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von 2143 Forward End
Alles wird grün: Selbstdarstellungen der Autoindustrie 2
von Thomas Wagner | 19. September 2009
Honda Beach Advertisement

Hauptsache grün - oder eben BlueMotion, BlueTec, EfficientDynamics, CleanEnergy oder driv-e. Auf diese Namen hört die Zukunft, darüber besteht kein Zweifel. In den Werbespots der Autohersteller hat sie längst begonnen. Wie nett sie daherkommt, wie beschwingt und heiter, man will es kaum glauben. Alles sauber und grün und natürlich.

Ob Honda für seinen neuen Hybrid „Insight" ein Strandleben mit Familie und Freunden beschwört oder eine kleine Geschichte von all den „Machern" (a little story all about doers) erzählt, bei der suggeriert wird, es komme nur darauf an, etwas zu tun, dann werde schon alles gut - die bunte und heile Welt der Zukunft ist nichts als der Traum unserer problembeladenen Gegenwart. Und weil alles so beruhigend klingt, sollen wir gleich alle „Doers", also Macher werden, die - wie könnte es anders sein - immer das Richtige tun. Denn merke: Wir alle können etwas tun. Reifendruck prüfen, langsam fahren, Sprit sparen - nur den Werbespot und den Kauf eines Autos von Honda sollen wir uns nicht sparen. Was das Machen im Lauf der Geschichte schon alles angerichtet hat, Schwamm drüber und grüne Farbe drauf.

Auf ähnliche Weise beschwört auch Toyota die Harmonie von Mensch, Natur und Maschine, damit alles blühe und wachse und grüne - wie die Fantasie der automobilen Zukunftsmacher.

Bei Volkswagen erfährt man stattdessen, dass die Gegenwart dunkel ist wie eine Nacht voller verlassener Tankstellen, an denen zwielichtige Gestalten Wache halten und nur darauf lauern, dass wir endlich Halt machen müssen. Aber keine Sorge, unser Polo säuft nicht, sondern läuft und läuft und läuft wie Weiland der Käfer. So einfach ist das mit der grünen Zukunft.

Ästhetisch betrachtet löst Audi die Aufgabe, sich auch im Bereich Energieeffizienz als fortschrittlich zu präsentieren, mit Bravour. In feinem Schwarzweiß gleiten statt Autos Glühbirnen und Leuchtstoffröhren durch die nächtliche Stadt. Wie schön sie doch strahlen, wie sie so dahinschweben. Da es um das Anpreisen einer Start-Stop-Einrichtung geht, verlöscht die Audi-Birne, wenn sie anhält - spart also Energie und Benzin.

Einige Haken hat die Sache aber doch. Glühbirnen sollen, ob das nun vernünftig ist oder nicht, in Europa verboten werden. Und so denkt man: Ist das jetzt eine Werbung für Glühbirnen? Oder wird das Auto auch bald verboten wie Lichtanmachen und Rauchen? Und war es nicht das Licht, das die Aufklärung pries und feierte, weil es uns den Weg aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit weisen sollte?

Honda "A little story about doers"
Toyota Prius
VW Tankstellen Werbespot
Audi
News & Stories › 2009 › September
Alles wird grün: Selbstdarstellungen der Autoindustrie 2
von Thomas Wagner | 19. September 2009
Für die Automobilwerbung ist die Zukunft längst Gegenwart: Alles wird grün, effizient und sparsam. Die Harmonie von Mensch, Natur und Maschine aber ist nur ein sonniges Märchen, und nur manchmal eine dunkle Nacht.
Hauptsache grün - oder eben BlueMotion, BlueTec, EfficientDynamics, CleanEnergy oder driv-e. Auf diese Namen hört die Zukunft, darüber besteht kein Zweifel. In den Werbespots der Autohersteller hat sie längst begonnen. Wie nett sie daherkommt, wie beschwingt und heiter, man will es kaum glauben. Alles sauber und grün und natürlich.

Ob Honda für seinen neuen Hybrid „Insight" ein Strandleben mit Familie und Freunden beschwört oder eine kleine Geschichte von all den „Machern" (a little story all about doers) erzählt, bei der suggeriert wird, es komme nur darauf an, etwas zu tun, dann werde schon alles gut - die bunte und heile Welt der Zukunft ist nichts als der Traum unserer problembeladenen Gegenwart. Und weil alles so beruhigend klingt, sollen wir gleich alle „Doers", also Macher werden, die - wie könnte es anders sein - immer das Richtige tun. Denn merke: Wir alle können etwas tun. Reifendruck prüfen, langsam fahren, Sprit sparen - nur den Werbespot und den Kauf eines Autos von Honda sollen wir uns nicht sparen. Was das Machen im Lauf der Geschichte schon alles angerichtet hat, Schwamm drüber und grüne Farbe drauf.

Auf ähnliche Weise beschwört auch Toyota die Harmonie von Mensch, Natur und Maschine, damit alles blühe und wachse und grüne - wie die Fantasie der automobilen Zukunftsmacher.

Bei Volkswagen erfährt man stattdessen, dass die Gegenwart dunkel ist wie eine Nacht voller verlassener Tankstellen, an denen zwielichtige Gestalten Wache halten und nur darauf lauern, dass wir endlich Halt machen müssen. Aber keine Sorge, unser Polo säuft nicht, sondern läuft und läuft und läuft wie Weiland der Käfer. So einfach ist das mit der grünen Zukunft.

Ästhetisch betrachtet löst Audi die Aufgabe, sich auch im Bereich Energieeffizienz als fortschrittlich zu präsentieren, mit Bravour. In feinem Schwarzweiß gleiten statt Autos Glühbirnen und Leuchtstoffröhren durch die nächtliche Stadt. Wie schön sie doch strahlen, wie sie so dahinschweben. Da es um das Anpreisen einer Start-Stop-Einrichtung geht, verlöscht die Audi-Birne, wenn sie anhält - spart also Energie und Benzin.

Einige Haken hat die Sache aber doch. Glühbirnen sollen, ob das nun vernünftig ist oder nicht, in Europa verboten werden. Und so denkt man: Ist das jetzt eine Werbung für Glühbirnen? Oder wird das Auto auch bald verboten wie Lichtanmachen und Rauchen? Und war es nicht das Licht, das die Aufklärung pries und feierte, weil es uns den Weg aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit weisen sollte?