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Die Regeln gestalten

Mit "Matter" stellen Ege Carpets und Snøhetta eine gewebte Kollektion vor, die digitale Prozesse, textile Materialität und räumliche Wirkung in Beziehung setzt. Statt von Mustern wird die Oberfläche von Struktur, Variation und Tiefe geprägt.
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Der gestalterische Ansatz für "Matter" zeigt die Übersetzung komplexer Zusammenhänge in eine textile Form: Ausgangspunkt der neuen Kollektion des norwegischen Architektur- und Designstudios Snøhetta mit Ege Carpets ist die Beobachtung, dass Ordnung heute kaum noch als stabiler Referenzrahmen funktioniert. Systeme überlagern sich, Abhängigkeiten werden verschoben, Wandel wird zum dauerhaften Zustand. Umweltkrisen, digitale Vernetzung und eine stetig wachsende Informationsdichte beeinflussen nicht nur soziale Prozesse, sondern auch die Wahrnehmung von Raum. Diese Vielschichtigkeit bildete den konzeptionellen Hintergrund für die Entwicklung von "Matter". Verantwortet wurde die Kollektion von Marius Myking, Leiter Product Design bei Snøhetta, der seit 2017 den Produktbereich innerhalb des international tätigen Studios ausbaut. Seine Arbeitsweise verbindet architektonisches Denken mit einem ausgeprägten Verständnis für Material und Konstruktion, geprägt durch Erfahrungen im Handwerk ebenso wie im Industrie- und Architekturkontext.

Für den Entwurfsprozess wurden generative Verfahren gewählt, die auf klar definierten Parametern beruhen und Variation innerhalb festgelegter Grenzen ermöglichen. "Bei Matter wurde Technologie nie als Ästhetik an sich betrachtet, sondern als Mittel, komplexe gegenwärtige Bedingungen in einen haptischen und räumlichen Ausdruck zu übersetzen", erläutert Myking. Und fügt an: "Farbe, Rhythmus, Dichte und Struktur sind sorgfältig festgelegt, während der generative Prozess Variation innerhalb dieser Grenzen ermöglicht." Diese kontrollierte Offenheit ist entscheidend für die Wirkung der Oberflächen. Angestrebt wurde eine textile Fläche, die eine innere Dynamik besitzt, ohne ihre gestalterische Kohärenz zu verlieren. 

Das dänische Unternehmen Ege Carpets brachte die Webtechnologie wie eine langjährige textile Erfahrung in den Prozess ein und übersetzte die digitalen Strukturen gemeinsam mit Snøhetta in textile Konstruktionen. Die Umsetzung erfolgte im Mikromaßstab, mit Blick auf die Wirkung im architektonischen Raum. Das Zusammenspiel von Kette und Schuss erzeugt somit Tiefe, Textur und eine differenzierte Farbigkeit, die sich je nach Lichteinfall und Perspektive verändert. Die Oberfläche bleibt indes ruhig, weist jedoch eine feine innere Differenzierung auf. Für den harmonischen Wechsel von gestalterischer Idee und technischer Umsetzung spielte die enge Zusammenarbeit eine zentrale Rolle: "Der Austausch mit Ege Carpets war essenziell. Das Projekt entwickelte sich durch einen engen Dialog zwischen gestalterischem Anspruch und textilem Fachwissen", so Myking. Dieser Prozess habe die Kollektion präzisiert und geerdet. "Es wurde keine fertige Idee umgesetzt, sondern ein Projekt im gemeinsamen Prozess geformt." 

In diesem Kontext wurde auch die Frage nach der Langlebigkeit breiter gefasst: "Nachhaltigkeit beginnt nicht bei der Materialauswahl, sondern am Anfang des Prozesses", so Myking. Entscheidend sei, wie ein Produkt konzipiert, weiterentwickelt, produziert und über längere Zeit genutzt werde. Sie beziehe sich sowohl auf technische Eigenschaften als auch auf räumliche und emotionale Aspekte. Eine textile Oberfläche müsse relevant bleiben und sich unterschiedlichen Kontexten anpassen können. Gestalterisch umfasst "Matter" zwei gewebte Konstruktionen mit unterschiedlichem tonalem Charakter: Während die Variante in Beige- und Grautönen ruhig und zurückhaltend angelegt ist, verleihen Blau- und Grüntöne dem Gewebe mehr Tiefe. Beide Konstruktionen sind in 18 Farbvarianten erhältlich. Aufgefächert als Teppichfliese, Bahnenware oder individuell konfektionierter Teppich können diese in unterschiedliche architektonische Zusammenhänge integriert werden. 

Über das Produkt hinaus verweist der Entwicklungsansatz von Snøhetta auf eine grundsätzliche Haltung: "Matter" steht für eine Methode, nicht für einen Stil. Gestaltet wird die Art, wie das Produkt entsteht. Generative Verfahren seien laut Marius Myking dabei als Erweiterung des gestalterischen Instrumentariums zu verstehen, die das gestalterische Urteilsvermögen erweitern, aber nicht ersetzen sollen. Für "Matter" wurde das generative Design als Werkzeug genutzt, um eine textile Oberfläche zu schaffen, bei der Ordnung sich im Zusammenspiel von Struktur, Material und Raum ausbildet. 

Der Ansatz zeigt ein umfassenderes Verständnis dessen, was Design sein kann, erläutert Myking: "Zunehmend besteht die Rolle nicht nur darin, Endergebnisse zu entwerfen, sondern die Wege, Regeln und Beziehungen zu gestalten, die diese entstehen lassen. In diesem Sinne wird das Gerüst genauso wichtig wie die Form. Das eröffnet neue Möglichkeiten, mit Variation, Atmosphäre und Tiefe sowohl in der Textil- als auch in der Architekturarbeit umzugehen".

"Matter" von Ege Carpets & Snøhetta

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