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Der Architekt und Designer Antonio Citterio hat bereits drei Kollektionen für die Marke Axor von Hansgrohe entworfen. Foto © Axor/Hansgrohe
Eine Suche nach Klarheit und Einfachheit
Im Gespräch:

Antonio Citterio


16.02.2015

Thomas Edelmann: Ihre Entwürfe, sowohl in der Architektur, bei Möbeln wie im Produktdesign sind bekannt für ihre ruhige elegante und verständliche Ausstrahlung. Worin bestanden die ersten Entwurfschritte bei einem neuen Projekt wie „Axor Citterio E“?

Antonio Citterio: Wer im Designberuf tätig ist hat eine persönliche stilistische Handschrift. Für mich war es schwierig, eine zu definieren. Man könnte auch sagen: Ich habe es vorgezogen, keine zu haben. Ich konzentriere mich stets auf eine Methode, nicht auf einen Stil. Im Fall der „Citterio E“-Kollektion für Axor wollten wir ein Produkt mit einer zeitlosen und eleganten Erscheinung schaffen, das sich im Gebrauch so intuitiv wie möglich erschließt. Klienten sehe ich eher als Partner, denn als Auftraggeber: Üblicherweise ziehe ich es vor, mit Menschen zu arbeiten, die meine Vision und meine Designsprache teilen. Zusammen mit ihnen übernehme ich die Risiken, die mit einem bestimmten Projekt verbunden sind. So auch für Hansgrohe. Die „Citterio E“-Kollektion ist das Ergebnis unserer jüngsten Zusammenarbeit: Die Produkte der Serie kennzeichnet flexible Einsatzmöglichkeiten, sowie eine besondere Einfachheit der Nutzung. Zudem bereitet es Freude, sie zu berühren.

Betrachtet man die Liste der Unternehmen, mit denen Sie zusammenarbeiten, fällt auf, dass Sie eine – über Jahrzehnte währende – starke Beziehung zu den meisten Kunden pflegen. Wie erreicht man so etwas?

Die Verwandlung einer Idee, einer Intuition in einem Projekt und einem Produkt hängt meiner Auffassung nach sehr eng mit der Alchemie der Beziehung zwischen Architekt oder Designer und Klient zusammen. Ich wähle daher Menschen als Klienten aus, die meine Vision und meine gestalterische Sprache teilen. Und indem sie erleben, wie ich mich an den Risiken eines jeden Projektes beteilige, demonstriere ich mein großes Vertrauen in sie. Dadurch werden auch sie ermutigt, mir Aufgaben unterschiedlicher Art anzuvertrauen.

Gibt es dabei Unterschiede – je nach dem, ob Sie Möbel für Wohnräume, Produkte fürs Büro oder solche fürs Bad entwerfen?

So wie sich meine Karriere entwickelt hat, basiert sie wohl auf der Mischung zwischen dem konzeptuellen Ansatz des Architekten und der Kreativität des Industrial Designers. Wenn ich die Arbeit an einem neuen Produkt beginne, beispielsweise ein Bad oder ein Büromöbel, dann visualisiere ich zunächst dessen Umgebung entlang menschlicher Bedürfnisse und Lebensstile. Wenn ich Produkte entwerfe, suche ich stets nach Klarheit und Einfachheit. Deshalb weiß man bei diesen Dingen sofort, wie man sie nutzen kann.

Ihre erste Armaturen Serie „Axor Citterio“ wurde 2003 präsentiert und war sehr geometrisch. Die zweite Kollektion mit weicheren Formen – „Axor Citterio M“ – kam 2006 auf den Markt. Nun wurde „Axor Citterio E“ vorgestellt. Was ist die wesentliche Idee dahinter?

Die ursprüngliche „Citterio“-Range, die erste, die für Axor entstand, vermittelte eine minimalistische Erscheinung, die sich aus der Verwendung flacher Oberflächen und präziser Kanten ergab. Die folgende Kollektion „Citterio M“, kennzeichnete ein eher „organischer“ Ansatz – mit der Einführung fein abgestimmter, gekurvter Oberflächen. Die neue Serie „Citterio E“ nimmt Bezug auf beide Entwürfe: Hier finden wir sowohl die flache Ebene an der äußeren Oberfläche wie auch das gekurvte Profil an der Innenseite des Mixers. Wir haben versucht, die richtige Balance zu erreichen. Das führte zu einem Design, das zugleich weich und schlank ist.

Gibt es ein Spannungsverhältnis zwischen der Absicht ein Produkt langlebig zu machen und der Idee, es zugleich so zeitgenössisch wie möglich erscheinen zu lassen?

Ich entwerfe Produkte, die ich persönlich im täglichen Leben vermisse oder solche, deren Leistung verbessert werden kann. Das kann etwa durch die Lösung technischer Probleme geschehen. Zugleich versuche ich stets das Verhältnis aus Qualität, Produktionskosten und Stückpreis zu optimieren. Unsere Herausforderung besteht darin, „zeitlose“ Produkte mit dauerhafter Qualität zu gestalten – mit dem gleichen Ansatz, wie er in der Architektur genutzt werden sollte.

Sie haben gesagt, „Axor Citterio E“ sei ein Beispiel für „einfachen Luxus“. Was bedeutet das für Sie?

Ich denke, heute bedeutet „Luxus“ Lebensqualität: Beispielsweise verbringen Sie morgens Zeit im Bad und hören Musik während Sie duschen. Oder Sie lesen das Buch Ihres Lieblingsautors und liegen dabei in Ihrem Haus auf einem sehr komfortablen Sofa. Es bedeutet, umgeben zu sein von Objekten, die Sie mögen und die dem Zweck entsprechen, für den Sie sie gekauft haben.

Charakteristisch für die Axor Citterio E Produkte ist das Spannungsverhältnis von weichen Formen und präzisen Kanten und Flächen, die Eleganz und Hochwertigkeit ausstrahlen.
Skizze © Antonio Citterio
Als ausgeprägtes Designmerkmal ziehen sich schlanke, abgerundete Armaturengriffe durch die gesamte Kollektion. Foto © Axor/Hansgrohe
Die unterschiedlichen Griff-Designs der Thermostat-Module helfen dem Nutzer ihre Funktionen zu erfassen: Der Kreuzgriff signalisiert die Regulierung der Wassermenge, der zylindrische Thermostatgriff die Temperatureinstellung. Foto © Axor/Hansgrohe
Die Einhebelarmatur kommt mit einem modernen, hochaufragenden Joystick. Foto © Axor/Hansgrohe
Die Dreiloch-Armaturen wurde mit einem klassischen Kreuzgriff gestaltet. Foto © Axor/Hansgrohe
Neben der Gold-Optik stellt die Axor Manufaktur die Sonderoberflächen Rot-Gold, Nickel, Bronze, Black Chrome und Chrom her. Foto © Axor/Hansgrohe
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Die Oberflächen sind jeweils in einer polierten und in einer gebürsteten Ausführung erhältlich. Foto © Axor/Hansgrohe
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Zusammen ergeben die 37 Einzelelemente der Kollektion eine harmonische, einladende Optik, die vielseitige Einsatzmöglichkeiten in unterschiedlichsten Stilwelten erlaubt – von der Jugendstilvilla bis hin zum modernen Stadtappartement. Foto © Axor/Hansgrohe
Foto © Axor/Hansgrohe

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