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Weniger Design, mehr Dekoration – so könnte man die aktuelle Ausgabe der „Maison&Objet“ zusammenfassen, die Anfang September im Ausstellungszentrum Villepinte im Norden von Paris stattfand. Der Schwerpunkt lag in den Hallen des „Parc des Expositions“ eindeutig auf Wohnaccessoires, Tischware, Textilien und Geschenkartikeln – womit die Messe zu ihren Ursprüngen zurückgekehrt ist, nach dem sie einige Jahre lang den Versuch unternommen hatte, ihre Ausrichtung als Konsumgütermesse durch die Präsentationen von Designprodukten und Möbeln zu erweitern.

Liebhaber zeitgenössischen Designs konnten sich auf „now! design à vivre“ in Halle 8 konzentrieren und die übrigen Hallen mit amüsant anmutenden Titeln wie „ethnic chic.MIC“, in denen vor allem Dekorationsartikel gezeigt wurden, getrost nur kurz streifen.

Zwischen all den Accessoires traten die Möbel bewusst in den Hintergrund. Sofas wurden zu schmückendem Beiwerk von Hockern und kleinen Tischleuchten. So stellte das finnische Traditionsunternehmen Artek im Rahmen der „now!“ nicht etwa seine komplette Möbelkollektion ins Zentrum, sondern präsentierte Tabletts, Kissen und Geschirrtücher, die mit dem 1954 von Alvar Aalto entworfenen Muster „Siena“ überzogen waren.

Auf den umgebenden Ständen in Halle 8, die laut Veranstalter aktuelle Entwicklungen im Design aufzeigen sollten, fühlte man sich so manches Mal auf einen bunten Flohmarkt versetzt. Die Besucher schlenderten durch ein Sammelsurium aus Kuriositäten und farbenfrohen Objekten mit Anspielungen auf antiquarische Formen und Muster.

Aus der Vielfalt der Präsentationen hob sich das Schweizer Label Punkt wohltuend hervor. Mit dem reduzierten Farbspektrum Rot, Weiß und Schwarz, und den klar gestalteten Produkten, die in ihrer Formgebung strikt der Funktion folgen, hat Jasper Morrison, der Art Director von Punkt, ein Designunternehmen geschaffen, dass mit dem Leitsatz „Ein Gerät, eine Funktion“ arbeitet. Das neueste Produkt „ES 01“ entstand aus der Zusammenarbeit von Morrison mit dem jungen kolumbianischen Gestalter Georges Moanack: Ein Mehrfachstecker, der gleichzeitig Kabeltrommel ist, und sich mit einem simplen Knopf ein- und ausschalten lässt. So soll „ES 01“ das clevere Management von Kabeln ermöglichen und gleichzeitig beim Stromsparen helfen.

Nicht zu übersehen waren auf der „Maison&Objet“ in diesem Herbst Kombinationen von Holz mit Porzellan, farbigem Glas und Edelmetallen wie Kupfer und Messing. Mit Holzgestell und textiler Sitzschale stach besonders der Stuhl „Chair“ als Neuheit hervor. Von Jaime Hayon für das dänische Label &Tradition gestaltet, konnte der Stuhl, nachdem er als Prototyp im April beim Salone del Mobile vorgestellt worden war, nun in Paris als fertiges Produkt bewundert werden.

Das dänische Unternehmen Vipp, bekannt für seinen 1939 entworfenen Treteimer, zeigte erstmalig eine Keramikkollektion. In Kooperation mit der dänischen Designerin Annemette Kissow entwickelte Vipp ein siebenteiliges Frühstücks-Set aus handgefertigtem Porzellan mit glasierter Innenseite und von Hand wasserpolierter Oberfläche.

Porzellan war, neben Holz, eines der am häufigsten gezeigten Materialien der „now!“. Historische Dekors schmücken Geschirrserien, Goldornamente legen sich über klassische blau-weiße Keramik und werden vielfach durch das Vermischen unterschiedlichster Stilrichtungen neu interpretiert. Auch hier fühlte man sich nicht selten an einen Besuch auf Antiquitäten-Markt erinnert. Ob die diesjährige Herbstausgabe der „Maison&Objet“ auch die Ansprüche eher designaffiner Besucher zufrieden stellen konnte und wie sich die Messe weiterentwickeln wird, bleibt abzuwarten.

www.maison-objet.com

Die Leuchte „Halo“ der jungen dänischen Designerin Nina Bruun, Foto © Dimitrios Tsatsas, Stylepark
Wohnen mit Dekor
von Esther Schulze-Tsatsas
19.09.2012
Historisches Porzellan, neu interpretiert von Seletti, Foto © Dimitrios Tsatsas, Stylepark
Tischleuchte “Woody W01” von Goodbye Edison, Foto © Dimitrios Tsatsas, Stylepark
„Chair“ von Jaime Hayon für &Tradition, Foto © Dimitrios Tsatsas, Stylepark
Blau-weiße Keramik bei Flux, Foto © Dimitrios Tsatsas, Stylepark
Esche mit farbigem Gummi kombinierte Tomás Alonso für den Hersteller Praxis, Foto © Dimitrios Tsatsas, Stylepark
Jasper Morrison und Georges Moanack gestalteten das Produkt „ES 01“ für Punkt, Foto © Dimitrios Tsatsas, Stylepark
Richard Lampert präsentierte die Wanduhr “Alu Alu” in neuen Farben, Foto © Dimitrios Tsatsas, Stylepark
Moustache präsentierte die neue Spiegelserie “Side”, Foto © Dimitrios Tsatsas, Stylepark
“Mousse” von François Azambourg für Moustache, Foto © Dimitrios Tsatsas, Stylepark
Kork-Objekte von Antoine Phelouzat auf dem Stand der Galerie S. Bensimon, Foto © Dimitrios Tsatsas, Stylepark
Porzellan war eines der am häufigsten verwendeten Materialien, Foto © Dimitrios Tsatsas, Stylepark
Die neue Keramikkollektion von Vipp, Foto © Dimitrios Tsatsas, Stylepark
“Kontro 6000” und “Secto 4200” von Secto Design, Foto © Dimitrios Tsatsas, Stylepark
Der portugiesische Designer Marco Sousa Santos zeigte sein eigenes Label „branca-lisboa“, Foto © Dimitrios Tsatsas, Stylepark
„ES 01“ ist zugleich Mehrfachsteckdose und Kabeltrommel, Foto © Dimitrios Tsatsas, Stylepark
Das “Mayor Sofa” von Arne Jacobsen bei &Tradition, Foto © Dimitrios Tsatsas, Stylepark
Das von Alvar Aalto entworfene Muster „Siena“ schmückte bei Artek zahlreiche Accessoires, Foto © Dimitrios Tsatsas, Stylepark
Kerzenständer „abc“, Artek, Foto © Dimitrios Tsatsas, Stylepark
Die Halle 8 glich zum Teil ein Sammelsurium aus Kuriositäten, Foto © Dimitrios Tsatsas, Stylepark
Der italienische Hersteller Seletti kombinierte Geschirr unterschiedlichster Stilrichtungen, Foto © Dimitrios Tsatsas, Stylepark
Forestier präsentierte die „Mesh Cubic“ Serie von Arik Levy, Foto © Dimitrios Tsatsas, Stylepark
Accessoires aus Holz und Glas bei Slow Design, Foto © Dimitrios Tsatsas, Stylepark

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