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NACHHALTIGKEIT
Eine gemeinsame Sprache

Das niederländische Architekturbüro MVRDV stellt mit "CarbonSpace" eine open-source Software zur kostenlosen öffentlichen Nutzung bereit. Mit dieser soll der gebundene Kohlenstoff bereits ab dem ersten Schritt des Entwurfsprozesses reduziert werden.

MVRDV hat die Software "CarbonSpace" für DesignerInnen entwickelt und stellt die Beta-Version aktuell kostenfrei zur Verfügung: Anstatt sich auf detaillierte CO2-Berechnungen in einer späten Phase des Prozesses zu konzentrieren, ist das Werkzeug so konzipiert, dass es bereits ab der ersten Skizze eingesetzt werden kann und anhand von groben Eingabedaten oder einfachen Faustregeln sofortiges Feedback zu den CO2-Auswirkungen von Entwurfsentscheidungen gibt. "CarbonSpace allein wird die Klimakrise nicht lösen. Aber es wird ArchitektInnen helfen, von Anfang an mit CO2 zu planen und fundierte Entscheidungen zu treffen", sagt Sanne van der Burgh, Leiterin von MVRDV NEXT. "Wir möchten DesignerInnen das Selbstvertrauen geben, zu handeln, ohne auf perfekte Daten zu warten. Noch wichtiger ist, dass wir eine gemeinsame Sprache dafür schaffen wollen, damit wir zusammenarbeiten, voneinander lernen und als Branche bessere Entscheidungen treffen können."

"CarbonSpace" verknüpft Mengeneingaben wie Boden- und Fassadenflächen oder das Volumen des Fundaments eines Gebäudes mit einer optimierten, international repräsentativen Kohlenstoffdatenbank, die auf einer vereinfachten Version der von der deutschen Bundesregierung gepflegten Open-Source-Datenbank Ökobaudat basiert. Das Tool enthält außerdem voreingestellte Bibliotheken mit gängigen Komponenten, Materialien und Detailkonstruktionen, die eine schnellere Schätzung für eine Vielzahl von Projektarten ermöglichen. Mit diesem Ansatz hilft CarbonSpace Designteams zu verstehen, wie sich verschiedene Systeme, Strukturen und Materialien auf den CO2-Fußabdruck eines Projekts auswirken. Bei MVRDV hat dieser Prozess bereits zu einer Fokussierung auf Leichtbaukonstruktionen als primären Faktor für den CO2-Fußabdruck geführt. Außerdem konnte MVRDV damit Projekte durch die Entwurfsphase steuern und Alarm schlagen, wenn die ursprünglichen Nachhaltigkeitsziele des Entwurfs durch eine Reihe von Kompromissen gefährdet waren.

Dank einer offen zugänglichen Programmierschnittstelle können NutzerInnen die Leistungsfähigkeit der aktuellen Beta-Version von CarbonSpace weiter steigern. Diese ermöglicht es, die Software mit Rhino oder Revit zu verbinden sowie Daten an das Power BI-Tool von Microsoft zu übermitteln, um Datenvisualisierungen zu erstellen. Im Fall von MVRDV wurde die letztgenannte Funktion genutzt, um ein Dashboard zu erstellen, das die CO2-Emissionen aller Projekte des Unternehmens vergleicht und den Fortschritt des gesamten Portfolios in Richtung der Klimaziele für 2030 verfolgt. Auf ähnliche Weise können andere BenutzerInnen ihre eigenen Dashboards erstellen, die den spezifischen Anforderungen ihrer Organisation entsprechen.

Entwickelt wurde die Software von der Forschungs- und Entwicklungsabteilung MVRDV NEXT in Zusammenarbeit mit Studio AvW. Nach dem Launch wird die Software in Zusammenarbeit mit dem Council on Tall Buildings and Urban Habitat (CTBUH) genutzt, um Gebäudedaten auszutauschen und Projekte in der
Hochhausbranche zu vergleichen. "Unsere Zusammenarbeit mit MVRDV NEXT ermöglicht es uns, durch kritische Forschung und die Verbreitung bahnbrechender Innovationen die Zukunft der nachhaltigen Stadtentwicklung mitzugestalten", so Shonn Mills, Vorsitzender des CTBUH. Und weiter: "Als Teil unseres Nachhaltigkeitsinitiativprogramms 2026 wird CarbonSpace dazu beitragen, ein gemeinschaftliches Dashboard zu schaffen, auf dem Fachleute, Wissenschaftler und Branchenführer zusammenkommen, um Gebäudedaten auszutauschen und ihre Projekte mit innovativen Praktiken in der Hochhausbranche zu vergleichen."

CarbonSpace entspricht laut einer Pressemeldung von MVRDV den Bestimmungen der DSGVO. Weder MVRDV noch andere NutzerInnen haben demnach Zugriff auf Daten oder Entwurfsinformationen.