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Die Marke im Keller
von Thomas Edelmann | 11. April 2013
Was bullig warm sein soll, leuchtet in sattem Rot, kühlende Rückläufe und Speicher erstrahlen in tiefem Blau. Die Funktionsbilder der Heizungsindustrie wecken Vertrauen. In den Hallen 8 und 9 der ISH geht es um nicht mehr und nicht weniger als um die Rettung der Welt, in Deutschland auch Energiewende genannt. Zu sehen sind technische Schaubilder mit starken Farben. Pfeile stellen Beziehungen dar: Hier Ursache, dort Wirkung. Die Welt ist einfach, wenn man es nur will. Allerdings sind Politiker hier nicht die Gestalter – oder doch nur über Subventionen und Zuschüsse, die es für bestimmte Techniken derzeit in Deutschland gibt. Die Politik, so scheint es, hat sich derzeit vollends im Gestrüpp alter und neuer Lobbyisten verheddert. Was passiert mit der Einspeisevergütung für nachhaltige Energien? Finanzieren Bürger künftig Stromautobahnen? Investieren sie in lokale Nahversorgung? Wird die Stromsteuer gesenkt? Gibt es künftig mehr oder weniger Ausnahmen von der Ökosteuer? Ist „Fracking“ Umweltvergiftung oder nicht? An den wirklichen Gestaltungsaufgaben in Hinblick auf alles, was die Energie betrifft, hat sich die Politik festgefressen. Eine Perspektive, eine Veränderung – in welche Richtung auch immer – scheint nicht in Sicht.

Technik für den Keller

Die Anbieter von Heiz-, Wärme- und Lüftungstechnik und solaren Systemen stört das kaum. Produktentwickler und Marketing-Experten haben viel neues Technik-Equipment für Keller und Heizkraftwerk entwickelt, nicht alles ist schon serienreif. Brennstoffzellen, zum Betrieb von militärischen U-Booten längst im Einsatz, warten in Keller und unter der Motorhaube wohl noch etwas länger auf ihren Serienbetrieb. Noch ist die Technik zu teuer. Buderus und Viessmann zeigen dennoch erste Geräte für Feldversuche. Beeindruckend und sehr real sind die großen Heißdampf-Erzeuger für die gewerbliche Nutzung die zeigen, dass Energiesparen keineswegs allein die dezentrale Wärmeversorgung betrifft. Die Botschaft lautet: Alles wird gut, die Technik ist da, in jeder Größe, für jede Aufgabe, in jeder erwünschten Konfiguration und Komplexität. Vom haushohen Blockheizkraftwerk über den Eisspeicher, der je nach Jahreszeit im Zusammenspiel mit einer Wärmepumpe zur Aufnahme von Erdwärme oder zur Kühlung des Hauses dient.

Nach den Heizungsbauern und Installateuren, die sich auf der Messe mit neuen Produkten vertraut machen, sollen nun auch Häuslebauer und Wohnungsbau-Gesellschaften verstärkt in neue Technik investieren. Denn es gibt einen Sanierungsstau in deutschen Heizungskellern, im Eigenheim wie in der Großsiedlung.
Das Stichwort der diesjährigen Messe lautet „Kombination“, in der Autoindustrie als Hybrid-Antrieb bekannt. So bietet Viessmann von September an eine neue Gas-Absorptionswärmepumpe. Voraussetzung für den Einsatz ist eine Bohrung in geringer Tiefe für eine Erdwärmesonde. Sie wird mit dem hermetisch geschlossenen Wärmepumpenmodul mit Zeolith verbunden. Eine baulich integrierte Gas-Brennwert-Wärmezelle liefert 4,8 bis 10 kW. Auch mit solarer Trinkwassererwärmung lässt sich das System kombinieren und soll 25 Prozent weniger Gas verbrauchen als herkömmliche Brennwertthermen.

Autark werden?

Ein anderes, ebenfalls ab Herbst lieferbares Modell kombiniert einen Stirling-Motor als Stromgenerator, einen Heizwasser-Pufferspeicher mit einer Gas-Brennwerttherme für Spitzenlasten. Die so zusammengefügte Mikro-Kraft-Wärmekopplung deckt den Wärmebedarf und produziert gleichzeitig Strom. Allerdings: Wird im Sommer weder Heizwärme noch warmes Wasser benötigt, wird auch kein Strom produziert und die Laufzeiten der Anlage, die für die Wirtschaftlichkeit relevant sind, verringern sich.
Die doppelte Brennertechnik macht die Geräte selten billiger. Die Kombination, die sich auch auf den Einsatz solarer Strom- und Wärmegewinnung sowie neue Speichertechniken bezieht, soll dem Kunden aber ein wenig das Gefühl der Autarkie vermitteln. Denn angesichts politischer Unsicherheiten propagieren immer mehr Hersteller, den erzeugten Strom einer Kraft-Wärme-Kopplung auch selbst zu verbrauchen – und die eigenen Verbrauchsgewohnheiten darauf einzustellen. Zusätzliche Regelungstechnik, teilweise per Smartphone-App, macht es möglich.

Designkompetenz als Farbenspiel

Vergleichsweise unauffällig und von größerer Schalt- und Regeltechnik umgeben, feierten die sachlich-ruhigen neuen Kamineinsätze von Buderus Premiere, die der Designer Stefan Diez gestaltet hat.
Design als Markenelement ist allseits präsent, allerdings mit großen Qualitätsunterschieden. Viessmann steht in Sachen Designkompetenz unangefochten an der Spitze. Präsentationen, Firmenschriften, Produkte sowie die Dramaturgie des Standes folgen klaren Regeln, die seit langem wirksam sind. Stankowski+Duschek entwickelten bereits in den 1960er Jahren erste Elemente des Corporate Design, das bis heute weiterentwickelt wird. Trotz einer Bandbreite an Produkten bleibt eine durchgehende Qualität erkennbar. Viele der Produkte werden klar und überzeugend von Phoenix Design gestaltet.
Was die Konsequenz des Designmanagements und des Markenauftritts angeht, folgt Vaillant direkt auf Viessmann. Die Marke gibt sich weniger technisch-ingeniös, sondern eher häuslich. Ein etwas geschmäcklerischer Schwung an den Gehäusefronten sorgt für Wiedererkennbarkeit.
Buderus, inzwischen zur Robert Bosch-Gruppe gehörend, liefert derzeit ein weitaus diffuseres Bild. Die Marke, die einst mit durchgehendem Blau vieler Geräte auffiel, setzt nun neue Akzente, wobei neue und alte Geräte nebeneinander stehen, was ein unruhiges Markenbild vermittelt. Am Stand dominieren stattdessen riesige Logos in App-Ästhetik. Vollends konfus präsentieren sich manche Firmen, die unter dem Dach der europäischen BDR Thermera-Gruppe segeln. Wer sich nicht wie Senertec oder DeDietrich Remeha mit eindeutigen Farbcodes relativ brachial in Erinnerung ruft, geht wie die Traditionsfirma Brötje in gestalterischer Nachlässigkeit und Beliebigkeit unter. Und das trotz innovativer Technik.

Dänischer Ehrgeiz

Ein Problem, dass es so in Dänemark bald nicht mehr geben wird. Das Kerngebiet des Staates entspricht der Fläche Niedersachsens, bei einer Bevölkerungsdichte von 129 Einwohnern pro Quadratkilometer. Gerade haben die Dänen, ganz ohne öffentliche Aufregung beschlossen, in künftigen Neubauten die Installation von Gas- und Ölheizungen zu verbieten. Die neue politische Linie ist auf Konsens angelegt, alle Parteien bis auf die Liberale Allianz unterstützen das so genannte „Energieabkommen“. Gezielt, im Umfang aber für alle kalkulierbar, werden dort die Heizkosten bis 2020 mit Hilfe einer „Versorgungssicherheitsgebühr“ erhöht. Von 2020 an sollen 35 Prozent des dänischen Energieverbrauchs aus erneuerbaren Quellen stammen, bis 2050 sollen es hundert Prozent sein. Besonders verbreitet ist in Dänemark die Fernwärme, die Hälfte aller Gebäude wird damit versorgt. Nur wer nicht an das Fernwärme-Netz angeschlossen ist, darf weiterhin Kohle- oder Gasheizungen betreiben. Wie sie das wohl bewerkstelligen, die Dänen? Kaum auszudenken, unsere Politiker würden sich auf ähnliche Konzepte verständigen.

Die sachlich-ruhigen neuen Kamineinsätze von Buderus Premiere, die der Designer Stefan Diez gestaltet hat, Foto © Thomas Edelmann
Das technische Innenleben des Vaillant ecoTEC, Foto © Thomas Edelmann
Vaillant gibt sich weniger technisch-ingeniös, sondern eher häuslich. Foto © Thomas Edelmann
Überschussstrom im Gasnetz speichern bei Viessmann, Foto © Thomas Edelmann
Heitzeinsatz auf dem Stand von Buderus, Foto © Thomas Edelmann
Was bullig warm sein soll, leuchtet in sattem Rot, wie der Weishaupt Brenner auf der ISH. Foto © Thomas Edelmann
Technische Schaubilder mit starken Farben von Stiebel Eltron, Foto © Thomas Edelmann
Die Brennstoffzelle von Buderus, Foto © Thomas Edelmann
Viessmann präsentiert verschiedene Brennstoffzellen auf der ISH. Foto © Thomas Edelmann
„Wärmen mit Eis" mit Viessmanns Eisspeicher, Foto © Thomas Edelmann
Die Traditionsfirma Brötje geht in gestalterischer Nachlässigkeit und Beliebigkeit unter. Foto © Thomas Edelmann