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Vince Berbegal

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Räume im Wandel

Der spanische Möbelhersteller Actiu gestaltet Räume, in denen wir uns wohlfühlen sollen. Entsprechend modular und flexibel ist das Design für Arbeitsbereiche, Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen. Einen Einblick in die Dynamik des Unternehmens gibt uns der Geschäftsführer der deutschen GmbH im Interview.

Anna Moldenhauer: Die Produktpalette von Actiu reicht von Sitzmöbeln und Akustikkabinen bis hin zu höhenverstellbaren Schreibtischen. Welche Produkte wurden in diesem Jahr neu aufgenommen und zu welchem Zweck?

Vince Berbegal: Actiu hat Produktneuheiten auf den Markt gebracht, die den Fokus auf Flexibilität, Nachhaltigkeit und Wohlbefinden in Arbeits-, Bildungs-, Gesundheits- und Vertragsumgebungen verstärken. Beide wurden in Zusammenarbeit mit Jose Manuel Ferrero von Estudi{H}ac entworfen: "CUFF", ein modulares gepolstertes Sitzsystem, das eine große Vielseitigkeit bei der Gestaltung von Konfigurationen sowohl in Durchgangsbereichen wie bei Flughäfen oder Lobbys, als auch in Warte- oder informellen Kooperationsbereichen bietet. Sein Hauptzweck ist es, das Warteerlebnis und die informelle Zusammenarbeit zu verbessern. Das modulare Beistelltischsystem "FOLIA" hingegen ist eine Kollektion, die sich dank ihres Designs leicht in verschiedene Sitzmöbelreihen integrieren lässt und dem Bedarf an leichten und anpassungsfähigen Ablageflächen in "Dritträumen" gerecht wird. Sie entspricht der Nachfrage nach Flexibilität und funktionaler Unterstützung in multifunktionalen Räumen.

Actiu begann als Spezialist für Computermöbel. Welche Erkenntnisse aus diesem Fachgebiet konnten Sie auf die spätere Produktentwicklung übertragen?

Vince Berbegal: Die Ursprünge von Actiu liegen tatsächlich im Entwurf eines einfachen TV-Tischs auf Rollen, und dieses Konzept der Mobilität stand schon immer im Mittelpunkt unseres Designverständnisses – nicht nur als funktionales Element, sondern als Denkweise: sich bewegen, anpassen und weiterentwickeln. Heute spiegelt sich dieser Geist in Flexibilität, Nachhaltigkeit und Wohlbefinden wider. Wir konzentrieren uns auf die Schaffung intelligenter, anpassungsfähiger und menschenzentrierter Räume, die den kontinuierlichen Wandel von Organisationen unterstützen. Unsere Designs sind äußerst vielseitig – jedes Produkt ist so konzipiert, dass es sich an eine Vielzahl von Situationen und Umgebungen anpassen lässt und sich stets entsprechend den Bedürfnissen der Gesellschaft weiterentwickelt. Vor sechzig Jahren war die bestimmende Technologie der Fernseher, und wir haben einen Tisch dafür entworfen. Später war es der Computer, und wir haben Möbel für das Homeoffice entwickelt. Bei jedem Schritt wurde unsere Entwicklung von demselben Prinzip geleitet: die Bedürfnisse der Menschen zu verstehen und ihnen zu helfen, sich zu entfalten.

Actiu Technology Park in Castalla

Actiu hat sich auf Möbel für Arbeitsbereiche, Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen sowie den allgemeinen Vertragsbereich spezialisiert. Mit seinen Produkten strebt das Unternehmen an, Räume als "dritte Orte" zu gestalten, an denen Menschen neue Energie tanken und sich entfalten können. Was ist bei der Möbelgestaltung entscheidend, um diese Anforderung zu erfüllen?

Vince Berbegal: Genau, Actiu definiert diese Räume als Orte, an denen Menschen neue Energie tanken und sich entfalten können. Um dieser grundlegenden Anforderung an Regeneration und Wohlbefinden gerecht zu werden, muss das Möbeldesign von Actiu auf das körperliche, geistige und emotionale Wohlbefinden der NutzerInnen fokussiert sein und dabei den folgenden wesentlichen Elementen Vorrang einräumen: Komfort und körperliches Wohlbefinden, Flexibilität und Modularität, Verbindung zur Natur, Akustikkontrolle und Privatsphäre.

Ein großer Teil Ihres Engagements gilt der Automatisierung, der Digitalisierung, der Kreislaufwirtschaft und der Zertifizierung von Produkten und Prozessen im Hinblick auf Nachhaltigkeit. Wo steht Actiu derzeit in dieser Hinsicht?

Vince Berbegal: Das Geschäftsmodell von Actiu basiert auf der Vision, "lebensfreundliche Räume" zu schaffen, mit dem Ziel, Umgebungen zu gestalten, die das körperliche, geistige und emotionale Wohlbefinden der Menschen am Arbeitsplatz, in der Bildung und im Gesundheitswesen fördern, ganz im Sinne des visionären Geistes seines Gründers. Das Unternehmen hat sich von seinen Anfängen im Bereich Computermöbel zu einem ganzheitlichen Ansatz entwickelt, bei dem Ergonomie, Modularität und Flexibilität für die Gestaltung von "Dritträumen" (Orte der Regeneration und Verbindung) von entscheidender Bedeutung sind. Die neuesten Produkte wie "CUFF" und "FOLIA" untermauern diese Strategie, indem sie hochwertige, komfortable und anpassungsfähige Lösungen für neue Arbeitsmodelle bieten. Dieses Engagement für die NutzerInnen wird durch die Anwendung der Neuroarchitektur in Zusammenarbeit mit der Polytechnischen Universität Valencia ergänzt, um sicherzustellen, dass das Möbeldesign hinsichtlich Akustik, Materialien, Komfort einen positiven Einfluss auf die kognitiven Fähigkeiten und die Stimmung hat.

Actiu hat sich als weltweit führendes Unternehmen in Sachen Nachhaltigkeit und Effizienz etabliert. Der Technologiepark in Castalla ist ein Vorzeigeprojekt der Fertigung mit LEED-Platinum- und WELL-Platinum-Zertifizierung, das ein Höchstmaß an Wohlbefinden für die MitarbeiterInnen und Energieeffizienz garantiert. Dieses Engagement erstreckt sich auch auf die Produkte, die LEVEL® 2-zertifiziert sind und nach den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft und Demontierbarkeit für das Recycling entwickelt wurden. Die Automatisierung und Digitalisierung seiner Produktionsprozesse verstärken diese Effizienz. Trotz dieses technologischen Fortschritts bleiben internationale Showrooms, wie der bei Frankfurt am Main, für KundInnen und Fachleute unverzichtbar, um die Qualität, Ergonomie und Philosophie der Marke aus erster Hand zu erleben. Das Unternehmen hat kürzlich das B Corp-Siegel erhalten und damit seinen dreifachen Ansatz – sozial, ökologisch und ökonomisch – gefestigt.

Gleichzeitig engagiert sich Actiu für die Gestaltung inklusiver Räume, beispielsweise in Zusammenarbeit mit dem Labor für Neuroarchitektur der Polytechnischen Universität Valencia. Wie setzen Sie diese Erkenntnisse in Ihrer Produktpalette um?

Vince Berbegal: Unsere Zusammenarbeit mit dem Neuroarchitektur-Labor der UPV ermöglicht es uns, integratives Design und kognitives Wohlbefinden in unseren Produkten umzusetzen, indem wir wissenschaftlich untersuchen, wie die Umgebung das Gehirn beeinflusst. Die bemerkenswerteste Anwendung konzentriert sich auf die Kontrolle der sensorischen Umgebung. Ein direktes Beispiel hierfür sind unsere Akustikkabinen (QYOS), die mit hochleistungsfähigen Materialien für Schalldämmung und -absorption ausgestattet sind und so wichtige Rückzugsorte für Konzentration und kognitive Stressreduktion in offenen Umgebungen schaffen, was für die Inklusivität von entscheidender Bedeutung ist. Darüber hinaus werden die Erkenntnisse in der dynamischen Ergonomie wie mit Blick auf höhenverstellbare Schreibtische, der Verwendung organischer Formen und Farben, die von der Biophilie inspiriert sind, und der Auswahl von Materialien, die negative sensorische Auswirkungen minimieren, angewendet, um sicherzustellen, dass die Möbel von Actiu als aktives Instrument zur Optimierung der Gesundheit und Produktivität der NutzerInnen dienen.

Wie setzen Sie aktuelle Technologien ein, um "lebensfreundliche Räume" zu schaffen?

Vince Berbegal: Die Verbindung der physischen und digitalen Welt führt zu effizienteren, flexibleren Umgebungen, die für die NutzerInnen optimiert sind. Dazu gehören der Einbau von Sensoren zur Optimierung des Umweltmanagements und der Raumnutzung, die diskrete Integration von Konnektivität und Phygital-Lademöglichkeiten direkt im Möbel sowie die Verwendung fortschrittlicher, recycelter und leistungsstarker Materialien, die Langlebigkeit gewährleisten und die Umweltbelastung minimieren. Im Wesentlichen fungiert Technologie als stiller Treiber, der den Komfort, die Funktionalität und die Nachhaltigkeit des Raums optimiert.

Actiu produziert hauptsächlich in seinem eigenen Technologiepark in Castalla, der vom Architekten Tomás Llavador entworfen wurde, sowie mit Partnerunternehmen in der Region. Warum haben Sie sich dazu entschieden?

Vince Berbegal: Um die vollständige Kontrolle über Qualität, Wertschöpfungskette und Umweltbelastung, die "Null-Kilometer-Möbel", zu behalten. Diese Konzentration der Produktion ermöglicht die Umsetzung eines hocheffizienten, automatisierten Fertigungsmodells, das mit LEED Platinum und WELL Platinum zertifiziert ist und maximale Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und vor allem das Wohlbefinden der MitarbeiterInnen gewährleistet. Auf diese Weise fungiert der Technologiepark als erste und größte praktische Demonstration der Philosophie "Life-Friendly Spaces".

Showroom in Offenbach, Deutschland

In den letzten Monaten haben Sie mehrere Showrooms in Deutschland eröffnet, beispielsweise in Offenbach bei Frankfurt. Warum sind diese für Actiu in Zeiten der Digitalisierung von Bedeutung?

Vince Berbegal: Die Eröffnung von Ausstellungsräumen ist von entscheidender Bedeutung, da Möbel, insbesondere ergonomisch gestaltete Möbel, die auf Wohlbefinden ausgerichtet sind, ein umfassendes physisches Erlebnis erfordern. Diese Räume dienen als Vorführzentren, in denen Architektur- wie Designschaffende und generell unsere KundInnen die Qualität, Ergonomie und Akustik des Produkts erleben und fühlen können. Sie dienen auch als strategische Plattformen und Treffpunkte, die die Philosophie der "lebensfreundlichen Räume" vermitteln und Schulungen, Zusammenarbeit und den direkten Dialog mit dem europäischen Markt ermöglichen.

Ihr Vater, der Gründer von Actiu, war zeitlebens ein Visionär, der mit seinen Ideen stets vorausblickte. Welchen Ratschlag von ihm haben Sie in Ihre eigene Arbeitsweise übernommen?

Vince Berbegal: Eine der wichtigsten Lektionen, die ich von meinem Vater gelernt habe, ist, dass Differenzierung auf Authentizität beruhen muss. Er war stets der Überzeugung, dass ein Unternehmen niemals andere imitieren sollte, sondern seine eigene Perspektive und Stimme finden und konsequent darauf aufbauen sollte. Er lehrte mich, wie wichtig es ist, unsere Werte zu schützen und sie gleichzeitig mit der Gesellschaft weiterzuentwickeln. Innovation bedeutete für ihn niemals, Trends zu folgen, sondern die tatsächlichen Bedürfnisse der Menschen zu verstehen, manchmal sogar bevor sie vollständig artikuliert wurden, und darauf mit Ehrlichkeit und langfristigem Engagement zu reagieren. Ein weiterer Grundsatz, der mir geblieben ist, ist Überzeugung. Wenn man wirklich an eine Idee glaubt, muss man sich voll und ganz dafür einsetzen: seine Ressourcen, seine MitarbeiterInnen und seine Entscheidungen auf diese Überzeugung ausrichten. Wenn Zielsetzung und Handeln miteinander verbunden sind, wächst das Unternehmen nicht nur, es floriert. Diese Denkweise leitet auch heute noch meine Arbeitsweise: Wir bleiben uns selbst treu, hören aufmerksam zu, was die Gesellschaft wirklich braucht, und haben den Mut, unseren eigenen Weg zu gehen. Es ist derselbe Geist, der die Vision von Actiu von "Life-Friendly Spaces" prägt, von Räumen, die nicht nur funktional sind, sondern das Leben, das Wohlbefinden und die Zukunft der Menschen unterstützen.

Actiu hat die Dynamik bereits im Namen. Woran arbeiten Sie gerade?

Vince Berbegal: Wir konzentrieren unsere Bemühungen auf den Ausbau und die Konsolidierung der Strategie "Lebensfreundliche Räume" und Kreislaufwirtschaft. Dies bedeutet die Fortsetzung der angewandten Forschung im Bereich Neuroarchitektur in Zusammenarbeit mit der Universitat Politècnica de València UPV für die Gestaltung integrativerer Räume, die mehr Wohlbefinden fördern, die kontinuierliche Innovation der Produktpalette durch die Verwendung recycelter und nachhaltiger Materialien sowie die Stärkung der internationalen Präsenz durch unsere Showrooms als Plattformen für Networking und Markenerlebnisse.

Actiu Technology Park in Castalla