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von 2139 Forward End
Dänische Moderne, reloaded auf den „3daysofdesign“: Zum 60-jährigen Bestehen gibt es Arne Jacobsens Serie 7 für Fritz Hansen nun durchgefärbt. Foto © Uta Abendroth
Weckruf mit Augen und Fransen
von Uta Abendroth
2. Juni 2015
Sie werfen lange Schatten: Hans J. Wegner, Finn Juhl, Arne Jacobsen und Børge Mogensen, um nur einige zu nennen, sind immer noch die unangefochtenen Instanzen in Sachen Dänisches Design. Die Altmeister haben stilistische Maßstäbe gesetzt, die auch heute noch die kreative Szene im Norden dominieren. Vintage-Modelle erzielen Rekordpreise und Wieder- beziehungsweise Neuauflagen bislang noch in Schubladen verborgener Entwürfe sind quasi „daily business“. Und doch ist etwas in Bewegung geraten. Während der „3daysofdesign“ – Showroom-Tagen für Designinteressierte, Endverbraucher und Businesspartner – ging es viel ums Erbe, aber eben auch um die Frage, wie man die Objekte von Gestern ins Jetzt holen könne. Das Wohn-Modell der Collage, wo nichts aus einem Guss ist, sondern sich Möbel aus unterschiedlichen Epochen oder verschiedener Stilrichtungen ergänzen, dieses Ideal schwebt den Firmen vor, die sich in Kopenhagen präsentierten.

Jedes Stück hat eine Geschichte

Die perfekte Melange aus Holz, Handmade und Retro hatte Carl Hansen & Søn schon auf der Messe in Mailand vorgestellt. Stets spürt man bei den Produkten dieses Unternehmens den Respekt und die Leidenschaft für Handwerkskunst – so lautet sein Leitspruch „Every piece comes with a story“. Im Showroom an der Bredgade waren dann auch die „Neuheiten“ zu sehen: Hans J. Wegners filigraner Klassiker „CH88“ mit der charakteristischen Rückenlehne aus dampfgebogenem Holz und farbigen Gestellen, die Neuauflage des 1970 von Wegner entworfenen Tablett-Tischs „CH417“ mit seinem zusammenklappbaren Gestell und der beidseitig verwendbaren Tablettauflage sowie die „Colonial Series“ von Ole Wanscher aus einem Zweisitzer-Sofa und einem passenden Kaffeetisch. Die echte Neuerung kommt allerdings nicht aus dem Archiv, sondern von dem österreichischen Trio EOOS. Bei dem „Embrace Chair“, der Neuinterpretation eines klassischen Esstischstuhls, umfängt das wohlproportierte Holzgestell einen Sitz, der wie eine perfekt gefaltete, weiche Decke wirkt. Das Möbel fügt sich perfekt in die Firmen-DNA, zeigt aber auch, dass man der klassischen Holz-Naturton-Optik einen modernen Twist geben kann.

In ähnlichem Fahrwasser bewegt sich Monica Förster. Die schwedische Designerin hat für Erik Jørgensen „Savannah“ entworfen. Bei dem Sessel und Sofa schmiegt sich dickes Sattelleder um einen gradlinigen Holzrahmen und bildet somit die Struktur für die handgenähten Polster. Das Produkt, das in der firmeneigenen Fabrik in Svendborg auf der Insel Fünen entsteht, passt – ganz klar – zu der über sechzigjährigen Handwerks-Tradition Erik Jørgensens und gleichermaßen ins 21. Jahrhundert.

Klassiker in neuem Kleid

„Alles neu“ will das 1911 gegründete Unternehmen Fredericia machen. Natürlich geht es nicht darum, alle Hinterlassenschaften über Bord zu werfen, aber für die Klassiker soll ein „wake-up call“ erfolgen. Den Anfang für das Update durfte Henrik Vibskov machen, der seine Ausbildung am Londoner Central Saint Martins College of Art and Design absolviert hat. Der Modeschöpfer, Musiker und bildende Künstler streifte Børge Mogensens „No. 1“, dem ersten Sofa, das der gelernte Tischler 1955 für Fredericia entworfen hat, ein neues Kleid über. Für „The Fringy Edition“, die Fredericia 2015 in begrenzter Auflage produzieren wird, beauftragte Vibskov die Firma Gabriel, ein Textil mit schlichtem Karo zu weben, die übrigen Textilien stammen von Kvadrat aus der Serie „Divina Melange“. Eine Unikatversion mit „Augen“ und Fransen hat Vibskov und sein Team in seinem Atelier in Kopenhagen handgenäht. Fredericia-Chef Thomas Graversen sagt dazu lakonisch: „Ich hoffe, wir können Sie in naher Zukunft mit so Einigem schockieren.“

Dass sich auch alteingesessene Marken für Kreative aus dem Ausland entscheiden, trägt zu einer größeren ästhetischen Bandbreite des dänischen Designs bei. So präsentierte etwa Georg Jensen zum ersten Mal ein komplettes Geschirrsortiment durch die Erweiterung „Cobra“-Kollektion des Münchner Designers Constantin Wortmann. Becher aus handgeblasenem Glas und strahlend weißes Porzellan in geschwungener Manier sollen dem klassisch gedeckten Tisch einen zeitgemäßen Touch verleihen.

Internationale Infusion

Die Gestalter Sebastian Herkner aus Offenbach und Niek Pulles aus Amsterdam haben für die Ausstellung „Reframing Danish Design“ in den Silos im Nordhavn Designikonen von zehn Firmen genauer unter die Lupe genommen und verwandelt. Herkner war außerdem mit seiner neuen Leuchte „Collar“ für Gubi präsent, die mundgeblasenes Glas mit einem Aluminiumkragen kombiniert, der als Reflektor dient.

Um eine gute Kollektions-Balance bemüht sich auch Louis Poulsen. 1874 als Weinimporteuer gegründet, gilt die Marke längst als Inbegriff dänischer Lichtkultur mit einem Output von rund 250.000 Leuchten pro Jahr. Fast erstaunt das Verhältnis der Absatzzahlen der Klassiker zu den Neuheiten: Es steht „nur“ 60 zu 40 Prozent. Neben Dänemark sind Deutschland, die USA und Japan die größten Märkte. Da ist es wohl nur folgerichtig, dass der Japaner Oki Sato alias Nendo der aktuellste Designer-Neuzugang bei Louis Poulsen ist. Die Entwicklung der Tischleuchte „NJP“ dauerte zwei Jahre. Sie gibt ihr Licht ganz bewusst nicht nur nach unten, sondern durch eine kleine Öffnung des Schirms auch nach oben ab, sodass der Raum ein wenig erhellt wird.

Dass es nicht reicht, bloß lokal zu agieren, weiß Fritz Hansen schon lange und hat vor Jahren die Kooperation mit Jaime Hayon gestartet. Neu in der Kollektion sind seit April der Sessel „Fri“ und der Stuhl „Sammen“. Und auch das Label &tradition hat diese Notwendigkeit nicht nur erkannt, sondern schon in Produkte für die globalisierte Designwelt umgesetzt. Neben wieder aufgelegten Leuchten von Verner Panton gibt es in diesem Jahr ganz neu die Kollektion „Cloud“ von Luca Nichetto. Der Sessel, das Zwei- und Dreisitzer-Sofa und der Pouf vereinen Sperrholz und Metall mit dicken Polstern. Da alle Komponenten im gleichen Farbguss daherkommen – Blau, Rot, Grau oder Naturweiß –, wirkt nichts klassisch oder gestrig.

Spannende Showroom-Architektur

Apropos gestrig: Die Stadt Kopenhagen ist ja ein Meister darin, ihr klassisches Stadtbild mit gewagter Architektur aufzufrischen. Und dem stehen die Showrooms der dänischen Möbelmarken in nichts nach; auch sie verbinden oft das Alte mit dem Neuen. So hat &tradition neue Räumlichkeiten nicht weit von der 2005 eröffneten Oper in einer alten Schiffwerft bezogen. Unter dem beeindruckenden Gebälk stehen nun 12 Kammern, in denen jeweils ein Teil der Kollektion arrangiert ist. Dornbracht und Alape – okay, keine Dänen – haben ebenfalls in einer kleinen Werft unweit der Oper ihr Lager aufgeschlagen, während Fritz Hansens Showroom im Pakhus 403 mal ein Bananenlager war.

Bei dem Einzelhändler Nyt i bo in der Frederiksgade befinden sich viele verschiedene Marken unter einem Dach in einem gediegenen Haus der Jahrhundertwende, darunter Getama, Onecollection, &shufl und Please Wait To Be Seated. Muuto hat oberhalb seines Loft-artigen Showrooms in der Østergade die wohl schönste Dachterrasse für seine Mitarbeiter. Neu ist das Showroom-Haus Anker & Co im Nordhavn, einem Stadtteil, der gerade erst auf dem Aushub der Metro entsteht. Neben Living Divani sind viele Leuchtenhersteller vertreten, so auch Wästberg.

Omnipräsent auf den 3daysofdesign war Dinesen – und das nicht nur im eigenen, nagelneuen Showroom am Søtorvet, in dem die Dielen nicht nur auf dem Boden lagen, sondern auch ein Häuschen im Raum bildeten. Unter dessen Dach stand ein langer Tisch aus Dinesen-Bohlen, auf dem wiederum Preziosen von Georg Jensen auf eingefärbten Dielen-Abschnitten arrangiert waren. Dinesen-Böden lagen in fast jedem der genannten Showrooms, bei Kvadrat bildeten die Dielen zudem kleine Kammern.

Vielleicht noch dies: Aus dem nordisch-schlichten Farbkanon heben sich die 49 Farben der Montana-Kollektion heraus. Geschäftsführer Joakim Lassen führt da Verner Panton an: „Der mochte diese beige Naturton-Sauce überhaupt nicht.“ Der Farb-Visionär war da seiner Zeit voraus. Aber der Weg liegt, wie so oft, wohl in der Mitte, um das Gestern und das Morgen im Heute zusammenzubringen.


www.3daysofdesign.dk
„Savannah“ von Monica Förster für Erik Jørgensen. Foto © Uta Abendroth
Das österreichische Trio von EOOS hat den „Embrace Chair“ für Carl Hansen & Søn entworfen. Foto © Uta Abendroth
Neuer Showroom von &tradition in einer alten Schiffswerft. Foto © Uta Abendroth
Auch ganz neu: „Fri“ vo Jaime Hayon für Fritz Hansen. Foto © Uta Abendroth
Zum ersten Mal ein komplettes Geschirr: „Cobra“ von Constantin Wortmann für Georg Jensen. Foto © Uta Abendroth
Mode-Künstler Henrik Vibskov hat Børge Mogensens „No. 1“ für Fredericia neu interpretiert.
Foto © Uta Abendroth
„Increasing Details“: Für „Reframing Danish Design“ lässt Sebastian Herkner auf Dänische Designikonen durch die Lupe blicken. Foto © Uta Abendroth
„Another Rug“ von All The Way To Paris für &tradition. Foto © Uta Abendroth
Wieder einmal wow: Raf Simons legt die zweite Kollektion für Kvadrat vor. Foto © Uta Abendroth
Hans J. Wegners „Venus Chair“ für Getama wird mit neuem Stoff aufgefrischt.
Foto © Uta Abendroth
Der „Beetle Lounge“ von GamFratesi im neuen Kleid. Foto © Uta Abendroth
Konnichiwa Japan: Oki Sato/Nendo hat für Louis Poulsen die Tischleuchte „NJP“ entworfen. Foto © Uta Abendroth
Im neuen Showroom am Søtorvet hat Dinesen die Dielen nicht für den Boden, sondern auch für ein Häuschen verwendet. Foto © Uta Abendroth
Joakim Lassen von und vor Montana. Foto © Uta Abendroth
Willkommen bei Engelbrechts an der Skindergade 38. Foto © Uta Abendroth
Produkte
Carl Hansen & Søn: CH_29 @ Stylepark
Carl Hansen & Søn
CH_29
Hans J. Wegner
Carl Hansen & Søn: The Pendant @ Stylepark
Carl Hansen & Søn
The Pendant
Hans J. Wegner
Erik Jørgensen: EJ Savannah @ Stylepark
Erik Jørgensen
EJ Savannah
Monica Förster
Erik Jørgensen: EJ 3 Eyes Lounge @ Stylepark
Erik Jørgensen
EJ 3 Eyes Lounge
Johannes Foersom
Peter Hiort-Lorenzen
Erik Jørgensen: EJ Savannah Sessel @ Stylepark
Erik Jørgensen
EJ Savannah Sessel
Monica Förster
Carl Hansen & Søn: CH_410 @ Stylepark
Carl Hansen & Søn
CH_410
Hans J. Wegner
Carl Hansen & Søn: Folding Chair @ Stylepark
Carl Hansen & Søn
Folding Chair
Mogens Koch
Carl Hansen & Søn: SH_650 @ Stylepark
Carl Hansen & Søn
SH_650
Christina Strand
Niels Hvass
Erik Jørgensen: EJ 320 Spring @ Stylepark
Erik Jørgensen
EJ 320 Spring
Erik Jørgensen: EJ 2210 Aqua @ Stylepark
Erik Jørgensen
EJ 2210 Aqua
Anne Qvist
Fredericia: No. 1 @ Stylepark
Fredericia
No. 1
Børge Mogensen
Fredericia: 1788 @ Stylepark
Fredericia
1788
Hans J. Wegner
Fredericia: Haiku Low Back Dreisitzer @ Stylepark
Fredericia
Haiku Low Back Dreisitzer
Stine Gam
Enrico Fratesi
Fredericia: The Spanish Chair  @ Stylepark
Fredericia
The Spanish Chair
Børge Mogensen
Fredericia: Haiku Low Back Zweisitzer @ Stylepark
Fredericia
Haiku Low Back Zweisitzer
Stine Gam
Enrico Fratesi
Gubi: Collar Lamp klein @ Stylepark
Gubi
Collar Lamp klein
Sebastian Herkner
Gubi: Modern Line Sofa @ Stylepark
Gubi
Modern Line Sofa
Greta Magnusson Grossman
Gubi: Cobra Stehleuchte @ Stylepark
Gubi
Cobra Stehleuchte
Greta Magnusson Grossman
Gubi: Aoyama @ Stylepark
Gubi
Aoyama
Paul Leroy
Gubi: Collar Lamp groß @ Stylepark
Gubi
Collar Lamp groß
Sebastian Herkner
Louis Poulsen: NJP Table @ Stylepark
Louis Poulsen
NJP Table
Nendo
Louis Poulsen: Silverback Pendelleuchte @ Stylepark
Louis Poulsen
Silverback Pendelleuchte
KiBiSi
Louis Poulsen: Panthella Stehleuchte @ Stylepark
Louis Poulsen
Panthella Stehleuchte
Verner Panton
Louis Poulsen: PH Wandleuchte @ Stylepark
Louis Poulsen
PH Wandleuchte
Poul Henningsen
Louis Poulsen: Pagoda LED @ Stylepark
Louis Poulsen
Pagoda LED
Design-people aps
Fritz Hansen: SAMMEN™ mit Armlehnen @ Stylepark
Fritz Hansen
SAMMEN™ mit Armlehnen
Jaime Hayon
Fritz Hansen: SERIES 7™ - 3107 Monochrome @ Stylepark
Fritz Hansen
SERIES 7™ - 3107 Monochrome
Arne Jacobsen
Dinesen: Oak gemischte Breiten @ Stylepark
Dinesen
Oak gemischte Breiten
Dinesen: Douglasie 28mm @ Stylepark
Dinesen
Douglasie 28mm
Dinesen: Douglasie 35mm @ Stylepark
Dinesen
Douglasie 35mm
Fritz Hansen: FRI™ @ Stylepark
Fritz Hansen
FRI™
Jaime Hayon
Fritz Hansen: SAMMEN™ ohne Armlehnen @ Stylepark
Fritz Hansen
SAMMEN™ ohne Armlehnen
Jaime Hayon
Fritz Hansen: COAT TREE™ @ Stylepark
Fritz Hansen
COAT TREE™
Sidse Werner
Dinesen: Eiche 22mm @ Stylepark
Dinesen
Eiche 22mm
Dinesen: Eiche 30mm @ Stylepark
Dinesen
Eiche 30mm
onecollection: Model 137 sofa @ Stylepark
onecollection
Model 137 sofa
Finn Juhl
onecollection: Council Lounge Chair @ Stylepark
onecollection
Council Lounge Chair
Kasper Salto
Thomas Sigsgaard
onecollection: Warning @ Stylepark
onecollection
Warning
Linn Anna Bjørk
onecollection: Time @ Stylepark
onecollection
Time
Henrik Tengler
onecollection: Silver Table @ Stylepark
onecollection
Silver Table
Finn Juhl
Muuto: Base @ Stylepark
Muuto
Base
Mika Tolvanen
Muuto: Cosy in white small @ Stylepark
Muuto
Cosy in white small
Harri Koskinen
Muuto: Plus Salz- & Pfefferstreuer @ Stylepark
Muuto
Plus Salz- & Pfefferstreuer
Norway Says
Muuto: Hang Around - Cooking set @ Stylepark
Muuto
Hang Around - Cooking set
KiBiSi
Muuto: Loom @ Stylepark
Muuto
Loom
Simon Key Bertman
Kvadrat: Hero  @ Stylepark
Kvadrat
Hero
Patricia Urquiola
Kvadrat: Drill @ Stylepark
Kvadrat
Drill
Aggebo & Henriksen
Kvadrat: Sparkling @ Stylepark
Kvadrat
Sparkling
Aggebo & Henriksen
Kvadrat: Ace @ Stylepark
Kvadrat
Ace
Louise Sigvardt
Kvadrat: Drizzle @ Stylepark
Kvadrat
Drizzle
Aggebo & Henriksen
News & Stories › 2015 › Juni
Weckruf mit Augen und Fransen
von Uta Abendroth | 2. Juni 2015
Dänisches Design präsentiert sich zeitgemäß – dabei sind viele Entwürfe schon über ein halbes Jahrhundert alt. Auf den „3daysofdesign“ in Kopenhagen war viel von Tradition und Werten die Rede – und dem Update für die Klassiker.
Sie werfen lange Schatten: Hans J. Wegner, Finn Juhl, Arne Jacobsen und Børge Mogensen, um nur einige zu nennen, sind immer noch die unangefochtenen Instanzen in Sachen Dänisches Design. Die Altmeister haben stilistische Maßstäbe gesetzt, die auch heute noch die kreative Szene im Norden dominieren. Vintage-Modelle erzielen Rekordpreise und Wieder- beziehungsweise Neuauflagen bislang noch in Schubladen verborgener Entwürfe sind quasi „daily business“. Und doch ist etwas in Bewegung geraten. Während der „3daysofdesign“ – Showroom-Tagen für Designinteressierte, Endverbraucher und Businesspartner – ging es viel ums Erbe, aber eben auch um die Frage, wie man die Objekte von Gestern ins Jetzt holen könne. Das Wohn-Modell der Collage, wo nichts aus einem Guss ist, sondern sich Möbel aus unterschiedlichen Epochen oder verschiedener Stilrichtungen ergänzen, dieses Ideal schwebt den Firmen vor, die sich in Kopenhagen präsentierten.

Jedes Stück hat eine Geschichte

Die perfekte Melange aus Holz, Handmade und Retro hatte Carl Hansen & Søn schon auf der Messe in Mailand vorgestellt. Stets spürt man bei den Produkten dieses Unternehmens den Respekt und die Leidenschaft für Handwerkskunst – so lautet sein Leitspruch „Every piece comes with a story“. Im Showroom an der Bredgade waren dann auch die „Neuheiten“ zu sehen: Hans J. Wegners filigraner Klassiker „CH88“ mit der charakteristischen Rückenlehne aus dampfgebogenem Holz und farbigen Gestellen, die Neuauflage des 1970 von Wegner entworfenen Tablett-Tischs „CH417“ mit seinem zusammenklappbaren Gestell und der beidseitig verwendbaren Tablettauflage sowie die „Colonial Series“ von Ole Wanscher aus einem Zweisitzer-Sofa und einem passenden Kaffeetisch. Die echte Neuerung kommt allerdings nicht aus dem Archiv, sondern von dem österreichischen Trio EOOS. Bei dem „Embrace Chair“, der Neuinterpretation eines klassischen Esstischstuhls, umfängt das wohlproportierte Holzgestell einen Sitz, der wie eine perfekt gefaltete, weiche Decke wirkt. Das Möbel fügt sich perfekt in die Firmen-DNA, zeigt aber auch, dass man der klassischen Holz-Naturton-Optik einen modernen Twist geben kann.

In ähnlichem Fahrwasser bewegt sich Monica Förster. Die schwedische Designerin hat für Erik Jørgensen „Savannah“ entworfen. Bei dem Sessel und Sofa schmiegt sich dickes Sattelleder um einen gradlinigen Holzrahmen und bildet somit die Struktur für die handgenähten Polster. Das Produkt, das in der firmeneigenen Fabrik in Svendborg auf der Insel Fünen entsteht, passt – ganz klar – zu der über sechzigjährigen Handwerks-Tradition Erik Jørgensens und gleichermaßen ins 21. Jahrhundert.

Klassiker in neuem Kleid

„Alles neu“ will das 1911 gegründete Unternehmen Fredericia machen. Natürlich geht es nicht darum, alle Hinterlassenschaften über Bord zu werfen, aber für die Klassiker soll ein „wake-up call“ erfolgen. Den Anfang für das Update durfte Henrik Vibskov machen, der seine Ausbildung am Londoner Central Saint Martins College of Art and Design absolviert hat. Der Modeschöpfer, Musiker und bildende Künstler streifte Børge Mogensens „No. 1“, dem ersten Sofa, das der gelernte Tischler 1955 für Fredericia entworfen hat, ein neues Kleid über. Für „The Fringy Edition“, die Fredericia 2015 in begrenzter Auflage produzieren wird, beauftragte Vibskov die Firma Gabriel, ein Textil mit schlichtem Karo zu weben, die übrigen Textilien stammen von Kvadrat aus der Serie „Divina Melange“. Eine Unikatversion mit „Augen“ und Fransen hat Vibskov und sein Team in seinem Atelier in Kopenhagen handgenäht. Fredericia-Chef Thomas Graversen sagt dazu lakonisch: „Ich hoffe, wir können Sie in naher Zukunft mit so Einigem schockieren.“

Dass sich auch alteingesessene Marken für Kreative aus dem Ausland entscheiden, trägt zu einer größeren ästhetischen Bandbreite des dänischen Designs bei. So präsentierte etwa Georg Jensen zum ersten Mal ein komplettes Geschirrsortiment durch die Erweiterung „Cobra“-Kollektion des Münchner Designers Constantin Wortmann. Becher aus handgeblasenem Glas und strahlend weißes Porzellan in geschwungener Manier sollen dem klassisch gedeckten Tisch einen zeitgemäßen Touch verleihen.

Internationale Infusion

Die Gestalter Sebastian Herkner aus Offenbach und Niek Pulles aus Amsterdam haben für die Ausstellung „Reframing Danish Design“ in den Silos im Nordhavn Designikonen von zehn Firmen genauer unter die Lupe genommen und verwandelt. Herkner war außerdem mit seiner neuen Leuchte „Collar“ für Gubi präsent, die mundgeblasenes Glas mit einem Aluminiumkragen kombiniert, der als Reflektor dient.

Um eine gute Kollektions-Balance bemüht sich auch Louis Poulsen. 1874 als Weinimporteuer gegründet, gilt die Marke längst als Inbegriff dänischer Lichtkultur mit einem Output von rund 250.000 Leuchten pro Jahr. Fast erstaunt das Verhältnis der Absatzzahlen der Klassiker zu den Neuheiten: Es steht „nur“ 60 zu 40 Prozent. Neben Dänemark sind Deutschland, die USA und Japan die größten Märkte. Da ist es wohl nur folgerichtig, dass der Japaner Oki Sato alias Nendo der aktuellste Designer-Neuzugang bei Louis Poulsen ist. Die Entwicklung der Tischleuchte „NJP“ dauerte zwei Jahre. Sie gibt ihr Licht ganz bewusst nicht nur nach unten, sondern durch eine kleine Öffnung des Schirms auch nach oben ab, sodass der Raum ein wenig erhellt wird.

Dass es nicht reicht, bloß lokal zu agieren, weiß Fritz Hansen schon lange und hat vor Jahren die Kooperation mit Jaime Hayon gestartet. Neu in der Kollektion sind seit April der Sessel „Fri“ und der Stuhl „Sammen“. Und auch das Label &tradition hat diese Notwendigkeit nicht nur erkannt, sondern schon in Produkte für die globalisierte Designwelt umgesetzt. Neben wieder aufgelegten Leuchten von Verner Panton gibt es in diesem Jahr ganz neu die Kollektion „Cloud“ von Luca Nichetto. Der Sessel, das Zwei- und Dreisitzer-Sofa und der Pouf vereinen Sperrholz und Metall mit dicken Polstern. Da alle Komponenten im gleichen Farbguss daherkommen – Blau, Rot, Grau oder Naturweiß –, wirkt nichts klassisch oder gestrig.

Spannende Showroom-Architektur

Apropos gestrig: Die Stadt Kopenhagen ist ja ein Meister darin, ihr klassisches Stadtbild mit gewagter Architektur aufzufrischen. Und dem stehen die Showrooms der dänischen Möbelmarken in nichts nach; auch sie verbinden oft das Alte mit dem Neuen. So hat &tradition neue Räumlichkeiten nicht weit von der 2005 eröffneten Oper in einer alten Schiffwerft bezogen. Unter dem beeindruckenden Gebälk stehen nun 12 Kammern, in denen jeweils ein Teil der Kollektion arrangiert ist. Dornbracht und Alape – okay, keine Dänen – haben ebenfalls in einer kleinen Werft unweit der Oper ihr Lager aufgeschlagen, während Fritz Hansens Showroom im Pakhus 403 mal ein Bananenlager war.

Bei dem Einzelhändler Nyt i bo in der Frederiksgade befinden sich viele verschiedene Marken unter einem Dach in einem gediegenen Haus der Jahrhundertwende, darunter Getama, Onecollection, &shufl und Please Wait To Be Seated. Muuto hat oberhalb seines Loft-artigen Showrooms in der Østergade die wohl schönste Dachterrasse für seine Mitarbeiter. Neu ist das Showroom-Haus Anker & Co im Nordhavn, einem Stadtteil, der gerade erst auf dem Aushub der Metro entsteht. Neben Living Divani sind viele Leuchtenhersteller vertreten, so auch Wästberg.

Omnipräsent auf den 3daysofdesign war Dinesen – und das nicht nur im eigenen, nagelneuen Showroom am Søtorvet, in dem die Dielen nicht nur auf dem Boden lagen, sondern auch ein Häuschen im Raum bildeten. Unter dessen Dach stand ein langer Tisch aus Dinesen-Bohlen, auf dem wiederum Preziosen von Georg Jensen auf eingefärbten Dielen-Abschnitten arrangiert waren. Dinesen-Böden lagen in fast jedem der genannten Showrooms, bei Kvadrat bildeten die Dielen zudem kleine Kammern.

Vielleicht noch dies: Aus dem nordisch-schlichten Farbkanon heben sich die 49 Farben der Montana-Kollektion heraus. Geschäftsführer Joakim Lassen führt da Verner Panton an: „Der mochte diese beige Naturton-Sauce überhaupt nicht.“ Der Farb-Visionär war da seiner Zeit voraus. Aber der Weg liegt, wie so oft, wohl in der Mitte, um das Gestern und das Morgen im Heute zusammenzubringen.


www.3daysofdesign.dk