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Georg Bechter

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Erfindergeist und Feingefühl

Georg Bechter Licht ist auf die Entwicklung wie Herstellung architekturaffiner Beleuchtungslösungen spezialisiert und testet dafür eindrucksvoll die Grenzen der technischen Machbarkeit aus. Warum ihm eine regionale Wertschöpfung und die Erhaltung des Handwerks wichtig sind, sagt der Tischler, Architekt und Lichtdesigner Georg Bechter den HerausgeberInnen von Stylepark beim Besuch in Hittisau.

Franziska von Schumann: Georg Bechter Licht steht für minimalistische Lichtlösungen. Wie kam es dazu und wie ist dein persönlicher Zugang zu dem Thema Licht?

Georg Bechter: Ich komme ganz klassisch aus dem Handwerk. Dort habe ich recht früh gemerkt, dass das rein Konstruktive irgendwann an seine Grenzen stößt. Ich konnte bauen, technisch denken, Details lösen, aber mir fehlte das Gestalterische. Deshalb habe ich mir die Akademie in Stuttgart bewusst ausgesucht. Das Technische hatte ich im Griff, eine Altbausanierung für meine Schwester habe ich schon neben dem Abitur realisiert. Aber Architektur ist mehr als Konstruktion. Ich habe immer entworfen – Möbel, Objekte, Konzepte –, aber vieles davon blieb experimentell. Zum Thema Licht bin ich eher zufällig gekommen, durch die Umgebung im Bregenzerwald, durch den Werkraum und Wettbewerbe wie Handwerk + Form. Das war für mich eine Experimentierplattform. Dort ist meine erste Leuchte entstanden.

Franziska von Schumann: Hast du in dieser Zeit Produkte vermisst und deswegen entschieden, diese selber zu entwickeln?

Georg Bechter: Ich habe immer wieder Produkte entworfen, aber oft waren es eher Gedankenexperimente. Rückblickend weiß ich auch, warum vieles davon nicht marktfähig war. Bei der Leuchte war es anders, da habe ich sofort gedacht: die muss es geben. Als Architekt oder Designer sucht man dann Hersteller, um die Idee zu realisieren, allerdings war das mitten in der Wirtschaftskrise 2008/09. Die Gespräche gestalteten sich schwierig. Nach mehreren Verhandlungsrunden habe ich dann beschlossen, die Produktion selbst aufzubauen. Ich hatte ein paar Maschinen im Keller meiner Eltern zur Verfügung, später eine alte Scheune. Ganz klassisch: ausprobieren, scheitern, verbessern. Am Anfang denkt man, das Produzieren reicht, Bis dann der Zeitpunkt kommt, an dem klar wird das auch das Kommunizieren, die Erklärung und der Verkauf dazugehören. Diese Lernkurve war steil, aber genau daraus ist das Unternehmen gewachsen.

Georg Bechter im Gespräch mit den HerausgeberInnen von Stylepark

Robert Volhard: Wie prägt Licht die Wahrnehmung von Architektur?

Georg Bechter: Am Anfang war mein Zugang stark formal: Maßstäblichkeit, Flächenbündigkeit, Rahmenlosigkeit. Das war ein architektonischer Ansatz, noch kein lichttechnischer. Erst später wurde mir klar, wie viel Fachwissen Licht erfordert – wie es Räume definiert, Oberflächen berührt und Atmosphäre schafft. Ich hatte das Glück, ein Team zu haben, das auf einem ähnlichen Punkt war wie ich, neugierig, offen und bereit gemeinsam zu lernen. Licht ist schwer zu beschreiben. Man spricht oft von Atmosphäre, aber das greift eigentlich zu kurz. Die Verbindung zum Licht ist zudem tief im Menschen verankert: Zum Beispiel ist das rötliche Licht am Abend kennen wir vom Sonnenuntergang, vom Feuer. Es vermittelt Sicherheit. Diese Wahrnehmung ist älter als jede Technologie.

Franziska von Schumann: Wie wird sich Lichtplanung und auch die Produktentwicklung in den nächsten Jahren deiner Meinung nach verändern? Was sind die Herausforderungen?

Georg Bechter: Unsere Produktentwicklung war immer primär marktunabhängig. Sie ist aus Neugier entstanden. Ich komme aus der Architektur, nicht aus der klassischen Lichtindustrie, und das war ein großer Vorteil. Wir haben uns immer gefragt: Was fehlt? Was interessiert uns? Daraus sind Produkte entstanden. Darum ist es mir egal, ob es eine KI gibt oder nicht. Natürlich wird es die Lichtbranche verändern, denn neue Technologien eröffnen neue Möglichkeiten. Aber das Phänomen Licht bleibt gleich: Es erfüllt eine Sehaufgabe und gestaltet Räume, solange es die Erde gibt. 

"Unsere Leuchten sind bewusst sehr reduziert aufgebaut und kommen mit wenigen, kleinen Bauteilen aus. Gerade im Altbau oder bei Sanierungen ist das ein großer Vorteil, weil wenig Aufbauhöhe nötig ist und flexibel auf bestehende Strukturen reagiert werden kann. Zusätzlich sind die Produkte dank ihrer reduzierten Form auch ideal im Denkmalschutz.", so Georg Bechter.
Für den Bewegungs- und Tageslichtsensor "VISO 28" wurde Georg Bechter Licht mit dem Designplus Award by Light + Building ausgezeichnet, den Stylepark mit auslobt.

Robert Volhard: Eure Produktpalette hat sich stark entwickelt. Wo geht die Reise hin?

Georg Bechter: Ein wesentlicher Aspekt ist Nachhaltigkeit – und die Frage, wie wir Georg Bechter Licht in der Gesellschaft positionieren. Für uns bedeutet das auch, nicht jedes Jahr eine neue Leuchte auf den Markt zu bringen. Stattdessen feiern wir das zehnjährige Bestehen eines Produkts. Unser Anspruch ist es, Leuchten zurückzunehmen und weiterzuentwickeln, statt sie zu ersetzen. Und da sind wir relativ gut unterwegs.

Franziska von Schumann: Inwieweit ist euer Ansatz darüber hinaus nachhaltig? 

Georg Bechter: Nachhaltigkeit ist ein sehr komplexer Aspekt, der häufig überstrapaziert wird. Für mich ist eine der größten Formen von Nachhaltigkeit die Schönheit: wenn einem etwas so gefällt, dass man es nicht mehr hergeben will. Zertifizierungen sind für uns weniger ein Marketinginstrument als die Bestätigung unseres Weges. Umso interessanter war für uns, dass wir unsere bestehenden Produkte Cradle‑to‑Cradle‑zertifizieren lassen konnten, ohne sie zu verändern und die Auszeichnung Gold erreicht haben. Das hat uns gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. 

Franziska von Schumann: Werden die Produkte von Georg Bechter Licht vor allem im Neubau eingesetzt, oder eignen sie sich ebenso für den Einsatz im Altbau beziehungsweise den immer relevanter werdenden Sanierungen im Bestand?

Georg Bechter: Absolut, ja – und sie sind sogar ideal dafür. Unsere Leuchten sind bewusst sehr reduziert aufgebaut und kommen mit wenigen, kleinen Bauteilen aus. Gerade im Altbau oder bei Sanierungen ist das ein großer Vorteil, weil wenig Aufbauhöhe nötig ist und flexibel auf bestehende Strukturen reagiert werden kann. Zusätzlich sind die Produkte dank ihrer reduzierten Form auch ideal im Denkmalschutz.

"Das Herz des Unternehmens ist die Neuschöpfung und das Tüfteln", so Georg Bechter.

Robert Volhard: Auf der diesjährigen Light + Building habt ihr für den neuen Bewegungs- und Tageslichtsensor "VISO 28" den Designplus Award gewonnen, der seitens der Messe Frankfurt in Kooperation mit dem Stylepark Magazin verliehen wird. Welche Bedeutung hat dieser Designpreis für euch? Und wie wichtig sind Fachmessen aus eurer Sicht generell?

Georg Bechter: Die Bedeutung der Auszeichnung ist groß, denn wir schalten keine klassische Werbung. Wir investieren Zeit und Geld in Innovation. Preise sind daher für uns eine Form der Kommunikation. Wenn eine unabhängige Jury sagt: "Das ist gut" ersetzt das für uns viele andere Marketingmaßnahmen. Fachmessen sind als Präsentationsplattform sehr wichtig. Gerade in Zeiten von KI, in denen digitale Bildwelten und Realität immer mehr verschwimmen, wird die physische Präsenz und Erlebbarkeit immer wichtiger. Zudem bieten sie uns alle zwei Jahre einen enormen Innovationsschub, denn wir wollen, das unsere Produkte zum Zeitpunkt der Messe nicht nur fotografiert, sondern getestet und in der Woche drauf auch lieferfähig sind. 

Franziska von Schumann: In welche Richtung soll sich Georg Bechter Licht in Zukunft entwickeln?

Georg Bechter: Die entscheidende Frage ist nicht, wie groß wir werden, sondern wie wir innovativ bleiben. Wachstum ist ein Nebenergebnis von Innovation und Kultur. Das ist eine Herausforderung. Das Herz des Unternehmens ist die Neuschöpfung und das Tüfteln. Für mich ist der Erfolg das Ergebnis guter Arbeit. Mir geht es um Verantwortung, Nachhaltigkeit und gute Arbeitsplätze. Täglich gute Arbeit machen ist viel wichtiger. 

Robert Volhard: Das ist ein sehr schöner Schlusssatz.