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Wie der Schwan in die Welt hinaus zog
von Sandra Hofmeister | 9. Oktober 2009
Arne Jacobsen war ein Perfektionist. Seine Häuser plante der dänische Architekt als umfassende Gesamtkunstwerke, die er vom Grundriss bis zur Tapete und von der Türklinke bis zum Vorhangstoff selbst entwarf. Das erste Kunstwerk dieser Art war das „House of the Future" von 1929 - ein kreisrundes, ideales Wohnhaus, das der damals 27jährige Jacobsen mit seinem früheren Kommilitonen Flemming Lassen als temporäres Ausstellungsgebäude errichtete. Viele von Jacobsens Möbelentwürfen sind ursprünglich für spezielle architektonische Projekte entwickelt worden - und viele werden noch heute als Serienprodukte verkauft. Auch der Schwan gehört zur Liste dieser Entwürfe: Das gepolsterte Sitzmöbel wurde vor über fünfzig Jahren entworfen und hat längst die Welt für sich entdeckt.

Ursprünglich für das Radisson SAS Royal Hotel in Kopenhagen entwickelt, platzierte Jacobsen das geschwungene, charakterstarke Sitzmöbel gezielt an herausragenden Orten des Hotels, beispielsweise in der Lobby und im Restaurant im obersten Stockwerk. Der Prototyp des Schwans zeigt noch deutliche Ähnlichkeiten zum Stuhlentwurf der 7er Serie aus den Fünfzigern: Ursprünglich war die Sitzschale samt Arm- und Rückenlehne aus einem Stück Schichtholz konzipiert. Die ausladende Lehne verjüngt sich nach unten - ähnlich wie bei der Ameise oder der 7er Serie. Als Fritz Hansen 1957 die Lizenz für die damals neuartige Herstellungstechnik von Polystyren-Unterlagen erwarb - der Norweger Henry W. Klein hatte das Dampfformgebungsverfahren nur wenige Jahre zuvor entwickelt - erhielt Jacobsen neue Grundlagen für seinen Entwurf. Aus der harten Schichtholzschale wurde eine weiche Sitzskulptur, die auf einem mittigen Fuß aus Aluminium thront. Die skulpturalen Qualitäten des Schwans - sein Spiel aus Positiv- und Negativformen, das sich der Funktionalität unterordnet - machen das Sitzmöbel zu einem charakterstarken Zeichen, das ganze Räume prägen kann.

Längst hat der Schwan an vielen Orten der Welt ein zu Hause gefunden. Ganze Gruppen des Sitzmöbels haben sich bis nach Australien vorgewagt und bevölkern dort zum Beispiel die Oper in Sydney. Auch die nordische Botschaft in Berlin oder die Gravity Bar der Guinness Brauerei in Irland vertrauen auf Schwäne, ebenso die Europäische Zentralbank in Frankfurt und das NCSL National College im englischen Nottingham. Mit den Jahrzehnten hat der Schwan die Kontinente erobert und sich von der Lobby des SAS Royal Hotels aus vervielfacht zu einer großen Familie. Ein Möbel, das zeitlos wirkt wie eh und je.
Das Ei und Schwan von Arne Jacobsen, 1958, in der Lobby des SAS Royal Hotel in Kopenhagen
Nordische Botschaft in Berlin
Schwan von Arne Jacobsen, Restaurant Alberto K im SAS Royal Hotel in Kopenhagen
Swan von Arne Jacobsen, Lounge im Royal Hotel in Kopenhagen
Raum 606 im SAS Royal Hotel in Kopenhagen. Gebäude und Möbel von Arne Jacobsen 1956-1958
Swans und 3302 von Arne Jacobsen
Lobby bei Unilever in Deutschland