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STYLEPARK PEDRALI
Freiraum für neue Wege

Die Outdoor-Möbelkollektion "Fibra" für Pedrali wurde von AMDL CIRCLE nach der erfolgreichen architektonischen Zusammenarbeit für den Pedrali-Pavillon entworfen. Emanuele Novembre, Andrea Borgogni und Alberto Nason vom Studio geben uns einen Einblick in den Entstehungsprozess.

Anna Moldenhauer: Mit welcher Grundidee sind Sie an dieses Projekt herangegangen?

Andrea Borgogni: Ausgangspunkt war der Entwurf einer Tagesbett-Kollektion mit passenden Tischen. Wir wollten mit Holz arbeiten, da es sich um ein warmes und natürliches Material handelt, das ein hohes Maß an Komfort vermittelt. Gleichzeitig sollte es mit Aluminium und verschiedenen anderen Komponenten kombiniert werden. So ist ein hochkomplexes Objekt entstanden, das äußerlich dennoch sehr schlicht wirkt. Die größte Herausforderung bestand darin, die Beine aus Teakholz mit der tragenden Aluminiumkonstruktion zu vereinen, um ein langlebiges Produkt zu schaffen. Bei der Gestaltung eines Stuhls beispielsweise sind die Hauptbelastungspunkte offensichtlich. In diesem Fall war die Situation jedoch völlig anders. Dank der Offenheit von Pedrali für neue Ideen und unseres gemeinsamen Entwicklungsprozesses konnten wir ein Produkt schaffen, das unsere Erwartungen voll und ganz erfüllte. Dazu gehörte auch die Möglichkeit, "Fibra" jederzeit zu erweitern, beispielsweise mit zusätzlichen Tischen oder weiteren Elementen aus der Kollektion. Es ist uns stets ein Anliegen, ein Gleichgewicht zwischen Komplexität, Einfachheit und Erweiterbarkeit zu finden.

Möchten Sie noch etwas ergänzen?

Emanuele Novembre: Ja. Wir leben in einer Zeit, in der alles sehr schnelllebig geworden ist. Als Pedrali uns bat, ein Produkt zu entwerfen, das sich mit dem Konzept des Entschleunigens auseinandersetzt, fanden wir das zunächst herausfordernd. Das Objekt musste technologisch ausgefeilt sein, aber gleichzeitig Leichtigkeit und Einfachheit ausstrahlen. Unser Ziel war es, komplexe Prozesse zu vereinfachen, um etwas zu schaffen, das intuitiv funktioniert, ähnlich wie der menschliche Körper. Mit einem Aluminiumrahmen und Stiften aus Teakholz wollten wir genau diese Leichtigkeit und Ruhe vermitteln. Für uns schließt sich damit der Kreis zwischen Herausforderung und Ergebnis. Was dieses Projekt besonders wunderbar machte, war die intensive Teamarbeit, sowohl innerhalb unseres Studios als auch mit dem Pedrali-Team. Von Anfang an zeigten sie uns die technischen Möglichkeiten auf und waren bereit, weiter zu gehen als bei einem herkömmlichen Projekt. Sie ermöglichten Extrusionen und neue Formen und gaben uns so die Mittel an die Hand, das Projekt mit großer Detailtreue und Präzision umzusetzen. Wir haben diesen Prozess sehr genossen. Das Ergebnis sind die ersten Stücke einer Kollektion, von der wir wirklich beeindruckt sind.

AMDL CIRCLE ist dafür bekannt, Konventionen in Frage zu stellen. Sie haben die Rollen der Materialien vertauscht: Was normalerweise aus Metall ist, besteht hier aus Holz – und umgekehrt. Die Beine aus massivem Teakholz fügen sich somit in den Rahmen aus stranggepresstem Aluminium ein. Wie ist diese Idee entstanden?

Andrea Borgogni: Wir haben uns bewusst vorgenommen, den traditionellen Designprozess für solche Produkte in Frage zu stellen. Unser Ziel war es, eine neue Denkweise in den Designprozess einzubringen. Unsere Zusammenarbeit mit Pedrali war eine echte Teamleistung. Sie haben uns nie ausgebremst; sie sagten immer: "Vielleicht funktioniert es, vielleicht auch nicht. Probieren wir es einfach aus." Diese Offenheit gab uns die Freiheit, neue Wege zu erkunden. So haben wir beispielsweise die tragende Funktion von Aluminium mit Holz kombiniert und uns gefragt, ob das stabil genug sein würde. Durch diese Experimente, unterstützt durch hochmoderne Fertigungstechniken, haben wir entdeckt, dass es möglich war und dass sich dadurch neue, unerwartete Möglichkeiten eröffneten.

Alberto Nason: Wir haben auch viel Zeit in die Auswahl der Farben und Stoffe investiert. Unser Ziel war es, alle Möglichkeiten auszuloten und eine harmonische Farbpalette mit passenden Kontrasten zu entwickeln.

Wie genau sind Sie bei der Auswahl der Stoffe vorgegangen?

Alberto Nason: Zunächst haben wir die technischen Anforderungen definiert, dann verschiedene Stoffe recherchiert, Muster geprüft und schließlich die besten Textilien ausgewählt. Der Name "Fibra" bringt zudem die Essenz des Projekts auf den Punkt: Verbindungen. Die eigentliche Komplexität liegt in den Übergängen zwischen Holz, Metall und Textilien. Durch die Umkehrung der Materialien wird deutlich, dass Holz genauso stabil sein kann wie Metall. Alles greift ineinander und bildet ein harmonisches Ganzes.

Der Name "Fibra" bezieht sich also sowohl auf die Struktur als auch auf die Bedeutung der Materialien?

Emanuele Novembre: Genau. "Fibra", was auf Deutsch "Faser" bedeutet, steht nicht nur für die Textur, sondern auch für das Leben, das in dem Material steckt. Holz trägt Geschichte in sich, schafft eine Verbindung zwischen Objekt, Raum und Mensch und lebt weiter. Diese Verbindung wirkt sich auch beruhigend auf unseren Körper aus. Unsere Muskeln entspannen sich, wenn wir auf "Fibra" sitzen. Es geht darum, einen entspannten Seinszustand zu erreichen.

Auch die Verbindung zwischen Mensch und Natur spielt eine Rolle.

Emanuele Novembre: Immer. Wir sind Teil eines ewigen Kreislaufs.

Emanuele Novembre, Alberto Nason, Anna Moldenhauer und Andrea Borgogni (v.l.n.r.) am Stand von Pedrali während des Salone del Mobile

"Fibra" wirkt sehr wohnlich. Die Tagesbetten vermitteln das Gefühl einer Innenraumgestaltung. War diese Dualität von Anfang Ihre Intention?

Alberto Nason: Ja. Die Grenze zwischen Innen- und Außenbereichen verschwimmt zunehmend. Dank des technologischen Fortschritts werden die Materialien immer langlebiger.

Sie arbeiten sehr interdisziplinär und streben nach einer humanistischen, ganzheitlichen Vision. Wie wirkt sich das auf Ihr Möbeldesign aus?

Andrea Borgogni: Unsere Arbeit ist stark von Kunst, Architektur und Forschung geprägt. Diese Bereiche beeinflussen sich gegenseitig. Dieses Produkt vereint architektonische Elemente mit unserem Bestreben, ein Gefühl von Wärme und Verbundenheit mit der Natur zu schaffen – ganz ähnlich wie bei unseren Gebäuden. Für uns kann Architektur ein Objekt sein, und ein Objekt kann Architektur sein. Wir schöpfen aus der Essenz eines Ortes, um etwas Neues zu schaffen.

Anlässlich des 60-jährigen Jubiläums von Pedrali im Jahr 2023 entwarfen Sie den Holzpavillon, was den Beginn Ihrer Zusammenarbeit markierte. Der Pedrali-Pavillon, die Ausstellung "Pedrali60, we design a better future" – entworfen von AMDL CIRCLE und Michele De Lucchi, kuratiert vom Luca Molinari Studio – war ein voller Erfolg und wurde sogar für den renommierten Compasso d'Oro nominiert. Was macht diese Zusammenarbeit für Sie so besonders?

Emanuele Novembre: Die Verbindung zu Pedrali war von Anfang an sehr stark. Seit wir gemeinsam am Pedrali-Pavillon gearbeitet haben, ist klar, dass wir eine gemeinsame Vision teilen. Für uns ist es entscheidend, die Welt zu verstehen, in der wir arbeiten. Pedrali hat eine klare und doch sanfte Vorstellung davon, wonach sie streben. Das zeigt sich in ihrer Projektmethodik. Wir haben erkannt, dass wir beide an eine strahlende Zukunft glauben und eine klare Vorstellung davon haben. Uns verbindet auch unsere gemeinsame Leidenschaft für das Suchen nach dem Unerwarteten und wirklich Neuen, nicht nur in Bezug auf die Form. Die Form ist wichtig, aber ebenso wichtig ist der Wunsch, aus Neugier und Freude etwas Größeres zu erreichen. Wir müssen in einer Welt arbeiten, die sich rasend schnell verändert. Wir müssen uns mit ihr verändern. Genau das macht diese Zusammenarbeit so spannend und inspirierend.

Alberto Nason: Als wir die Fabrik besuchten, waren wir besonders von der umfassenden Automatisierung beeindruckt. Es herrscht ein klarer Wille, in die Zukunft zu investieren. Das ist entscheidend für das Endergebnis eines Produkts. Es ist wirklich bemerkenswert, wenn man einen Partner findet, der bereit ist zu investieren und an sein Unternehmen und seine Vision glaubt. Die Fabrikleitung ist äußerst zukunftsorientiert, und das spiegelt sich in der Qualität der Produkte wider.

Im Marketing wird oft das Schlagwort "zeitlos" verwendet. Was bedeutet das für Sie? Welche Eigenschaften sorgen Ihrer Meinung nach dafür, dass ein Design langfristig relevant bleibt?

Emanuele Novembre: Wir streben nach Perfektion, auch wenn wir wissen, dass wir sie nie ganz erreichen können. Die Welt verändert sich, ob wir nun dabei sind oder nicht. Unser Ziel ist es, uns mit ihr weiterzuentwickeln. Wir glauben nicht, dass Design jemals an Bedeutung verlieren wird. Solange wir uns weiterentwickeln, bleiben wir relevant.

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