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BIG auf dem Schulhof
von Ralf Wollheim | 30. Oktober 2013
Wie ein schlafender Riese: Die gewölbte Decke der Turnhalle erhebt sich in der Mitte des Schulhofes des Gammel Hellerup Gymnasiums. Foto © Jens Lindhe
BIG, Bjarke Ingels Group, ursprünglich aus Kopenhagen und mittlerweile auch in New York und China ansässig, überrascht beinahe wöchentlich mit Meldungen zu spektakulären Wettbewerbsbeiträgen und Projekten für Wolkenkratzer, Museen und Stadtentwicklungen in aller Welt. Dabei hat das Büro weniger eine konsistente Formensprache, sondern verblüfft immer wieder mit ungewöhnlichen Baukörpern und oft erstaunlichen Kombinationen grundverschiedener Bauaufgaben. In Kopenhagen haben die Architekten von BIG bereits ein schräg ansteigendes Parkhaus mit einer Einfamilienhaussiedlung obenauf gebaut sowie ein Wohnhochhaus mit einem Grundriss, der an eine Acht erinnert. Eine Müllverbrennungsanlage, auf die eine riesige Skipiste draufgesetzt werden sollte, wird wohl trotz eines ersten Preises im Wettbewerb nicht gebaut.

Aber es geht auch eine Nummer kleiner. Diesen Sommer hat BIG in der kleinen Gemeinde Hellerup im Großraum Kopenhagen eine Turnhalle aus Platzgründen unter dem Hof einer Schule aus den 1950er Jahren untergebracht und dabei das Dach in einen begehbaren hölzernen Hügel verwandelt. Die drei bestehenden Backsteingebäude mit Satteldach, die den Hof umfassen, fallen mit ihren zwei und drei Geschossen zwischen den Villen und Einfamilienhäusern des gediegenen Vororts nicht weiter auf. Bjarke Ingels, der dort zur Schule ging, lobt aber dennoch den menschlichen Maßstab und die Qualität der Altbauten, die er erweiterte. Dafür erhielt die Schule einen neuen Eingang, der mit seinem wellenförmigen, begrünten Dach schon auf die Form der Halle verweist. Er führt direkt in die Mensa und weiter in die fünf Meter unter dem Hof liegende Halle, die auch für andere Veranstaltungen wie zum Beispiel Abschlussbälle genutzt werden soll. Die elegant geschwungene Decke lässt die recht knapp bemessene Halle großzügig und weit erscheinen, wobei das mittlere Feld der Dreifach-Halle deutlich höher ausfällt. Für Ingels wurden hier die Parabeln seines Mathematikunterrichts mit der Holzbinderkonstruktion umgesetzt und die unterschiedlichen Flugbahnen von Hand- und Basketball in Architektur übertragen. Bei aller Eleganz der Halle, sind ein paar Details dann doch etwas grob geraten. Die Beleuchtung funktioniert nur in der Längsrichtung gut, wenn die Neonröhren optisch zwischen den Holzbindern verschwinden und nicht blenden. Und die Betonwände sehen zwar als Materialkontrast zum vielfach verwendeten Holz sehr gut aus, aber als Sportler möchte man keine nähere Bekanntschaft mit ihnen machen.

Die Wölbung der Decke bildet oberirdisch einen begehbaren Hügel, der von den Schülern und Besuchern gerne erobert wird. Technische Probleme mit dem Untergrund führten dazu, dass der Holzbau nicht direkt aus dem Boden heraus „wächst“, sondern auf einem circa 50 Zentimeter hohen Podest ruht. Darunter liegende Oberlichter versorgen die Halle zumindest am Rande mit Tageslicht. Dieses Podest wird von den Schülern gerne als eine umlaufende Sitzbank genutzt, wie verschiedene Sitzformationen aus weiß emailliertem Stahl auf dem Hügel auch. Sie sind allerdings weniger für die Pausen gedacht, vielmehr für Unterricht im Freien, denn bei aller spielerischen Leichtigkeit der Architektur ist es immer noch ein Schulhof. So hat BIG mit einem zusätzlichen Gebäude den Freiraum aufgewertet und kommunikativer gestaltet. Und die mal wieder verblüffende Verbindung zweier unterschiedlicher Funktionen kommt ohne Effekthascherei ganz leise und selbstverständlich daher.

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Die digital gereinigte Stadt: BIG nimmt am Audi Urban Future Award 2010 teil
(11. September 2010)
Spielerisch, ohne Effekthascherei kommt der Neubau daher. Foto © Jens Lindhe
Schule unterm freien Himmel, die Sitzgelegenheiten auf dem Turnhallendach machen’s möglich. Foto © Jens Lindhe
Wie eine perfekte Welle… Foto © Jens Lindhe
…auch untendrunter. Foto © Jens Lindhe
Stumme Statisten auf einem Hügel, angeleuchtet von LEDs. Foto © Jens Lindhe
Multifunktional, überraschend, BIG. Foto © Jens Lindhe
Bjarke Ingels ging hier selbst einmal zur Schule. Foto © Jens Lindhe
Fünf Meter tief liegt die Halle unter der Erdoberfläche. Foto © Bjarke Ingels Group
Für Ingels wurden hier die Parabeln seines Mathematikunterrichts mit der Holzbinderkonstruktion umgesetzt. Foto © Bjarke Ingels Group
Architektur › 2013 › Oktober
BIG auf dem Schulhof
von Ralf Wollheim | 30. Oktober 2013
Die Bjarke Ingels Group – wenig bescheiden BIG abgekürzt – beherrscht auch das kleine Format. Für eine Schule in Hellerup bei Kopenhagen versenkten die Architekten eine neue Turnhalle unter dem Schulhof und schufen so eine begehbare Riesenskulptur.
BIG, Bjarke Ingels Group, ursprünglich aus Kopenhagen und mittlerweile auch in New York und China ansässig, überrascht beinahe wöchentlich mit Meldungen zu spektakulären Wettbewerbsbeiträgen und Projekten für Wolkenkratzer, Museen und Stadtentwicklungen in aller Welt. Dabei hat das Büro weniger eine konsistente Formensprache, sondern verblüfft immer wieder mit ungewöhnlichen Baukörpern und oft erstaunlichen Kombinationen grundverschiedener Bauaufgaben. In Kopenhagen haben die Architekten von BIG bereits ein schräg ansteigendes Parkhaus mit einer Einfamilienhaussiedlung obenauf gebaut sowie ein Wohnhochhaus mit einem Grundriss, der an eine Acht erinnert. Eine Müllverbrennungsanlage, auf die eine riesige Skipiste draufgesetzt werden sollte, wird wohl trotz eines ersten Preises im Wettbewerb nicht gebaut.

Aber es geht auch eine Nummer kleiner. Diesen Sommer hat BIG in der kleinen Gemeinde Hellerup im Großraum Kopenhagen eine Turnhalle aus Platzgründen unter dem Hof einer Schule aus den 1950er Jahren untergebracht und dabei das Dach in einen begehbaren hölzernen Hügel verwandelt. Die drei bestehenden Backsteingebäude mit Satteldach, die den Hof umfassen, fallen mit ihren zwei und drei Geschossen zwischen den Villen und Einfamilienhäusern des gediegenen Vororts nicht weiter auf. Bjarke Ingels, der dort zur Schule ging, lobt aber dennoch den menschlichen Maßstab und die Qualität der Altbauten, die er erweiterte. Dafür erhielt die Schule einen neuen Eingang, der mit seinem wellenförmigen, begrünten Dach schon auf die Form der Halle verweist. Er führt direkt in die Mensa und weiter in die fünf Meter unter dem Hof liegende Halle, die auch für andere Veranstaltungen wie zum Beispiel Abschlussbälle genutzt werden soll. Die elegant geschwungene Decke lässt die recht knapp bemessene Halle großzügig und weit erscheinen, wobei das mittlere Feld der Dreifach-Halle deutlich höher ausfällt. Für Ingels wurden hier die Parabeln seines Mathematikunterrichts mit der Holzbinderkonstruktion umgesetzt und die unterschiedlichen Flugbahnen von Hand- und Basketball in Architektur übertragen. Bei aller Eleganz der Halle, sind ein paar Details dann doch etwas grob geraten. Die Beleuchtung funktioniert nur in der Längsrichtung gut, wenn die Neonröhren optisch zwischen den Holzbindern verschwinden und nicht blenden. Und die Betonwände sehen zwar als Materialkontrast zum vielfach verwendeten Holz sehr gut aus, aber als Sportler möchte man keine nähere Bekanntschaft mit ihnen machen.

Die Wölbung der Decke bildet oberirdisch einen begehbaren Hügel, der von den Schülern und Besuchern gerne erobert wird. Technische Probleme mit dem Untergrund führten dazu, dass der Holzbau nicht direkt aus dem Boden heraus „wächst“, sondern auf einem circa 50 Zentimeter hohen Podest ruht. Darunter liegende Oberlichter versorgen die Halle zumindest am Rande mit Tageslicht. Dieses Podest wird von den Schülern gerne als eine umlaufende Sitzbank genutzt, wie verschiedene Sitzformationen aus weiß emailliertem Stahl auf dem Hügel auch. Sie sind allerdings weniger für die Pausen gedacht, vielmehr für Unterricht im Freien, denn bei aller spielerischen Leichtigkeit der Architektur ist es immer noch ein Schulhof. So hat BIG mit einem zusätzlichen Gebäude den Freiraum aufgewertet und kommunikativer gestaltet. Und die mal wieder verblüffende Verbindung zweier unterschiedlicher Funktionen kommt ohne Effekthascherei ganz leise und selbstverständlich daher.

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Frische Brisen aus dem Norden: Auf der Möbelmesse in Stockholm ließ sich beobachten, wie versucht wird, skandinavisches Design neu zu bestimmen.
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