick kaum entziehen, wenn das Wasser kraftvoll in das schwarze Loch hineinströmt. Foto © iliketowastemytime.com
Bäche und Flüsse kann man als Schwingungselemente begreifen, die auf den Charakter einer Landschaft gestimmt sind wie Musikinstrumente. Foto aus dem Buch "Von Wasser berührt. Das Hansgrohe Wassersymposium 2011"
News & Stories › 2015 › Februar
Wasser gestaltet
von Adeline Seidel | 13. Februar 2015
Die Kraft des Wassers hat nicht nur in der Natur beeindruckende Landschaften geschaffen. Auch der Mensch hat mit Hilfe des Wassers wunderbare Räume gestaltet. Beide sind sie Orte der Inspiration und der Ruhe.
Seit Jahrtausenden werden Räume für und mit Wasser gestaltet. Ganz gleich, ob es sich um Parkanlagen mit Teichen, Wasserfällen und Springbrunnen, um Brunnen auf städtischen Plätzen, Uferpromenaden oder private Schwimmbecken, Saunen oder Badezimmer handelt, überall fließt und plätschert, strömt und strudelt, rauscht, rinnt und rieselt das erfrischende Nass. Tritt Wasser kontrolliert und nicht im Übermaß auf, es bietet in einer nicht zufällig entstandenen Umgebung ein reizvolles Erlebnis für alle Sinne.

Im großen Maßstab beeindruckt Wasser ganz besonders, wobei seine Macht uns durchaus zu ängstigen oder sein Lauf groteske Züge anzunehmen vermag. Wie beispielsweise die runde Überlaufschleuse inmitten des Berryessa-Sees, der durch den Bau des Monticello-Damms in Kalifornien entstanden ist. Fast verleiht das runde Loch – auch „The Glory Hole“ genannt – dem riesigen künstlichen See etwas „Waschbeckenhaftes“. Sein Anblick wirkt geradezu surreal, wobei man sich dem faszinierenden Anblick kaum entziehen kann, wenn das Wasser kraftvoll in das schwarze Loch hineinströmt und man aus sicherer Entfernung ein gutturales Gurgeln hört.

Doch welche Räume entstehen, wenn Wasser selbst zum Gestalter wird? Welche Formen schafft das Wasser? Reisen wir hierfür in den Bundesstaat Arizona der Vereinigten Staaten und begeben uns in den Antelope Canyon. Hat man den schmalen Eingang einmal passiert, so öffnet sich eine einzigartige Welt bizarr geformter, sanft geschwungener und kantig scharfer Sandsteinformationen, die wirken, als sei der Jahrtausende lange Fluss des Wassers hier selbst zu Stein erstarrt. Formen, die man in der Architektur – trotz aller Bemühungen – vergebens sucht. Das Wasser, aber auch der Wind, haben die schmale, aber bis zu 30 Meter tiefe Schlucht in den roten Sandstein zurechtgeschliffen.

Wer selbst Räume entwirft, für den kann es nicht darum gehen, natürliche, von Wasser geformte Räume nachzuahmen oder eins zu eins nachzubilden. All die taktilen, visuellen, haptischen und auditiven Eigenschaften solcher „Wasserräume“ aber wirken durchaus inspirierend. Mit solchen Räumen beschäftig sich auch Otmar Grober. Der Wasserbaumeister, Gewässerunterhalter, Wasserwegbegleiter, wie sich selbst nennt, gilt als Begründer des naturnahen Flussbaus. Er behauptet, man könne Bäche und Flüsse als Schwingungselemente begreifen, die auf den Charakter einer Landschaft gestimmt seien wie Musikinstrumente. Da aber die Landschaft – die Täler, die Talböden, die Sedimente, die Biologie – wiederum vom Wasser geschaffen werde, sei das Wasser letztlich der Konzertmeister. „Ich persönlich“, erklärt Grober, „erkenne die Gewässer meiner Heimat mit verbundenen Augen zu 80 Prozent – allein an ihrem Klang.“

Grober betrachtet nicht nur die Landschaft als Resonanzkörper des Gewässers und beobachtet die vom Wasser geformten Landschaften, er überträgt die Prinzipien auch auf Flussbauprojekte, beispielsweis die Wirkung von Wasserschnecken. Damit sind keine Tiere gemeint, sondern große Blocksteine, schneckenförmig im Flussbett angeordnet, mittels derer die Fließenergie des Wassers umgeleitet und die Uferzonen entlastet werden. Oder nehmen wir Pendeltreppen, wie sie in Bächen voller loser Steine im Bachbett auf ganz natürliche Weise entstehen und die Fließgeschwindigkeit des Wassers verlangsamen. Werden sie künstlich angelegt, so sind sie ein Werkzeug, um die Uferbelastung bei steigendem Wasserstand zu reduzieren. Gleichzeitig sorgen sie für ein äußerst sinnliches Rauschen und für eine Wasseroberfläche, die durch die Verwirbelungen weißer, unregelmäßiger und lebhafter wirkt.

Wirbel, vor allem Strudel, sind lebendige Wasserbilder, deren Bewegung man lange zuschauen kann und die zuweilen einen kindlichen Spieltrieb wecken. Man erinnere sich nur daran, wie man in der Badewanne saß, das Wasser abgelassen hat und dem Tanz der Wasserspielzeuge im Sog des immer schneller ins sich kreisenden Strudels folgte. Deutlich sichtbar ins Bad zurückgeholt hat ihn Axor nun mit „Starck V“, wobei Wasser nun nicht ab, sondern wie eine Wasserhose aus einem Brunnen aufsteigt, um klar und frisch aus einer gläsernen Rinne herauszufließen. Nicht wenige Produkte für den Badbereich spielen heute mit solch sinnlichen Erlebnissen: Duschköpfe, die das Wasser sanft wie einen Sommerregenschauer auf uns herabrieseln lassen oder unsere Haut durch einen harten Strahl massieren, sind fast schon zum Standard in hochpreisigen Hotels geworden. Oder Wasserhähne, die das Wasser in einem breiten Strahl oder in vielen einzelnen Wasserperlen über die Hände fließen lassen. Im Armaturenbereich haben die Gestalter schon ganz genau auf die Eigenschaften und die sinnlichen Qualitäten des Wassers geschaut. Im Badezimmer indes, der nach DIN genormten Wohlfühlzone, wird erst begonnen, einen Raum für, mit und durch Wasser zu formen –von der Natur nicht weniger inspiriert als von der Kultur.