transparent_layer
db-images/cms/banner/img/l1_v369373_958_728_90-1.jpg
Blättern: First Back
von 2139 Forward End
Der Blick vom Strip
von Markus Frenzl | 26. April 2009
Zehn Tage hatten Robert Venturi und Denise Scott Brown 1968 gemeinsam mit Architekturstudenten der Yale University in Las Vegas verbracht, hatten die Wüstenstadt erkundet und fotografiert, die innerhalb weniger Jahrzehnte aus dem Nichts emporgeschossen war. Was die Architekten als Ergebnis ihrer Forschungsarbeit 1972 in Buchform vorstellten, sollte zu einer der provokativsten und einflussreichsten Beiträge der Architekturtheorie werden: „Learning from Las Vegas" bezog das Hässliche und Kommerzielle, das Alltägliche und Banale in die Architekturdebatte ein. Die Studie erforschte die Komplexität und Zeichenhaftigkeit des Stadtraums, der nicht den Ansprüchen gehobener Architektur genügen wollte, sondern ganz auf die Anforderungen motorisierter Stadtbewohner und amüsierwilliger Besucher, auf Präsenz, Werbung, Showeffekt und ausreichend Parkplatz ausgerichtet war. Sie analysierte eine Geschäftsstadt, die keinen zentralen Stadtkern hatte, sondern sich dem durchfahrenden Betrachter vom „Strip" aus erschloss, auf den sich Billboards und Neon-Reklamen ausrichteten.

Für das Museum im Bellpark im schweizerischen Kriens öffneten Venturi und Scott Brown erstmals ihr Archiv der Fotografien, die als Basis ihrer Thesen dienten. Die Kuratoren Hilar Stadler und Martino Stierli unterzogen das Bildarchiv einer „Relecture" und erstellten eine charakteristische Auswahl, die öffentlich erstmals in Kriens und nun auch im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt (DAM) zu sehen ist. Die Fotos erlauben einen unbekannten Blick auf den Moment „vor der Thesenbildung" und lassen die Studie gleichzeitig zur charmanten Historie werden: Zum Teil verschossen oder in zeittypischer Farbigkeit bilden sie eine Sechzigerjahrewelt ab, in der sich noch chromglitzernde Buicks und Männer mit schmal geschnittenen Anzügen tummeln, wo sich Leuchtzeichen noch vor dem Hintergrund der Berge wahrnehmen lassen, wo eben erst die Fundamente einer glamourösen Kunstwelt errichtet werden. Die wunderbar ausgewählten Fotografien und ergänzende Entwurfszeichnungen aus dem Bestand des DAM geben einem Werk, das jeder Architekturstudent als Theorie-Pflichtlektüre kennt, eine neue Anschaulichkeit. Als eigenständige „fotografische Sensationen" lassen die Bilder den Betrachter die unkonventionelle Herangehensweise, den Spaß und die Unbekümmertheit der damals Beteiligten erahnen, durch die „Learning from Las Vegas" wohl erst zur Provokation in der Architekturdebatte werden konnte. Wer die Ausstellung deshalb eher als Kunstausstellung denn als Architekturausstellung begreift - wie es ein Frankfurter Stadtmagazin tat -, der hat laut Kurator Hilar Stadler den Ansatz der Ausstellungsmacher eigentlich richtig erkannt.

„Las Vegas Studio - Bilder aus dem Archiv von Robert Venturi und Denise Scott Brown", bis 21. Juni 2009
Deutsches Architekturmuseum
Schaumainkai 43, 60596 Frankfurt am Main
www.dam-online.de

Eine Rezension des Ausstellungskataloges durch Claus Richter finden Sie hier.
Römischer Legionär, Caesars Palace Hotel und Casino, Las Vegas, 1968 Alle Fotos: © Venturi, Scott Brown and Associates Inc., Philadelphia
Las Vegas Strip, 1966
Las Vegas Strip, 1966
Stardust Hotel und Casino, Las Vegas, 1968
Strip von der Wüste gesehen, im Vordergrund Denise Scott Brown, 1966; Fotografie: Robert Venturi
Four Queens Casino, Las Vegas, 1968
News & Stories › 2009 › April
Der Blick vom Strip
von Markus Frenzl | 26. April 2009
Für das Museum im Bellpark im schweizerischen Kriens öffneten Robert Venturi und Denise Scott Brown erstmals ihr Bildarchiv. Eine Auswahl an Fotografien, die als Grundlage ihrer Thesen für „Learning from Las Vegas" dienten, sind nun im Deutschen Architekturmuseum zu sehen.
Zehn Tage hatten Robert Venturi und Denise Scott Brown 1968 gemeinsam mit Architekturstudenten der Yale University in Las Vegas verbracht, hatten die Wüstenstadt erkundet und fotografiert, die innerhalb weniger Jahrzehnte aus dem Nichts emporgeschossen war. Was die Architekten als Ergebnis ihrer Forschungsarbeit 1972 in Buchform vorstellten, sollte zu einer der provokativsten und einflussreichsten Beiträge der Architekturtheorie werden: „Learning from Las Vegas" bezog das Hässliche und Kommerzielle, das Alltägliche und Banale in die Architekturdebatte ein. Die Studie erforschte die Komplexität und Zeichenhaftigkeit des Stadtraums, der nicht den Ansprüchen gehobener Architektur genügen wollte, sondern ganz auf die Anforderungen motorisierter Stadtbewohner und amüsierwilliger Besucher, auf Präsenz, Werbung, Showeffekt und ausreichend Parkplatz ausgerichtet war. Sie analysierte eine Geschäftsstadt, die keinen zentralen Stadtkern hatte, sondern sich dem durchfahrenden Betrachter vom „Strip" aus erschloss, auf den sich Billboards und Neon-Reklamen ausrichteten.

Für das Museum im Bellpark im schweizerischen Kriens öffneten Venturi und Scott Brown erstmals ihr Archiv der Fotografien, die als Basis ihrer Thesen dienten. Die Kuratoren Hilar Stadler und Martino Stierli unterzogen das Bildarchiv einer „Relecture" und erstellten eine charakteristische Auswahl, die öffentlich erstmals in Kriens und nun auch im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt (DAM) zu sehen ist. Die Fotos erlauben einen unbekannten Blick auf den Moment „vor der Thesenbildung" und lassen die Studie gleichzeitig zur charmanten Historie werden: Zum Teil verschossen oder in zeittypischer Farbigkeit bilden sie eine Sechzigerjahrewelt ab, in der sich noch chromglitzernde Buicks und Männer mit schmal geschnittenen Anzügen tummeln, wo sich Leuchtzeichen noch vor dem Hintergrund der Berge wahrnehmen lassen, wo eben erst die Fundamente einer glamourösen Kunstwelt errichtet werden. Die wunderbar ausgewählten Fotografien und ergänzende Entwurfszeichnungen aus dem Bestand des DAM geben einem Werk, das jeder Architekturstudent als Theorie-Pflichtlektüre kennt, eine neue Anschaulichkeit. Als eigenständige „fotografische Sensationen" lassen die Bilder den Betrachter die unkonventionelle Herangehensweise, den Spaß und die Unbekümmertheit der damals Beteiligten erahnen, durch die „Learning from Las Vegas" wohl erst zur Provokation in der Architekturdebatte werden konnte. Wer die Ausstellung deshalb eher als Kunstausstellung denn als Architekturausstellung begreift - wie es ein Frankfurter Stadtmagazin tat -, der hat laut Kurator Hilar Stadler den Ansatz der Ausstellungsmacher eigentlich richtig erkannt.

„Las Vegas Studio - Bilder aus dem Archiv von Robert Venturi und Denise Scott Brown", bis 21. Juni 2009
Deutsches Architekturmuseum
Schaumainkai 43, 60596 Frankfurt am Main
www.dam-online.de

Eine Rezension des Ausstellungskataloges durch Claus Richter finden Sie hier.