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Fundstück: Hans Lensvelt im Prototypen des "AVL Lazy Modernist"

Frucht der Faulheit

Hans Lensvelt hat ihn bei einem Workshop des Ateliers van Lieshout entdeckt. Nun wird er produziert: Der „AVL Lazy Modernist“ ist ein Ruhesessel und durchaus modern.
von Thomas Wagner | 11.08.2017

Die Geschichte ist voll von zufälligen Begegnungen und Funden auf den Müllhalden des Fortschritts. Was aus nicht selten unklaren, zweifelhaften und oft ebenfalls zufallsbedingten Gründen ausrangiert wurde, hat – das Recycling macht es vor – sein Potenzial längst nicht erschöpft. Es taugt allemal noch dazu, dass sich an ihm neue Ideen entzünden. 

Sicher, die Zeiten sind lange vorbei, als man beim Sperrmüll noch Designklassiker finden konnte. Doch als der Unternehmer Hans Lensvelt bei einem Workshop des Ateliers van Lieshout (AVL) in Rotterdam einen umgestalteten Ruhesessel entdeckte, ging ihm ein Licht auf: Wozu eigentlich all der Aufwand, immer neue Stühle und Sessel zu gestalten, wo es in den Wohlfühlzonen der Industrieländer doch schon genug von allem gibt? 

Und so hat die Faulheit wieder einmal gesiegt. Deren Anteil an der Moderne sollten ohnehin nicht unterschätzt werden. Hatte hier einer – typisch Joep van Lieshout, werden einige sagen – doch die Mechanik eines alten Ruhesessels gerettet und mit einfach geschnittenen neuen Postern versehen. Das Ganze ist funktional, sämtliche Teile der Konstruktion sind sichtbar, jede Art von Zierrat überflüssig. Das nennt man wohl modern. 

Hans Lensvelt und Joep van Lieshout sind immer für eine Überraschung gut. Deshalb gibt es jetzt den "AVL Lazy Modernist". Für all jene, für die Faulheit eine Tugend, die Moderne eine Fundgrube, die Mechanik des Fortschritts simpel  und ein fauler Modernist dann besonders modern ist, wenn er in Ruhe auf Ideen kommt. 

Joep van Lieshout mit seinem Sessel
Entspannte Tester im Showroom von Lensvelt in Amsterdam
Sämtliche Positionen zwischen Sitzen und Liegen sind möglich.
Auch farblich bleibt der "AVL Lazy Modernist" unaufgeregt.