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bf-preis
Nachwachsende Designkritik

Nachdenken ausdrücklich erwünscht: In Berlin wird zum siebten Mal der Wilhelm Braun-Feldweg-Förderpreis für designkritische Texte verliehen.
02.01.2017

Nicht, dass wir an Designkritik genug hätten. Im Gegenteil. Design in all seinen Spielarten prägt zwar mehr denn je unsere global von Konsum geprägte Welt; Texte, die Gestalten und Gestaltetes nicht nur vom Standpunkt der Werbung, des Marketing oder der Public Relations aus betrachten, aber sind nach wie vor Mangelware. Wo, so fragt man sich oft, sollen sie auch herkommen? Wo haben sie eine Chance, publiziert zu werden? Wo werden junge Autorinnen und Autoren ermuntert und gefördert, sich kritisch mit Design in all seinen Erscheinungsformen auseinanderzusetzen?

Umso verdienstvoller erscheint der Wilhelm Braun-Feldweg-Förderpreis für designkritische Texte (bf-preis), der bereits zum siebten Mal vergeben wird. Was es über die Designbranche und ihre Institutionen aussagt, dass dieser der einzige Preis im deutschsprachigen Raum ist, der zu einer Beschäftigung mit dem Thema Design in Textform aufruft, mag sich jeder selbst ausmalen.

Benannt ist der Preis nach dem Gestalter, Autor und Hochschullehrer Wilhelm Braun-Feldweg (1908 bis 1998), der nicht nur maßgeblich zur Anerkennung des deutschen Industriedesigns nach 1945 beigetragen, sondern auch dessen Rolle in modernen Gesellschaften immer wieder kritisch hinterfragt hat. Dementsprechend möchte auch der 2003 erstmals ausgelobte Förderpreis deutlich machen, dass eine theoretische und kritische Auseinandersetzung mit dem eigenen Tun integraler Bestandteil eines künstlerischen Gestaltungsprozesses ist.

Angesprochen werden dabei Studierende und Absolventen sämtlicher Designstudiengänge, vom Industrie-, Produkt- und Kommunikationsdesign bis zum Modedesign. Entwickelt, gefördert und öffentlich sichtbar werden soll die Reflexions- und Kommunikationsfähigkeit von Designstudierenden.

Das Thema des Preisträgertextes wird dabei seit einigen Jahren von einem renommierten Mentor interpretiert und erscheint als Beitrag in der Publikation. Als Mentoren gewirkt haben seit 2006 François Burkhardt, Bazon Brock, Ruedi Baur und Lucas Verweij.

Mentor des „bf-preises 2016“ ist der Kommunikationsdesigner, Schriftgestalter, Buchautor und Agenturgründer Erik Spiekermann. Ausgezeichnet wurde für 2016 die Arbeit „Ästhetik der Zensur“ von Marion Kliesch, einer Absolventin der Universität der Künste Berlin, die verschiedene Formen offener und latenter Bild-Zensur im Internet und deren ästhetische Wirkungen untersucht.

Mit einem Vorwort von Erik Spiekermann erscheint ihr Text im Januar 2017 im niggli Verlag in der Reihe „Designkritische Texte“.

Ausgewählt wurde der Preisträgertext von einer hochkarätig besetzten Jury aus 49 eingereichten Arbeiten. Der Jury gehörten an: Werner Aisslinger, Anna Berkenbusch, Egon Chemaitis, Thomas Edelmann und Florian Hufnagl.

Eine Anerkennung erhalten die Arbeiten „Les horribles Cernettes“ von Lea Schmidt, Zürich und „Das Leben nach dem Senf“ von Sabine Lachnit, Essen. (tw)


Preisverleihung:
Donnerstag, 19. Januar 2017, 19 Uhr
Denkerei, Oranienplatz 2, Berlin.

Es sprechen:
Anna Berkenbusch, Mitglied der Jury
Erik Spiekermann, Mentor bf-preis 2016
Gesche Joost, Internetbotschafterin der Bundesregierung für die EU-Kommission
Moderation: Egon Chemaitis

Die ausgezeichnete Arbeit:


Ästhetik der Zensur
Von Marion Alina Kliesch
Deutsch, 176 Seiten, 35 Illustrationen, Softcover
erscheint Ende Januar 2017 im Niggli Verlag, Salenstein, Schweiz

www.niggli.ch

Nach der Jurysitzung: Thomas Edelmann, Egon Chemaitis, Anna Berkenbusch, Florian Hufnagl, Benita Braun-Feldweg, Werner Aisslinger und Cornelia Dittrich (von links nach rechts).