Wie eine Schneewehe am Hang

„Bahnen und Berge haben alle. So etwas wie wir hat keiner.“ Recht hat er, der Betriebsleiter der Pitztaler Gletscherbahn Reinhold Streng. Im Wettbewerb um Touristen hat sich der Betreiber des Gletscherskigebiets etwas einfallen lassen. Auf einer Höhe von 3440 Meter thront die neue Bergstation der Wildspitzbahn – ein spektakulärer Entwurf der Architekten Baumschlager und Hutter.
Die Zahlen sprechen für sich. Mit rund zwanzig Millionen Euro stellt die neue Bahn samt Tal- und Bergstation die größte Investition der Pitztaler Gletscherbahn in den letzten Jahren dar. Mit 22 Stundenkilometer geht es bergauf. Gerade einmal sechs Minuten dauert die zwei Kilometer weite Fahrt mit der Einseilumlaufbahn zwischen der auf 2.840 Meter gelegenen unteren Station und Österreichs höchstgelegener Bergstation auf 3.440 Meter Höhe. 2.185 Personen können pro Stunde transportiert werden, womit sich die Förderleistung mehr als verdoppelt hat. Damit sollen Wartezeiten verkürzt werden, beziehungsweise erst gar nicht entstehen. Die Reise in Acht-Personen-Gondeln mit Sitzheizung und einer Gondelhöhe, die den Transport von Skiern und Snowboards in der Kabine erlaubt, wird mit einer Aussicht belohnt, die sonst nur Bergsteigern vergönnt ist. Auf den Besucher wartet ein atemberaubendes Panorama mit Blick auf eine Menge Dreitausender. Angeblich sind bei guter Sicht mehr als fünfzig Gipfel zu sehen.
Im Jahr 2009 beschloss die Pitztaler Gletscherbahnen GmbH die alte Bahn komplett zu erneuern und die Bergstation um ein Restaurant zu erweitern. Als Sieger des Architekturwettbewerbs ging das Büro von Baumschlager Hutter Partners hervor. „Die einzigartige Aussicht auf die Alpen war der Ausgangspunkt zu allen Überlegungen und zur Formensprache der Konstruktion“, erklärt Carlo Baumschlager. Die frei fließenden Formen beugen sich den Witterungsbedingungen und verneigen sich vor der Kraft der Natur. Wegen der frei schwebenden Terrasse des Restaurants, die neun Meter über den Abgrund auskragt, scheint der Baukörper gleichsam den Gipfel hinunterzurutschen. Eine abenteuerliche Entwurfsidee, die dem Bau einen einzigartigen Charakter verleiht. Doch die Auskragung hat auch einen ganz pragmatischen Grund. Das Café wurde überhängend gebaut, weil die Baufläche auf dem Gipfel einfach zu klein gewesen wäre. Auf einer gewagt geringen Aufstandsfläche von lediglich zweihundert Quadratmeter wurde so eine Nutzfläche von 1.200 Quadratmeter geschaffen.
Weitere Herausforderungen waren die exponierte Lage der Baustelle: extreme Höhenlage, steil abfallende Bergflanken, rabiate Sonneneinstrahlung, dünne Luft, unvorhersehbare und heftige Wetterumschläge mit plötzlichen Wintereinbrüchen mitten im Sommer. Zudem mussten die hohen Schneelasten und die in dieser Höhe enormen Windgeschwindigkeiten berücksichtigt werden, was die Statiker vor heikle und verantwortungsvolle Aufgaben stellte.
Hinzu kam die extrem schwierige Geometrie der Außenhüllen für die Berg- und Talstation. Die Verkleidungen der Gebäude sind Freiformflächen. Jedes einzelne Paneelblech hat eine individuelle Form, ist also ein Unikat. Alle Verkleidungsbleche wurden in den Frener & Reifer Werkstätten auf 3D-Basis passgenau, montagegerecht in Alu-Oberflächenoptik vorgefertigt.
Nun, wo alles geschafft ist, bietet Tirols höchster Gletscher mit der neuen Wildspitzbahn und dem höchsten Café der Ostalpen auch eine architektonische Attraktion – für Sommer- wie für Winterurlauber. Bei Kaffee und Kuchen aus der hauseigenen Konditorei kann, so das Wetter mitspielt, die grandiose Aussicht genossen werden.
www.frener-reifer.com
www.baumschlagerhutter.com
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