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Der Rundgang in Weimar
von Nancy Jehmlich | 15. Juli 2008
Seit der Gründung des Bauhauses 1919 in Weimar ist die Beziehung zwischen der Stadt und der Hochschule nicht immer frei von Konflikten. Es fing mit dem Bau des Hauptgebäudes an, das am Stadtrand, und nicht wie üblich in der Stadt errichtet wurde, ging mit dem Wegzug der Schule nach Dessau 1924 weiter und setzt sich bis heute mit gelegentlichen, kleinbürgerlichen Auseinandersetzungen fort.

„Summary“ heißt das immer am Ende des Sommersemesters stattfindene Ereignis der Bauhaus Universität Weimar, das die Ergebnisse seiner vier Fakultäten vorstellt. Die „Werkschau“ der Architekten, die „Bautour“ der Bauingenieure, der „Mediengang“ der Medienleute und der „Rundgang“ der Gestalter. „Summary“ ist nicht nur ein städtisches Großereignis, denn „Weimar ist eigentlich eine Uni, in der eine Stadt liegt“, wie Rektor Gerd Zimmermann sagte, sondern auch der Versuch, die Einwohner Weimars einzuladen, sich mit den Arbeiten der Studierenden zu befassen und vielleicht sogar für sie zu begeistern.

Anlaufstelle für Informationsmaterial, um den eigenen Besuch des viertägigen Unternehmens „Rundgang“ zu organisieren, war der Kiosk K67 vor dem Hauptgebäude. Die poppige Bude, multifunktional einsetzbar, erlebt gerade seine Renaissance. 1967 von dem slowenischen Architekten Sasa Mächtig entworfen, wurde sie in die Sammlung „Design des 20. Jahrhunderts“ des Museum of Modern Art in New York aufgenommen und gehört seit über einem Jahr mit ständig wechselnder Nutzung der Bauhaus Universität.

Die fast sechzig Ausstellungen der Studiengänge Freie Kunst, Produkt-Design, Lehramt Kunsterziehung, Visuelle Kommunikation und Public Arts verstreuten sich über die gesamte Stadt. Die Ausstellung „Bambus“ zeigte ökologisch und pädagogisch unbedenkliche Lösungen für Spielgeräte. Die Studenten weilten für einige Wochen in der chinesischen Metropole Ningbo und ließen sich vom Ort und Material Bambus für ihre Arbeiten inspirieren. Das Projekt „Balkonien“ befasste sich mit Produktideen für alle möglichen Aktivitäten auf dem Balkon, wobei sich in der Praxis jedoch heraus stellte, dass die Meister der Balkonnutzung, die Deutschen, ihr Metier schon recht gut beherrschen und die Möglichkeiten wirklich Neues und Praktikables zu bieten gering sind. Bei „IMM09-P“ bereiten sich die Studenten auf die Kölner Möbelmesse im nächsten Jahr vor und präsentieren ihre Ideen, teilweise provisorisch in Arbeitsmodellen, teilweise schon fast produktionsreif als Prototypen. Besonders auffällig waren die Experimente mit Holz bei der Arbeit „cut.chemist“. Dabei wurde Schichtholz an den Seiten unterschiedlich dick eingeschnitten, so dass sich das Holzstück in eine Richtung biegen ließ. Die Gestalter entwickelten mit dieser Methode eine Stehleuchte und ein Hocker. In der Ausstellung „Dizzy Daisy Downtown“ wurde eine 12tägige Krakaureise verarbeitet und unter anderem „8 polnische Hochzeitsgeschichten“ erzählt. Drei unverheiratete Mädchen forderten das Schicksal heraus, das prophezeit, wer vor der Verlobung ein Hochzeitskleid anprobiert, wird nie heiraten. Die Anprobe der Kleider wurde fotografisch dokumentiert und in barocken Bilderrahmen festgehalten. „The Human Polaroid“ von Robert Verch ist ein umgebauter Rollstuhl, auf dem man unter einer Kabine sitzt, mit einer Handbewegung ein kleines Fenster öffnet, wieder schließt und diesen kurzen eingefangenen Blick auf Papier skizziert.

Jeder Rundgang kennzeichnet ein besonderes Element. Für mich waren es dieses Jahr die weißen Luftkissen aus beschichteten Kunststoffgewebe, die den Weg weisten, Ausstellungen und Projekte vorstellten, zum Setzen einluden und dank Wasserbälle im Inneren nicht wegflogen.
Kiosk K-67