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Wohnen auf neun Tubo
10. Juni 2010
Makoto Koizumi

Zusammen mit der Japan Foundation und dem Japanisch-Deutschen Zentrum hat das Vitra Design Museum ein Symposium zum Thema „Regionalismus im aktuellen Industriedesign aus Japan und Europa" veranstaltet. Im Laufe des eintägigen Programms, bei dem die Referenten ihre Positionen vorstellten, die anschließend auf einem von Alexander von Vegesack moderierten Podium diskutiert wurden, schilderten die Designer Makoto Koizumi und Taku Satoh ihre Erfahrungen aus der Zusammenarbeit mit japanischen Handwerksbetrieben. Hiroshi Kashiwagi lieferte eine designhistorische Darstellung japanischen Industriedesigns, Jacqueline Otten eine Analyse des Begriffs „Regionalismus". Während diese Beiträge zum Regionalismus in Japan den Erwartungen gerecht wurden, blieben bei der Darstellung der Situation in Europa viele offene Fragen. So sprach Tomoko Azumi zwar über den „Ro-Ro rocking chair", den sie zusammen mit dem alteingesessenen Möbelhersteller Zilio A&C nahe Udine entwickelt hat, und James Irvine berichtete von seinen Erfahrungen mit einer Glasmanufaktur in Murano, wo er ein Weihnachtsgeschenk für den Condé Nast Verlag produzieren ließ, ohne eine designtheoretische Einordnung der europäischen Beispiele, fiel der Vergleich mit Japan allerdings schwer.

Am Rande des Symposiums führte Nina Reetzke ein Gespräch mit dem japanischen Designer Makoto Koizumi, der außerhalb Japans bisher wenig bekannt ist. Koizumi, geboren 1960, führt sein eigenes Studio und lehrt Design an der Musashino Art University in Tokio. Sein Tätigkeitsfeld reicht vom Alltagsdesign - er gestaltete unter anderem Essstäbchen, Geschirr und Möbel - bis hin zur Architektur. Seine Produkte sind aktuell nur in Japan zu kaufen, zum Beispiel bei Axis in Tokio. Der zurückhaltende Designer sieht seine Aufgabe darin, traditionell bestehende Strukturen neu miteinander zu verknüpfen.

Über den Beginn Ihrer Arbeit als Designer ist hierzulande kaum etwas bekannt. Wie entstand Ihr Interesse an Design? Was für eine Ausbildung haben Sie?

Makoto Koizumi: Vor dreißig Jahren gab es Möbeldesign als akademische Disziplin in Japan noch nicht. Ich wollte damals Möbel und Einrichtungen selbst entwerfen und bauen, darum habe ich eine Ausbildung als Schreiner gemacht. Gleichzeitig interessierte ich mich für Arbeiten zum Beispiel von Yoshifumi Nakamura, Sori Yanagi und Shiro Kuramata. Im Laufe der Zeit wuchs mein Interesse für moderne Architektur, darunter die Bauvorhaben von Frank Lloyd Wright in Japan, etwa das Tazaemon Yamamura House in Ashiya.

Für den japanischen Möbelhersteller Miyakonjyo haben Sie die Kollektion „Tetsubo" entworfen, die Stühle, Hocker und Garderoben, aber auch Kinderspielzeug umfasst, beispielsweise ein Schaukelpferd und ein Spielzeugauto. Wie sieht Ihre Zusammenarbeit mit Miyakonjyo aus?

Makoto Koizumi: Als ich vor ungefähr fünfzehn Jahren anfing, mit Miyakonjyo zu arbeiten, ging es dem Unternehmen wirtschaftlich schlecht. Damals produzierten sie Sportgeräte, genauer gesagt Recks. „Tetsu" heißt Stahl und „Bo" bedeutet „Stab". Die Stärke der Firma liegt in der Verarbeitung von Stahl und Holz, in der Gegend wachsen viele Zedern, die Miyakonjyo als Material nutzt. Vor circa acht Jahren fingen wir damit an, neben den Sportgeräten eine Möbelkollektion zu produzieren, die sich guter Nachfrage erfreut und die wir bis heute kontinuierlich ausbauen. Was mir an der Arbeit mit Miyakonjyo besonders gefällt, ist das persönliche Vertrauen, das zwischen den zehn Mitarbeitern und mir besteht.

Das „9tubohouse" wurde 1952 von Makoto Masuzawa als Fertighaus für die Nachkriegszeit entworfen. Fast fünfzig Jahre später haben Sie das Konzept neu durchdacht. Was verbirgt sich hinter dem Wort „Tubo"?

Makoto Koizumi: „Tubo" ist eine traditionelle japanische Maßeinheit, das Haus ist neun Tubo groß, was ungefähr fünfzig Quadratmetern entspricht.

Was unterscheidet Ihren Entwurf von dem Makoto Masuzawas?

Makoto Koizumi: Im Jahr 1999 wurde eine Architekturausstellung im „Living Design Center Ozone" in Tokio gezeigt. Für das Ausstellungsdesign war ich verantwortlich. Zu den Exponaten zählte auch das 9tubohouse von Makoto Masuzawa, jedoch ohne Innenausbau. Das Ausstellungsteam überredete Shu Hagiwara, einen der Kuratoren, das Hausgerüst zu kaufen. Als erstes musste er nach einem Grundstück suchen, auf dem er das Haus aufbauen konnte. Als das geschafft war und das Haus stand, bat er mich, die Innenausstattung zu übernehmen. Ich änderte nichts am Rahmen, passte die Innenausstattung jedoch an heutige Bedürfnisse an. Wir integrierten moderne Haushaltsgeräte, außerdem änderte sich die Anzahl der Hausbewohner. Makoto Masuzawa entwarf das Haus für eine dreiköpfige Familie, ich habe das Haus strukturell für die Nutzung von vier Personen erweitert, da Shu Hagiwara und seine Frau zwei Töchter haben - das Haus ist übrigens nach den beiden Sumire and Aoi benannt, es heißt Sumire-Aoi-House. Zum Beispiel bietet eines der Schlafzimmer nicht genug Platz für vier Betten, daher habe ich sie mit Tatamis ausgestattet. Nach einer Weile bekundeten immer mehr Leute Interesse, das 9tubohouse mit der Ausstattung, die für Shu Hagiwara entwickelt wurde, zu kaufen. Aktuell produziert und vertreibt die Firma Boo-Hoo-Woo das Haus in Japan.

Während des Symposiums wurde diskutiert, inwiefern Design in Japan während der letzten zehn Jahre durch das Zusammenspiel von Industriedesign und Handwerkstradition gekennzeichnet ist. Wie sehen Sie die Sache?

Makoto Koizumi: Ich fühle mich der japanischen Tradition verbunden. Ich würde mir wünschen, dass sich unsere heutige Arbeit im Rückblick in die japanische Tradition eingliedert. Im Zentrum steht die Qualität und Nachhaltigkeit des Entwurfs.

Informationen über Ihre Arbeit gibt es fast nur auf Japanisch. Einiges wird in englischsprachigen Blogs besprochen, jedoch oft mit Kommentaren wie „Wir verstehen nichts außer den Fotos". Planen Sie Ihre Aktivitäten über Japan hinaus auszuweiten?

Makoto Koizumi: Ich arbeite eng mit lokalen japanischen Firmen, das möchte ich beibehalten, weil mir der Bezug zur Tradition wichtig ist. Ein erster Versuch, die Produkte nach Europa zu exportieren, scheiterte aus Kostengründen. Was die Kommunikation betrifft, begrüße ich jeden Austausch, so wird zum Beispiel die Website des 9tubohouse gerade ins Englische übersetzt.

www.koizumi-studio.jp
9tubohouse.com

Tetsubo, Miyakonjyo
Nido Hashioki Card, Foto: Souichi Murazumi
9tubohouse, Boo Hoo Hoo, Foto: Souichi Murazumi
News & Stories › 2010 › Juni
Wohnen auf neun Tubo
10. Juni 2010
Das Symposium „Regionalismus im aktuellen Industriedesign aus Japan und Europa" bot die Gelegenheit, den Designer Makoto Koizumi zu treffen, der außerhalb Japans bislang nicht weiter in Erscheinung getreten ist. Im Gespräch mit Nina Reetzke erklärt er, was es mit der Möbelkollektion „Tetsubo" und seiner Neuinterpretation des „9tubohouse" auf sich hat.
Zusammen mit der Japan Foundation und dem Japanisch-Deutschen Zentrum hat das Vitra Design Museum ein Symposium zum Thema „Regionalismus im aktuellen Industriedesign aus Japan und Europa" veranstaltet. Im Laufe des eintägigen Programms, bei dem die Referenten ihre Positionen vorstellten, die anschließend auf einem von Alexander von Vegesack moderierten Podium diskutiert wurden, schilderten die Designer Makoto Koizumi und Taku Satoh ihre Erfahrungen aus der Zusammenarbeit mit japanischen Handwerksbetrieben. Hiroshi Kashiwagi lieferte eine designhistorische Darstellung japanischen Industriedesigns, Jacqueline Otten eine Analyse des Begriffs „Regionalismus". Während diese Beiträge zum Regionalismus in Japan den Erwartungen gerecht wurden, blieben bei der Darstellung der Situation in Europa viele offene Fragen. So sprach Tomoko Azumi zwar über den „Ro-Ro rocking chair", den sie zusammen mit dem alteingesessenen Möbelhersteller Zilio A&C nahe Udine entwickelt hat, und James Irvine berichtete von seinen Erfahrungen mit einer Glasmanufaktur in Murano, wo er ein Weihnachtsgeschenk für den Condé Nast Verlag produzieren ließ, ohne eine designtheoretische Einordnung der europäischen Beispiele, fiel der Vergleich mit Japan allerdings schwer.

Am Rande des Symposiums führte Nina Reetzke ein Gespräch mit dem japanischen Designer Makoto Koizumi, der außerhalb Japans bisher wenig bekannt ist. Koizumi, geboren 1960, führt sein eigenes Studio und lehrt Design an der Musashino Art University in Tokio. Sein Tätigkeitsfeld reicht vom Alltagsdesign - er gestaltete unter anderem Essstäbchen, Geschirr und Möbel - bis hin zur Architektur. Seine Produkte sind aktuell nur in Japan zu kaufen, zum Beispiel bei Axis in Tokio. Der zurückhaltende Designer sieht seine Aufgabe darin, traditionell bestehende Strukturen neu miteinander zu verknüpfen.

Über den Beginn Ihrer Arbeit als Designer ist hierzulande kaum etwas bekannt. Wie entstand Ihr Interesse an Design? Was für eine Ausbildung haben Sie?

Makoto Koizumi: Vor dreißig Jahren gab es Möbeldesign als akademische Disziplin in Japan noch nicht. Ich wollte damals Möbel und Einrichtungen selbst entwerfen und bauen, darum habe ich eine Ausbildung als Schreiner gemacht. Gleichzeitig interessierte ich mich für Arbeiten zum Beispiel von Yoshifumi Nakamura, Sori Yanagi und Shiro Kuramata. Im Laufe der Zeit wuchs mein Interesse für moderne Architektur, darunter die Bauvorhaben von Frank Lloyd Wright in Japan, etwa das Tazaemon Yamamura House in Ashiya.

Für den japanischen Möbelhersteller Miyakonjyo haben Sie die Kollektion „Tetsubo" entworfen, die Stühle, Hocker und Garderoben, aber auch Kinderspielzeug umfasst, beispielsweise ein Schaukelpferd und ein Spielzeugauto. Wie sieht Ihre Zusammenarbeit mit Miyakonjyo aus?

Makoto Koizumi: Als ich vor ungefähr fünfzehn Jahren anfing, mit Miyakonjyo zu arbeiten, ging es dem Unternehmen wirtschaftlich schlecht. Damals produzierten sie Sportgeräte, genauer gesagt Recks. „Tetsu" heißt Stahl und „Bo" bedeutet „Stab". Die Stärke der Firma liegt in der Verarbeitung von Stahl und Holz, in der Gegend wachsen viele Zedern, die Miyakonjyo als Material nutzt. Vor circa acht Jahren fingen wir damit an, neben den Sportgeräten eine Möbelkollektion zu produzieren, die sich guter Nachfrage erfreut und die wir bis heute kontinuierlich ausbauen. Was mir an der Arbeit mit Miyakonjyo besonders gefällt, ist das persönliche Vertrauen, das zwischen den zehn Mitarbeitern und mir besteht.

Das „9tubohouse" wurde 1952 von Makoto Masuzawa als Fertighaus für die Nachkriegszeit entworfen. Fast fünfzig Jahre später haben Sie das Konzept neu durchdacht. Was verbirgt sich hinter dem Wort „Tubo"?

Makoto Koizumi: „Tubo" ist eine traditionelle japanische Maßeinheit, das Haus ist neun Tubo groß, was ungefähr fünfzig Quadratmetern entspricht.

Was unterscheidet Ihren Entwurf von dem Makoto Masuzawas?

Makoto Koizumi: Im Jahr 1999 wurde eine Architekturausstellung im „Living Design Center Ozone" in Tokio gezeigt. Für das Ausstellungsdesign war ich verantwortlich. Zu den Exponaten zählte auch das 9tubohouse von Makoto Masuzawa, jedoch ohne Innenausbau. Das Ausstellungsteam überredete Shu Hagiwara, einen der Kuratoren, das Hausgerüst zu kaufen. Als erstes musste er nach einem Grundstück suchen, auf dem er das Haus aufbauen konnte. Als das geschafft war und das Haus stand, bat er mich, die Innenausstattung zu übernehmen. Ich änderte nichts am Rahmen, passte die Innenausstattung jedoch an heutige Bedürfnisse an. Wir integrierten moderne Haushaltsgeräte, außerdem änderte sich die Anzahl der Hausbewohner. Makoto Masuzawa entwarf das Haus für eine dreiköpfige Familie, ich habe das Haus strukturell für die Nutzung von vier Personen erweitert, da Shu Hagiwara und seine Frau zwei Töchter haben - das Haus ist übrigens nach den beiden Sumire and Aoi benannt, es heißt Sumire-Aoi-House. Zum Beispiel bietet eines der Schlafzimmer nicht genug Platz für vier Betten, daher habe ich sie mit Tatamis ausgestattet. Nach einer Weile bekundeten immer mehr Leute Interesse, das 9tubohouse mit der Ausstattung, die für Shu Hagiwara entwickelt wurde, zu kaufen. Aktuell produziert und vertreibt die Firma Boo-Hoo-Woo das Haus in Japan.

Während des Symposiums wurde diskutiert, inwiefern Design in Japan während der letzten zehn Jahre durch das Zusammenspiel von Industriedesign und Handwerkstradition gekennzeichnet ist. Wie sehen Sie die Sache?

Makoto Koizumi: Ich fühle mich der japanischen Tradition verbunden. Ich würde mir wünschen, dass sich unsere heutige Arbeit im Rückblick in die japanische Tradition eingliedert. Im Zentrum steht die Qualität und Nachhaltigkeit des Entwurfs.

Informationen über Ihre Arbeit gibt es fast nur auf Japanisch. Einiges wird in englischsprachigen Blogs besprochen, jedoch oft mit Kommentaren wie „Wir verstehen nichts außer den Fotos". Planen Sie Ihre Aktivitäten über Japan hinaus auszuweiten?

Makoto Koizumi: Ich arbeite eng mit lokalen japanischen Firmen, das möchte ich beibehalten, weil mir der Bezug zur Tradition wichtig ist. Ein erster Versuch, die Produkte nach Europa zu exportieren, scheiterte aus Kostengründen. Was die Kommunikation betrifft, begrüße ich jeden Austausch, so wird zum Beispiel die Website des 9tubohouse gerade ins Englische übersetzt.

www.koizumi-studio.jp
9tubohouse.com